Unten, wo Ordech und Urdecha zusammentrafen, begegnete Eistaucher einmal zwei Nashörnern, die auf einer verschneiten Wiese miteinander kämpften. Er trat hinter einen Baum und hockte sich hin, um sie von dort zu beobachten. Die beiden gedrungenen, dicken Geschöpfe hatten dicke, lange Wolle, oben schwarz und an den Bäuchen schneeverkrustet. Es waren seltsam aussehende Tiere, wie Unaussprechliche der Wälder, aber mit stolz erhobenen, gefährlich anmutenden Hörnern, die wie zu Speeren gespitzte Ständer auf ihren Nasen saßen. Das waren ihre Waffen; sie bissen einander nur selten. Stattdessen stießen sie die Köpfe seitlich aneinander, sodass die Hörner laut klackend zusammenprallten. Hinterher wichen sie manchmal taumelnd zurück, die Haut an der Hornwurzel blutend. Ein flinker seitlicher Stoß konnte einem Tier die Kehle aufschlitzen oder ein Auge ausstechen, sodass ein solcher Kampf um die Vorherrschaft innerhalb eines Augenblicks zu einem Kampf auf Leben und Tod werden konnte, und fast alle Nashornbullen hatten Narben am Kopf.
Nun standen sich also diese beiden Tiere schnaubend und keuchend gegenüber. Sie waren schon eine Weile zugange, und beide bluteten, der Schnee unter ihnen war rot gesprenkelt. Sie starrten einander an, und ihre kleinen Augen traten zornig hervor. Beide lauerten sie auf eine Blöße; Eistaucher hätten sie nicht einmal wahrgenommen, wenn er mitten zwischen ihnen hindurchgetanzt wäre.
Sie knallten ihre Hörner auf die übliche Weise gegeneinander, dabei wie Tänzer einem gemeinsamen Rhythmus folgend. Einmal mehr wurde Eistaucher bewusst, dass es für einen Kampf einer Übereinkunft bedurfte. Das Klacken klang, als wenn man dicke, feste, rindenlose Äste aneinanderschlug, nur hohler.
Dann kippte das eine Nashorn den Kopf nach links, und als das andere ausholte, um seinem Schlag zu begegnen, tauchte das erste mit dem Horn unter ihm weg und rammte es gerade nach oben. Das andere Nashorn sah den Stoß kommen und wich ihm mit einem Satz nach hinten aus, worauf das erste sofort losstürmte, von rechts und links mit einem irrsinnigen Tempo auf den Gegner eindrosch, sein Horn immer wieder gegen dessen Schädel knallen ließ. Brüllend warf der sich herum, machte erstaunlich gewandt kehrt und rannte so schnell er konnte davon. Der Sieger hätte ihm folgen und ihm das Horn in den Leib stoßen können, wenn er gewollt hätte, doch stattdessen verharrte er mit fest aufgepflanzten Beinen im blutigen Schnee, rümpfte verächtlich die Schnauze und öffnete dann den Mund, um ein kurzes, tiefes Brüllen auszustoßen.
Eistaucher ging mit Falke und Moos und Achtlos und Speerwerfer auf eine Winterjagd. Auch Dorn begleitete sie; seit er wieder zu Kräften gekommen war, konnte er mit den Jüngeren mithalten, wenn sie nicht gerade in höchstem Tempo rannten.
Sie stiegen in der Oberklamm auf die weite Heidelandschaft des Nordens hoch. Ah, welch ein Vergnügen es war, zusammen mit seinen Freunden zu wandern, bergauf und bergab, so schnell es eben ging, auf einem Morgenrundgang. Sein linkes Bein war steif und ein wenig taub im Innern, mahnte ihn zur Vorsicht und erinnerte ihn immer daran, sein Gewicht im Zweifelsfall lieber Gutbein anzuvertrauen; doch es schmerzte nicht. Wie wunderbar eine solche Jagd in der Morgendämmerung war!
Sie wollten auf der Hochebene westwärts und an ihrem Rand entlang bis zur Stirnseite der Nordschlucht wandern, dann die Felswand hinabsteigen, um zur Wiese unterhalb der Spalte zwischen den Eiszitzen zu gelangen, wo offenbar eine Bisonherde überwinterte. Wenn sie es zur Hünenstatt schafften, bevor die Bisons vorbeikamen, dann konnten sie sie vielleicht aus ihrem üblichen Versteck heraus mit Speeren erwischen. Sie waren seit dem Herbst des Vorjahres nicht mehr dort gewesen.
