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»Genau das hat auch Zedd mir erklärt – dass man im Krieg meist gar keine Magie zu sehen bekommt, weil es beiden Seiten lediglich gelingt, die jeweils andere aufzuheben.«

Verna nickte. »Genau so ist es; wir verfahren mit ihnen ebenso. Mittlerweile können wir den Dingen entgegenwirken, die sie anfangs eingesetzt haben, und auf diese Weise unsere Männer schützen. Unsere Alarmhörner zum Beispieclass="underline" Wir haben herausgefunden, dass wir ihren Ton mit einer geringen Portion Magie verschlüsseln müssen, um zu wissen, dass er echt ist.«

Kahlan hüllte sich bis über den Hals in ihren Pelzüberwurf; sie fror bis auf die Knochen und schien einfach nicht warm werden zu können. Was nicht überraschte, da sie sich fast ohne Unterlass im Freien aufhielt. Es war Wahnsinn, unter diesen Witterungsbedingungen einen Krieg zu führen; allerdings war ein Krieg bei schönem Wetter vermutlich nicht weniger wahnsinnig. Dennoch sehnte sie sich nach einem Dach über dem Kopf und nach einem gemütlichen Feuer.

»Und was ist Euch nun eingefallen?«

Als hätte sie jemand an die Kälte erinnert, zog Verna ihren Umhang fester um die Schultern. »Nun ja, ich dachte mir, wenn die mit der Gabe auf Seiten des Feindes alles Magische oder auch nur von Magie Angetriebene herausfiltern, dann brauchen wir etwas, das nichts mit Magie zu tun hat.«

Kahlan bedachte Verna mit einem unbarmherzigen Lächeln. »Das haben wir bereits, man nennt es Soldaten.«

Verna erwiderte das Lächeln nicht. »Nein, ich meinte etwas, das die mit der Gabe tun können, um die feindlichen Truppen kampfunfähig zu machen, ohne gleichzeitig unsere eigenen Männer zu gefährden.«

Adie kam herbeigeschlurft und schaute über Kahlans linke Schulter, als Verna in ihren Umhang griff und einen kleinen, mit einer Zugschnur verschlossenen Lederbeutel hervorholte. Sie warf ihn vor Kahlan auf den Tisch und legte ein Blatt Papier daneben.

»Bitte schüttet ein wenig davon auf das Blatt Papier.« Verna hielt sich den Bauch, als leide sie unter Magengrimmen. »Aber achtet darauf, dass es weder mit Euren Fingern oder mit Eurer Haut in Berührung kommt – und was immer Ihr tut, blast nicht hinein; seid sorgsam darauf bedacht, es nicht einmal anzuhauchen.«

Adie beugte sich vor, um zu sehen wie Kahlan eine winzige Menge eines glitzernden Staubes aus dem Beutel auf das Papierrechteck schüttete. Mit einem Zipfel des Beutels schob sie das kleine Häufchen zusammen. Man sah Spuren matter Farben, größtenteils war er jedoch von einer blassen, glitzernden graugrünen Farbe. »Was ist das? Eine Art magischer Staub?«

»Glas.«

Kahlan sah auf. »Glas. Das ist Euer Einfall, Glas?«

Verna schnalzte mit der Zunge, als ihr bewusst wurde, wie töricht sie geklungen haben musste. »Nein, Mutter Konfessor. Mein Einfall bestand darin, es zu zermahlen. Seht Ihr, dies ist ganz normales Glas, das man zerschlagen und zu winzig kleinen, beinahe staubfeinen Stücken zerrieben hat. Allerdings haben wir unser Han benutzt, um das Glas mit Mörser und Stößel zu zerkleinern. Wir können das Glas mit Hilfe unserer Gabe in winzige Stücke zerbrechen, allerdings auf ganz besondere Weise.«

Verna beugte sich darüber, während ihre Finger über dem kleinen, gräulichgrünen Häufchen schwebten. Cara schob den Kopf an ihr vorbei, um das gefährliche Etwas auf dem Blatt Papier in Augenschein zu nehmen.

»Dieses Glas – jeder einzelne Splitter – ist scharfkantig und zackig, und das, obwohl die einzelnen Stücke winzig sind, kaum größer als Staubpartikel. Und sie wiegen, ebenso wie Staub, fast nichts.«

»Gütige Seelen«, entfuhr es Adie, bevor sie ein Gebet in ihrer eigenen Sprache folgen ließ.

