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Kahlan hob abwehrend eine Hand. »Das wäre alles, Lieutenant Leiden.«

Er räusperte sich. »General Leiden, meine Königin.«

Sie fixierte ihn mit unversöhnlicher Härte. »Mich einmal in Zweifel zu ziehen, Lieutenant, ist einfach nur ein Fehler, zweimal ist Verrat. Und Verräter werden bei uns hingerichtet.«

Eine schnelle Handbewegung, und Cara hatte ihren Strafer in der Faust. »Zur Seite, Lieutenant.«

Selbst im gespenstischen grünen und orangefarbenen Schein der Feuer konnte Zedd verfolgen, wie das Gesicht des Mannes zusehends blasser wurde. Er trat einen Schritt zurück und verstummte klugerweise – wenn auch zu spät.

»Wer ist der nachfolgende befehlshabende Offizier?«, wiederholte Kahlan ihre Frage.

»Kahlan«, wandte Zedd ein, »ich fürchte, die Imperiale Ordnung hat ihre mit der Gabe Gesegneten dazu benutzt, die ranghohen Offiziere auszusondern. Wir haben unser Möglichstes getan, trotzdem haben wir, glaube ich, alle unsere hochrangigen Offiziere verloren. Aber wenigstens haben sie einen hohen Preis dafür bezahlen müssen.«

»Wer ist der nachfolgende befehlshabende Offizier?«

Captain Meiffert sah sich um und hob schließlich seine Hand.

»Ich bin nicht absolut sicher, Mutter Konfessor, aber ich glaube, das bin ich.«

»Sehr gut, General Meiffert.«

Er neigte seinen Kopf. »Mutter Konfessor«, sagte er mit ruhiger, vertraulicher Stimme, »das war nicht erforderlich.«

»Das hat auch niemand behauptet, General.«

Der frisch gebackene General schlug sich mit der Faust aufs Herz. Zedd und Cara billigten die Entscheidung mit einem wild entschlossenen Lächeln. Es waren die einzigen lächelnden Gesichter unter den vielen tausend, die das Geschehen verfolgten. Nicht, dass die Männer es missbilligt hätten, eher waren sie erleichtert, dass jemand so entschlossen das Kommando führte; eiserne Autorität stieß bei den D’Haranern stets auf Respekt. Da sie Lord Rahl nicht haben konnten, gaben sie sich mit seiner Gemahlin zufrieden, zumal, wenn sie so hart auftrat wie in diesem Augenblick. Vielleicht lächelten sie nicht, aber sie waren zufrieden, das wusste Zedd.

»Ich sagte es bereits, ich werde nicht zulassen, dass sich der Feind im Gefühl des Sieges schlafen legt.« Kahlan ließ den Blick über die Gesichter vor ihr wandern. »Ich möchte, dass in einer Stunde eine Kavallerieeinheit zum Losschlagen bereit steht.«

»Und wen beabsichtigt Ihr, mit diesem Angriff zu beauftragen, meine Königin?«, wagte Leiden zu fragen.

Jeder wusste, was der ehemalige General mit dieser Frage meinte. Er wollte wissen, wen sie in den Tod zu schicken beabsichtigte.

»Es wird zwei Flanken geben. Eine, die das Lager der Imperialen Ordnung unbemerkt umgehen wird, um von Süden her, wo sie es am wenigsten erwarten, einzufallen, sowie eine zweite, die sich zurückhalten wird, bis die erste ihren Einsatzort erreicht hat, um daraufhin von dieser Seite, von Norden her, anzugreifen. Ich habe die Absicht, vor dem Schlafengehen noch ein wenig Blut zu vergießen.«

Ihr Blick wanderte zurück zu den Augen des soeben degradierten Lieutenants Leiden, dann beantwortete sie seine Frage. »Die Führung des südlichen Flügels werde ich selbst übernehmen.«

Alle außer dem neuen General begannen Einwände vorzubringen; Leiden meldete sich erneut zu Wort: »Meine Königin, warum wollt Ihr unbedingt, dass wir unsere Männer für einen Kavallerieangriff aufstellen?« Dabei deutete er auf die Mauer aus ausschließlich berittenen Soldaten hinter ihr: ausnahmslos Galeaner, die traditionellen Feinde Keltons, der Heimat Leidens. »Wo wir doch diese Truppen haben?«

»Diese Männer werden dabei helfen, in dieser Armee wieder Ordnung zu schaffen, sie werden die Diensttuenden ablösen, damit diese ihre dringend benötigte Ruhe bekommen, sie werden helfen, Verteidigungsgräben auszuheben, und sie werden überall dort einspringen, wo sie gebraucht werden. Die mit Blut befleckten Soldaten sind es, die das Bedürfnis haben, mit dem süßen Gefühl der Rache zu Bett zu gehen. Ich würde niemals wagen, den D’Haranern etwas vorzuenthalten, auf das sie ein Anrecht haben.«

Ein Jubelschrei erhob sich.

