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»Jetzt auf der Stelle. Ich will es jetzt sofort, und zwar von dir, Gadi.«

»Dachte ich mir.«

Innerlich musste Nicci über seinen ernsten lüsternen Blick schmunzeln.

»Sag erst ›bitte‹, du kleine Hure.«

»Bitte.« Dabei brannte sie einzig darauf, ihm seinen nichtsnutzigen Schädel einzuschlagen. »Ich flehe dich an, Gadi.«

Den Arm um ihre Hüfte geschlungen, bedachte Gadi Richard im Vorüberwanken mit einem höhnischen Grinsen. Mit der Hand auf seinem Rücken drängte Nicci ihn weiterzugehen, in ihr Zimmer hinein, und dort zu warten. Über seine Schulter grinsend, tat er, was sie von ihm verlangte. Nicci blieb kurz stehen, um Richard hasserfüllt in die Augen zu sehen.

»Wir sind miteinander verbunden. Was mir widerfährt, widerfährt auch ihr. Ich hoffe, du bist nicht so töricht anzunehmen, ich würde nicht dafür sorgen, dass du es für den Rest deiner Tage bedauerst, wenn du nicht genau auf dieser Stelle stehen bleibst. Ich schwöre dir, wenn du dich von der Stelle rührst, stirbt sie noch heute Nacht.«

»Nicci, bitte, tu es nicht. Du quälst dich doch bloß selbst.«

Seine Stimme war so zärtlich, so voller Leidenschaft. Um ein Haar hätte sie ihm die Arme um den Hals geschlungen und ihn gebeten, sie zurückzuhalten … aber die Flamme seiner Verweigerung brannte noch immer schmachvoll in ihrem Herzen.

In der Tür drehte Nicci sich noch einmal um und bedachte Richard mit einem boshaften Grinsen. »Ich kann nur hoffen, Kahlan hat ebenso viel Spaß dabei wie ich. Nach der heutigen Nacht wird sie dir nie wieder vertrauen.«

Kahlan stockte der Atem. Sie schlug die Augen auf. Außer den dunklen Schatten in der sich um sie drehenden Dunkelheit vermochte sich nichts zu erkennen; wieder blieb ihr die Luft weg.

Ein Gefühl, das sie weder beschreiben noch deuten noch irgendetwas zuordnen konnte, stieg in ihr empor. Es war ihr völlig fremd und gleichzeitig berückend vertraut; etwas Ungehöriges, nach dem sie sich dennoch sehnte. Es erfüllte sie mit einer Art leidenschaftlichem Entsetzen, das sich, ein Gefühl unbestimmter Angst vor sich hertreibend, in stetem Auf und Ab verführerisch zu einem unzüchtigen Vergnügen steigerte.

Sie spürte eine schattenhafte Schwere auf ihrem Körper.

Gefühle und Empfindungen, die sie weder begriff noch steuern konnte, überwältigten sie, als sie sich gegen sie zu wehren versuchte. Nichts schien wirklich. Das derbe Gefühl verschlug ihr abermals den Atem. Es war verwirrend. Es tat weh, trotzdem spürte sie gleichzeitig das Erwachen eines zügellosen Verlangens. Es war, als läge Richard neben ihr im Bett. Welch herrliches Gefühl das endlich wieder war. Ihr Atem wurde schneller. Ihr Mund war staubtrocken.

Die Gewissheit, dass ihre schamlose Lust niemals vollständig gestillt werden konnte, hatte bei ihr in Richards inniger Umarmung stets einen Zustand freudiger Erwartung hervorgerufen – immer blieb eine Spur von etwas übrig, das es noch zu erkunden, zu erreichen, zu erklären galt. Die Vorstellung, dass diese Suche nach dem Unerreichbaren endlos war, hatte sie stets in eine leidenschaftliche Erregung versetzt.

Sie sog scharf den Atem ein, fühlte sich dem Gefühl ausgeliefert, kopfüber in die Tiefe zu stürzen.

Aber was sie jetzt empfand, hatte nichts mit ihrer Vorstellung gemein. Mit den Händen krallte sie sich ins Laken, ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei gegen dieses schmerzhafte Stoßen, das sie zu zerreißen drohte.

Das war unmenschlich, ergab keinen Sinn. Wieder keuchte sie von Panik erfüllt, als ein überaus Grauen erregendes Gefühl in ihr aufkeimte. Sie stöhnte, als ihr das Entsetzen darüber und der damit verbundene leise Anflug von Vergnügen bewusst wurde, die Verwirrung, dieses Gefühl beinahe zu genießen.

Dann traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag. Sie wusste, was dies zu bedeuten hatte.

Tränen brannten ihr in den Augen. Sie wälzte sich auf die Seite, hin und hergerissen zwischen der Freude, Richard in sich zu spüren, und dem quälenden Schmerz zu wissen, dass Nicci ihn in diesem Augenblick genauso spürte. Sie wurde auf den Rücken geworfen.

