— Danke!, sagten sie zu ihm und machten Bewegungen, als äßen sie aus dem Fluss. Aha: Vielleicht wollten sie aus dem Felsbrocken eine Fischfalle machen. Sie taten etwas mit dem Fluss, das ihnen das Fischfangen erleichtern würde.
— Danke!, sagte er und pfiff: — Gute Idee! Er aß Fisch, wann immer er welchen zu fassen bekam. Meistens erwischte er welche von den roten, die zum Sterben stromaufwärts schwammen. Bevor sie starben, konnte man sie noch essen. Nachdem sie tot waren, fielen sie sehr schnell auseinander.
Eines Tages würde er nach Westen zu seinem Volk zurückkehren, das am Rotfischfluss westlich der Eiskappen lebte. Er würde ihnen die besten Klingen aller Zeiten mitbringen und ihnen Dinge zeigen, die er von den Schnellen gelernt hatte. Dann würde ihn seine Frau vielleicht wieder aufnehmen. Dann würde ihm sein Vater vielleicht vergeben. Wenn sie noch lebten.
32
Wie sich herausstellte, war Elgas und Eistauchers Kind in einem schlechten Frühling geboren worden. Die Motte-nach-dem-Frost war nirgends zu sehen, und kurz nach der Geburt ihres Kindes gingen die Wintervorräte zur Neige, alle Nüsse und Fellbeutel mit Fett, alle gefrorenen Enten und geräucherten Fische, alle essbaren Wurzeln und das ganze getrocknete Rentierfleisch. In den letzten Wochen wurde alles in winzige Stückchen aufgeteilt. Diese Aufgabe übernahm einmal mehr Schiefer, und Falke und Moos maßten es sich nicht an, sich einzumischen oder Kritik an ihm zu üben. Ihre Not setzte Schiefer ohnehin schon genug zu, sodass es keinen Grund gab, eigens darauf hinzuweisen oder es ihm noch schwerer zu machen. Tatsächlich hätten sie selbst es auch nicht besser machen können: Ein schlechter Frühling war eben ein schlechter Frühling.
Das bedeutete, dass die Männer häufiger auf Jagd gehen mussten als sonst, in der Hoffnung, dass sich in ihren Schlingen und Fallen etwas Essbares verfangen würde. Doch in diesem Winter war das Land leer. In manchen Wintern gab es genug Schneehasen, um ein ganzes Rudel zu ernähren — all diese schneeweißen kleinen Leute wurden fett und rund, weil die immer dicker werdende Schneedecke sie zu den höheren Blättern der Weidenbüsche emporhob. Und Schneehasen wurden im Winter nicht nur fetter, sie waren auch leicht zu fangen: Moment, ich sehe etwas: zwei Augen in einem Busch, die in einer Falle sitzen.
Doch dieses Jahr waren keine Schneehasen zu finden. In manchen Jahren war das einfach so, sagte Heide. Sie würden mehr Glück haben, wenn sie nach Schnee- oder Raufußhühnern suchten.
Eistaucher ging mit seinen Freunden auf die Jagd, und allein oder mit anderen zog er los, um nach Fallen zu sehen, wobei sie sich so weit hinauswagten wie möglich. Doch außer dem Hirsch, den er mit Moos zusammen gefunden hatte, schien diesen Winter nichts unterwegs zu sein. Manchmal fand er kaputte Fallen, einmal eine Füchsin und einmal eine Bisamratte. Ohne die Schneehasen waren all die kleinen Jäger genauso hungrig wie die großen und deshalb leichter zu fangen. Jedes bisschen war es wert, ins Lager zurückgetragen zu werden. Einmal brachte er eine tote Maus mit, und keiner lachte. Aber das Rudel bestand aus zwei Dutzend und vier Leuten, und nach einer Weile dachten sie nur noch daran, wie sie genug Essen für alle heranschaffen konnten. Das Einzige, was sie spürten, war, wie ihr Magen sich nach oben und innen stülpte, sich an ihr Rückgrat und tief in ihre Gedanken drückte.
Doch es blieb kalt. Schon bald waren die Jäger zu erschöpft für weitere Wanderungen. Sie mussten sich ihre Kräfte für die wirklich wichtigen Dinge aufsparen. Die anderen Männer beneideten Eistaucher darum, dass Elga ihn von Zeit zu Zeit säugen konnte, um ihm über den schlimmsten Hunger hinwegzuhelfen. Und tatsächlich war es ein enormer Trost, ihre dünne, süße, warme Milch zu saugen, während das Kind an der anderen Brust nuckelte. Einmal streckte das Kind mit geschlossenen Augen die Hand aus und tätschelte ihm den Kopf, als wollte es seine Teilhabe absegnen. — Dafür habe ich wohl zwei davon, sagte Elga mit einem kleinen Lächeln.
Schlimmbein behinderte ihn, und so hatte er auch nicht mehr Erfolg als die anderen Jäger. Einmal fand er in einer ihrer Baumfallen eine tote Bisamratte, doch sie sah irgendwie leer aus, und das war sie auch: Ihr Kopf hatte den Boden berührt, und Spitzmäuse hatten sich durch das Gesicht gefressen und das ganze Fleisch und die Eingeweide aufgezehrt, sodass nur ein Pelzbeutel mit nichts als Knochen darin übrig geblieben war. Eistaucher nahm die Überreste trotzdem mit zurück ins Lager: Sie würden das Mark aus den Knochen saugen und den Pelz verwerten.
