Er begleitete sie zu ihrem Lager und leistete ihnen abends am Feuer Gesellschaft. Sie schnitten den Hirsch klein, und die Frauen steckten einige Kräuter ins Bruststück, marinierten die Rippen und Läufe und bestrichen sie mit gewürztem Fett. An jenem Abend aßen sie alle gut.
Während sie dasaßen und dem Feuer beim Herunterbrennen zusahen, verteilte Pippalott ein paar Geschenke aus seinem Sack, Muscheln und Schnitzereien aus Geweih, Stoßzahn und dunklem Holz. Die Rudelangehörigen, die Handarbeiten zum Tauschen beim Acht-Acht hatten, gaben ihm einige ihrer kleineren Stücke, damit er sie an andere Rudel weitergeben konnte. Dadurch erfuhren die Leute, wonach sie auf den Festen Ausschau halten konnten. Also gaben sie ihm Sachen, die in sein Bündel passten, zum Beispiel Körbe, Löffel, wasserdichte Beutel, Pelzfutter oder Hüte.
Eistaucher gab ihm ein Stück Geweih, das er so beschnitzt hatte, dass auf dem Körper eines Menschen der Kopf eines Löwen saß, so ähnlich wie die Schnitzerei aus dem Stück Holz mit dem Astloch, das er auf seiner Wanderschaft gefunden hatte. Pippalott lachte laut, als er sie begutachtete, schüttelte Eistaucher die Hand und sagte: — Das behalte ich selbst, das sage ich dir, aber ich zeige es allen und sage ihnen, dass du es gemacht hast.
— Danke, sagte Eistaucher.
Weil sich mehrere Mädchen um Pippalott drängten, kamen bald auch zahlreiche Frauen dazu, die einen, um auf die Mädchen aufzupassen, die anderen einfach, weil sie sich mit vergnügen wollten, denn der Reisende war ein gut aussehender Mann und wusste viel Neues zu berichten. Selbst Heide benahm sich in seiner Gegenwart ganz locker, was ein gutes Zeichen war, weil sie Männer wie ihn normalerweise nur abfällig musterte und brummte: — Ein Gesicht ist ein Gesicht, für was einer leistet, zählt es nicht.
Doch Pippalott schien bei sich zu Hause eine Menge zu leisten. Und außerdem war er gut darin, freundlich zu sein, ohne sich dabei an die Frauen ranzumachen. Er war einnehmend, wahrte aber einen gewissen Abstand, und er achtete darauf, auch mit den Männern zu sprechen, mit denen er zusammen gejagt hatte. Wenn eine peinliche Situation entstand, dann holte er seine Flöte aus dem Bündel und spielte ihnen die gleichen Melodien wie bei jedem seiner Besuche vor, Melodien, die sie nur von ihm hörten. Sein Flötenspiel war anrührend, ganz anders als das von Dorn. Mit seiner hohen, nasalen Stimme sang er ihre Lieder mit, mit einem schnarrenden, durchdringenden Klang, aber ohne einen falschen Ton. Er war wirklich musikalisch. Ein Geist erhob ihn in die Lüfte, wenn er sang oder spielte, genau wie man es morgens bei manchen Vögeln beobachten konnte. Bei diesen Gelegenheiten stand er immer auf.
An diesem Abend erklärte er sich bereit, ihnen eine Geschichte zu erzählen, und sie ließen sich erfreut im Kreis nieder. Er stellte sich vor das Feuer und sah sie beim Sprechen an.
Wie ihr wisst, bin ich ein Reisender,
Ich schreite über Mutter Erdes Leib,
Wie auch die anderen Reisenden,
Jeder auf seinem eigenen Weg.
Und einige von uns gehen ihre Wege mehrmals,
Solange wir sie wiederfinden
Und nichts uns zwingt, einen anderen zu wählen.
Auch ich gehöre zu diesen,
Ich habe eine Frau bei meinem Bruder,
Und wenn ich daheim bin, dann zieht er los,
Und er mag es nicht, wenn ich allzu spät komme,
Obwohl wir beide das eine oder andere Mal im Jahr
Schon aufgehalten wurden.
Für mich bedeutet das, ostwärts zu gehen,
Zum Tor zwischen den Welten,
Und mich dann nach Norden zu wenden und einen halben Mond zu wandern,
Bis an den Rand der großen Eiskappe,
Und entlang dieser großen weißen Wand zurückzukehren,
Oder manchmal auch oben auf dem Eis,
Wenn die Schneeschmelze das Land vor dem Eis unpassierbar macht.
So kehre ich nach Westen und Süden zurück,
Über die Steppe nach Hause, auf Wegen,
Die nur ich kenne und niemand sonst, die besten Wege, die es gibt.
So lebe ich mein Leben, doch auf meinen Reisen
Begegne ich anderen, die durch die Welt ziehen,
Und manche von ihnen gehen nie dieselben Wege,
Sie haben kein Zuhause und ziehen an immer neue Orte.
Diese Männer sind ein seltsames Volk,
Ihre Sprache klingt seltsam, sie haben fremde Gebräuche,
Doch das macht sie auch interessant,
Weshalb ich oft mit ihnen rede.
Wann immer Reisende sich um ein Feuer zusammenfinden,
Reden wir. Ihr seht es ja eben jetzt.
Unter sich reden Reisende vom Reisen. Wo warst du?
