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»Vom morgigen Sonnenaufgang an befinden sich das d’Haranische Reich und Galea im Krieg. Solltest du nach dem morgigen Sonnenaufgang von mir oder einem unserer Männer gesehen werden, wird man dich wegen des Verbrechens des Verrats hinrichten.

Ich werde nicht zulassen, dass diese tapferen Männer dort draußen ihr Leben für einen Verräter lassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Imperiale Ordnung nach Norden wenden und durch das Tal des Callisidrin marschieren. Du wirst ganz auf dich gestellt sein. Sie werden deine Armee bis auf den letzten Mann abschlachten, genau wie sie die Bevölkerung Ebinissias abgeschlachtet haben. Und Jagang wird deine Schwester seinen Männern als Hure vorwerfen.

All dies wird deine Schuld sein, Harold, weil du dich geweigert hast, deinen Verstand zu gebrauchen und stattdessen deinen Gefühlen gefolgt bist und deinem Glauben an etwas, das überhaupt nicht existiert.«

Harold, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, das Kinn emporgereckt, lauschte schweigend, während Kahlan fortfuhr.

»Richte Cyrilla aus, sie täte gut daran, auf das von mir soeben geschilderte Schicksal zu hoffen, denn wenn die Imperiale Ordnung nicht in Galea einmarschiert, werde ich es tun. Ich habe geschworen, dem Orden kein Pardon zu geben. Der Verrat Galeas verdammt dieses Land zu demselben Schicksal wie die Imperiale Ordnung. Fällt Cyrilla nicht in die Hände der Imperialen Ordnung, dann, das schwöre ich, wird sie mir in die Hände fallen; und wenn es soweit ist, werde ich sie nach Aydindril zurückbringen, sie eigenhändig wieder in jenes Verlies werfen, aus dem du sie gerettet hast, und sie dort unten mit jedem verbrecherischen Bastard, den ich finde, bis an ihr Lebensende schmoren lassen.«

Harold fiel der Unterkiefer herunter. »Das würdest du … nicht tun, Mutter Konfessor.«

Kahlans Augen verrieten ihm etwas anderes. »Vergiss du nur nicht, Cyrilla auszurichten, was sie erwartet. Vermutlich hat Jebra es ihr beizubringen versucht und wurde dafür in den Kerker geworfen. Cyrilla verschließt die Augen vor dem Schlund, der sich vor ihr auftut, und du wirst ihr dort hinein folgen. Schlimmer noch, du reißt dein unschuldiges Volk mit ins Verderben.«

Kahlan zog ihr königlich galeanisches Schwert blank und packte es an beiden Enden. Die Zähne zusammengebissen, stemmte sie ihr Knie gegen die flache Klingenseite, woraufhin der Stahl sich bog und schließlich mit einem lauten Knall zerbrach. Sie schleuderte ihm die zerbrochene Klinge vor die Füße.

»Und jetzt geh mir aus den Augen.«

Er wandte sich zum Gehen, doch bevor er einen Schritt machen konnte, war Zedd aufgestanden und hob eine Hand, so als wollte er ihn bitten stehen zu bleiben.

»Mutter Konfessor«, sagte Zedd, seine Worte mit Bedacht wählend, »ich glaube, du bist im Begriff, dich von deinen Gefühlen leiten zu lassen.«

Harold, erleichtert über Zedds Fürsprache, deutete auf Kahlan. »Erklärt Ihr es ihr, Zauberer Zorander. Erklärt es ihr.«

Kahlan traute ihren Ohren nicht. Sie verharrte, wo sie war und starrte in Zedds haselbraune Augen. »Würde es dir etwas ausmachen, mir meine gefühlsmäßige Verirrung zu erläutern, Oberster Zauberer?«

Zedd warf einen kurzen Blick auf Harold, dann sah er wieder Kahlan an. »Mutter Konfessor, Königin Cyrilla ist ohne Zweifel geistig verwirrt. Prinz Harold erweist ihr nicht nur einen schlechten Dienst, sondern er ermöglicht ihr, das Schreckgespenst des Todes über ihr Volk zu bringen. Schlüge er sich auf die Seite der Vernunft, würde er sein Volk beschützen und die bewundernswerten Dienste respektieren, die sie in der Vergangenheit geleistet hat, als sie noch bei klarem Verstand war.

Stattdessen verriet er seine Pflicht gegenüber seinem Volk, indem er ihre Wunschvorstellungen übernahm, statt sich der Wahrheit zu stellen. Auf diese Weise nimmt er den eigenen Tod sowie den seines Volkes billigend in Kauf.

