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Warrens Grinsen kehrte zurück. »Ich nehme das als Kompliment.«

Zedd legte den Kopf horchend auf die Seite. »Hast du das gehört?«

Warrens Grinsen erlosch, als er zusammen mit Zedd auf die Geräusche draußen lauschte. Pferde klapperten über den harten Untergrund, Soldaten gingen sich unterhaltend am Zelt vorbei, andere riefen Befehle, man hörte das Knacken von Lagerfeuern, das Ächzen der Karren und das Rasseln und Scheppern von Gerät.

»Gehört? Was denn?«

Ein vager Ausdruck des Unbehagens zeigte sich auf Zedds Gesicht. »Ich weiß nicht. Vielleicht ein Schrei.«

Warren deutete mit dem Daumen über die Schulter. »Ab und an pfeifen die Soldaten, um die Pferde auf sich aufmerksam zu machen. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden.«

Alle taten ihr Möglichstes, um Pfeifen und anderen Lärm so gering wie möglich zu halten. Vor allem Pfiffe trugen weit in diesem offenen Gelände. Natürlich war es schwierig, ein Feldlager von der Größe des d’Haranischen Heers zu übersehen, deshalb wurde das Lager von Zeit zu Zeit verlegt, um zu verhindern, dass der Feind sich ihrer Position allzu sicher sein konnte. Geräusche verrieten mehr, als ihnen lieb sein konnte.

Zedd schüttelte den Kopf. »Das muss es wohl gewesen sein. Irgendein lang gezogener Pfiff.«

»Trotzdem, Zedd«, fuhr Warren fort. »Ann hätte Verna längst eine Nachricht schicken müssen.«

»Es gab Zeiten, während ich mit Ann zusammen war, als sie keine Nachrichten abschicken konnte.« Zedd machte eine ausladende Armbewegung. »Verdammt, es gab einmal eine Zeit, da habe ich ihr verboten, dieses verflixte Reisebuch zu benutzen. Bei dem Ding überläuft es mich eiskalt. Keine Ahnung, warum sie nicht einfach Briefe schreiben kann wie andere Leute auch.« Er wusste, dass ihm sein Kummer ins Gesicht geschrieben stand. »Diese verflixten Reisebücher. Nur faule Menschen bedienen sich solcher Methoden. Ich bin zum Obersten Zauberer aufgestiegen, ohne jemals ein Reisebuch zu benutzen.«

»Sie könnte es verloren haben. Zumindest deutete Verna so etwas an.«

Zedd hob einen Finger. »Stimmt, möglich wäre das durchaus. Es ist klein – es könnte ihr aus dem Gürtel gerutscht sein, und sie hat es erst bemerkt, als Alessandra das Lager aufschlug. In diesem Fall wird sie das Buch nie wiederfinden.« Er schwenkte den Finger. »Was ich immer sage, man sollte sich niemals auf diese kleinen Tricks der Magie verlassen. Das macht einen nur bequem.«

»Dasselbe dachte Verna auch, dass es ihr aus dem Gürtel gerutscht sein könnte, meine ich.« Warren lachte amüsiert in sich hinein. »Vielleicht hat es auch eine Katze gefressen.«

Zedd musterte Warren argwöhnisch unter einer tief zerfurchten Stirn hervor. »Eine Katze? Was für eine Katze?«

»Irgendeine halt.« Warren räusperte sich. »Ich wollte damit nur sagen … ach, schon gut. Im Scherzemachen war ich nie sehr geschickt.«

Zedds runzelige Stirn glättete sich. »Ah, verstehe. Eine Katze könnte es gefressen haben. Ja, jetzt verstehe ich.« Er verstand keineswegs, trotzdem zwang sich Zedd dem Jungen zuliebe zu einem amüsierten Lächeln. »Ganz hervorragend, Warren.«

»Wie auch immer, vermutlich hat sie es verloren. Wahrscheinlich ist etwas so Einfaches der Grund.«

»In diesem Fall«, überlegte Zedd, »wird sie voraussichtlich herkommen, um uns mitzuteilen, dass sie wohlauf ist, oder wenigstens einen Brief oder einen Boten schicken. Noch wahrscheinlicher ist, dass sie uns überhaupt nichts mitzuteilen hatte und einfach keine Notwendigkeit sah, mit Hilfe ihres Reisebuches eine Nachricht abzuschicken.«

Warren machte ein skeptisches Gesicht. »Aber wir warten jetzt schon einen Monat auf Nachricht von ihr.«

Zedd machte eine wegwerfende Handbewegung. »Nun, das Letzte, was wir hörten, war, dass sie sich weit oben im Norden befindet, ganz in der Nähe von Richard und Kahlan. Wenn sie das Buch tatsächlich verloren hat und von dort unverzüglich hierher aufgebrochen ist, wird sie frühestens in ein oder zwei Wochen hier eintreffen. Ist sie aber zuerst weitergereist, um Richard zu besuchen, wird es länger dauern, könnte ich mir vorstellen. Ann ist nicht besonders gut zu Fuß, musst du wissen.«

