Sie lachte.»Bei Mrs. Whymper?«
«Ja. Woher weißt du das?«
«Sie ist bekannt dafür.«
«Für was? Für ihre Martinis?«
«Für ihre Martinis auch.«
«Sie ist eine alte Schnapsdrossel. Mich wundert, daß alles so glattgegangen ist.«
«Hat sie schon bezahlt?«
«Noch nicht. Warum? Glaubst du, daß sie das Bild zurückgeben wird?«fragte ich alarmiert.
«Das nicht.«
«Hat sie so viel Geld, daß sie einfach so kaufen kann, ohne nachzudenken?«
«Das auch. Außerdem liebt sie junge Männer.«
«Was?«
«Du hast ihr gefallen.«
«Natascha«, sagte ich.»Meinst du das ernst? Du hast mich doch nicht an die alte Säuferin verkuppeln wollen.«
Sie lachte.»Komm«, erwiderte sie.»Gib mir einen Moscow Mule.«
«Keinen Tropfen. Antworte erst.«
«Hat sie dir gefallen?«
Ich starrte sie an.»Also!«sagte sie.»Sie liebt junge Männer. Und du hast ihr gefallen. Hat sie dich nicht zu einer ihrer Parties ein geladen?«
«Noch nicht. Vorerst nur dazu, den Scheck abzuholen«, erklärte ich grimmig.»Aber vielleicht kommt das noch!«
«Bestimmt. «Natascha beobachtete mich.»Sie wird dann auch mich dazu einladen.«
«Bist du so sicher? Hast du das schon öfter gemacht, weil du das so genau weißt? Hätte sie mich etwa anfallen sollen?«
«Nein«, erwiderte Natascha trocken.»Gib mir einen Wodka.«»Warum nicht einen Wodka-Martini?«
«Weil ich keinen Martini trinke. Sonst noch Fragen?«
«Viele. Ich bin noch nicht gewohnt, als Gigolo verkauft zu werden.«
Ich hatte den Wodka im Gesicht, noch ehe ich gesehen hatte, daß sie ihn geschleudert hatte. Er tropfte an meinem Kinn herunter. Sie griff nach der Flasche, weiß im Gesicht, mit riesigen Augen. Ich war schneller, schnappte die Flasche, prüfte, ob der Korken fest saß, und warf sie in das nächste Plüschsofa, weg von Natascha. Sie stürzte sich darauf. Ich hielt sie fest, drängte sie weg in die Ecke, ergriff mit eiserner Hand ihre beiden Arme und zerrte an ihrem Kleid.»Rühr mich nicht an!«zischte sie.»Ich werde dich nicht nur anrühren, du Satan, sondern dich hier auf der Stelle vögeln, sofort, daß du…«Sie spuckte mir ins Gesicht und trat nach mir. Ich umklammerte ihre Beine mit meinen Beinen und bog sie nach rückwärts. Sie versuchte sich freizumachen, stolperte und fiel. Ich stieß sie zurück auf das Sofa, stieß mein Knie zwischen ihre Beine und schob ihren Rock hoch.»Laß mich los, du Verrückter«, flüsterte sie plötzlich mit einer hohen, fremden Stimme,»laß mich los oder ich schreie!«»Schrei dir die Kehle aus«, knurrte ich.»Du wirst gefickt, du verdammter Satan!«»Es kommen Leute! Siehst du nicht, daß Leute kommen, laß mich los, du Untier, du Vieh, laß mich…«
Sie lag jetzt ganz steif auf dem Sofa, mir entgegengewölbt, um nicht unter mir zu liegen. Ich spürte, wie sich ihr Körper spannte und ihre Beine sich dicht und hart an meine preßten, als umklammerte nicht ich sie, sondern sie mich, um zu verhüten, daß ich in sie eindringen könnte. Ich fühlte ihren Schoß und merkte, daß sie unter ihrem Rock nackt war. Ich preßte sie zurück und fühlte das Haar ihres Schoßes und riß mir die Hose auf. Ihr Gesicht war dicht vor mir, ihre Augen waren nervös und starrten mich an.»Laß mich los!«flüsterte sie.»Nicht hier, nicht hier, laß mich los, nicht hier, nicht hier…«»Wo denn sonst, du verdammtes Luder«, knirschte ich.»Nimm die Hand weg oder ich reiße sie dir ab, du wirst hier…«»Nicht hier, nicht hier«, flüsterte sie mit derselben hohen und fremden Stimme.»Wo denn sonst, du..«»In deinem Zimmer, nicht hier, in deinem Zimmer.«»Damit du mir ausreißen und mich auslachen kannst!«»Ich werde dir nicht ausreißen, ich werde nicht ausreißen, aber nicht hier, ich verspreche dir, ich werde nicht ausreißen, Liebster, Liebster…«
«Was?«sagte ich.
