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»Mutter Konfessor?«

»Ich bin auch Eure Königin. Generäle tanzen doch mit Königinnen, nicht?«

Er bot ihr lächelnd seinen Arm. »Selbstverständlich tun sie das, meine Königin.«

Lange nachdem es dunkel geworden war, begab sich die Hochzeitsprozession, sämtliche Männer begrüßend, auf ihren Rundgang über die behelfsmäßigen Straßen. Tausende von Soldaten gratulierten Warren und Verna zu ihrer Vermählung, erteilten ihnen scherzhafte Ratschläge, klopften ihnen behutsam auf die Schulter oder winkten ihnen einfach gut gelaunt zu.

Kahlan konnte sich an eine Zeit erinnern, als die Midlands diese Männer fürchteten. Unter der Herrschaft Darken Rahls waren sie gefürchtete Eroberer gewesen, die Angst und Entsetzen verbreitet hatten. Sie war erstaunt, wie höflich und zuvorkommend diese Männer sein konnten, und wie menschlich, wenn man ihnen nur Gelegenheit dazu gab. Im Grunde war es Richard, der ihnen diese Chance ermöglicht hatte. Sie wusste, dass viele von ihnen sich dessen bewusst waren und es zu schätzen wussten.

Gegen Ende des langen und mäandernden Spaziergangs durch das ausgedehnte Feldlager näherten sie sich endlich jenem Zelt, von dem Warren und Verna glaubten, es solle ihres werden. Wer sie begleitet hatte, wünschte dem Paar eine gute Nacht, schlenderte zurück zum Fest und ließ die drei allein zurück.

Kahlan erlaubte Verna und Warren gar nicht erst, ihre Schritte zu verlangsamen, sondern trat zwischen sie, hakte sich bei beiden unter und geleitete sie zu dem Pfad, der zwischen den hoch aufragenden Bäumen hindurchführte. Das durch die Zweige fallende Mondlicht warf flackernde Muster in den Schnee. Da sie nicht wussten, was sie vorhatte, protestierten weder Verna noch Warren, als Kahlan sie nötigte, weiterzugehen.

Schließlich konnte Kahlan ein Stück weiter vorn zwischen den Bäumen die Hütte erkennen. Sie blieb in einiger Entfernung stehen, damit die beiden den Kerzenschein sahen, der hinter den spitzenartigen Gardinen hervorschimmerte.

»Dies ist ein langer und beschwerlicher Kampf«, wandte Kahlan sich an sie. »Unter diesen Bedingungen eine Ehe einzugehen ist eine grausame Belastung. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dass Ihr Euch in einer Zeit wie dieser entschlossen habt, diesen mutigen Schritt zu wagen. Er bedeutet uns allen sehr viel; wir sind alle sehr glücklich über Euch. Vor allem möchte ich Euch beiden dafür danken, dass Ihr Euch für das Leben in all seiner Herrlichkeit entschieden habt.

Eines Tages werden wir weiterziehen müssen, da die Imperiale Ordnung sich zweifellos mit Frühlingsbeginn, wenn nicht schon früher, wieder in Bewegung setzen wird. Im Augenblick jedoch möchte ich, dass diese Hütte Euch gehört; wenigstens das kann ich Euch schenken, dieses kleine bisschen ganz normalen Beisammenseins.«

Verna brach unvermittelt in Tränen aus und vergrub ihr Gesicht an Kahlans Schulter. Kahlan strich der schluchzenden Prälatin über den Rücken und war insgeheim amüsiert, weil es so untypisch für Verna war, derart viel Gefühl zu zeigen.

»Es ist keine gute Idee, Verna, Euren frisch gebackenen Ehemann Eure Tränen sehen zu lassen, wo er Euch doch jeden Augenblick zu seinem Bett führen wird.«

Das gab den Ausschlag, und auch Verna musste lachen. Sie fasste Kahlan bei den Schultern und sah ihr suchend in die Augen.

»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«

Kahlan gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Liebt einander, seid gut zueinander und haltet Euer Zusammensein in Ehren – ich würde das jetzt lieber als alles andere tun.«

Warren umarmte sie und flüsterte ihr seinen Dank ins Ohr. Kahlan sah zu, wie er Verna das letzte Stück des Weges bis zur Hütte führte. An der Tür drehten sich beide um und winkten. Im allerletzten Augenblick hob er sie von den Füßen; ihr fröhliches Lachen hallte durch den Wald, als er sie über die Schwelle trug.

Endlich allein, machte Kahlan kehrt und ging zurück ins Lager.

