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Eistaucher hatte eine Idee. — Wir haben ihnen bei unserer Flucht Schneeschuhe gestohlen und die restlichen zerstört. Die könnten wir ihnen zurückgeben, aber bessere.

— Bessere?

— Ich kann Schneeschuhe machen, die besser sind als ihre, und die können wir ihnen dann geben.

Dorn nickte nachdenklich. — So etwas gefällt den Jahreszählern. Wir sagen ihnen, dass wir den Nordleuten dafür verzeihen, dass sie Elga geraubt haben, weshalb sie uns das verzeihen müssen, was wir ihnen angetan haben, als wir euch beide da rausgeholt haben. Wir geben die Schneeschuhe zurück, die wir ihnen weggenommen haben, und es werden sogar bessere sein. Und dann wird die Sache entweder erledigt sein, oder wir bekämpfen sie auf den Tod. Und die Jahreszähler mögen es nicht, wenn auf dem Acht-Acht gekämpft wird.

Schiefer sagte: — Klingt gut. Niemand will, dass die Nordleute sich einbilden, sie könnten die Jahreszähler herumschubsen. Vielleicht funktioniert es. Jedenfalls müssen wir zurück.

Von da an hielt Eistaucher bei der herbstlichen Nahrungssuche nach Holz Ausschau, das sich zu Schneeschuhen verarbeiten ließ. Sie hatten vier Paar gestohlen, also wollte er auch so viele machen. Die Erinnerung daran, wie viele mehr er zerbrochen hatte, verdrängte er. Die von ihm angefertigten Schneeschuhe würden besser sein als die der Jende. Er hatte schon früher manchmal darüber nachgedacht, während er durch den Schnee am großen Salzmeer gestapft war und den Schlitten der Jende hinter sich hergezogen hatte. Sie mussten ihre Schneeschuhe aus den knorrigen kleinen Kiefern machen, die in den nahen Schluchten wuchsen, und aus den dann und wann angeschwemmten Treibholzstücken. Kleine Bäume bedeuteten kurze Stöcke, weshalb die Schneeschuhe der Jende aus zusammengebundenen Einzelteilen bestanden. Doch hier unter der südlichen Sonne waren die Bäume viel größer und vielfältiger und lieferten alle möglichen verwendbaren Holzsorten.

Inzwischen hatte Eistaucher auch ein Bild vor Augen, das er auf einen flachen Stein malte. Er war sich ziemlich sicher, dass es bei einem Schneeschuh am wichtigsten war, ihn gut am Fuß zu befestigen und dabei den Rahmen trotzdem noch locker genug zu lassen, dass er sich unter dem Fußballen abrollen konnte. Die beiden Eigenschaften widersprachen sich eigentlich, und die Jende hatten das Problem gelöst, indem sie ihre hohen Stiefel auf Kreuze aus Mammutstoßzahn geschnallt hatten, die direkt hinter dem Loch für die Stiefelspitze auf dem Schuh auflagen, sodass die Spitze sich durch das Loch in den Schnee senken konnte, wenn man bergauf ging, während der Schneeschuh flach blieb, wenn man auf ebenem Gelände ausschritt. Auf flachem Schnee funktionierte diese Kreuzschnalle bestens und auch, wenn man einen Hang gerade hinauf- oder hinabstieg; aber wenn man schräg am Hang entlangging, drehte sich ein solcher Schneeschuh und rutschte weg, weshalb man angestrengt darauf achten musste, Fuß und Schneeschuh so flach wie möglich aufzusetzen. Schräg am Hang konnte das einfach nicht funktionieren, weshalb man immer wegrutschte, wobei leicht ein Gurt riss oder das Fußkreuz sich von dem gebogenen Rahmen löste. Ein kaputter Schneeschuh konnte einem den ganzen Tag verderben, hieß es; und trotzdem gingen die Schneeschuhe ziemlich oft kaputt.

Eistaucher war zu dem Schluss gelangt, dass man den Schneeschuh am besten unter dem Fuß befestigte, indem man eine Holzsohle an ein stabiles Kreuz hinter dem Loch für die Stiefelspitze schnürte und sie in Bärenleder einnähte, sodass sie einen festen Bestandteil des Schneeschuhs bildete. Dann setzte man den eigenen Stiefel auf die Holzsohle und band das Bärenleder darüber fest. So wurde der Fuß auf der Holzsohle stabilisiert, wodurch man sehr viel leichter schräg am Hang gehen konnte. Mit einem stabilen Rahmen aus einem einzigen, gekrümmten Ast aus Eschenholz und einem daran festgebundenen weiten Maschengitter aus Leder oder Kiefernwurzel würde er ein sehr haltbares Ergebnis erzielen. Mit Heide und Salbei konnte er sich darüber beraten, welche Knoten man am besten benutzte. Sehr nützlich würden auch vorne an die Holzsohle gebundene Geweihspitzen sein, weil sie einem beim Aufstieg mehr Halt geben würden, während sie, wenn die Sohle flach auflag, wie beispielsweise bei einer Rutschpartie, praktisch gar nicht durch das Loch reichen würden.

