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»Sie haben ihre Taktik geändert«, sagte Kahlan leise bei sich. »Er lernt schnell. Ich dachte, ich hätte ihn getäuscht, dabei war ich es, die übertölpelt wurde.«

»Was murmelt Ihr da?«, wollte Cara wissen, die Hände lässig über ihrem Bauch gefaltet.

»Ich spreche von Jagang. Er hat damit gerechnet, dass ich mich von seinen im Kreis marschierenden Truppen nicht in die Irre führen lassen würde. Ich sollte glauben, ich hätte ihn überlistet. Er hat mich zum Narren gehalten.«

Cara zog ein Gesicht. »Was?«

Kahlan wurde übel, als sie die Folgen bedachte. Sie presste eine Hand gegen die Stirn, als ihr die grausige Wahrheit in ihrem ganzen Ausmaß bewusst wurde.

»Jagang wollte mich in dem Glauben lassen, ich hätte sein Spiel durchschaut, damit wir so tun, als würden wir mitspielen und unsere Truppen aussenden. Vermutlich hatte er damit gerechnet, dass sie nicht seinem Köder hinterhergeschickt, sondern stattdessen zur Vereitelung seines eigentlichen Angriffsplans eingesetzt werden würden. Das war ihm aber egal. Er hatte von Anfang an vor, seine Taktik zu ändern, und hat lediglich den Abzug dieser Truppen abgewartet, um angreifen zu können, bevor sie ihre Stellungen erreicht hatten und unsere Zahl solange reduziert war.«

»Soll das heißen«, wandte Cara ein, »die ganze Zeit, während Ihr mit ihm gesprochen und so getan habt, als glaubtet Ihr, er lasse seine Truppen nach Norden marschieren, hat er gewusst, dass Ihr ihm etwas vormacht?«

»Ich fürchte, ja. Er hat mich überlistet.«

»Vielleicht, vielleicht aber auch nicht«, meinte General Meiffert. »Noch hat er nicht gewonnen. Schließlich sind wir nicht gezwungen, ihm seinen Willen zu lassen. Wir können unsere Streitkräfte verlagern, bevor er zuschlagen kann.«

»Können wir die ausgesandten Truppen nicht zurückrufen?«, fragte Verna. »Ihre Zahl wäre ein große Hilfe.«

»Zurzeit marschieren sie Stunden von hier entfernt durch das Hinterland zu den ihnen zugewiesen Stellungen«, erwiderte General Meiffert. »Sie würden niemals rechtzeitig zurück sein, um uns noch heute Abend beistehen zu können.«

Statt weiter darüber nachzudenken, wie tölpelhaft sie sich angestellt hatte, beschäftigte Kahlan sich ernsthaft mit dem unmittelbaren Problem. »Wir müssen so schnell wie möglich abrücken.«

Der General pflichtete ihr nickend bei. »Wir könnten auf unsere ursprünglichen Pläne zurückgreifen und uns aufteilen und in kleinen Einheiten in die Berge zerstreuen.«

Er fuhr sich mit den Fingern durch sein blondes Haar, eine Geste der Verzweiflung, die Kahlan unerwartet an Richard erinnerte. »Aber in diesem Fall müssten wir den größten Teil unserer Vorräte zurücklassen. Im Winter, noch dazu ohne Vorräte, würde ein Großteil unserer Truppen nicht lange durchhalten. Ob man nun im Kampf getötet wird oder an Hunger und Kälte stirbt – tot ist man in jedem Fall.«

»Zersprengt würden wir ein leichtes Opfer abgeben«, pflichtete Kahlan ihm bei. »Das mag als allerletzter Ausweg vielleicht später einmal sinnvoll sein, aber nicht jetzt. Gegenwärtig müssen wir die Armee zusammenhalten, wenn wir den Winter überstehen und die Imperiale Ordnung auch weiterhin von ihren Eroberungsplänen ablenken wollen.«

»Auf keinen Fall dürfen wir sie widerstandslos in eine Stadt einmarschieren lassen. Das hätte nicht nur ein Blutbad zur Folge, sondern wir stünden auch vor der nahezu unlösbaren Aufgabe, sie wieder zu vertreiben.« Der General schüttelte den Kopf. »Letzten Endes könnte das all unsere Hoffnungen zunichte machen, sie jemals wieder in die Alte Welt zurückzutreiben.«

Kahlan deutete über ihre Schulter. »Was ist mit dem Tal dort hinten, über das wir gesprochen haben? Der Pass dort oben ist überaus schmal – falls erforderlich, kann er auf dieser Seite von zwei Männern und einem Hund verteidigt werden.«