»Ich weiß«, erwiderte Warren. »Sie wird langsam alt, aber unter anderem deshalb bin ich ja so besorgt.«

Was Zedd tatsächlich Sorgen machte, war der Umstand, dass das Reisebuch just in dem Augenblick verstummt war, als sie im Begriff war, sich mit Richard und Kahlan in Verbindung zu setzen. Zedd hatte erwartungsvoll darauf gehofft zu hören, dass Richard und Kahlan in Sicherheit seien, Kahlan wieder vollständig genesen, vielleicht sogar, dass Richard bereit sei, zurückzukehren. Ann wusste, wie ungeduldig sie auf Nachrichten warteten, und hätte gewiss etwas zu berichten gehabt. Es behagte Zedd ganz und gar nicht, dass das Reisebuch ausgerechnet in diesem Augenblick verstummt war. Kein bisschen.

Das Ganze weckte in ihm das Bedürfnis, sich zu kratzen, als wäre er von einer weißen Mücke gestochen worden.

»Sieh mal, Warren, einen Monat nichts von ihr zu hören ist keine ungewöhnlich lange Zeit, früher lagen oft mehrere Wochen zwischen ihren Nachrichten. Es ist noch zu früh, um sich vor Sorge verrückt zu machen. Außerdem haben wir unsere eigenen Sorgen, die unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.«

Zedd hatte nicht die leiseste Ahnung, was sie hätten unternehmen können, falls Ann tatsächlich irgendwo in Schwierigkeiten war. Sie wusste ja nicht einmal, wie sie sie hätten finden sollen.

Warren ließ kurz ein reumütiges Lächeln sehen. »Du hast Recht, Zedd.«

Zedd verschob eine Karte und entdeckte darunter einen halben, vom Vorabend übrig gebliebenen Laib Brot. Er biss ein Stück ab und verschaffte sich so eine Ausrede, zu kauen statt zu reden. Beim Reden, so befürchtete er, hätte er nur das wahre Ausmaß seiner Sorge nicht nur um Ann, sondern auch um Richard und Kahlan verraten.

Warren war ein fähiger Zauberer und so ziemlich der aufgeweckteste Mensch, dem Zedd jemals begegnet war. Oft fiel es Zedd schwer, ein Gesprächsthema zu finden, das Warren noch unbekannt war, beziehungsweise in dem er sich nicht längst bis ins Detail auskannte. Es hatte etwas Erfrischendes, Kenntnisse mit jemandem auszutauschen, der bei der Erwähnung esoterischer Fragen der Magie, die niemand sonst verstand, wissend nickte, mit jemandem, der in der Lage war, die kleinen Wissenslücken in dem einen oder anderen Bann zu füllen, oder der Vergnügen daran fand, sich seine eigenen Wissenslücken von Zedd auffüllen zu lassen. Warren hatte mehr über Prophezeiungen in seinem Gedächtnis abgespeichert, als in Zedds Augen von Rechts wegen überhaupt jemand darüber wissen durfte.

Warren war eine faszinierende Mischung aus einem halsstarrigen alten Mann und einem unerfahrenen jungen Burschen, einerseits festgefahren, dabei zugleich auf völlig offene, grenzenlose und naive Weise neugierig.

Sobald aber von Richards Vision die Rede war, verstummte Warren augenblicklich; gewöhnlich nahm sein Gesicht dann einen leeren Ausdruck an, und er saß kommentarlos daneben, während die anderen darüber stritten, was Richard in seinen Briefen geschrieben hatte, und ob dies stichhaltig sei. Jedes Mal, wenn Zedd ihn allein antraf und sich erkundigte, wie er darüber dachte, antwortete Warren nur: »Ich folge Richard; er ist mein Freund, und er ist der Lord Rahl.« Warren weigerte sich, über die Anweisungen zu debattieren, die Richard der Armee gab – oder genauer: über Richards Weigerung, solche Anweisungen zu geben. Soweit es Warren betraf, hatte Richard seine Befehle längst erteilt, und die galt es zu befolgen und nicht zu zerreden.

Zedd bemerkte, dass Warren abermals sein Gewand zu einem Knäuel verdrehte. Mit seinem Brot herumfuchtelnd, sagte er: »Du siehst aus wie ein Zauberer, der lauter juckende Banne in der Hose sitzen hat. Möchtest du vielleicht irgend etwas loswerden, Warren?«

Warren grinste verlegen. »Sieht man mir das so deutlich an?«

Zedd versetzte dem Jungen einen Klaps auf den Rücken. »Keineswegs, Warren, ich bin nur so gut.«