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— Es ist so schön mit dir.

— Weil du mich liebst. Das sagte sie mit einem zärtlichen Blick. — Du liebst mich, und ich liebe dich.

— Ja. Ich wusste nicht, dass so etwas möglich ist.

— Ich auch nicht.

Es machte ihn so glücklich, dass er es kaum aushalten konnte, Zeit mit Dorn zu verbringen, diesem stinkenden, verlotterten Kerl mit seinen Zurechtweisungen und Befehlen, seiner Pingeligkeit und seinen verworrenen Lektionen. Lerne, das Verhältnis der Monate im Jahr zueinander zu berechnen, so viele Dutzend Tage, all die hässlichen kleinen Kerben in den Jahresstöcken und den Zählstöcken. Sag eines der fünf großen oder eines der zehn kleinen Gedichte auf, und zwar immer das, in dem Eistaucher am schlechtesten war. Duck dich weg, um dem flinken Mittelfinger auszuweichen, der von dem Daumen auf dein armes Ohr schnackt. Und letztlich brannten ihm nach zahllosen Fäusten ununterbrochenen Lernens dennoch die Ohren.

— Hör damit auf!, beklagte er sich.

— Hör du auf. Fang an mitzudenken, dich zu erinnern.

— Das mache ich doch schon. Lass mich einfach in Ruhe!

Aber er rannte nur selten davon, weil der Abend am Feuer dann schlimm wurde, und der nächste Tag auch, bis er sich entschuldigte und sich wieder an die Arbeit machte. Unter Schmerzen hatte er gelernt, dass es immer das geringste Übel war, bei Dorn zu sitzen und zu versuchen, seinen Unterricht durchzustehen.

— Moment, ich sehe etwas. Dorn scherte sich nicht um Eistauchers Übellaunigkeit. — Ein Gesicht, das nach links und unten schaut, dreht sich, sodass es nach rechts und oben schaut.

— Der Mann im Mond, sagte Eistaucher, — der sich jeden Monat umschaut.

— Ja. Und Vollmond ist dann, wenn das Mondgesicht direkt auf uns herabschaut. Wie viele Tage hat der Monat?

— Neunundzwanzig und einen halben von Neumond bis Neumond.

— Ja. Und wie gehen wir damit um?

— Wir lassen die Monate einander abwechseln und bezeichnen sie entweder als leer oder voll, was bedeutet, dass sie entweder neunundzwanzig oder dreißig Tage haben. Wenn sich zwölf solche Monate abwechseln, dann fehlen uns zur Wintersonnenwende noch elf oder zwölf Tage, weshalb die Schamanen beim Jahresabgleich alle zwei oder drei Jahre einen dreizehnten Monat hinzufügen.

— Ja. Und es funktioniert trotzdem nicht, fügte Dorn mit finsterer Miene hinzu. — Die Abweichung wird immer größer. Wühlmaus meint, mit seiner Aufteilung ginge es besser, zwei Dutzend und neunzehn über zwei Jahre hinweg, aber selbst damit verliert er etwa alle drei Jahre einen Tag, und außerdem, was soll denn das bitte für eine Aufteilung sein? Sie ist formlos, leuchtet niemandem ein. Katzenkotze.

— Vielleicht sollte Heide sie mal probieren.

Dorn lachte. — Ich wünschte, das täte sie. Ich wüsste gerne, was sie von alldem hält, aber sie interessiert sich nicht dafür, Himmel und Jahreszeiten zusammenzubringen. Ihr reicht es, von Monat zu Monat zu leben. Die Leute denken so, wie sie ficken, Frauen nach innen und Männer nach außen hin. Außerdem empfinden die Frauen natürlich wegen ihrer Blutungen alles in Monaten.

— Jeder empfindet in Monaten, bemerkte Eistaucher, der an die Nächte unter dem Vollmond dachte, an diese Welt des Lichts, so klar und blass, eine andere Welt, fast wie die Welt der Träume, nur dass sie wachend in ihr wandelten.

Dorn schüttelte den Kopf. — Alle empfinden in Jahren. In Monaten nur mehr oder weniger.

— Aber denk doch mal daran, wie man in Vollmondnächten sehen kann! Da ist es so hell, dass man sogar noch ein bisschen die Farben erkennen kann.

— Siehst du, jetzt denkst du wieder nach außen hin. Wenn es um den Mond geht, denkst du nicht nach innen hin, im Gegensatz zu den Frauen. Es gibt also einen Unterschied. Als verheirateter Mann hätte dir das eigentlich längst auffallen müssen.

Wenn Häher badeten, dann schafften sie es, ihr nasses Gefieder immer mehr durcheinanderzubringen. Niemals sonst sah man so strubbelige Vogelfedern, wie wenn Häher badeten. Es kam einem vor, als ob sie ihr Kleid auftrennten und für eine kleine Weile ablegten. Das Blau eines Blauhähers verschwindet. Schon bald, mit Beginn des Winters, würden alle Häher fort sein. Schon jetzt waren nur noch wenige da.

