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«Hat Holt mich bereits von ihm gekauft?«fragte ich.»Es soll so etwas Ähnliches mit Stars in Hollywood geschehen.«

«Natürlich nicht. Er hat nur angefragt, weil er Sie dringend braucht. Wir haben keinen Mann in Hollywood, der im KZ war, nur Sie.«

Ich zuckte zusammen.»Hat Silvers ihm für die Erlaubnis ein Öl bild verkauft?«

«Das weiß ich nicht. Holt hat sich gestern Silvers’ Bilder angese hen. Sie haben ihm sehr gefallen.«

Im Mittagsglast sah ich Holt in grünen Slacks bereits den Swim- minipool umkreisen. Er trug dazu ein buntes Hawaiihemd, das mit einer Südseelandschaft bedruckt war. Schon von weitem we delte er mit beiden Pfoten.

«Hallo, Robert.«

«Hallo, Herr Holt.«

Er klopfte mir auf die Schulter — eine Geste, die ich verabscheue.»Immer noch böse wegen der paar kleinen Zeichnungen? Das bringen wir schon wieder in Ordnung.«

Ich ließ ihn eine Weile reden. Dann kam er endlich zur Sache. Er wollte, daß ich das Manuskript auf Fehler durchsehe und daß ich außerdem als eine Art von Kostüm- und Aktionsberater tätig sei, damit nichts falsch gemacht würde.»Das sind zwei verschiedene Aufgaben«, sagte ich.»Was geschieht, wenn das Manuskript un möglich ist?«

«Dann schreiben wir es um. Aber sehen Sie es sich erst einmal an. «Holt schwitzte leicht.»Es muß nur rasch sein. Wir wollen morgen anfangen, die wichtigeren Szenen zu drehen. Können Sie das Manuskript heute flüchtig durchsehen?«

Ich antwortete nicht. Holt zog ein Paket aus seiner Aktentasche.»Hundertdreißig Seiten«, sagte er.»Zwei, drei Stunden Arbeit. «Ich sah das gelbe Buch an. Ich war wirklich unschlüssig, gab mir aber dann einen Ruck.»Fünfhundert Dollar«, sagte Holt.»Für eine Stellungnahme von einigen Seiten.«

«Das ist sehr fair«, drängte Tannenbaum.

«Zweitausend«, erwiderte ich. Wenn ich mich schon verkaufte, wollte ich alle meine Schulden davon bezahlen können und noch etwas beiseite legen.

Holt brach fast in Tränen aus.»Ausgeschlossen«, erklärte er.»Gut«, sagte ich.»Ist mir auch lieber. Ich erinnere mich verdammt ungern an diese Zeit, das können Sie mir glauben.«»Tausend«, erwiderte Holt.»Weil Sie es sind.«

«Zweitausend. Was ist das schon für einen Mann, der eine Im- pressionisten-Sammlung hat!«

«Das war unfair«, sagte Holt.»Nicht ich zahle, das Studio zahlt.«

«Um so besser.«

«Fünfzehnhundert«, erklärte Holt zähneknirschend.»Und drei hundert Dollar pro Woche als Berater.«

«Gut«, sagte ich.»Und ein Auto, solange ich als Berater tätig bin. Bedingung ist außerdem, daß ich nachmittags frei habe.«

«Welch ein Vertrag!«rief Tannenbaum.»Wie für einen Star. «Holt wischte das hinweg. Er wußte, daß mir inzwischen bekannt war, was Stars verdienen.»Gut, Robert«, sagte er mannhaft.»Ich lasse das Manuskript hier. Fangen Sie sofort an: Es eilt.«

«Ich fange an, wenn ich eine Anzahlung von tausend Dollar in der Hand habe, Joe«, erwiderte ich herzlich.

«Wenn Sie nur halbtags zur Verfügung stehen, muß ich Ihnen natürlich Ihr Gehalt kürzen«, sagte Silvers.»Sagen wir auf die Hälfte. Das ist fair, finden Sie nicht auch?«

«Den Ausdruck >fair< habe ich heute einige Male gehört«, er widerte ich.»Immer, wenn er nicht zutraf.«

Silvers zog die Füße auf das hellblaue Sofa.»Ich finde mein Angebot nicht nur fair, sondern generös. Ich gebe Ihnen die Möglichkeit, in einem anderen Beruf viel Geld zu verdienen. Anstatt Sie zu entlassen, gebe ich mich damit zufrieden, daß Sie nur noch gelegentlich bei mir arbeiten. Sie sollten mir dankbar sein.«

«Das bin ich leider nicht«, erklärte ich.»Entlassen Sie mich lieber.«

«Wenn Sie wollen, können wir einen gleitenden Vertrag auf folgender Basis machen: Niedrigeres Gehalt und dafür Beteiligung.«

Silvers betrachtete mich wie ein seltenes Insekt.»Haben Sie eine Ahnung vom Verkauf!«erklärte er geringschätzig.»Sie würden auf einer Bonusbasis verhungern.«