Bei einer anderen Gelegenheit sah er auf seiner Fallenrunde einen Vielfraß, der gerade eine Schlinge durchbiss, um einen Marder zu befreien, der sich darin verfangen hatte. Während Eistaucher zum Schauplatz des Geschehens rannte, durchtrennten die Zähne des Vielfraßes die Sehnenschlinge, und beide hetzten durch den Schnee davon, der Marder wie ein zu lang geratenes Eichhörnchen und der Vielfraß in großen Sätzen, bei denen er jedes Mal auf allen vieren landete. Schnell waren die beiden zwischen den Bäumen verschwunden. Eistaucher hatte schon von so etwas gehört, aber selbst gesehen hatte er es noch nie. Vielfraße und Marder waren Vettern. Ebenso verhielt es sich mit Bär und Biber. Die größeren ließen ihre kleineren Verwandten immer in Ruhe.
Gerade an diesem Tag war das wirklich ein Pech. Aber ihm blieb nichts anderes übrig, als die Schlinge zu reparieren und für das nächste Mal auf ein besseres Ergebnis zu hoffen. Man kriegt, was man kriegt, sich aufzuregen ist sinnlos. Natürlich war es am besten, täglich jede Falle zu überprüfen, aber dafür musste man sehr weit laufen. Die Tage wurden länger, aber auch der Fallenrundgang schien länger zu werden. Er war jedes Mal erleichtert, wenn er sich zu Elga und dem Kind legen und ein bisschen an der Brust nuckeln konnte, an der nicht der Junge lag. Natürlich brauchten sie den Großteil der Milch für das Kind. Aber ihr üppiger Geschmack füllte ihm sofort den Magen und besänftigte seinen Hunger für ein Weilchen, und er ließ ihn Schlimmbeins Pochen vergessen.
Sie hungerten so sehr, dass zwei aus dem Rudel zur gleichen Zeit krank wurden, Entchen und Windhauch. Dorn und Heide machten ihnen Betten an entgegengesetzten Enden des Lagers und gingen zwischen ihnen hin und her, um sich um sie zu kümmern. Dorn befahl Eistaucher mitzukommen, und in seinen Augen lag dabei ein so steinerner Ausdruck, dass Eistaucher schluckte und beschloss, dass er auch später wieder aufsässig sein konnte.
Die Krankheiten waren sehr unterschiedlich. Entchen hatte Fieber und Beulen, während Windhauch einfach ununterbrochen so erschöpft war, dass sie sich schließlich kaum noch rühren konnte. Vielleicht lag es nur daran, dass sie so alt war. Als sie also an Entchens Bett am westlichen Ende der Balme waren, bibberte Eistaucher vor Angst und beobachtete nervös, wie Dorn seinen Bisonkopf aufsetzte, der im Verhältnis zu seinem echten Kopf absurd groß war; es sah aus, als fräße eine schwarze Schlange von unten einen Bisonkopf, wie die Spitzmäuse die Bisamratte gefressen hatten. Um hinter dem Bisonkopf etwas zu sehen und sprechen zu können, musste Dorn ihn in den Nacken schieben, sodass der Bison den Himmel zu betrachten schien. Dennoch, als Dorn um Entchen herumstakste, ihr in den Hals schaute und ihre Achselhöhlen betastete und dann über ihr Flöte spielte, waren seine Bewegungen so zielstrebig und fließend, wie ein Strudel in einem langsamen Fluss, dass Entchen wie verzaubert davon wirkte, und auch Eistaucher spürte, wie er in Dorns Bann geschlagen wurde. Er wollte helfen, blieb jedoch lieber auf Abstand. Er hatte Angst.
An Windhauchs Bett, oben im Morgenwinkel, war er einfach nur traurig. Windhauchs Trägheit entsprach so gar nicht der Art, wie sie in Eistauchers Kindheit gewesen war. Damals war sie immer durchs Lager geeilt und ihren kleinen Angelegenheiten nachgegangen. In seiner Trauer dachte er daran, wie er später am Abend bei Elga sein und sich glücklich fühlen würde. Beide Empfindungen zugleich fühlten sich seltsam an, so als müsste er sich selbst aufreißen, weil nicht genug Platz in ihm war. Bis zu diesem Winter war Windhauch dieselbe muntere Person geblieben. So saß Eistaucher am Fuße ihres Bettes, den Kopf auf Knien, und sann über Elga nach, über das schwarze Pferd oder stellte sich vor, wie eine Bisonherde in einer langen Reihe durch die Obere Spalte lief, die Leiber zäh davon, dass sie so viel Kopf mit sich herumtragen mussten. Bei Löwen war es genauso, und plötzlich sah er in Gedanken, dass Löwe und Bison Brüder waren, dass es sich bei ihnen um dasselbe Wesen in Gestalt von Jäger und Gejagtem handelte, beide schnell und groß. Hinter seinen Lidern sah er die betörende Krümmung eines Steinbockhorns und den Rumpf eines Steinbocks, der ganz andere Krümmungen aufwies, aber ebenfalls wunderhübsch war. Er wollte schnitzen.