44

Die Tür wurde einen Spalt weit geöffnet und ein blutunterlaufenes Auge spähte heraus in den schäbigen Hausflur. »Gibt es hier eine Unterkunft? Meine Frau und ich sind auf Zimmersuche.« Bevor der Mann die Tür wieder schließen konnte, setzte Richard rasch hinzu: »Man hat uns gesagt, Ihr hättet eins frei.«

»Na und?«

Obwohl es offensichtlich war, antwortete Richard höflich: »Wir wissen nicht, wo wir unterkommen sollen.«

»Wieso kommt ihr mit euren Problemen zu mir?«

Aus dem oberen Stockwerk hörte Richard einen wütenden Wortwechsel zwischen einem Mann und einer Frau. Hinter mehreren Türen im Flur schrien ohne Unterlass irgendwelche Säuglinge; der schwere Geruch von ranzigem Öl hing in der muffigen Luft. Draußen, vor der auf eine enge Gasse hin geöffneten Hintertür, tobten kreischend kleine, von älteren Rabauken gejagte Kinder durch den kalten Nieselregen.

Ohne große Erwartungen sprach Richard in den schmalen Schlitz hinein. »Wir benötigen dringend ein Zimmer.«

Ein kleines Stück die Hinterhofgasse hinauf bellte mit monotoner Hartnäckigkeit ein Hund.

»Eine Menge Leute brauchen dringend ein Zimmer. Ich habe bloß eins, und das kann ich euch nicht geben.«

Nicci drängte Richard vorsichtig beiseite und schob ihr Gesicht ganz nahe an den Spalt.

»Wir haben genug Geld für die erste Woche.« Als er die Tür daraufhin zu schließen begann, drückte sie mit der Hand dagegen.

»Das Zimmer ist für alle da. Es ist Eure Pflicht, dafür zu sorgen, dass jeder ein Zimmer bekommt.«

Der Mann stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür und drückte sie ihr vor der Nase ins Schloss.

Richard wandte sich bereits zum Gehen, als Nicci gegen die Tür zu pochen begann. »Vergiss es«, meinte er. »Gehen wir ein Brot besorgen.«

Für gewöhnlich folgte Nicci seinem Beispiel ohne ein Wort des Widerspruchs, der Ermahnung oder auch nur des Kommentars, diesmal jedoch hämmerte sie hartnäckig gegen die Tür, statt auf ihn zu hören. Der Anstrich blätterte schichtenweise unter ihren Knöcheln ab, in allen Farben von Blau über Gelb bis hin zu Rot.

»Es ist Eure Pflicht«, rief Nicci gegen die geschlossene Tür. »Ihr habt kein Recht, uns abzuweisen.« Es erfolgte keine Antwort. »Dann werden wir Euch eben melden.«

Die Tür öffnete sich erneut einen Spalt weit. Das Auge spähte bedrohlich funkelnd heraus.

»Hat er Arbeit?«

»Nein, aber…«

»Dann verschwindet, alle beide – oder ich melde euch!«

»Und weswegen, wenn ich fragen darf?«

»Hör mal, Frau, ich habe ein Zimmer, aber das muss ich für Leute zurückhalten, die ganz oben auf der Liste stehen.«

»Woher wollt Ihr wissen, dass wir nicht ganz oben auf der Liste stehen?«

»Weil ihr das in diesem Fall gleich als Erstes gesagt und mir eure Bewilligung mit dem Siegel darauf gezeigt hättet. Wer oben auf der Liste steht, wartet schon seit geraumer Zeit auf eine Unterkunft. Ihr dagegen seid nichts weiter als Diebe, die versuchen, einem rechtschaffenen, gesetzestreuen Bürger seine Unterkunft wegzuschnappen. Und jetzt verschwindet, sonst notiere ich eure Namen für den Quartierverwalter.«

Wieder fiel die Tür krachend ins Schloss. Die Drohung, ihre Namen könnten erfasst werden, schien Niccis Durchsetzungswillen einen beträchtlichen Dämpfer aufzusetzen. Sie seufzte beleidigt, schließlich entfernten sie sich über die durchhängenden, unter ihren Füßen knarrenden und ächzenden Dielen. Wenigstens waren sie für eine kurze Weile aus dem Regen rausgekommen.

»Wir werden einfach weitersuchen müssen«, meinte sie zu ihm. »Wahrscheinlich wäre es hilfreich, wenn du erst einmal eine Arbeit fändest. Vielleicht kannst du dich morgen nach Arbeit umsehen, während ich weiter auf Zimmersuche gehe.«

Wieder draußen im kalten Regen, überquerten sie die schlammige Straße zum gepflasterten Gehweg auf der anderen Seite. Es gab noch andere Häuser, in denen sie nachfragen konnten, Richard machte sich jedoch keine Hoffnungen mehr auf ein Zimmer; längst hatte er zu zählen aufgehört, wie oft man ihnen schon die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte. Aber Nicci wollte unbedingt eins, also setzten sie ihre Suche fort.