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— Was wirst du malen?, fragte Quarz Dorn.

— Ich dachte an Pferde, sagte Dorn. — Wie steht es mit euch?

— Bei uns sind Steinböcke und Mammuts im Gespräch. Quarz blickte zu Eistaucher und fragte höflich: — Und was ist mir dir? Falls Dorn dich etwas malen lässt?

— Ich habe zwei Nashornbullen beim Kämpfen gesehen, sagte Eistaucher. — An denen würde ich mich gerne versuchen.

Dann, als Dorn eines Abends zu seinem Schlafwinkel ging, erstarrte er einmal mehr.

— Nicht du schon wieder, brummte er, gefolgt von Worten, die Eistaucher nicht verstand. Nachdem er eine Weile so dagestanden hatte, hob Dorn hilflos die Hände und kroch in sein kleines Nest. Schwer setzte er sich auf sein Bett. — Lass mich in Ruhe, sagte er mit so leiser Stimme, dass Eistaucher ihn gerade so hören konnte. — Was hätte ich denn sonst tun sollen, so sag es mir doch. Du hast doch gesehen, was dabei herausgekommen ist. Mehr habe ich nicht für dich. Schau sie dir an und lass mich in Ruhe.

Aber offenbar überzeugte das Knack nicht. Dorn sah ihn nun oft, normalerweise abends, wenn er zu Bett ging.

Und etwas verursachte ihm weiterhin Schmerzen zwischen den Rippen. Manchmal zuckte er sogar zusammen, wenn er nur redete, oder er hielt im Gehen plötzlich inne und stieß ein Zischen aus. Einmal, als er sich im Wald allein wähnte, sah Eistaucher, wie er sich hinsetzte.

Dorn ging damit sogar zu Heide. Eistaucher half ihr gerade, und als Dorn ihn dort sah, runzelte er die Stirn, ehe er sich setzte und Heide darum bat, einen Blick auf ihn zu werfen. Heide wies ihn an, seinen Umhang abzulegen, und tastete seinen ganzen Rumpf mit den Fingern ab. Dann legte sie ihm ein Ohr an Rücken und Brust und Mund, roch an seinem Atem und seiner Haut und ertastete seinen Puls. Sie befahl ihm, die Arme kreisen zu lassen, und achtete darauf, wann er das Gesicht verzog. Sie sah, was Eistaucher auch gesehen hatte, dass er seinen rechten Arm nicht mehr über den Kopf bekam.

Als sie fertig war, schob sie sich an ihr Kräuterbord und stöberte zwischen den kleinen Beuteln herum, die darauf aufgereiht waren. — Ich weiß nicht, sagte sie, ohne Dorn anzusehen.

Außer Eistaucher war niemand bei den beiden, und mit einem kurzen Blick in seine Richtung sagte Dorn: — Komm schon, sag’s mir. Sag mir, was du nicht weißt.

Sie schnaubte. — Ich weiß überhaupt nichts. Genau, wie du es mir immer erzählst.

— Tja, dann stimmt es ja wohl, oder?

— Ja. Hier, nimm das. Sie reichte ihm einen Beutel. — Das wird die Schmerzen lindern. Und rauch deine Pfeife.

— Und wenn es meine Lunge ist?

— Ein bisschen Rauch wird nicht schaden.

Dorn schluckte und starrte sie dann finster an. Ihre Andeutungen gefielen ihm nicht; das hatte er nicht von ihr hören wollen. Seine Lippen verzogen sich zu einem hässlichen kleinen Knurren, doch ungerührt hielt sie seinem Blick stand. Offensichtlich würden die beiden, wo Dorn krank war, auch nicht besser miteinander auskommen.

Von da an beachtete Dorn weder Heide noch irgendjemand sonst. Er verbrachte seine Tage wie sonst auch und zog oft los, um Feuerholz oder Schamanenkräuter und -pilze zu sammeln. Jeden Morgen rauchte er als Erstes seine Pfeife. Am Feuer beobachtete er Elga und Glückskind und die Kleine. Daraus, wie er die Dinge fixierte, anstatt den Blick schweifen zu lassen, schloss Eistaucher, dass er den ganzen Tag über von Knack verfolgt wurde. Nachdem das eine Weile so gegangen war, ließ etwas an der Art, wie Dorn es vermied, nach rechts zu schauen, erkennen, dass Knacks Geist dort neben ihm saß, aber es zeigte auch, dass das Dorn nicht mehr so viel ausmachte wie früher. Er vermied es nicht deshalb, in Knacks Richtung zu blicken, weil er Angst hatte, sondern aus einer Art von Höflichkeit heraus.

Er fing an, ihre neue Kleine Fink zu nennen, weil sie aufmerksam war und schnelle und ruckartige Bewegungen machte. Oft saß er herum und sah ihr und Glückskind zu, während Elga und Eistaucher anderweitig etwas erledigten. Und als kein Schnee mehr lag, ging er mit besserer Laune auf Nahrungssuche. — Die Dinge geschehen, sagte er einmal zu Eistaucher, als sie gerade am Fluss standen, der im Licht der untergehenden Sonne dahinplätscherte. — Man kann nicht das Geringste dagegen tun.