Zedd dachte, wenn Krieg Wahnsinn war, dann hatte dieser Wahnsinn soeben seine Meisterin gefunden.

General Meiffert trat einen Schritt näher auf sie zu. »Meine besten Männer werden in einer Stunde bereitstehen, Mutter Konfessor. Jeder Einzelne von ihnen wird bereit sein, loszuschlagen; ich werde eine Menge Freiwillige enttäuschen müssen.«

Kahlan nickte, und ihr Gesichtsausdruck verlor etwas von seiner Härte. »Dann wählt jetzt Euren Anführer für die Nordflanke aus, General.«

»Die Führung der Nordflanke werde ich selbst übernehmen, Mutter Konfessor.«

Kahlan lächelte. »Sehr gut.«

Sie gab den galeanischen Truppen Befehl, abzutreten und sich auf ihre Posten zu begeben. Mit einem Wink ihres Fingers entließ sie alle bis auf die unmittelbar Umstehenden, dann bat sie diesen engsten Kreis näher zu sich.

»Was ist mit Richards Warnung, die Imperiale Ordnung nicht unmittelbar anzugreifen?«, wollte Verna wissen.

»Richards Worte sind mir noch sehr gut in Erinnerung. Ich werde die Hauptstreitmacht nicht unmittelbar angreifen.«

Zedd wunderte sich nicht, dass sie ihr noch gut in Erinnerung waren, schließlich war sie bei Richard gewesen – die anderen hingegen nicht. Zedd brachte ein heikles Thema zur Sprache.

»Die Hauptstreitmacht wird gut geschützt in der Mitte stehen. Selbstverständlich wird es auch an den Rändern, wo du angreifen willst, Verteidigungsmaßnahmen geben, aber im Rückraum des Feldlagers der Imperialen Ordnung – vor allem am südlichen Rand – werden sich hauptsächlich die Marketender aufhalten.«

»Das interessiert mich nicht im Geringsten«, erwiderte sie mit kalter Wut. »Wenn sie sich der Imperialen Ordnung angeschlossen haben, dann sind sie der Feind. Pardon wird nicht gegeben.« Sie sah ihren frisch gebackenen General an, als sie ihre Befehle ausgab. »Es ist mir vollkommen gleichgültig, ob wir ihre Huren oder ihre Generäle töten. Ich wünsche mir den Tod eines jeden Bäckers und Kochs ebenso wie den eines jeden Offiziers und Bogenschützen. Mit jedem Marketender, den wir töten, berauben wir sie der Bequemlichkeiten, die sie genießen. Ich habe die Absicht, ihnen absolut alles zu nehmen, ihr Leben inbegriffen. Ist das verstanden?«

General Meiffert bedachte sie mit dem erwarteten Nicken. »Kein Pardon. Von uns wird niemand Euch widersprechen, Mutter Konfessor; so lautet der d’Haranische Schlachtruf.«

Zedd wusste, Kahlans Methoden waren in Kriegszeiten gewöhnlich die einzige Möglichkeit, sich zu behaupten. Der Feind würde kein Pardon geben, brauchte es auch nicht für sich zu fordern, wenn er nicht in dieses Land eingefallen wäre. Jede Hure und jeder Händler hatte sich aus freien Stücken entschieden, an diesem Überfall teilzunehmen und soviel Profit als möglich aus dem Blut und der Beute zu schlagen, durch die die Imperiale Ordnung geradezu watete.

Verna meldete sich zu Wort. »Ann wollte Euch und Richard aufsuchen, Mutter Konfessor. Mittlerweile ist es über einen Monat her, dass wir von ihr gehört haben. Habt Ihr sie gesehen?«

»Ja.«

Gewarnt durch den stählernen Blick in Kahlans Augen, benetzte Verna ihre Lippen. »War sie wohlauf?«

»Als ich sie das letzte Mal sah, ja.«

»Wisst Ihr vielleicht, warum sie sich nicht bei uns gemeldet hat?«

»Ich habe ihr Reisebuch ins Feuer geworfen.«

Verna trat vor und machte Anstalten, Kahlan an der Schulter zu packen. Blitzrasch schnellte Caras Strafer hoch und versperrte ihr den Weg.

»Niemand krümmt der Mutter Konfessor ein Haar.« Caras kalte blaue Augen waren ebenso tödlich wie ihre Worte. »Ist das klar? Niemand.«

»Ihr habt es mit einer Mord-Sith und einer Mutter Konfessor zu tun, die beide bei überaus schlechter Laune sind«, sagte Kahlan mit einer Stimme, die jede Aufgeregtheit vermissen ließ. »Ich möchte Euch raten, uns keinen Grund zu geben, die Geduld zu verlieren, es könnte sein, dass wir sie zu Euren Lebzeiten nicht mehr wiederfinden.«