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»Ja«, erwiderte Kahlan wild entschlossen. »Erheblich weniger gefährlich, als sich einem Frontalangriff ihrer gesamten Streitmacht auszusetzen. Also, würde es funktionieren? So redet doch, wir haben nicht mehr viel Zeit.«

»Ihr habt Recht – man würde nicht annähernd so viel benötigen.« Verna legte einen Finger an die Lippen, starrte hinaus in die Dunkelheit und überlegte. »Eins ist sicher, es wäre besser als unsere Methode.«

Kahlan begann sie zu drängen. »Sammelt es ein, sofort. So beeilt Euch doch.«

Verna verzichtete auf weitere Proteste und lief los, um das vorhandene Glas einzusammeln. Cara wollte gerade einen ganzen Schwall von Einwänden loslassen, als Zedd eine Hand hob, so als wollte er sie bitten, das stattdessen ihm zu überlassen.

»Das klingt, als könnte an deiner Idee etwas dran sein, aber jemand anderes soll das übernehmen. Es wäre geradezu töricht, zu riskieren…«

»Ich werde ein Ablenkungsmanöver brauchen«, schnitt sie ihm das Wort ab. »Irgendetwas, das ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkt. Ich werde im Dunkeln vor ihnen herreiten, daher werden sie mich wahrscheinlich nicht bemerken, trotzdem wäre es am besten, wenn irgendetwas ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nähme, nur für alle Fälle, etwas, das sie dazu verleitet, woanders hinzuschauen – solange sie noch sehen können.«

»Wie gesagt, ein anderer kann das…«

»Nein«, erwiderte sie ruhig und entschieden. »Ich werde niemanden bitten, mir das abzunehmen. Die Idee stammt von mir, also werde ich sie auch ausführen.«

Kahlan glaubte sich persönlich für die Gefahr verantwortlich, in der sie steckten. Sie war es, die einen groben Fehler begangen und auf Jagangs Trick hereingefallen war. Sie hatte den Plan vorgebracht und die Truppen ausgesandt. Sie war es, die Jagangs nächtlichen Überfall überhaupt erst ermöglicht hatte.

Kahlan war sich der schrecklichen Angst, die alle in Erwartung des Angriffs empfanden, nur zu bewusst. Sie musste an Holly denken, die sich vor den plündernden und mordenden Bestien fürchtete, die aus dem Dunkel der Nacht über sie herfallen würden. Ihre Angst war nur zu begründet.

Und Kahlan würde auch den Krieg für sie alle in dieser einen Nacht verlieren, wenn es ihnen nicht gelang, ihre Armee über den Pass in Sicherheit zu bringen.

»Ich mache es selbst«, wiederholte sie. »Genau so wird es geschehen. Während wir hier herumstehen und diskutieren, verspielen wir vielleicht nur unsere Chance. Also, ich benötige ein Ablenkungsmanöver, und zwar schnell.«

Zedd schnaubte verärgert; das Feuer war in seine Augen zurückgekehrt. Mit einer fahrigen Handbewegung deutete er den Hang hinunter. »Dort unten wartet Warren auf mich. Wir beide werden getrennte Stellungen beziehen und dir dein Ablenkungsmanöver verschaffen.«

»Was werdet ihr tun?«

Schließlich gab Zedd sich geschlagen und zeigte ihr ein erbarmungslos verschlagenes Grinsen. »Nichts Besonderes diesmal. Keine ausgetüftelten, in die Irre führenden Tricks, wie sie es zweifellos erwarten. Diesmal werden wir ihnen ein gutes, altmodisches Feuergefecht liefern.«

Kahlan riss einmal hart an dem über ihren Rippen spannenden Riemen, mit dem ihre Lederrüstung an Schultern, Brust und Rücken befestigt war, und zog ihn stramm. Ein Nicken von ihr besiegelte den Pakt.

»Dann also Zaubererfeuer.«

»Halte beim Reiten ein Auge nach rechts, auf unsere Seite; ich möchte nicht, dass du etwas von dem abbekommst, was ich eigentlich unseren Feinden zugedacht habe. Außerdem musst du darauf achten, was ihre mit der Gabe Gesegneten in meine Richtung schleudern.«

Während sie ihren Umhang festhakte, bestätigte sie Zedds Anweisungen mit einem Nicken. Sie überprüfte die Riemen ihrer Beinpanzer und vergewisserte sich, dass sie fest angezogen waren.

Verna kam zurückgeeilt, an jedem vom Gewicht gestreckten Arm einen großen Eimer. Einige Schwestern trippelten hastig neben ihr her.

