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»Nicci.«

»Nicci…«, stieß Captain Meiffert hervor. »Die Herrin des Todes?«

Kahlan sah ihm in die Augen. »Genau die. Würde mir jetzt endlich jemand Bericht erstatten?«

Ihr Befehl war unmissverständlich, ebenso wie die Verärgerung in ihrer Stimme. Captain Meiffert deutete mit erhobenem Arm nach Süden.

»Die Streitkräfte der Imperialen Ordnung, Mutter Konfessor, und zwar die gesamten, sind endlich aus Anderith angerückt.« Er rieb sich die Stirn und versuchte nachzudenken. »Gestern Morgen, glaube ich, war das.«

»Wir wollten sie hier herauf, in das von Tälern durchzogene Gelände locken«, warf Zedd ein. »Unser Plan war, sie dazu zu bewegen, das Grasland, wo wir sie nicht hätten binden können, zu verlassen und in ein Gebiet vorzudringen, wo die Chancen dafür besser standen.«

»Uns war bewusst«, fuhr Captain Meiffert fort, »dass es ein verhängnisvoller Fehler sein würde, sie passieren und ohne Gegenwehr in die Midlands eindringen zu lassen. Um zu verhindern, dass sie ihre ganze Schlagkraft gegen die Bevölkerung entfesseln, waren wir gezwungen, sie in Kampfhandlungen zu verwickeln. Wir mussten sie angreifen und ihren Vormarsch zum Stocken bringen, und die einzige Möglichkeit, das zu erreichen, bestand darin, sie zum Verlassen des offenen Geländes zu verleiten, wo sie im Vorteil waren, damit sie uns in ein Gelände folgen, wo die Verhältnisse ausgeglichener sind.«

Kahlan nickte und ließ den Blick über den bedrückenden Kampfschauplatz schweifen. »Wie viele Männer haben wir verloren?«

»Vielleicht fünfzehntausend, würde ich schätzen«, antwortete Captain Meiffert. »Aber das ist nur eine Vermutung, es können auch mehr sein.«

»Sie haben Euch in die Zange genommen, nicht wahr?« Es klang nicht wie eine Frage.

»So ist es, Mutter Konfessor.«

»Was ist also schief gegangen?«

Die galeanischen Truppen in ihrem Rücken bildeten eine massive Wand aus Leder, Kettenpanzern und Stahl; Offiziere verfolgten mit durchdringendem Blick und spitzen Ohren das Geschehen.

»Was nicht?«, brummte Zedd.

»Aus irgendeinem Grund«, erläuterte der Captain, »wussten sie von unserem Plan, der vermutlich aber auch nicht übermäßig schwer zu erraten war, da jedem bekannt gewesen sein dürfte, dass er unsere einzige Chance gegen diese Übermacht darstellte. Sie waren überzeugt, uns dessen ungeachtet vernichtend schlagen zu können, daher taten sie uns den Gefallen, sich auf unseren Plan einzulassen.«

»Wie ich bereits fragte, was ist schief gegangen?«

»Was ist schief gegangen!«, rief General Leiden aufgebracht dazwischen. »Wir waren zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen! Das ist schief gegangen!«

Kahlan bedachte den Mann mit einem kühlen Blick. Er schien sich zu fangen und ließ sich auf ein Knie fallen.

»Meine Königin«, fügte er in förmlicher Anrede hinzu, bevor er wieder verstummte.

Kahlans Blick verlor etwas von seiner Schärfe, als sie sich erneut Captain Meiffert zuwandte.

Zedd bemerkte, dass sich die Fäuste des Captains fester ballten, als er mit seinem Bericht fortfuhr. »Soweit wir dies mit Bestimmtheit sagen können, Mutter Konfessor, ist es ihnen irgendwie gelungen, eine Division über den Fluss zu setzen. Wir sind ziemlich sicher, dass sie das offene Gelände im Osten nicht benutzt haben – wir hatten für den Fall, dass sie dies, wie befürchtet, versuchen sollten, Vorbereitungen getroffen.«

»Offenbar sind sie also«, erwiderte Kahlan, »zu dem Schluss gekommen, Ihr hieltet dies für unmöglich, haben eine Division – vermutlich sehr viel mehr, da sie ihre Verluste beim Übersetzen zweifellos ausgleichen wollten – über den Fluss geschickt, sind überraschend, unbeobachtet und unbemerkt in nördlicher Richtung durch die Berge marschiert und haben den Fluss anschließend ein weiteres Mal überquert. Und als Ihr dort eintraft, haben sie Euch bereits erwartet, ein Gelände kontrollierend, das eigentlich Ihr habt kontrollieren wollen. Da Euch die Imperiale Ordnung dicht auf den Fersen war, hattet Ihr keine Möglichkeit auszuweichen. Der Plan der Imperialen Ordnung bestand darin, Euch zwischen der das leicht zu verteidigende Gelände kontrollierenden Division und der Armee in Eurem Rücken aufzureiben.«

»So in etwa hat es sich abgespielt«, bestätigte Captain Meiffert.