«Laß mich los, ich verspreche dir, ich reiße nicht aus, aber laß mich los, es kommen Leute.«
Ich lasse sie los. Ich stehe auf. Ich erwarte, daß sie mich zur Seite stößt und wegrennt. Sie läuft nicht weg. Sie zieht ihren Rock herunter und richtet sich auf.»Tu das weg«, flüsterte sie.»Was?«
«Das!«Sie zerrt an meiner Hose. Ich tue es weg. Sie steht auf. Ich beobachte sie. Sie steht jetzt so, daß sie an mir vorbei kann, aber ich kann sie immer noch halten.»Komm!«sagt sie.»Wo hin?«»Dein Zimmer. «Ich folge ihr und gehe dann voran, eilig und plötzlich vorsichtig, über die quietschende Treppe, den grauen Läufer, vorbei an dem Zeichen: Denke! in den zweiten Stock, in dem mein Zimmer liegt. Ich bleibe an der Tür stehen.»Du kannst Weggehen, wenn du willst«, sage ich. Sie drängt mich beiseite und stößt die Tür auf.»Komm«, sagt sie. Ich folge ihr und schließe die Tür. Ich riegele sie nicht zu, ich spüre, wie der jähe Rückstoß einsetzt, ich lehne mich an die Wand und habe das Gefühl, als sei ich in einem Aufzug, der in reißender Fahrt nach unten saust, während ich nach oben gedrückt werde, ich spüre die Dunkelheit wie einen überschwappenden Eimer Wasser in meinem Gehirn, es rauscht, und ich halte mich fest, beide Hände gegen die Wand gedrückt.
Ich sah Natascha auf dem Bett liegen.»Warum kommst du nicht?«sagte sie.
«Ich kann nicht.«
«Was?«
«Ich kann nicht.«
«Du kannst nicht?«
«Nein«, sagte ich.»Die verdammte Treppe!«
«Was ist mit der Treppe?«
«Ich weiß es nicht. Es ist wie ein verfluchter Coitus interruptus.«»Was?«
«Ich kann nicht, das ist alles. Wirf mich raus, wenn du willst!«»Aus deinem eigenen Zimmer?«
«Dann lache über mich, soviel du willst.«
«Warum soll ich lachen?«
«Das weiß ich nicht. Ich habe gehört, daß Männer ausgelacht werden, wenn ihnen das passiert.«
«Es ist mir noch nicht passiert.«
«Das ist ein Grund mehr zum Lachen.«
«Nein«, sagte Natascha.
«Warum gehst du nicht weg?«
«Soll ich Weggehen?«
«Nein.«
Sie hatte sich nicht gerührt. Jetzt stützte sie sich auf den Arm und sah mich an.
«Ich fühle mich lausig«, sagte ich.
«Ich mich nicht«, erwiderte sie.»Was meinst du, woher es kommt?«
«Ich weiß es nicht. Das Wort >Liebster< hat mich ermordet.«
«Ich dachte, es sei die Treppe?«
«Die auch. Und dann das andere. Daß du plötzlich wolltest.«»Soll ich nicht wollen?«
Ich sah sie hilflos an.»Frage nicht so etwas. Es kam alles zu sammen.«
Es war ein sonderbarer Dialog, ohne daß wir uns bewegten, monoton und ausdruckslos.
«Hast du ein Badezimmer?«fragte sie.
«Kein eigenes. Aber es gibt eines drei Türen weiter.«
Sie stand sehr langsam auf, strich sich über das Haar und ging zur Tür. Sie streifte mich, als sie vorbeiging. Sie sah mich nicht an. Ich spürte ihren Körper, ließ die Wand los und griff nach ihr. Sie wollte sich losmachen. Ich spürte ihren Körper, als wäre er nackt, jung und warm. Und geschmeichg wie eine Forelle. Im gleichen Augenblick war alles von vorher wieder da. Ich hielt sie fest.»Du willst mich ja nicht«, flüsterte sie, ihr Gesicht abgewandt, die Arme in den Ellbogen gewinkelt, dicht am Körper. Ich nahm sie hoch und trug sie zum Bett zurück. Sie war schwerer, als ich dachte.»Ich will dich!«sagte ich unterdrückt.»Ich will dich und nichts als dich und nur dich, ich will dich mehr als mich selbst und in dich hinein, mich und alles in dich hinein!«Mein Gesicht war direkt über ihr, ihre Augen waren sehr glänzend und starr, ich spürte ihre Brüste und spürte, wie ich in sie hineindrang, ich spürte es im Nacken und in den Händen und im Geschlecht.»Dann nimm mich doch«, zischte sie und schloß die Augen nicht,»nimm mich und erdrücke mich und brich durch mich hindurch, brich mich in Stücke, ja, ja, ja, tiefer in mich hinein, ja, nagle mich fest, fick mich, komm hinein in mich, ich komme dir entgegen, stürze dich in mich, ob der Brunnen da rauscht, meine Ohren sind voll von ihm, ich komme, ich zerreiße,die Regen, die Regen, es rauscht und rauscht und rauscht…«Ihre Stimme wurde leiser, sie wurde zu Murmeln und einzelnen, unverständlichen Worten und zu Flüstern und dann schwieg sie ganz.