Kahlan räusperte sich. »Ich kann Euch nicht ganz folgen.«

»Wir kommen mit unserer Magie nicht an der Verteidigung der mit der Gabe Gesegneten innerhalb der Imperialen Ordnung vorbei. Sie sind auf alles Magische vorbereitet, selbst wenn es sich um einen einfachen Kieselstein handelt, der ihren Truppen lediglich mit Hilfe von Magie entgegengeschleudert wird. Dieses Glas dagegen weist, obwohl wir es mit Hilfe von Magie zerkleinert haben, keinerlei magische Eigenschaften auf – absolut keine. Es ist nichts weiter als tote Materie, genau wie der Staub, den sie mit ihren Füßen aufwirbeln. Sie können es nicht als Magie erkennen, weil es keine ist. Mit ihrer Gabe werden sie dies einfach als Staub, Dunst oder vielleicht auch Nebel wahrnehmen, je nach den jeweiligen atmosphärischen Gegebenheiten.«

»Aber wir haben ihnen doch bereits Staubwolken entgegengeschleudert«, hielt Kahlan dagegen. »Staub, der bei ihnen Übelkeit erzeugt und Ähnliches mehr. In den meisten Fällen hatten sie ein Gegenmittel.«

Zur Unterstreichung ihres Arguments hob Verna einen Finger, ein hartes Lächeln im Gesicht. »Aber das waren Staubwolken, die Magie enthielten. Dieser Staub hingegen ist völlig frei davon, Mutter Konfessor. Versteht Ihr nicht? Er ist so leicht, dass er sich lange in der Luft hält. Wir könnten eine einfache Magie dazu benutzen, ihn in die Luft zu schleudern, und diese anschließend zurückziehen, oder wir könnten ihn auch nur einfach in den Wind streuen. In beiden Fällen müssten wir nur darauf achten, dass ihre Truppen hindurchmarschieren. «

»Also gut.« Kahlan kratzte sich an einer Braue. »Aber was wird er bei ihnen bewirken?«

»Er wird sich ihnen in die Augen setzen«, erklärte Adie mit ihrer schnarrenden Stimme hinter Kahlans Schulter.

»Ganz genau«, bestätigte Verna. »Er setzt sich ihnen in die Augen, genau wie jeder andere Staub auch. Anfangs würde er sich auch ganz genauso anfühlen, und sie würden versuchen, ihn fortzublinzeln. Da die winzigen Bruchstücke aber nach wie vor schartig und rasiermesserscharf sind, werden sie in das Körpergewebe eindringen. Staub wird ihre Augen verkleben und sich unter ihren Lidern sammeln, wo er mit jedem Blinzeln tausende winziger Schnitte auf ihren Augen erzeugt. Je mehr sie blinzeln, desto schneller zerfrisst er ihre empfindlichen Augäpfel.« Verna straffte sich und zog ihren Umhang enger um sich. »Am Ende wird er sie blenden.«

Der Irrwitz ließ Kahlan ungläubig erstarren.

»Seid Ihr sicher?«, fragte Cara. »Wird er sie nicht bloß reizen, wie grobkörniger Staub?«

»Wir sind absolut sicher«, erwiderte Verna. »Wir … es hat einen Unfall gegeben, daher wissen wir nur zu gut, was er bewirkt. Möglicherweise richtet er noch größeren Schaden an, sobald er in Hals, Lungen und Darm eindringt – darüber haben wir noch keine Kenntnisse – aber wir wissen mit Sicherheit, dass solches Spezialglas, vorausgesetzt, wir zermahlen seine Partikel zur richtigen Größe, in der Luft schwebt und jeden, der in diese Wolke hineingerät, in bemerkenswert kurzer Zeit blendet. Ein Soldat, den wir blenden können, ist kampfunfähig. Der Staub wird ihn vielleicht nicht töten, aber solange er geblendet ist, kann er weder uns töten, noch kann er sich wehren, wenn wir ihn töten.«

Cara, die die Aussicht, Feinde umzubringen, gewöhnlich in Hochstimmung versetzte, wirkte in diesem Augenblick seltsam berührt. »Wir brauchten sie nur in einer Linie aufzureihen und abzuschlachten.«

Kahlan schlug die Hände vor dem Kopf zusammen.

»Ihr wollt meine Zustimmung für einen solchen Einsatz, nicht wahr? Deswegen seid Ihr hergekommen.«

Verna schwieg; schließlich sah Kahlan auf.

»Das ist es doch, was Ihr wollt, nicht wahr?«

»Mutter Konfessor, ich muss Euch nicht erklären, dass die Schwestern des Lichts es verabscheuen, Menschen Leid zuzufügen. Hier jedoch handelt es sich um einen Krieg, in dem es um unsere nackte Existenz geht, um das nackte Überleben freier Menschen. Wir wissen, dass wir keine Wahl haben. Wäre Richard hier … ich dachte nur, Ihr würdet wollen, dass man Euch davon unterrichtet, und dass Ihr diejenige seid, die einen solchen Befehl erlässt.«

Kahlan starrte die Frau an und begriff in diesem Augenblick, warum sie ihre Hand über ihren schmerzenden Bauch hielt.

»Wisst Ihr eigentlich, Prälatin«, sagte Kahlan mit einer Stimme, die kaum mehr war als ein Flüstern, »dass ich heute ein Kind getötet habe? Nicht etwa aus Versehen, sondern in voller Absicht; und ich würde es ohne das geringste Zögern wieder tun. Aber diese Gewissheit lässt mich auch nicht ruhiger schlafen.«