Was hast du gesehen? Wie sind die Leute dort?
Was findet man dort draußen in der Welt, auf der wir leben?
Das sind die Fragen, die wir stellen, und die Geschichten, die wir erzählen.
Manche Reisen, um Antworten zu finden,
Und erzählen denen, die sie treffen, ihre neuen Geschichten.
Einen solchen traf ich diesen Sommer
Am fernsten östlichen Punkt meiner Reisen.
Der Mann sah aus wie die aus dem Norden,
Und anfangs verstand ich ihn kaum.
Doch es fiel mir leichter, je länger wir sprachen,
Denn er sprach nur von einer einzigen Sache:
Was es mit dieser Welt auf sich habe,
Auf der wir leben, von welcher Form
Und welcher Größe sie sei.
Alle Reisenden sind sich einig, denn sie haben es selbst gesehen:
Im Norden ist Eis, wohin man sich wendet,
Und im Westen die große salzige See.
Auch im Süden ist die salzige See,
Wenn sie dort auch wärmer und ruhiger ist,
Mit Inseln gesprenkelt und mit mehr Buchten.
Darin sind wir Reisende uns einig,
Denn zusammen haben wir all das gesehen,
Und manch ein Reisender sagt, er selbst
Habe all das gesehen. Nun gut. Vielleicht
Ist das sogar wahr. Ich weiß es nicht.
Doch eines beschäftigt mich: Was ist mit dem Osten?
Dieser Mann vom Norden
Glich vielen von uns, er stellte diese Frage,
Und mehr noch: Er wollte die Antwort wissen.
Doch niemand konnte sie ihm sagen.
Also habe er sich, so sagte er,
Auf die Reise nach Osten gemacht.
Er wanderte viele Tage und Monde,
Er wanderte Jahre. Er wanderte ostwärts seit der Zeit,
In der sich ihm jene Frage stellte, seit er jung gewesen war,
Und er wanderte weiter, bis er ein Mann in der Mitte des Lebens war.
Siebzehn Jahre lang, so sagte er, sei er nach Osten gewandert.
Ich fragte ihn, was er gesehen habe,
Auf dieser Wanderung seines Lebens.
Er sprach von Steppen, die sich ewig zögen,
Von Bergen, die denen im Westen glichen,
Von Seen, größer als alle, die ich kenne,
Selbst von kleinen Salzseen sprach er, mit salzigem Wasser,
Doch das meiste war Steppenland.
Du weißt ja, wie das ist, es läuft sich gut,
Wenn es nicht zu nass ist, und es gibt immer Tiere zum Essen.
Es gab also nichts, was ihn hinderte.
Da saß er also, gegenüber am Feuer,
So weit im Osten, wie ich jemals war,
Und doch war es nur das Tor zu Welten, ein schöner, breiter Pass
Zwischen niedrigen Bergen im Norden und Süden.
Zwölf Jahre hatte er gebraucht,
Für seine Wanderung hierher zurück.
So sprach er zu mir, und schließlich musste ich fragen:
Warum bist du zurückgekehrt? Wo du so weit gekommen bist,
Warum bist du umgedreht? Warum nicht bis an dein Lebensende
Weiter nach Osten wandern?
Lange sah er ins Feuer bevor
Er mir in die Augen blickte und sprach.
Er sagte: Ganz im Osten kam ich an einen Hügel
Und stieg, um Ausschau zu halten, hinauf.
Es ging mir nicht gut, meine Füße schmerzten,
Und seit Jahren hatte ich niemand getroffen,
Der auch nur eins meiner Worte verstand.
Jeder Austausch fand mit Handzeichen statt, was geht,
Aber irgendwann möchte man
Mit den Leuten, die man trifft, auch reden.
Dem konnte ich, Pippa, zustimmen!
So stand er auf diesem Hügel, und im Osten
Sah alles aus wie immer. Kein Zeichen, dass je etwas anders würde.
Und da begriff ich, sagte er: Die Welt ist einfach zu groß.
Nie kann man sie ganz erlangen, sosehr man es sich auch wünscht.
In einem Leben kann kein Mensch sie abschreiten,
Und vielleicht hört sie einfach nie auf.
Vielleicht ist unsere Mutter Erde auch rund, sagte er,
Wie eine schwangere Frau.
Oder wie der Mond, und wenn man lang genug liefe,
Käme man an, wo man losgegangen,
Wenn da nicht das Salzmeer im Wege wäre.
Doch letztendlich kann man das niemals wissen.
Und so kehrte ich um, weil die Welt zu groß ist,
Und vor allem, weil ich, bevor ich sterbe,
Noch einmal mit jemandem reden wollte.
Und nachdem er mir seine Geschichte erzählt hatte,
Standen wir auf und nahmen uns in den Arm,
Und er weinte so sehr, dass ich dachte, er erstickt.
Ich musste ihn aufrecht halten.
Ob er triumphiert hatte oder versagt,
Das wusste er nicht, und auch ich konnte ihm das nicht sagen.
Er beruhigte sich bald, und wir schauten ins Feuer
Und erzählten uns bis tief in die Nacht andere Geschichten.
Vor dem Schlafen fragte ich ihn: Was hast du nun vor?
Was tust du nach deiner Rückkehr?
Tja, antwortete er, um ehrlich zu sein,
Gehe ich vielleicht wieder nach Osten.