Neben Heide sitzen und Zedernwurzeln zum Korbmachen spalten. Zeit, die er mit Heide verbrachte, war viel unbeschwerter als Zeit, die er mit Dorn verbrachte. Sie ging jeden Tag spazieren, um nach ihren Pflanzen zu sehen, die an den unterschiedlichsten Plätzen wuchsen. Sie begleitete die Nusssammler, um ihnen zu helfen, und nahm Eistaucher als Späher und Helfer auf noch weiteren Streifzügen mit. Oft war er auf dem Rückweg beladen mit duftenden kleinen Zweigen oder ganzen Pflanzen, und sie zerdrückte die Blätter unter seiner Nase, damit er sich ihre Gerüche einprägte. Gerüche waren wirklich etwas Unverkennbares, das sofort in seinem Kopf Gestalt annahm, weshalb ihm auch fast immer die dazugehörigen Namen einfielen.

— Wenn du dir etwas merken musst, sagte sie zu ihm, — dann riech an diesem Rosmarinzweig. Das wird dir helfen, du wirst schon sehen.

Eistaucher nahm ihr den duftenden, trockenen Zweig mit den kurzen blassgrünen Nadeln aus der Hand. Er hatte einen ganz eigenartigen Duft, eine Note, die er von den Südhängen kannte. — Danke, das probiere ich aus.

— Bären haben den mit Abstand besten Geruchssinn, erklärte sie ihm.

— Stimmt es, dass man niemals den kleinen Magen eines Bären essen soll?

— Wer sagt das?

— Falke und Moos. Sie sagen, wenn man ihn isst, dann rutscht man später, wenn man durch den Wald geht, in seinen Schuhen aus. Sie sagen, dass sie es ausprobiert haben und Achtlos und Speerwerfer nicht, und dass sie ausgerutscht und hingefallen sind, während die beiden anderen keine Schwierigkeiten hatten.

Heide schüttelte den Kopf. — Ich weiß nicht. Es kann schon sein, dass der kleine Magen etwas enthält, wovon einem schlecht wird und das dem Gleichgewichtssinn schadet.

— Dann stimmt es also?

— Es könnte wohl sein.

Eistaucher entfachte mit seinem Feuerzeug ein Feuer, und sie erhitzten Wasser in Zedernbechern, die sie in Astgabeln hielten, um Kieferntee zu machen. Der Geschmack der Kiefern erfüllte seine Kehle und weitete sein Inneres. Tränen in den Augen. Die Kiefer hatte einen großen Geist, der ihnen auf alle möglichen Arten half. Dorn trug eine Kiefernspitze in den Haaren, wenn er in die Höhlen stieg, um ein bisschen Glück dabeizuhaben.

Für unterschiedliche Feuerzeuge verwendete man unterschiedliches Holz: Rotzeder, Bitterrose, Holunderbaum, Erlenwurzel.

— Finde heraus, welche Sorte am besten funktioniert, wies Heide ihn an und deutete dabei auf verschiedene Feuerzeuge, die sie zusammengestellt hatte.

— Wie?

— Probier sie aus und sieh, welches am schnellsten brennt! Sie sah ihn an, als wäre er geistig minderbemittelt.

Er nickte. — Na schön, ich probiere es. Wann bist du denn darauf gekommen?

— Letzten Winter.

— Und wie lange hast du gelebt, bevor du darauf gekommen bist?

— Los, mach schon.

Er nahm die Feuerzeuge mit und probierte jedes einzelne unter der tief stehenden Sonne aus, wobei er bei jedem den gleichen Zunder verwendete, eine Mischung aus getrocknetem Mulm und Moos, wie sie sie meistens benutzten. Dorn konnte mit dem Reibstock ein Feuer entfachen, noch ehe man sich bequem hingesetzt hatte. Eistaucher war nicht so schnell, aber wie die meisten anderen Leute war er trotzdem gut im Feuermachen. Das war auch der Grund, warum ihm sein Versagen in der ersten Nacht seiner Wanderschaft noch immer zu schaffen machte. Was war das nur für eine erste Nacht gewesen.

Er hatte den Eindruck, mit jedem von Heides Feuerzeugen etwa gleich lange zu brauchen. Die Erlenwurzel war fast schwarz und der Feuerstock daraus sehr viel leichter. Der Holunderholzstock bestand aus einem getrockneten Trieb. Die Feuerbretter mussten hart sein und eine feste, widerständige Maserung haben, damit die Spitze des Feuerstocks nicht aus der Mulde rutschte. Und die Feuerstöcke mussten hart genug sein, damit die Spitzen beim Drehen hielten, aber weich genug, damit sie sich erhitzten. Wenn man ein wenig Sand in die Mulde tat, erhitzte sich der Stock ebenfalls schneller, aber das wollte Heide bei diesem Test nicht.