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Glücklicherweise verbreiterte sich der Grat, je höher sie stiegen, und weitere Grate zweigten sowohl nach Osten als auch nach Westen ab, zwischen denen kleine, enge Kolbischluchten verliefen, in die sie im Vorbeigehen hinabblickten; sie waren noch voll Schnee. Dorn wollte in eine davon hinabsteigen, wenn sie sich unten auf trockenem Boden oder Geröll halten konnten, doch keine der Schluchten bot entsprechende Bedingungen. Allerdings gab es in ihnen Bäume. Dort, wo Lawinen abgegangen waren, verliefen breite Schneerinnen, aber ansonsten waren die Schluchtwände zunehmend bewaldet. Auch auf dem Boden unter den Bäumen lag noch Schnee, aber das Wasser in den Bächen war oft schwarz und eisfrei. Dort, wo der Boden den ganzen Tag über in der Sonne lag, war er schneefrei, und die dunkle Erde dampfte zwischen den Felsen. Während sie den Grat entlangwanderten und nach einem Abstieg Ausschau hielten, stieg von den steilen Hängen dichter Nebel auf. Sie drehten sich um und sahen, dass die schwarzen Punkte, die sie verfolgten, ebenfalls auf dem Grat waren, noch weit weg, aber bereits auf dem Grat. Dorn verfluchte sie:

Möget ihr stolpern und stürzen, Euch in Krämpfen krümmen, Eure Eingeweide ausscheißen, Euch den Knöchel verstauchen und euch Den eigenen Speer in den Bauchnabel rammen. Möge ein Löwe euch auflauern, Der Blitz euch treffen und verkohlen, Eine Lawine euch drei Bäume tief begraben, Möget ihr bei der schönsten aller Frauen liegen Und mögen eure Visel dabei schlaff schlackern Wie die Därme eines aufgespießten Unaussprechlichen,

… und so weiter, während er sie eilig zu dem nächsten Höhepunkt des Grats führte, hinter dem sie einmal mehr außer Sicht sein würden. Wie Eistaucher sehr wohl wusste, konnte Dorn den ganzen Tag Flüche speien, ohne sich zu wiederholen.

Als sie für die Eisleute wieder außer Sicht waren, hielt Dorn inne und blickte an einer steilen Stirnwand hinab in eine Schlucht im Westen. Der Weg nach unten schien vollständig schneefrei zu sein, allerdings gab es einen Bereich, der zu steil war, um ihn einzusehen, was nie gut war. Unterhalb jenes Hangstücks trug die Schlucht ein sich südwärts erstreckendes Baumkleid.

Dorn sagte: — Lasst uns hier runtergehen, solange sie uns nicht sehen können. Diese Stelle macht einen brauchbaren Eindruck.

Die drei anderen hatten keine Einwände. Das steile Stück würde hoffentlich schneefrei sein. Den Versuch war es wohl wert. Auf dem Grat konnten sie nicht bleiben, denn es sah inzwischen ganz danach aus, als ob die Eismänner schneller als sie waren. Und sie selbst konnten nicht schneller.

Also begannen sie ihren Abstieg. Auf dem Weg nach unten kam Eistaucher der Gedanke, dass dies auch deshalb eine gute Schlucht war, weil sie kurz war und zu einem Tal hin abfiel, das sich nach Süden erstreckte, sodass sie mehr oder weniger direkt Richtung zu Hause weiterlaufen konnten.

Wie sich herausstellte, war ein Teil des Hangs, der von oben nicht zu sehen gewesen war, ein steiles Geröllfeld, das noch von altem Schnee bedeckt war, durch den die Schmelze lange, von oben nach unten verlaufende Rinnen gezogen hatte. Überall auf dem Hang glitzerten Wassertropfen, so nass und aufgeweicht war er in der Nachmittagssonne.

Eine Weile zögerte Dorn am oberen Ende des Hangstücks. Er schob sich langsam über die Kante und trat fest auf den Schnee; sein Fuß brach bis zu dem darunterliegenden Gestein durch. Der Schnee war wirklich sehr weich. Er zog sich aus dem Schneeloch zurück auf den Felsen und überlegte weiter, ehe er sich schnaubend auf die schräge Felswand setzte und die Schneeschuhe von seinem Rucksack nahm, um sie sich wieder an die Füße zu binden.

— Wir müssen da hinunter, sagte er. — Wenn sie herkommen und nachsehen, werden sie zwar unsere Spuren finden, aber dafür werden wir danach keine mehr hinterlassen. Mit einer knappen Geste deutete er in die Schlucht hinab.