»Also gut«, keuchte die Prälatin völlig außer Atem. »Gehen wir.«

Kahlan langte nach den Eimern. »Ich werde…«

Verna riss sie zurück. »Könnt Ihr mir verraten, wie ihr reiten und dabei gleichzeitig dieses Zeug ausstreuen wollt? Das ist zu viel. Außerdem kennt Ihr die Eigenschaften des Glases nicht.«

»Verna, ich werde auf keinen Fall zulassen, dass Ihr…«

»Hört auf, Euch wie ein halsstarriges Kind zu benehmen. Reiten wir los.«

Cara schnappte sich einen der Eimer. »Verna hat Recht, Mutter Konfessor. Ihr könnt Euch unmöglich auf dem Pferd festhalten, diesen Glasstaub freisetzen und gleichzeitig noch beide Eimer schleppen. Ihr beide nehmt den einen, und ich diesen hier.«

Mit einem schnellen Schritt stand die gertenschlanke Schwester Philippa neben Cara und nahm den Eimer auf. »Herrin Cara hat Recht, Prälatin. Ihr und die Mutter Konfessor könnt unmöglich beide Eimer nehmen. Ihr nehmt den einen, und Herrin Cara und ich werden den anderen übernehmen.«

Für einen Streit mit drei fest entschlossenen Frauen war keine Zeit. Niemand konnte Kahlan davon abbringen, was sie tun musste, und wahrscheinlich empfanden sie ganz genauso. Außerdem hatten sie nicht ganz Unrecht.

»Also gut«, sagte Kahlan, ihre Handschuhe überstreifend.

Sie schnürte den Pelzüberwurf, den sie über ihrem Umhang trug, fest um ihren Körper; sie wollte nicht, dass irgendetwas im Wind flatterte. Er verdeckte das Heft ihres Schwertes, allerdings rechnete sie nicht damit, dass sie es brauchen würde. Hinter ihrer Schulter ragte zudem das Heft von Richards Schwert in die Höhe, ihre allgegenwärtige Erinnerung an ihn – als ob es derer bedurft hätte.

Verna warf eine Hand voll des flockig trockenen Schnees in die Höhe, um zu sehen, woher der Wind kam. Seine Richtung war unverändert, er wehte leicht, aber gleichmäßig. Wenigstens das sprach zu ihren Gunsten.

»Ihr zwei reitet zuerst«, sagte Kahlan an Cara gewandt. »Verna und ich werden etwa fünf Minuten warten, damit der von Euch freigesetzte Glasstaub Zeit hat, zum Feind hinüberzuwehen, und wir nicht selbst hineingeraten. Anschließend folgen wir Euch quer durchs Tal; auf diese Weise stellen wir sicher, dass sich unser Staub mit Eurem überschneidet und keine Lücken bleiben. Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass sichere Passagen entstehen, durch die die Imperiale Ordnung vordringen könnte. Vernichtung und Panik müssen so gleichmäßig und weit verbreitet wie möglich sein.«

Schwester Philippa hatte mitbekommen, was Kahlan getan hatte und verschnürte ebenfalls ihren Umhang fest an Hals und Hüften. »Klingt vernünftig.«

»Eine solche Verdoppelung wäre auf jeden Fall wirkungsvoller«, bestätigte Verna.

»Ich schätze, wir haben keine Zeit mehr, gegen diese Torheit anzugehen«, murrte Zedd, packte Spinnes Mähne und zog sich hoch, bis er mit dem Bauch quer über dem Pferderücken lag. Er schwang ein Bein über Spinnes Hinterteil und richtete sich auf. »Lasst mir ein oder zwei Minuten Vorsprung, damit ich Warren Bescheid geben kann; anschließend werden wir der Imperialen Ordnung ein paar echte Zauberkunststücke zeigen.«

Er lenkte sein Pferd herum und feixte; es war ermutigend, ihn endlich wieder lächeln zu sehen.

»Ich kann nur hoffen, dass nach dieser ganzen Plackerei auf der anderen Seite des Passes dort oben jemand mit einem Abendessen auf mich wartet.«

»Und wenn ich es eigenhändig für dich zubereiten muss«, versprach Kahlan.

Der Zauberer winkte ihr noch einmal munter zu, dann verschwand er galoppierend in der Dunkelheit.

39

Kahlan zwängte einen Stiefel in den Steigbügel, ergriff den Knauf und zog sich schwungvoll in den Sattel. Das kalte Leder knarzte, als sie sich zur Seite beugte und Verna eine Hand entgegenstreckte, um ihr heraufzuhelfen. Kaum hatte sich die Prälatin dicht hinter Kahlan geschmiegt, reichten ihr zwei Schwestern behutsam den schweren Holzeimer hinauf. Cara und Schwester Philippa saßen bereits auf ihrem Pferd bereit; die Schwester balancierte den Eimer auf den Oberschenkeln.

»Schafft die Kinder über den Pass«, befahl Verna.