Es war ein frischer Spätwintermorgen, und die Luft im Tal war dunstig. Flammenbringer sank dem westlichen Horizont entgegen und verblasste, während der Himmel erst eine graue und dann eine blassblaue Färbung annahm. Die Kaninchenfrau im Mond rührte in der roten Farbe, um sie bald in die Dämmerung zu gießen. Die Wiese an der Stirnseite der Nordschlucht war verlassen, abgesehen von einer Handvoll Schneehasen, die in ihrem weißen Kleid fast unsichtbar waren und sich nervös und mit bebenden Nasenlöchern umblickten. Es war sehr schwer, sie mit einem Speerwurf zu töten, was die Männer nicht davon abhielt, es von oben zu versuchen. Sie warfen alle gleichzeitig, sodass ein Regen langer, sich biegender Speere auf die Wiese niederging, und durch Zufall wurde tatsächlich einer der rennenden Hasen im Gras aufgespießt. Als sie unten ankamen, war er bereits tot, und wie sich herausstellte, war es Eistauchers Speer, der getroffen hatte. — Danke!, rief Eistaucher dem Hasen zu und küsste ihn kurz auf die Stirn. Dann steckte er ihn ein und hängte sich den Beutel am Gürtel über den Rücken, sodass der Hase ihn für den Rest des Tages begleitete, was ihm Schnelligkeit verleihen würde. Gleichzeitig verstärkte es auch ihre Witterung, aber sie waren ohnehin für jedes Tier mit einer Nase leicht auszumachen, weshalb es nicht darauf ankam. Falls sie über Nacht unterwegs sein sollten, würden sie den Hasen am Abend braten.
Sie wanderten den gewundenen Pfad hinab, den sie im oberen Bereich der Nordschlucht angelegt hatten. Durch eine Spalte zwischen Felsbrocken, die ihnen bis über die Köpfe reichten, hinunter zur Hünenstatt, wo sie hinter ihrem Sichtschutz abwarten würden, was der Wind ihnen zutrug.
Die Hünenstatt war ein Gewirr von großen, harten Felsbrocken, zwischen denen kaum kleinere Steine lagen. Von der blanken Felswand darüber bröckelten immer wieder Teile ab, und die Neigung am Hang sorgte dafür, dass sie sich nach Größe sortierten, wobei die größten immer am weitesten rollten. Manche hausgroßen Felsen waren so weit gekullert, dass sie sich schließlich in die Wiese gegraben hatten, die sich halbmondförmig entlang des Flusses erstreckte.
Oben in einem dieser Felsen gab es einen flachen Einschnitt, der aussah, als hätten ihn die Riesen extra gemacht, damit Menschen sich darin verstecken konnten. Sie zogen sich an mehreren Vorsprüngen hoch, über die man auf die Hangseite des Felsens klettern konnte. Der Einschnitt bot genug Platz, damit sie bequem nebeneinander stehen konnten, und von ihrem Aussichtspunkt konnten sie bis zum anderen Ende der gekrümmten Wiese sehen. Die Talwände waren steil und leicht mit Kieferngestrüpp bewaldet. Der Wind wehte wie meistens am Morgen flussabwärts, wenn also Tiere das Tal hinabkamen, würden sie weder die Männer noch den toten Hasen riechen. Für einen Wintertag war es warm, allerdings frostig in den Schatten. Man hörte glucksende Geräusche des Bachs, der unter dem Eis langsam dahinrann, vor allem das leise Plätschern, wo das Wasser am Rand der Wiese zutage trat.
Falke übernahm als Erster den Posten des Spähers, und schon bald stieß er ein Zischen aus, worauf die Männer absolut still wurden und neben ihn glitten, um selbst etwas zu sehen.
Da waren die Bisons, eine kleine Herde, die Köpfe haarig, das Fell struppig vom Winter. Neun Bison-Frauen folgten dem Leitbullen. Weil die Frauen keine derart gewaltigen Köpfe hatten, wirkten ihre Körper ausgewogener. Es waren wunderschöne Geschöpfe, das dichte, bräunliche Fell nur wenig dunkler als das eines Löwen, ihre haarigen Köpfe dunkelbraun, beinahe schwarz. Gemächlich wiederkäuend zogen sie dahin, während das Sonnenlicht in ihre Leiber hineinströmte, sodass sie leuchteten in ihrer Schwere, über den Schnee schwebten wie Besucher aus einer Welt, in der alles dichter war. Traumgeschöpfe, die die wache Welt durchwanderten.