Erneut blieb ihr die Luft weg; sie riss die Augen auf und erstarrte am ganzen Körper.

Der Schmerz ließ sie aufschreien. Sie wand und wehrte sich, bedeckte ihre Brüste mit den Armen. Vor Schmerzen, die sie weder beschreiben noch erklären konnte, schossen ihr die Tränen in die Augen.

Sie vermisste Richard so sehr, sie sehnte sich so sehr nach ihm, dass es schmerzte.

Dann gab sie nach, selbst in diesem Augenblick gab sie sich ihm hin. Ein leiser Klagelaut entwich ihrer Kehle.

Ihre Muskeln verknoteten sich so fest wie Eichenwurzeln. Woge auf Woge erschreckender Schmerzen schüttelten ihren Körper, durchmengt mit einem unbefriedigten Verlangen, das längst in Ekel umgeschlagen war. Sie bekam keine Luft.

Als es vorüber war, brach sie in Tränen aus; endlich konnte sie ihren Körper wieder frei bewegen, auch wenn sie viel zu erschöpft dafür war. Jede einzelne grausame, widerwärtige, brutale Sekunde war ihr verhasst gewesen, gleichzeitig grämte sie sich, dass es zu Ende war, weil sie ihn endlich wieder gespürt hatte.

Freude empfand sie, weil sie ihn so unerwartet gespürt hatte, doch blinde Wut darüber, was es bedeutete. Sie krallte sich in ihre Laken und überließ sich untröstlich ihren Tränen.

»Mutter Konfessor?« Eine dunkle Gestalt schlüpfte in ihr Zelt. »Mutter Konfessor?«

Es war Cara, die da flüsterte und eine Kerze auf den Tisch stellte. Das Licht erschien ihr gleißend hell, als Cara zu ihr herunterblickte. »Geht es Euch gut, Mutter Konfessor?«

Kahlan holte stockend Luft. Sie lag auf dem Rücken in ihrem Bett, in ihr Laken verheddert, das sich um und zwischen ihre Beine geschlungen hatte.

Vielleicht war es nur ein Traum? Sie wünschte sich, es wäre so; und doch wusste sie, dass es nicht so war.

Kahlan fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und richtete sich auf. »Cara…« Es kam als unterdrücktes Schluchzen heraus.

Cara kniete sich neben sie auf den Boden und fasste Kahlan bei den Schultern. »Was ist denn nur?«

Kahlan hatte Mühe, wieder zu Atem zu kommen.

»Was stimmt nicht? Was kann ich tun? Seid Ihr verletzt? Oder vielleicht krank?«

»Ach, Cara … er war mit Nicci zusammen.«

Cara hielt sie auf Armeslänge von sich, ihr Gesicht ein Bild der Besorgnis.

»Was redet Ihr da? Wer war mit…«

Sie unterbrach sich selbst, als ihr bewusst wurde, was Kahlan meinte.

Kahlan versuchte sich aus Caras Griff zu winden. »Wie konnte er nur…«

»Sie hat ihn ganz bestimmt dazu gezwungen«, beharrte Cara. »Bestimmt hat er es nur getan, um Euch das Leben zu retten. Sie muss ihm gedroht haben.«

Kahlan schüttelte den Kopf. »Nein, nein. Dafür hat er es viel zu sehr genossen. Er hat sich wie ein Tier gebärdet. So hat er mich noch nie genommen. Ach, Cara, er ist auf sie hereingefallen. Er konnte ihr nicht länger widerstehen. Er hat…«

Cara rüttelte sie, bis Kahlan glaubte, ihre Zähne würden sich lockern.

»So wacht doch auf! Macht endlich die Augen auf! Wacht auf, Mutter Konfessor. Ihr schlaft ja noch halb, träumt ja beinahe noch.«

Cara hatte Recht. Es war passiert, daran hatte Kahlan nicht den geringsten Zweifel, aber es war passiert, während sie geschlafen hatte, und es hatte sie im Schlaf überrascht, als sie es gar nicht richtig mitbekommen hatte. Ihre Reaktion war unvernünftig gewesen.

»Ihr habt Recht«, sagte Kahlan mit vom Weinen heiserer Stimme. Ihre Nase war verstopft, sodass sie nur durch den Mund atmen konnte.

»So«, forderte Cara sie mit ruhiger Stimme auf, »und jetzt erzählt mir, was geschehen ist.«

Als sie spürte, wie ihr Gesicht errötete, wünschte sich Kahlan nach der Dunkelheit zurück. Wie konnte sie jemandem erzählen, was geschehen war? Sie wünschte, Cara hätte sie nicht gehört.

»Na ja, ich konnte über« – Kahlan musste schlucken – »über die Verbindung spüren, dass, na ja, dass Richard mit Nicci geschlafen hat.«

Cara machte ein skeptisches Gesicht. »Hat es sich genauso angefühlt wie, na ja, ich meine, seid Ihr wirklich sicher? Konntet Ihr genau spüren, dass er es war?«