»Das war auch meine Überlegung«, antwortete er. »Dort ließe sich die Armee zusammenhalten – und die Ordenstruppen wären gezwungen, sich auch weiterhin mit uns zu befassen, statt ihr Augenmerk auf irgendwelche Städte zu richten. Für den Fall, dass sie versuchen sollten, uns auf ihrem Weg in die Midlands zu umgehen, gibt es bequeme, in nördlicher Richtung aus dem Tal führende Routen, die wir einschlagen könnten. Nachschub ist bereits unterwegs, außerdem können wir noch mehr anfordern; wir müssen zusammenbleiben und unsere Kampfhandlungen mit der Armee der Imperialen Ordnung fortsetzen, bis diese Truppen eintreffen.«

»Worauf warten wir dann?«, fragte Verna. »Ziehen wir ab.«

Er bedachte sie mit einem besorgten Blick. »Im Augenblick besteht das Problem darin, dass wir mehr Zeit benötigen, wenn wir in das Tal gelangen wollen, bevor die Imperiale Ordnung über uns herfallen kann. Für Karren ist der Pass zu schmal. Die Pferde können es schaffen, nicht aber die Karren – man wird sie auseinandernehmen müssen. Unsere Ausrüstung ist größtenteils so beschaffen, dass sie zerlegt und notfalls getragen werden kann; die wenigen Teile, bei denen das nicht möglich ist, werden wir zurücklassen müssen. Der Aufbruch selbst wird nicht viel Zeit kosten, es wird jedoch eine Weile dauern, sämtliche Männer und Vorräte durch dieses Nadelöhr zu schleusen – vor allem bei Dunkelheit.«

»In einer Marschkolonne ohne Lücken dürften Fackeln ausreichen«, meinte Adie. »Die Soldaten brauchen nur ihrem Vordermann zu folgen, das schaffen sie auch bei schlechtem Licht.«

Kahlan erinnerte sich an den Handabdruck aus leuchtendem Staub. »Die mit der Gabe könnten eine Leuchtspur legen, an der sich die Männer orientieren können.«

»Das wäre in der Tat hilfreich«, sagte der General. »Bleibt noch unser grundsätzliches Problem. Die Imperiale Ordnung wird bereits hier sein, während unsere Männer noch damit beschäftigt sind, unsere Ausrüstung zu zerlegen und mitsamt den Vorräten abzutransportieren. Wir würden mitten in eine offene Feldschlacht verwickelt, wenn wir uns zeitgleich mit unserem Rückzug zu verteidigen versuchten. Ein Rückzug setzt voraus, dass man in der Lage ist, sich entweder schneller zu bewegen als der Feind, oder ihn wenigstens in Schach zu halten; beides lässt der Pass nicht zu.«

»Wir haben sie schon früher auf Distanz gehalten«, wandte Verna ein. »Das ist nicht ihr erster Angriff.«

»Da habt Ihr Recht.« Er deutete nach links. »Wir könnten stattdessen versuchen, uns in dieses Tal zurückzuziehen, allerdings wäre das im Dunkeln und bei einem gleichzeitigen Angriff der Imperialen Ordnung ein Fehler. Diesmal ist Dunkelheit das Problem. Sie werden unbeirrbar weiter vorrücken. Bei Tageslicht könnten wir Befestigungen errichten und Widerstand leisten – aber nicht nachts.«

»Wir haben hier doch bereits Verteidigungsanlagen aufgestellt«, wandte Cara ein. »Wir könnten die Stellung halten und uns ihnen frontal entgegenwerfen.«

General Meiffert biss sich auf die Unterlippe. »Das war auch meine erste Überlegung, Herrin Cara, und ist nach wie vor eine Möglichkeit, allerdings behagen mir unsere Erfolgsaussichten bei einer solchen direkten Konfrontation nicht sonderlich, jedenfalls nicht nachts, wenn sie Männer in großer Zahl ganz nah heranschmuggeln können. Im Dunkeln können wir unsere Bogenschützen nicht vorteilhaft einsetzen. Weder könnten wir ihre Truppenbewegungen noch ihre Zahl genau erkennen, somit wären wir außer Stande, unsere Männer entsprechend in Stellung zu bringen. Es ist eine Frage der Truppenstärke; ihre Zahl ist nahezu unbegrenzt, unsere dagegen nicht. Zudem haben wir nicht genügend mit der Gabe Gesegnete, um alle Möglichkeiten abzudecken – und im Krieg wird stets das getroffen, was man nicht gedeckt hat. Der Feind könnte in Massen durch eine Bresche stoßen und uns unbemerkt in der Dunkelheit umgehen; das wäre unser Ende.«

Alles schwieg, als jedem von ihnen bewusst wurde, was dies wirklich bedeutete.

»Das ist auch meine Meinung«, sagte Kahlan. »Der Pass ist unsere einzige Chance, wenn wir vermeiden wollen, heute Nacht eine Entscheidungsschlacht – und einen Großteil unserer Truppen – zu verlieren. Wir wären schlecht beraten, wenn wir das Risiko eingingen, ohne erkennbaren Vorteil die Stellung zu behaupten und zu kämpfen.«