60

Dann, als er eines Morgens Holz aufs Feuer legte, krümmte er sich plötzlich mit einem unterdrückten Schrei zusammen und hielt sich die rechte Seite. Ohne Eistauchers Hilfe annehmen zu wollen, kroch er stöhnend zu Heides Nest. Eistaucher blieb nichts weiter übrig, als erschreckt und verängstigt neben ihm her zu gehen.

Als Dorn Heide erreichte, blickte er zu ihr empor. — Es tut weh, fauchte er.

— Leg dich hin, sagte Heide. Sie half ihm auf ihr Bett. — Mach es dir bequem.

— Ich kann es mir nicht bequem machen!

— Mach es dir so bequem wie möglich.

Sie kramte in ihren Beuteln herum. Schließlich gab sie ihm eine Wurzel zum Kauen und rieb ihm etwas Mistelbeerenpaste aufs Zahnfleisch. Dann schickte sie Eistaucher los, um Dorns Pfeife und Schamanenkräuter zu holen. Als Eistaucher damit zurückkehrte, wühlte sie in Dorns Sachen herum, als wären es ihre, und wies ihn an, einige seiner getrockneten Pilze zu kauen.

— Wenn du jemals ein richtiger Schamane werden willst, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sagte sie.

Dorn antwortete nicht. Er rauchte seine Pfeife, nachdem Heide sie ihm gestopft und mit einem Span vom Feuer angesteckt hatte. — Warum kam das so plötzlich?, fragte er, nachdem er eine große Rauchwolke ausgeatmet hatte.

— Es hat eine Rippe gebrochen.

In jener Nacht blieb er in ihrem Bett. Sie brachten ihm Körnerkekse und Stückchen gegarten Fleisches, doch er schüttelte den Kopf und öffnete den Mund nicht einmal zum Sprechen, bis sie das Essen wieder weggebracht hatten. Nach diesen Versuchen, ihn zu füttern, trank er etwas Wasser aus einer Kelle und betrachtete Heide.

— Warum sollte ich?, fragte er sie.

Heide antwortete nicht. Sie ließ sich seine Felle an ihr Bett bringen und legte sie über einen Holzscheit, damit Dorn sich aufsetzen konnte. Sie wusste, dass das eine weniger schmerzvolle Haltung für ihn war, noch ehe er es ihr sagte. Sie stellte einen Wassereimer mit einer Kelle darin neben ihn und saß an seiner Seite, während er sich hin und her warf.

— Ich könnte versuchen, es abzulassen, sagte sie zu ihm, nachdem sie seine rechte Seite untersucht hatte.

— Tatsächlich? Plötzlich glomm Hoffnung in Dorns rot geränderten Augen auf.

— Ein Versuch kann nie schaden. Aber das Anstechen tut vielleicht weh.

— Mehr als jetzt kann es nicht wehtun.

Darüber schnaubte sie nur abfällig, doch am nächsten Morgen brachte sie ihn gemeinsam mit Eistaucher ans Flussufer hinunter. Sie befahl ihm, sich mit der linken Schulter auf die Lederseite eines Bärenpelzes zu legen, direkt am Ufer, wo er Hände und Füße ins kalte, schwarze Wasser halten konnte.

— Kühl dich so viel wie möglich, sagte sie.

Er hängte Füße und Hände in den Fluss. Heide wusch die Haut über der Ausbuchtung unter seinem Brustkorb und stach dann mit einer einzigen, flinken Bewegung eine Ahle hinein. Er zischte und bebte in dem verzweifelten Versuch stillzuhalten. Sie zog die Ahle heraus, wischte das Blut mit einem Stück Leder ab und steckte ein langes Rohr aus Holunderholz, das ihrem Blasrohr ähnelte, aber länger und schmaler war, in die Wunde. Dorn sog den Atem zwischen den Zähnen durch. Heide wies ihn an, sich auf den Bauch zu drehen, sodass das Rohr von der Wunde aus leicht nach unten zeigte. Er verlagerte das Gewicht und wälzte sich auf Brust und Bauch, wobei er Füße und Hände aus dem Wasser zog. Aus dem Rohr floss nun Blut. Heide sagte zu ihm: — Steck den Kopf ins Wasser und lass ihn unten, solange du die Luft anhalten kannst.

Er holte Atem, hielt die Luft an und tauchte den Kopf ins Wasser. Heide beugte sich über ihn und sog fest am Ende des Rohrs. Sie spuckte einen Mundvoll von Dorns Blut aus, saugte erneut und spie diesmal weißlichen Eiter aus, wenn auch nicht besonders viel. Dorn riss den Kopf aus dem Fluss, atmete mehrmals schnell ein und tauchte wieder ab. Heide saugte erneut an dem Rohr, ihre Wangen wurden dicht an ihren zahnlosen Kiefer gepresst. Dann spuckte sie noch ein wenig Eiter aus, doch viel mehr kam nicht nach. Mit ein paar Klopfern schob sie das Rohr etwas weiter hinein, worauf um Dorns Kopf herum Blasen aus dem Fluss aufstiegen. Er bäumte sich winselnd auf.