Er hatte ihn so genau vor Augen, dass er ihn mühelos malen konnte: den besten Schneeschuh aller Zeiten. Die Nordleute hatten einfach nicht das nötige Eschenholz, um ihn anzufertigen, selbst wenn sie plötzlich auf dieselbe Idee wie Eistaucher kamen, was wohl kaum passieren würde, da sie bis jetzt auch nicht darauf gekommen waren. Sie lebten auf einer Küstenebene, während Eistaucher aus den Hügeln kam; vielleicht war das die Erklärung dafür, vielleicht aber auch nicht. Wenn es jedenfalls so weit war und die Nordleute Eistauchers Schneeschuhe ausprobierten, dann würden sie erkennen, dass sie besser waren, und sie von nun an genauso machen. Zumindest war es möglich. Den Versuch war es wert.

Den ganzen Herbst und Winter über, während Dorn mit Knacks Geist zu kämpfen hatte und die anderen sich ihren Winterspeck zulegten, indem sie möglichst viel aßen und schliefen, verbrachte Eistaucher seine Zeit damit, im Lager an den Schneeschuhen zu arbeiten. Einige aus dem Lager begannen, sich für sein Treiben zu interessieren, weil die Schneeschuhe, auf denen sie bei weichem Schnee loszogen, bisher nicht besonders aufwendig gemacht waren. Doch in jenem Winter gab es viele Unwetter, und alle waren sich einig, dass sie bessere Schneeschuhe gut gebrauchen konnten.

Obwohl sich auch Dorn für die Sache interessierte, hatte er seine Zweifel. — Du musst darauf achten, dass sie etwas Spiel haben. Wenn sie zu starr sind, dann brechen sie unter Belastung, und dann stehst du ganz ohne Schneeschuhe da. Besser, nach und nach ein bisschen zu geben als alles auf einmal.

Eistaucher nickte. Es stimmte, dass sein Entwurf nur funktionieren würde, wenn das Fußkreuz sehr stabil und gut am Rahmen befestigt war und wenn die Holzsohle ihrerseits gut am Kreuz befestigt war. Das waren die Teile, die den stärksten Belastungen ausgesetzt sein würden, beim ganz normalen Gehen und umso mehr bei Hangwanderungen, Durchtritten und Rutschpartien. Also legte er die Schneeschuhe über zwei Felsen und sprang ein wenig auf ihnen herum, um festzustellen, wie viel sie aushielten. Sie machten sich ziemlich gut. Einige bekam er kaum kaputt, wie sehr er sich auch anstrengte, was sehr befriedigend war.

Heide interessierte sich für diese Versuche, weil ihr alle Arten von Tests gefielen. Sie beobachtete Eistaucher genau und sprang sogar einige Male selbst. — Versuch, es mal so und mal so zu machen, sagte sie, — und sieh erst einmal, wie gut sie halten, bevor du mehr anfertigst. Verschiedene Schuhformen, verschiedene Befestigungen und Knoten. Ob man wohl die Stelle verstärken könnte, an der die Fußstange in den Rahmen eingepasst ist? Vielleicht, indem man Fassungen aus Stoßzahn oder Geweih anbringt?

Eistaucher probierte Verschiedenes aus. In jenem Winter am Feuer, während der langen Nächte und stürmischen Tage, hatte man viel Zeit, so viel, dass man schwerlich nur schlafen konnte. Elga nähte neuer Kleider für ihn und Glückskind, und alles in allem brauchte man ihn nach Einbruch der Dunkelheit kaum. Also arbeitete er an den Schuhen. Schließlich räumte auch Dorn ein, dass die größere Baumvielfalt in ihrer Gegend, vor allem aber das Eschenholz und die schiere Anzahl und Größe der Bäume es ermöglichen sollten, bessere Schneeschuhe als die der Nordleute anzufertigen, und auch Verbesserungen am Bauplan der Schneeschuhe konnten nicht schaden. Ihnen etwas Besseres zu geben war eine hervorragende Wiedergutmachung, weil sie die Nordleute dadurch nicht nur entschädigen, sondern zugleich ein wenig demütigen konnten. Zweifellos würden sie beim Acht-Acht auf die eine oder andere Art mit den Nordleuten aneinandergeraten, da konnte es nicht schaden, ihnen einen Dämpfer zu verpassen. Derlei dumpfen Barbaren musste man sich von seiner stärksten Seite zeigen, erklärte Dorn, vor allem, wenn man einige von ihnen bereits wegen ihres üblen Benehmens gebrandmarkt hatte. — Aber sie dürfen nicht so starr sein, dass sie splittern, sagte er mehr als einmal. — Es macht nichts, wenn man auf einer Hangwanderung hin und wieder etwas wegrutscht, aber wenn einem der Schneeschuh splittert, ist das schlimm.