Es irritierte ihn jedesmal, wenn man nicht glaubte, daß Bilder verkaufen eine gottähnliche Genialität erfordere.»Ich setze mich für Sie ein, damit Sie irgendwo beim Film angenommen werden, und Sie…«

«Herr Silvers«, unterbrach ich ihn ruhig.»Schenken wir uns das. Sie wollen doch nicht mir verkaufen, sondern meinem Kunden Holt. Ich bin dafür, daß Sie Holt die Sache als großes Entgegen kommen darstellen, und bin sicher, daß er dankbar weiter kaufen wird. Ich möchte nur selbst nicht zur Dankbarkeit gezwungen werden, wo es doch eher an Ihnen läge, dankbar zu sein. Es ist hübsch, daß Sie mir beigebracht haben, das schönste Ziel eines tüchtigen Händlers bestehe darin, dem Kunden nicht nur das Fell abzuziehen, sondern ihn dafür auch noch dankbar zu stimmen. Sie sind ein großer Meister darin, aber verschonen Sie mich damit.«

Silvers’ Gesicht wirkte auf einmal etwas zerknittert. Von einer Sekunde zur anderen wirkte er zwanzig Jahre älter.»So«, sagte er leise,»ich soll Sie verschonen. Und was habe ich vom Leben? Sie feiern Cocktailpartys für mein Geld, Sie sind fünfundzwanzig Jahre jünger als ich, ich hocke hier in diesem Hotel und warte auf Kunden wie eine alte Spinne. Ich erziehe Sie wie einen Sohn, und Sie werden schon ärgerlich, wenn ich meine müden Klauen an Ihnen schärfe! Soll ich denn überhaupt keinen Spaß mehr haben?«

Ich sah ihn scharf an. Ich kannte seinen Trick mit dem Sterben, dem Kranksein und der Tatsache, daß niemand auch nur das kleinste Bild mit ins Jenseits nehmen könne. Da sei es dann doch besser, an sympathische Kunden hier auf Erden zu verkaufen, selbst unter Verlust, solange man noch da sei — es sei ja nicht mehr lange. Ich selbst hatte die Medizinflasche arrangiert, als sich Silvers müde und blaß, von seiner treuen Frau vorsichtig bleich geschminkt, im blauen Schlafrock ins Bett legte, um einen scheußlichen Schinken, einen riesigen toten Jockey mit seinem Pferd,»mit Verlust «an einen Ölmillionär aus Texas zu verkaufen. Ich war daraufgekommen, Silvers’ gewohnten roten Schlafrock gegen einen blauen auszutauschen, weil in Blau die Krankenblässe noch stärker hervortrat. Ich hatte die Verhandlungen zweimal mit Medizin unterbrochen, die Silvers einnehmen mußte und die aus Wodka bestand — auch das eine Nuance von mir, statt Whisky, wie Silvers geplant hatte, Wodka zu reichen — Wodka roch nicht, aber Whisky war für gute Texanernasen schon zwanzig Meilen weit zu schnuppern. Silvers hatte mir schließlich mit ersterbender Stimme den Kaufvertrag diktiert, an dem er zwanzigtausend Dollar verdiente. Ich hatte, als ich die Summe hörte, die üblichen weiten Augen stummen Protestes bekommen und dann ergeben leicht den Kopf geschüttelt. Ich kannte alle diese Tricks von Silvers, in denen er unerschöpflich war und die er sein» künstlerisches Dampfablassen «nannte, aber diese neue verdrießliche Note kannte ich noch nicht, auch nicht das echte Zeichen von Erschöpfung in seinem Gesicht.

«Bekommt Ihnen das Klima nicht?«fragte ich.

«Klima! Ich komme vor Langeweile um! Stellen Sie sich vor«, sagte er,»aus Langeweile lade ich so ein Mädchen, das ich am Swimming-pool kennengelernt habe — übrigens ein blondes hübsches, nichtssagendes Ding von neunzehn Jahren, man muß hier mit dem Alter ja sehr vorsichtig sein, die Küken behaupten, sie seien keine Minderjährigen mehr, und vor der Tür lauert schon die Mutter, um einen zu erpressen —, also ich lade sie ein, mit mir zu essen, und sie kommt. Wir nehmen etwas Champagner, Shrimps mit Thousand-Islands-Sauce, Sirloinsteak, alles in der hübschen Küche mit Eßzimmer hier oben serviert. Wir werden fröhlich, ich vergesse mein trostloses Leben, wir gehen ins Schlafzimmer, und was passiert?«

«Sie schreit aus dem Fenster heraus, sie werde vergewaltigt. Polizei, Polizei!«

Silvers überlegte einen Augenblick erstaunt.»Kommt das vor?«»Mein Nachbar Scott hat mir erklärt, es sei hier einer der ein fachsten Tricks, zu Geld zu kommen.«