— Dieser Zwist ist beigelegt, verkündete er laut. — Es soll keinen Streit mehr darum geben, lasst euch das gesagt sein! Wer von jetzt an in dieser Sache den Frieden stört, wird für immer verbannt.
— Und Elga gehört zu uns, fügte Heide, die inmitten der Wölfe stand, laut hinzu.
— Ja, sagte der Sprecher und warf den Nordleuten dabei einen bedeutungsvollen Blick zu. — Die Frau Elga gehört zum Wolfsrudel. Lasst euch das alle gesagt sein!
Für einen kurzen Moment jubelte und johlte die Menge, dann verlief sie sich. Mindestens zwanzigzwanzig Leute standen mitten auf der Wiese, und sie alle wollten nun tauschen und tanzen. Sie waren froh, dass ein solches Feuer sich allein mit Worten löschen ließ. Alle wussten, dass im Kampf zwischen zwei Rudeln Leute verletzt oder sogar getötet wurden, worauf der Streit sich oft über Jahre hinweg fortsetzte. Das war nicht ungewöhnlich. Doch diesmal war es anders gekommen. Der Zwist würde ihnen für eine ganze Weile Gesprächsstoff liefern, was ebenfalls erfreulich war, aber vor allem war es nun an der Zeit, ihn hinter sich zu lassen und zu tanzen.
Von da an verlief das Acht-Acht wie immer. Das Rudel der Wölfe blieb dichter beisammen als sonst, und Eistaucher wich nie von Elgas Seite, die ihrerseits das Lager nicht verließ, wodurch das Fest für beide etwas getrübt wurde. Alle gingen den Jende aus dem Weg, und die Nordleute hielten sich vom Wolfslager fern. Niemand brach einen Kampf vom Zaun. Selbst die jungen Männer, die kämpfen wollten, wollten es nicht hier tun. Letztendlich zogen die Jende am übernächsten Morgen ab, ohne sich zu entschuldigen oder eine Entschuldigung entgegengenommen zu haben.
Es war also alles in Ordnung. Doch Heide zog eine finstere Miene, als Eistaucher das im Lager unter vier Augen zu ihr sagte.
— Wir haben bloß Glück gehabt, dass dein Schamane da war, sagte sie. — Er mag ein übler Kerl sein, aber er ist nicht so dumm wie Schiefer.
— Wie?
— Es war Schiefers Aufgabe, Frieden zu schließen, und stattdessen hat er Öl ins Feuer gegossen. Dorn musste sich einmischen, um die Lage zu retten. Über den Versuch, es Donner und Blauhäher gleichzutun, ist er dumm geworden, und es ist gefährlich, einen Dummkopf als Anführer zu haben. Er war noch nie eine besonders gute Wahl, und Steinbock ist noch dümmer. Und weil Falke ihn nervös macht, ist es bei ihm jetzt sogar noch schlimmer.
— Falke?
Heide starrte Eistaucher an. — Über diesem Rudel liegt ein Fluch, brummte sie in ihre rechte Hand hinein, während sie sich abwandte. — All seine Männer sind Dummköpfe. Alle außer dem Unaussprechlichen, und der ist unaussprechlich.
— Ich weiß nicht, was du meinst, sagte Eistaucher.
— Ich weiß.
Elga lachte darüber, wie anhänglich Eistaucher während des Fests war, fast wie Glückskind, und dann schlang sie sich und den beiden ein gestricktes Pferdehaartuch um die Hälse, als Zeichen ihrer Verbundenheit. Ein Teil von Eistaucher war ganz benommen vor Erleichterung, während sich ein anderer nach wie vor zu einer kleinen Kugel nervöser Erwartung zusammenballte, und die Mischung dieser beiden Gefühle ließ ihn taumeln wie einen Betrunkenen, obwohl er nichts von der Maische getrunken hatte. Von den prachtvollen Kleidern all der vielen Leute, die an ihrem Lager vorbeikamen, gingen ihnen die Augen über, und alles verschwamm wie in der Hitze über einem Feuer oder im Randbereich eines Traums. Beim großen Freudenfeuer in der achten Nacht beobachtete er die bunten Funkenschauer, die aus den Beuteln der Feuermeister hervorplatzten, blickte zu den Tänzern und zu den Sternen am Himmel, und es kam ihm vor, als ob alles aus bunten Flammenschlieren bestünde, die leuchtend von einem Moment in den nächsten flackerten. Er umfasste das Halstuch, das von seinem zu Elgas Hals reichte, spürte, wie sie ihn mal in die eine und mal in die andere Richtung zog, wie ein Kind, und er machte sich klar, dass dieses Gefühl bedeutete, dass er nicht träumte, weil er es dafür viel zu deutlich an seinem Hals spürte, unbestreitbar wirklich.