Also setzten sie sich neben ihn und banden sich ebenfalls die Schneeschuhe an die Stiefel, so fest es ging. Dann erhoben sie sich wieder. Eistaucher beugte die Knie und spürte kleine, schmerzhafte Krämpfe in seinen Schenkeln aufflackern. Es würde ein harter Abstieg werden.

Er ging nun wieder als Letzter und gab sich alle Mühe, in die Schneeschuhspur der anderen drei zu treten. Größtenteils traten auch seine Vorgänger in die gleichen Abdrücke, die einander unsauber überlappten und sehr tief waren. Manche waren hüfttief, und manche brachen unter Eistauchers Füßen hangabwärts weg, sodass er das Gewicht hastig auf das obere Bein verlagern musste, um nicht selbst hinterherzurutschen. Dankenswerterweise handelte es sich dabei um Gutbein. Eigentlich wäre es zwar besser gewesen, Gutbein auf der abschüssigen Seite zu haben, aber so, wie der Hang geneigt war, hatten sie keine Wahl, als ihn von oben gesehen nach rechts hinabzusteigen. Dorn versuchte zunächst gelegentlich, nach links abzubiegen, eine scharfe Kehre in den Schnee zu treten, doch schnell zwang ihn der Verlauf des Hangs, erneut umzukehren und weiter nach rechts abzusteigen.

Das bedeutete, dass Schlimmbein Eistauchers Gewicht auf der abschüssigen Seite halten und damit den Hauptteil der Arbeit machen musste. Es musste auf dem Weg nach unten führen; anders ging es nicht, das Land selbst erzwang es. Während er seinen Weg fortsetzte, begann jeder Schritt abwärts mit Schlimmbein ihn so stechend vom Knöchel bis in die Hüfte zu schmerzen, dass er ins Wanken geriet und sich nicht mehr sicher war, ob es nicht unter ihm nachgeben würde. Doch er hatte keine Wahclass="underline" Er musste es gerade nach unten vorstrecken und in das tiefe, nur unsicheren Halt bietende Schneeschuhloch treten, das die anderen drei ihm hinterlassen hatten. Er ließ sich in den Schmerz hineinfallen, legte sein Gewicht darauf und ignorierte das qualvolle leise Knirschen in seinem Knöchel, während er sich alle Mühe gab, Gutbein so schnell wie möglich in das höhere Loch zu befördern und dann mit ihm das Gewicht von seiner linken Körperhälfte zu nehmen. Anschließend hielt er für einen kurzen Moment auf Gutbein inne, atmete ein paar Mal tief durch und überließ sich dann wieder dem beißenden Schmerz des nächsten Schritts. Wenn die unteren Schneeschuhlöcher unter seinem Gewicht wegbrachen, musste er auf dem Schnee mitschlittern, bis sich genug davon gesammelt hatte, um ihn zum Stehen zu bringen. Wenn er Glück hatte, rutschte er dabei nicht zu weit ab, um wieder in die Spur der anderen zurückzukehren; andernfalls musste er sich eine Zwischenstufe treten. Dafür musste er Drittbein so weit oben wie möglich in den Schnee bohren, um sich an ihm hochzuziehen.

Er machte weiter, mit jedem Schritt tief einsinkend, während ihm der Schmerz von Schlimmbein ausgehend direkt durch den Visel in die Eingeweide schoss. Der Abstieg zum Wald am Bachbett war noch nicht einmal halb geschafft.

Während seiner häufigen Pausen ließ Eistaucher den Blick immer öfter am Hang entlangschweifen und überlegte, ob man sich wohl auf den Schnee setzen und in einer der vertikalen Rinnen hinunterrutschen konnte. Das Problem bestand darin, dass am Fuß des Hangs große Felsbrocken lagen, die Brocken in dem Geröll, die so schwer waren, dass sie bis ganz nach unten gepoltert waren. Inzwischen war der Schnee so weich, dass er im Rutschen vielleicht seinen Stock und seine Schneeschuhe würde hineinbohren können. Aber der Hang war zu steil, um es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Vielleicht würde er zu schnell werden, um anzuhalten, und direkt gegen die Felsen prallen. Selbst wenn es ihm gelang, oberhalb der Felsen im Schnee zum Stehen zu kommen, würde er mitten in einem Buckelfeld voller Löcher und großer Steine festsitzen. Dort hindurchzukommen oder schräg am Hang weiterzuwandern würde mindestens so anstrengend sein wie das, was er im Moment tat, wenn nicht noch anstrengender. Außerdem konnte er ohnehin nicht wohlbehalten dorthinab gelangen!