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Richard sah sich um. Jedes Fleckchen schien besetzt.

»Wohin wollt Ihr es haben?«

Der Schmiedemeister sah sich wütend in dem drangvoll engen Raum um, so als erwartete er, einige der Stapel würden sich von ihren Plätzen erheben und sich ihm zuliebe entfernen. Den Gefallen taten sie ihm nicht.

»Wärst du zum vereinbarten Zeitpunkt hier gewesen, hättest du es dort drüben, unmittelbar hinter der Tür zum vorderen Vorratsraum, ablegen können. Aber inzwischen haben sie diese riesige Steinschleife gebracht, die geschweißt werden muss, also wirst du das Eisen draußen im Hinterhof abladen müssen. Das nächste Mal stehst du ein bisschen früher auf.«

Richard gab sich Mühe, höflich zu bleiben, aber langsam war er es Leid, heruntergeputzt zu werden, nur weil der Schmied einen schlechten Tag hatte.

»Ishaq gab mir in aller Deutlichkeit zu verstehen, dass Ihr das Eisen unbedingt heute braucht, und erteilte mir den Auftrag, mich darum zu kümmern. Ich habe Euer Eisen dabei, im Übrigen wüsste ich nicht, wer Euch sonst so kurzfristig hätte beliefern können.«

Die Hand mit der Schiefertafel senkte sich. Zum allerersten Mal widmete der Mann die ganze Aufmerksamkeit seines zornigen Funkelns Richard. Wer von den Arbeitern Richards Worte mitbekommen hatte, entfernte sich eilends, um sich mit anderen wichtigen und vor allem weiter entfernten Dingen zu befassen.

»Wie viel Eisen hast du mitgebracht?«

»Fünfzig Barren zu je acht Fuß.«

Der Mann atmete hörbar verärgert aus. »Bestellt habe ich einhundert. Ich weiß nicht, wieso man mir einen Idioten mit einem Wagen schickt, wenn…«

»Wollt Ihr hören, wie es war, oder wollt Ihr nur jemanden anbrüllen? Wenn Ihr einfach nur blindwütig und sinnlos herumtoben wollt, bitte, nur zu, es kränkt mich nicht besonders, angeschrien zu werden. Solltet Ihr irgendwann wissen wollen, wie sich die Dinge in Wahrheit verhalten, dann sagt mir Bescheid, und ich erkläre es Euch.«

Der Schmied musterte ihn einen Augenblick lang schweigend, ein Bulle, von einer Biene aus dem Konzept gebracht. »Wie heißt du?«

»Richard Cypher.«

»Und wie verhalten sich die Dinge nun in Wahrheit, Richard Cypher?«

»Die Gießerei wollte den Auftrag ausführen, ihr Vorrat an Eisenbarren reicht bis unters Dach, nur bekommen sie es nicht ausgeliefert. Sie wollten mir den Auftrag in vollem Umfang mitgeben, doch ein dort stationierter Transportaufseher weigerte sich, uns die vollen einhundert Barren zu bewilligen, weil dann die anderen Fuhrunternehmen, deren Wagen jedoch nicht einsatzfähig sind, dieselben Fuhren bekommen müssten.«

»Aha, deshalb dürfen Ishaqs Wagen nicht mehr als den ihm zustehenden Anteil befördern; und diese Zuteilung belief sich eben auf fünfzig Barren.«

»Ganz genau«, bestätigte Richard. »Zumindest, bis die übrigen Betriebe wieder im Stande sind, mehr Fracht zu transportieren.«

Der Schmied nickte. »In der Gießerei ist man ganz versessen darauf, mir alles Eisen zu verkaufen, das ich gebrauchen kann, nur bekomme ich es nicht hierhergeschafft. Selbst darf ich es nicht befördern – um Transportarbeiter wie dich nicht um ihre Arbeit zu bringen.«

»Hätte ich zu entscheiden«, erwiderte Richard, »ich würde noch heute eine weitere Fuhre abholen, aber man erklärte mir, man könne mir frühestens nächste Woche wieder etwas überlassen. Ich schlage vor, Ihr bringt jedes Fuhrunternehmen, das Ihr finden könnt dazu, Euch eine Wagenladung zu liefern. Auf diese Weise habt Ihr bessere Chancen, zu bekommen, was Ihr braucht.«

Zum ersten Mal ging ein Lächeln über das Gesicht des Schmieds; er machte sich über die Torheit von Richards Einfall lustig. »Glaubst du vielleicht, darauf wäre ich nicht längst selbst gekommen? Sie alle haben Bestellungen von mir vorliegen. Ishaq ist zurzeit der Einzige mit einem einsatzfähigen Fuhrpark. Alle anderen haben entweder Probleme mit ihren Wagen, mit den Zugtieren oder ihren Arbeitern.«

»Immerhin habe ich fünfzig Barren für Euch.«

»Damit lange ich gerade für den Rest des Tages und den nächsten Vormittag hin.« Der Schmied drehte sich um. »Hier entlang. Ich zeige dir, wo du sie stapeln kannst.«

Er führte Richard durch die völlig zugestellte Werkstatt, mitten durch das Durcheinander aus Arbeit und Material. Sie gingen, den Lärm hinter sich zurücklassend, durch eine Tür und einen kurzen Verbindungsgang und betraten ein ruhiges, an den rückwärtigen Teil angebautes, aber separates Gebäude. Der Schmied löste einen an einer Querleiste befestigten Strick und ließ eine Klappe herunter, mit der eines der Dachfenster abgedeckt war.