Am Morgen des letzten Tages gingen er, Elga und Glückskind an das breite, sandige Ufer des Flusses, der durch die Wiese floss und an dem mehrere Männer in der Sonne an ihren Vogelsichtbildern arbeiteten. Wie immer beteiligten sich vor allem alte Männer, und je mehr sie in ihrem Leben gewandert waren, desto besser waren sie darin und desto mehr interessierten sie sich dafür. Es war ein Spiel für Reisende. Eine Menge alter Männer und einige wenige alte Frauen, insgesamt vielleicht zwei Dutzend, spazierten zwischen denen umher, die selbst Vogelsichtbilder anfertigten, und sahen ihnen zu.
Die Bildner kauerten am Rand ihrer Darstellungen, standen auf Zehenspitzen und streckten sich weit vor, um den Sand so zu glätten und zu formen, wie eine Gegend ihrer Meinung nach von weit oben ausgesehen hätte, auf die Abmessungen ihres Bildes geschrumpft. Manchmal bildeten sie weite Landstriche nach, die vom Festgelände und der Rentiersteppe bis hin zu den Bergen im Süden und dem großen Salzmeer im Westen reichten. Andere wählten sich kleinere Bereiche. Es gab deutlich voneinander unterscheidbare Stile, so wie auch Wandmalereien entweder Dreistriche oder voll ausgearbeitet sein konnten: Manche Ansichten bestanden einfach nur aus weichem Sand, der mit Hand und Stock geformt wurde, sodass sich in ihnen gewissermaßen die nackte Haut des Landes zeigte; bei anderen kamen Mooskissen für die Wiesen zum Einsatz, Zweige als Bäume, in den Sand gesteckte Kieselsteine, die an das Glitzern von Wasser aus großer Höhe erinnerten, und sogar einige kleine Figuren von Tieren, Leuten oder Häusern, mit denen sonst die Kinder spielten. Einer hatte sogar Schnee aufgeschichtet, um die Eiskappen des Hochlands darzustellen, und in der Vogelsicht einer alten Frau war sogar der große Eiswall des Nordens zu sehen, hier nur knöchelhoch.
Es war seltsam, diese winzigen Welten zu sehen, als wäre man ein Adler am höchsten Punkt seines Flugs, und einige der ausgeschmückteren Ansichten waren wunderhübsch. Doch ihre Schöpfer unterhielten sich vor allem darüber, wie präzise sie waren. Mit langen Stöcken deutete man auf besondere Merkmale; es wurde von Reisen berichtet und viel darüber gestritten, wie viel ein Tagesmarsch war, wenn man ihn auf die Wegstrecke übertrug. Es waren Streitfragen, die sich nie ganz klären ließen, genauso wenig wie das rechte Maß der Verkleinerung, durch die sie einen großen Teil der Welt auf einen Flecken Sand von drei Schritten Durchmesser reduziert hatten; doch voller Begeisterung debattierten sie endlos, dabei auf Sandhügel und Schluchten deutend. — Ich war in diesem Tal, das du als flach darstellst, und es ist viel tiefer, ich bin im zwölften Monat hindurchgegangen, und die Sonne ist nicht ein einziges Mal über die Südwand gestiegen, du musst es also tiefer machen. — Kann schon sein, warte, ich schaufele ein wenig heraus.
Und so ging es weiter. Am Ende verkündeten alle, welche Vogelsicht ihnen am besten gefiel, und dann wurde der Tagessieger gekürt, der einen Eimer voll Maische und die Gelegenheit erhielt, eine oder zwei Fäuste lang anzugeben, bevor sich alle, sowohl Zuschauer als auch Bildner, um die Ränder der winzigen Landschaften versammelten und auf sie draufsprangen, sie zu aufgewühltem Sand zerstampften, der schlimmer aussah als der Schlamm an der Rentierfurt. Götter, die Welten zerstörten; es war der beste Tanz, den es gab, und sie lachten und schrien, sprangen umher und traten aus und fühlten sich großartig dabei.