Doch jetzt trieb ein neuer Stamm seitwärts auf den schaumgekrönten Brechern heran und krachte ans Ufer, wo er mit jeder großen Welle weiter auf den Strand gestoßen und gespült wurde, bis er dort wie das tote Stück Holz lag, das er war, die Leiche eines Baums, der größer war als alle, die Eistaucher je zuvor gesehen hatte. Er fragte sich, was für ein Land sich wohl auf der anderen Seite des großen Salzmeers befand, dass dort solche Bäume wuchsen.
Später, als der Sturm abgeklungen war, zogen alle Männer der Jende und viele ihrer Frauen los, ergriffen die Seile, die sie um diesen neuen Treibgutstamm geschlungen hatten, und mit vereinten Kräften zogen sie ihn auf eine Reihe quer dazu ausgelegter, geglätteter Äste. Auf diesen ließ der Stamm sich leichter schleppen, und wenn am hinteren Ende ein Ast unter ihm hervorkam, hoben sie ihn auf und brachten ihn nach vorne. Dadurch mussten sie sehr viel weniger ziehen, um den Baum zu bewegen. Sie schleppten ihn zu den Reihen aufgestellter Stämme am oberen Ende des Strands, wo sie ein Loch gruben, das gesplitterte Ende hineinsteckten und mit Seilen am Wurzelende zogen, um den Stamm zu kippen, bis er schließlich aufrecht inmitten der anderen Stämme am Strand stand, wo er dem Westwind trotzen sollte, bis auch er umfiel oder ins Lager geschleppt wurde, weil man ihn dort anderweitig brauchte.
Eines Nachts, als die Jende Fisch in ihren mit Steinen aus dem Feuer erhitzten Eimern kochten und die obersten Geschosse ganz besonders heiß waren, stürzten zwei Gestalten in Fellen aus der Kältefalle hervor, trieben ihre Speere in die Leute und warfen Fett ins Feuer, sodass es brennend umherspritzte. Im Geschrei, Rauch und in der Verwirrung nahm einer der Eindringlinge den Eimer mit kochendem Wasser und schleuderte den Inhalt in die Gesichter und dann ins lodernde Fettfeuer, das sich überall ausbreitete. Dann eilten die Eindringlinge wieder nach unten, und wie Otter in einem Biberhaus spießten sie mit ihren Speeren jeden auf, an dem sie vorbeikamen. Einer packte Eistaucher am Arm, und erst da sah er, dass es Dorn war. Neben ihm schrie der Alte, den Heide gesund gepflegt hatte, mit gebleckten Zähnen wie ein Luchs; das unmenschliche Heulen übertönte die Schreie der Jende und machte die Attacke noch überwältigender.
Eistaucher griff sich seine Stiefel, während Dorn ihn die Kältefalle hinabstieß. Sie rannten durch den Eingangstunnel, und Dorn warf ein brennendes Stück Holz hinter sich auf einen offenen Fettbeutel, dessen Inhalt er verschüttet hatte. Schon loderten Flammen im ganzen Durchgang.
— Ich besorge uns allen Schneeschuhe, sagte Eistaucher.
— Gut, sagte Dorn. — Nimm Knack mit, ich gehe inzwischen Elga holen.
— Sie ist im Frauenhaus.
— Ich weiß! Hol alles, was du hast, und folge Knack, er weiß, wo wir uns treffen. Ich sorge dafür, dass die Männer hier eine Weile damit beschäftigt sein werden, Feuer zu löschen.
— Sie haben Wölfe! Sie werden ihre Wölfe auf uns hetzen.
— Ich weiß! Tatsächlich heulten die gefangenen Wölfe bereits. — Scheiß auf die Wölfe, die halten uns nicht auf.
Er rannte in Richtung Frauenhaus, und Eistaucher führte den Alten zu dem Geröllfeld, fand sein Loch, kroch hinein und reichte Knack so schnell es ging seine Beutel. Die Öffnung kam ihm kleiner denn je vor, während er hastig in der Dunkelheit umhertastete, und er hatte das Gefühl, zu langsam zu sein, gemessen daran, wie oft er sich die Geschehnisse schon in Gedanken als Geschichte erzählt hatte. Nach dem ersten Schreck kam es ihm vor, als ob ihm all das bereits bekannt sei, wie in manchen Träumen, in denen er sich selbst von oben oder hinten bei seinem Tun beobachtete.