Licht flutete in die Mitte des großen Raumes, in dem ein riesiger Marmorblock stand. Richard starrte das überwältigende steinerne Herzstück eines Berges an.

In einer Schmiedewerkstatt wirkte es völlig fehl am Platz. Am fernen Ende gab es eine hohe Doppeltür, durch die man den Monolithen auf Rollen hereingeschoben hatte. Den übrigen Raum rund um den hoch aufragenden Stein hatte man freigelassen. Meißel aller Art und Holzschlägel in unterschiedlichen Größen ragten aus den Schlitzen in den pechschwarzen Wänden.

»Du kannst die Barren hier auf dieser Seite absetzen. Und nimm dich beim Hereintragen in Acht.«

Richard kniff die Augen halb zu, fast hätte er vergessen, dass der Mann dort neben ihm stand. Die glänzende Beschaffenheit des Steins vor ihm hielt ihn noch immer gefangen. »Ich werde aufpassen«, sagte er, ohne den Schmied anzusehen. »Ich werde nicht gegen den Stein stoßen.«

Der Mann wollte gerade gehen, als Richard fragte: »Meinen Namen habe ich Euch verraten. Wie lautet Eurer?«

»Cascella.«

»Weiter nichts?«

»Doch. Mister. Und sieh zu, dass du nichts davon vergisst.«

Lächelnd folgte Richard dem Mann nach draußen. »Geht in Ordnung, Sir. Mr. Cascella. Dürfte ich fragen, was das ist?«

Der Schmied wurde langsamer, blieb stehen und wandte sich um. Er starrte den in Licht gebadeten Marmorblock an, als wäre er eine geliebte Frau.

»Nichts, was dich etwas anginge, genügt dir das?«

Richard nickte. »Ich frage nur deshalb, weil es ein so wunderschöner Stein ist. Sonst habe ich Marmor immer erst gesehen, nachdem man eine Statue oder etwas anderes daraus gemacht hatte.«

Mr. Cascella betrachtete Richard, wie dieser den Stein bewunderte. »Hier auf der Baustelle liegt überall Marmor herum, tausende von Tonnen. Das hier ist nur ein kleines Stück. Und jetzt sieh zu, dass du meine zusammengestrichene Lieferung Eisen ablädst.«

Nach getaner Arbeit war Richard schweißgebadet und verdreckt, nicht nur von den Eisenbarren, sondern auch vom Ruß aus der Schmiedewerkstatt. Er erkundigte sich, ob er etwas Wasser aus der Regentonne benutzen dürfe, in der die Männer sich wuschen, wenn sie sich für den Feierabend fertig machten. Man erklärte ihm, er solle sich einfach bedienen.

Nachdem er sich gewaschen hatte, traf Richard Mr. Cascella allein in der plötzlich stillen Werkstatt an, wo er wieder an seiner Schiefertafel stand, Korrekturen an der Zeichnung vornahm und Zahlen am Rand notierte.

»Ich bin fertig, Mr. Cascella. Die Barren habe ich ein gutes Stück seitlich vom Marmorblock abgeladen.«

»Danke«, brummte dieser.

»Was dagegen, wenn ich frage, wie viel Ihr für diese fünfzig Eisenbarren bezahlen müsst?«

Das wütende Funkeln kehrte zurück. »Was geht dich das an?«

»Nach dem, was ich in der Gießerei gehört habe, hoffte der Mann dort, den Auftrag in vollem Umfang auszuführen, um dreieinhalb Goldtaler kassieren zu können, und da Ihr die halbe Lieferung erhalten habt, werdet Ihr vermutlich eindreiviertel Goldtaler für die fünfzig Eisenbarren bezahlen müssen. Ist meine Rechnung korrekt?«

Das Funkeln wurde finsterer. »Wie ich schon sagte, was geht dich das an?«

Richard stopfte seine Hände in die Gesäßtaschen. »Nun, ich habe mich gefragt, ob Ihr möglicherweise gewillt wärt, mir weitere fünfzig Barren für anderthalb Goldtaler abzukaufen.«

»Dann bist du also obendrein auch noch ein Dieb.«