Pippalott nickte.
Zurück im Lager versammelten sich die Leute ums Feuer, um sich Pippalotts Geschichte anzuhören. Stehend trug er sie vor.
Dorn sagte: — Kannst du uns zu ihnen führen?
— Ich kann den Weg beschreiben, sagte Pippalott, — so, dass ihr sie nicht verfehlen könnt. Ich selbst muss nach Hause zurück.
Die Leute vom Wolfsrudel sprachen die Sache durch. Schiefer und Steinbock sagten kaum etwas, ließen aber erkennen, dass sie wenig Lust verspürten, sich mit den Nordleuten anzulegen — für eine Frau, die diesen ohnehin ursprünglich gehört hatte. Die jüngeren Männer, Moos, Falke und ihre Freunde, sprachen hitziger, weil sie ihren Freund vermissten, doch eigentlich wollten sie die Reise auch nicht wagen. Zwar drängten sie Schiefer zum Handeln, deuteten aber gleichzeitig an, dass sie daheim gebraucht wurden, damit sie ihre Arbeit für das Rudel leisteten, womit sie nicht ganz unrecht hatten.
Dorn verließ das Feuer und ging am Fluss entlang, um zum nördlichen Himmel zu schauen. Es war spät. Die Zwei Täler waren auf die Seite gekippt, und die Kelle goss ihren Inhalt über ihren gebogenen Griff.
Noch später kehrte Dorn ins Lager zurück und ging zu Heides Nest. Er saß an ihrem kleinen Feuer und wärmte sich die Hände. Die Mädchen, die ihr halfen, schliefen in ihren Rentierfelldecken, die Gesichter dem Feuer zugekehrt. Schließlich kam Heide herangeächzt und setzte sich neben ihn. Eine ganze Weile lang sprach keiner der beiden.
— Ich gehe sie holen, sagte Dorn schließlich.
— Nein.
— Doch.
Heide gab ein leises Schnauben von sich. — Wir brauchen dich hier.
— Sie brauchen wir auch.
Heide antwortete nicht. Sie war es, die sich um Eistauchers und Elgas Kind kümmerte.
— Ich werde schnell zurück sein.
Heide betrachtete ihn eine ganze Weile. — Wird Pippalott dich begleiten?
— Nein.
— Aber du wirst Hilfe brauchen.
— Mag sein.
Heide schwieg.
Dorn sagte: — Ist der Alte, den du geheilt hast, noch in der Gegend? Wie hieß er doch gleich?
— Knack, antwortete Heide. — Ich nenne ihn Knack. Das klingt wie das Geräusch, das er macht, wenn er sich selbst meint. Sie gab ein schnalzendes Geräusch von sich, indem sie die Zunge vom Gaumen nach unten schnellen ließ. — So sagt er es. Ja, er ist in der Gegend. Oben auf der Mittelkuppe. Er besucht mich immer, wenn ich dort oben Nieswurz sammle.
— Hilfst du mir dabei, ihn zu finden? Und fragst ihn, ob er mich begleitet?
Sie starrte Dorn ins Gesicht, und er hielt ihrem Blick stand. Schließlich sagte sie: — Warum er?
Dorn zuckte mit den Schultern. — Er ist stark.
Sie starrte ihn weiter an. — Und er ist der Einzige, der dich begleiten würde.
— Das auch. Aber er ist gut dafür. Er ist stärker als alle anderen.
Er ging zu Pippalott und sagte: — Erklär mir, wo sie sind. Zeig es mir.
Sie gingen zu der Sandbank an der Flussbiegung. Pippa glättete ein Stück Ufersand und zeichnete erst ein sehr genaues Abbild der Festwiese und der umliegenden Hügel hinein, wobei er mit zusammengedrückten Fingern Hügelkämme aus Sand errichtete und die Gipfel mit einigen Steinchen markierte. Er gehörte zu den besten Vogelsichtmalern beim Acht-Acht, und als er mit seiner Nachbildung des Festbereichs fertig war, wandte er sich dem nördlich gelegenen Sand zu und zeichnete Flüsse ein, die erst über die Steppe führten und dann durch ein breites Tal, das von Osten nach Westen verlief. Nördlich davon, direkt am Rande der See, zeichnete er eine gekrümmte Linie, die eine niedrige Hügelkette darstellte, und inmitten dieser Hügel stellte Pippa einen Stock auf.
Dorn nickte. Es war ein weiter Weg nach Norden.
Bei Sonnenaufgang stand Dorn auf und packte seine restlichen Sachen. Als sein Bündel voll war und er etwas geräucherten Lachs und ein paar Hände voll Pinienkerne gegessen hatte, ging er zu Heides Nest.
Sie war bereit und hatte ihr Bündel bereits auf dem Rücken. Bevor sie aufbrachen, gab sie ihm ein kleines Beutelchen. — Es wirkt nicht sofort. Schnell, aber nicht augenblicklich.
— Ich werde daran denken, sagte Dorn und steckte den Beutel in eine Innentasche seines Mantels.
Gemeinsam verließen sie stromaufwärts das Lager, in Richtung Kurzer Pass und Mittelkuppe. Heide ging zügig voran. Dort, wo die Obere Klamm sich weitete und der Bach sich um die Mittelkuppe gabelte, blieb sie bei einem kleinen Zedernhain stehen und pfiff einen ansteigenden Ton, der mit einem dreifachen Piepen endete, wie der Ruf eines kleinen Vogels.
Nach einer Weile ertönte ein ähnliches Pfeifen von dem Hügel. Aus dem Wald trat der Alte, dem Heide und Eistaucher geholfen hatten, als er verletzt gewesen war. Dorn hatte den Alten in der Zeit seiner Genesung kurz besucht. Er hatte eine kleine Exorzismus-Melodie gespielt und dem Alten dabei einen Klumpen Spucke aus dem Hals gezogen, der so groß wie eine Kröte gewesen war. Deshalb erkannte der Alte ihn nun, und obwohl er offensichtlich überrascht war, wirkte er nicht weiter beunruhigt. Dorn nickte ruckartig, wie die Alten es taten, und gab den leisen Girr-Laut von sich, den sie verwendeten, wenn sie einander in den Wäldern finden wollten, und der genau wie der klang, mit dem die Eistaucher ihre Gefährten suchten, wenn sie von einem Tauchgang zurückkehrten.