Sie rannten zurück ins Lager der Jende, und Eistaucher sah sich selbst zum Unterstand neben dem großen Haus gehen, wo die Sachen für draußen aufbewahrt wurden, sich vier Paar Schneeschuhe heraussuchen und sie Knack geben, ehe er eine Steinklinge ergriff und damit auf die Vorderkrümmung der übrigen Schneeschuhe eindrosch, sodass sie sauber der Länge nach splitterten. Was er da tat, erschreckte ihn, weil er nie darüber nachgedacht hatte. Aber es war ein guter Plan, also zertrümmerte er die gebogenen Kiefernrahmen, als handelte es sich um die Schädel der Jende. Als er damit fertig war, gab der Alte mehrere kurze Schnalzlaute von sich und führte Eistaucher flussabwärts in ein kleines Erlendickicht. Dort wartete Dorn mit Elga. Sie trug einen Pelzumhang, doch abgesehen davon hatte sie nur die Beinlinge an, die die Jende in ihren Häusern trugen. So standen sie zu viert da und sahen einander mit weit aufgerissenen Augen an. Es war eine kalte Nacht, und schon bald würde der halbe Mond untergehen.
— Sie braucht etwas zum Anziehen!, sagte Eistaucher.
— Dorn sagte: — Wir machen ihr etwas aus dem Umhang. Vorerst muss sie damit auskommen.
— Ich komme schon zurecht, sagte Elga und nahm einen der Beutel, die Eistaucher versteckt hatte. Sie trug weiche Stiefel. — Beeilen wir uns, die werden sich bald den Weg aus den Häusern freischneiden.
Sie stopften zwei Rucksäcke mit Eistauchers Diebesgut voll, und Eistaucher zog seine eigenen Stiefel an und steckte die Arme durch die Gurte eines der Rucksäcke. Dorn band die gestohlenen Schneeschuhe an die Rucksäcke von Eistaucher und dem Alten, und dann machten sie sich auf den Weg durch die Nacht, Richtung Süden.
So schnell es ging, ohne dabei in Laufschritt zu verfallen, wanderten sie über den gefrorenen Schnee. Als der Mond unterging, mussten sie etwas langsamer werden, doch auch im Sternenlicht leuchtete der höckerige Schnee noch so hell, dass man gut sehen konnte und sie fast mit voller Kraft laufen konnten. Die ganze Nacht über liefen sie schweigend dahin, nur manchmal quiekte Dorn: — Skai!, und dann rannten sie in einer Art gestrecktem Wolfsgalopp los, bis einer von ihnen langsamer wurde, worauf sie wieder im schnellen Wanderschritt weitergingen. An einem langen, flachen Hang war der Schnee so oft geschmolzen und wieder gefroren, dass die Höcker darauf sich abgeflacht hatten und der harte Schnee glatt wie Eis war. Dort hielten sie inne, um die Schneeschuhe anzuziehen. Eistaucher zeigte Dorn und Knack, wie sie die Stiefel festbinden mussten. Elga band ihre selbst, und Eistaucher sah, dass damit ihre weichen Stiefel ein wenig geschützt würden.
Dorn schlug ein Tempo an, bei dem die anderen nur unter Mühen mithalten konnten. Als die Dämmerung nahte, wurde es kälter, doch mit Ausnahme seiner Nase und der Ohren war Eistaucher am ganzen Körper warm, selbst in den Zehen und Fingern. Das funktionierte nur, wenn man weit ausholte und dann und wann, wenn der Boden eben oder abschüssig war, in einen leichten Laufschritt verfiel. Dorn trieb sie durch sein Beispiel an und auch durch die gelegentlichen Blicke, die er ihnen über die Schulter zuwarf. Sein Gesicht erschien Eistaucher wie ein Fetzen aus einem Traum, eine Vision vom Ottermann, der unerbittlich und entschlossen weiterzog, nachdem er die Biber in ihrem Bau getötet und eine ihrer Frauen geraubt hatte. Der Anblick ließ Eistauchers Lebensgeister erwachen, und er eilte den anderen hinterher, ohne sich der Anstrengung bewusst zu sein. Es war wie in einem Traum, und doch war er in seinem ganzen Leben nie wacher gewesen.
Als im Osten der Morgen graute und er wieder ein wenig zu sich kam, stellte er allerdings fest, dass Schlimmbein seit vielen Monden keine so harte Wanderung mehr gemacht hatte und sich nun lautstark zu Wort meldete. Er brauchte einen Stock, und als sie das erste Mal an einem Eisloch in einem zugefrorenen Bach vorbeikamen, der schnell durch eine Biege in einer schmalen Schlucht floss, holte er eine Handklinge aus seinem Sack, hackte einen Erlenzweig ab, der etwas zu kurz war, aber ansonsten stabil aussah, und dämpfte mit ihm jedes Auftreten auf Schlimmbein. Derart dreibeinig zu laufen war nicht so einfach wie normales Gehen, aber es war die Mühe wert.