Prinz Harold wurde zu Recht des Verrats für schuldig befunden. Deine Gefühle für ihn beeinträchtigen jedoch dein Urteilsvermögen. Offenkundig stellt er derzeit eine Gefahr für unsere Sache, für das Leben unserer Völker und das Leben seines eigenen Volkes dar. Man darf ihm auf keinen Fall erlauben, das Lager zu verlassen.«

Harold schien wie vom Donner gerührt. »Aber Zedd…«

Selbst Zedds haselbraune Augen schienen ihn eines entsetzlichen Vergehens für schuldig zu befinden. Er wartete, so als wollte er den Mann auffordern, einen weiteren Beweis für seinen Verrat zu liefern. Harolds Kiefer mahlte, doch er brachte kein einziges Wort hervor.

»Ist jemand anderer Meinung als ich?«, fragte Zedd.

Er sah Adie an; sie schüttelte den Kopf. Verna tat es ihr nach. Warren sah Harold einen Moment unverwandt an, bis schließlich auch er den Kopf schüttelte.

Harolds Züge nahmen einen empörten Ausdruck an. »Das lasse ich mir nicht gefallen. Die Mutter Konfessor hat mir bis zum Morgen Zeit gegeben, mich zu entfernen. Ihr müsst ihr Urteil respektieren.«

Er machte zwei Schritte Richtung Tür, dann plötzlich hielt er inne und griff sich an die Brust. Mit einer langsamen Körperdrehung begann er in sich zusammenzusinken und verdrehte die Augen. Seine Beine knickten ein, sodass er krachend auf den Fußboden schlug.

Kahlan saß da wie gelähmt. Niemand rührte sich oder sprach. General Meiffert ließ sich neben der Leiche nieder, untersuchte Prinz Harolds Atmung und Puls, dann blickte er zu Kahlan hoch und schüttelte ungläubig den Kopf.

Sie sah erst Zedd an, dann wanderte ihr Blick zu Adie und schließlich zu Verna und Warren: keines der Gesichter verriet irgendeine Regung.

Kahlan erhob sich und sagte leise: »Ich möchte niemals erfahren, wer von euch das getan hat. Ich sage nicht, ihr hättet etwas falsch gemacht … ich möchte es einfach nicht wissen.«

Die vier mit der Gabe Gesegneten nickten.

An der Tür blieb Kahlan einen Augenblick im strahlenden Sonnenschein stehen und suchte, die kalte Luft auf ihrem Gesicht spürend, bis sie Captain Ryan gefunden hatte, der an einem kräftigen, jungen Ahornstamm lehnte. Er nahm Haltung an, als sie durch den Schnee auf ihn zugeschritten kam.

»Bradley, hat Euch Prinz Harold mitgeteilt, weshalb er hergekommen ist?«

Dass sie ihn mit seinem Taufnamen und nicht mit seinem Rang anredete, verlieh der Frage einen völlig anderen Charakter. Seine starre Haltung lockerte sich ein wenig.

»Das hat er, Mutter Konfessor. Er glaubte Euch ausrichten zu müssen, dass ihm seine Königin den Befehl gegeben hat, Galea zu verteidigen und die in Euren Diensten stehenden Männer zurück nach Galea zu bringen.«

»Was tut Ihr dann noch hier? Warum seid Ihr überhaupt mit Euren Männern geritten, wo er doch ohnehin jeden zurückbringen sollte?«

Er reckte sein kantiges Kinn ein wenig vor und betrachtete sie aus seinen klaren, blauen Augen. »Weil wir desertiert sind, Mutter Konfessor.«

»Ihr seid was?«

»Prinz Harold hat mir seine Befehle mitgeteilt, so wie ich sie Euch soeben gemeldet habe. Ich erklärte ihm, das sei nicht richtig, und unser Volk könne dadurch nur Schaden nehmen. Daraufhin erwiderte er, über diese Dinge stünde mir kein Urteil zu. Es sei nicht meine Aufgabe, nachzudenken, sondern Befehle auszuführen.

Ich habe an Eurer Seite gekämpft, Mutter Konfessor. Ich glaube Euch besser zu kennen als Prinz Harold – ich weiß, dass Ihr Euch ganz dem Schutz des Lebens der Menschen in den Midlands verschrieben habt, daher erklärte ich ihm, was Cyrilla tue, sei falsch. Er wurde wütend und wiederholte, es sei ausschließlich meine Pflicht, zu tun, was man mir befiehlt.

Ich erklärte ihm, in diesem Fall würde ich die galeanische Armee verlassen und mich stattdessen auf Eure Seite stellen. Erst dachte ich, er würde mich für diesen Ungehorsam hinrichten lassen, aber dann hätte er alle eintausend von uns umbringen lassen müssen, denn die Männer empfanden alle ganz genauso. Eine ganze Reihe von ihnen trat vor und sagte ihm das auch. Daraufhin schien ihn aller Eifer zu verlassen, und er ließ uns ihn hierher begleiten.

Ich hoffe, Ihr seid nicht erzürnt über uns, Mutter Konfessor.«

Kahlan brachte es in diesem Augenblick nicht über sich, sich wie die Mutter Konfessor zu benehmen. Sie schloss ihn in die Arme.