»Was wurde aus der Division, die hier gewartet hat?«, fragte sie.

»Wir haben sie vernichtet«, antwortete der Captain, jetzt selbst von kaltem Zorn gepackt. »Nachdem wir begriffen hatten, was geschehen war, wussten wir, dass darin unsere einzige Chance lag.«

Kahlan bedachte ihn mit einem Nicken. Sie wusste nur zu gut, welch übermächtige Anstrengung sich hinter seinen schlichten Worten verbarg.

»Und währenddessen haben sie uns von hinten in Stücke geschlagen!« General Leidens Zorn schien sich allmählich zu legen. »Wir hatten keine Chance.«

»Offenbar doch«, erwiderte sie. »Ihr habt das Tal erobert.«

»Und wenn schon, gegen eine Streitmacht von ihrer Größe können wir nicht kämpfen. Es war glatter Wahnsinn, Soldaten in diesen Fleischwolf zu werfen. Zu welchem Zweck? Wir haben dieses Tal eingenommen, allerdings um einen fürchterlichen Preis. Wir werden eine derart gewaltige Streitmacht niemals aufhalten können! Von Anfang bis Ende haben sie mit uns gemacht, was sie wollten. Wir haben sie nicht aufgehalten, sie sind es einfach für heute Abend leid geworden, uns in Stücke zu hacken!«

Einige Männer sahen verschämt fort, andere ließen den Blick zu Boden sinken; nur das Knacken der Lagerfeuer und das Stöhnen der Verwundeten erfüllte die eiskalte Nachtluft.

Kahlan sah sich abermals um. »Und wieso sitzt ihr hier jetzt tatenlos herum?«

Zedd fuhr aus der Haut, als seine aufgestaute Wut sich löste. »Wir waren zwei volle Tage in Kämpfe verwickelt, Kahlan.«

»Nun gut. Trotzdem werde ich nicht zulassen, dass sich der Feind mit dem Gefühl des Sieges schlafen legt. Verstanden?«

Captain Meiffert salutierte mit einem Faustschlag auf sein Herz. »Vollkommen, Mutter Konfessor.«

Er sah sich nach beiden Seiten um. Aufmerksame Soldaten, sowohl in unmittelbarer Nähe als auch weiter entfernt, salutierten ebenfalls mit der Faust auf ihrem Herzen.

»Mutter Konfessor«, wandte General Leiden ein, ihren Titel als Königin fortlassend, »die Männer sind mittlerweile seit zwei Tagen auf den Beinen.«

»Dessen bin ich mir bewusst«, entgegnete Kahlan. »Wir sitzen mittlerweile seit drei Tagen ohne Unterbrechung im Sattel, doch weder das Eine noch das Andere wird etwas daran ändern, was jetzt getan werden muss.«

Im harten Widerschein des Feuers wirkten die Falten in General Leidens Gesicht wie entzündete, klaffende Wunden. Die Lippen aufeinander gepresst, verneigte er sich vor seiner Königin, ergriff, als er sich aufrichtete, jedoch erneut das Wort.

»Meine Königin, Mutter Konfessor, Ihr könnt unmöglich allen Ernstes erwarten, dass wir einen Nachtangriff durchführen. Es scheint kein Mond, und die Sterne sind größtenteils hinter Wolken verborgen. Bei völliger Dunkelheit würde ein solcher Angriff in einer Katastrophe enden. Es wäre Wahnsinn!«

Endlich löste Kahlan ihren kalt funkelnden Blick von dem keltonischen General und ließ den Blick über die um sie Versammelten schweifen. »Wo ist General Reibisch?«

Zedd musste schlucken. »Ich fürchte, er liegt dort.«

Sie sah zu der Stelle, auf die Zedd zeigte, zu dem Leichnam, auf dem er, beim Versuch ihn zu heilen, eingeschlafen war. Der rostfarbene Bart war von getrocknetem Blut verklebt, seine graugrünen Augen blickten starr, der Ausdruck von Schmerz war aus ihnen gewichen. Es war ein sinnloses Unterfangen gewesen, dessen war sich Zedd bewusst, aber er hatte nicht anders handeln können, er hatte versuchen müssen, das Unheilbare zu heilen, und das mit allen Kräften, die ihm noch verblieben waren. Es hatte nicht gereicht.

»Wer ist der nachfolgende befehlshabende Offizier?«

»Das dürfte ich sein, meine Königin«, antwortete General Leiden, einen Schritt vortretend. »Aber als ranghöchster Offizier kann ich nicht zulassen, dass meine Männer…«