Выбрать главу

Kahlan fühlte, wie ihr Gesicht noch eine Schattierung dunkler errötete. »Ganz genau wohl nicht. Ich weiß nicht recht.« Sie bedeckte ihre Brüste. »Ich habe seine … seine Zähne auf mir gespürt. Er hat mich gebissen…«

Cara kratzte sich am Kopf und wandte, unsicher, wie sie ihre Frage formulieren sollte, den Blick ab. Kahlan beantwortete sie ihr trotzdem.

»Richard hat mir noch nie so weh getan.«

»Oh. Also, dann war er es auch nicht.«

»Was soll das heißen, dann war er es nicht? Es muss Richard gewesen sein.«

»Tatsächlich? Würde Richard mit Nicci ins Bett gehen wollen?«

»Sie könnte ihn dazu zwingen, Cara. Ihm drohen.«

»Haltet Ihr Nicci für eine ehrenhafte Person?«

Kahlan runzelte die Stirn. »Nicci? Habt Ihr den Verstand verloren?«

»Na also, da habt Ihr es. Warum muss es Richard sein? Möglicherweise ist Nicci einfach irgendeinem Kerl begegnet, den sie unbedingt haben musste – irgendeinen gut aussehenden Farmerburschen. Gut möglich, dass es nichts anderes war als das.«

»Meint Ihr wirklich?«

»Ihr habt doch selbst gesagt, Ihr wärt nicht sicher gewesen, ob es tatsächlich Richard war. Schließlich wart Ihr noch halb im Schlaf … und hattet einen Schock erlitten. Ihr habt selbst gesagt, er hätte noch nie…«

Kahlan wandte den Blick ab. »Tut mir Leid, Cara. Danke, dass Ihr mir Gesellschaft leistet. Wäre Zedd oder irgendein anderer gekommen, wäre mir das gar nicht Recht gewesen. Danke.«

Cara lächelte. »Ich denke, das behalten wir am besten für uns.«

Kahlan nickte dankbar. »Sollte Zedd jemals auf die Idee kommen, mich hierzu ausführlich zu befragen, ich glaube, ich würde vor Verlegenheit sterben.«

Erst jetzt bemerkte Kahlan, dass die Decke, in die Cara gehüllt war, vorne so weit offen war, dass man darunter ihre Nacktheit sehen konnte. Auf der oberen Hälfte ihrer Brust befand sich eine dunkle Stelle. Es gab noch ein paar andere, doch die waren kaum zu erkennen. Kahlan hatte Cara ja bereits nackt gesehen, konnte sich an eine solche Stelle aber nicht erinnern. Tatsächlich war ihr Körper, wenn man von ihren Narben absah, von geradezu aufreizender Vollkommenheit.

Stirnrunzelnd machte Kahlan sie darauf aufmerksam. »Was ist das dort, Cara?«

Cara schaute an sich herab und schloss rasch die Decke.

»Das ist, also, na ja, es ist einfach nur ein blauer Fleck.«

Ein Knutschfleck – vom Mund eines Mannes.

»Ist Benjamin drüben im Zelt bei Euch?«

Cara erhob sich, barfüßig, wie sie war. »Mutter Konfessor, Ihr schlaft noch halb und träumt ganz sicher noch. Legt Euch wieder hin und schlaft weiter.«

Lächelnd sah Kahlan ihr nach, als sie ging. Das Lächeln erlosch jedoch, als sie sich wieder auf ihr Bett zurücksinken ließ. In der Einsamkeit der Stille kamen ihr erneut Zweifel.

Sie legte ihre Hände auf ihre Brüste. Ihre Brustwarzen pochten schmerzhaft. Erst als sie daraufhin leicht ihre Lage im Bett veränderte und zusammenzuckte, wurde ihr so recht bewusst, wie stark ihre Schmerzen waren und woher sie stammten.

Sie konnte kaum glauben, dass ein Teil davon sogar im Schlaf … sie spürte, wie ihr abermals das Blut ins Gesicht schoss. Was sie getan hatte, erfüllte sie mit einem überwältigenden Gefühl der Scham.

Nein, sie hatte überhaupt nichts getan. Sie hatte lediglich etwas über ihre Verbindung zu Nicci gespürt. Nicht sie selbst hatte es erlebt – sondern Nicci. Und doch hatte Kahlan dieselben Verletzungen erlitten.

Wie auch früher schon gelegentlich, verspürte Kahlan über die Verbindung auch jetzt noch eine gewisse Verbundenheit mit Nicci, sowie eine beinahe schmerzliche Anteilnahme für diese Frau. Deutlich spürte sie, dass die Frau verzweifelt etwas … gewollt hatte.

Kahlan ließ ihre Hand zwischen ihre Beine gleiten. Sie zuckte vor Schmerz zusammen, als sie sich berührte. Dann hielt sie ihre Finger in den Schein der Kerze – sie glänzten vor Blut.

Trotz der brennenden Schmerzen, innerlich zerrissen zu werden, bei aller Verwirrung und Verlegenheit und einem unbestimmten Gefühl der Scham, empfand sie vor allem eins: Erleichterung.

Eins wusste sie jetzt ohne jeden Zweifeclass="underline" Es war nicht Richard gewesen.

52

Ann spähte in den kleinen Hain aus Birken, die sich in den tiefen Schatten jenes rötlich schimmernden Felsenkliffs drängten, nach dem der Ort benannt war. Der dichte Wald war reich an Bäumen, deren sich schälende, mit dunklen Flecken gesprenkelte weiße Rinde einen verwirrte und die Orientierung erschwerte. Hier die Orientierung zu verlieren und sich ungeladen am falschen Ort zu zeigen, wäre der letzte Fehler, den man je begehen würde.

Das letzte Mal war sie in ihrer Jugendzeit hierher, zu den Heilern von Redcliff gekommen. Sie hatte sich fest vorgenommen, niemals zurückzukehren, und dasselbe den Heilern versprochen, doch hoffte sie, dass sie es in den nahezu eintausend Jahren, die seitdem verstrichen waren, vergessen hatten.

Nur wenigen war dieser Ort bekannt, noch weniger trauten sich jemals hierher – und das aus gutem Grund.

Der Begriff ›Heiler‹ war eine etwas seltsame und irreführende Bezeichnung für einen derart gefährlichen Menschenschlag, und doch war er nicht völlig unzutreffend. Die Heiler von Redcliff befassten sich nicht etwa mit den körperlichen Leiden der Menschen, sondern mit dem Wohlergehen von Dingen, die für sie selber von Bedeutung waren – und das waren in der Tat bemerkenswerte Dinge. Um die Wahrheit zu sagen: Nach all dieser Zeit festzustellen, dass sie überhaupt noch existierten, hatte sie überrascht.

Sosehr sie hoffte, ihre Fähigkeiten könnten ihr eine Hilfe sein, und so dringend sie Hilfe benötigte, hoffte sie im Grunde, dass die Heiler nicht mehr die Redcliff-Wälder unsicher machten.

»Bessssucher…«, zischelte eine lockende Stimme aus den trüben Schatten in den Spalten des Felsenkliffs jenseits der Bäume.

Ann blieb stehen und rührte sich nicht, kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn. Im Gewirr der von den Bäumen erzeugten Linien und Punkte vermochte sie die Bewegung, die sie dort gesehen hatte, nicht eindeutig zuzuordnen. Im Grunde brauchte sie sie nicht zu sehen; sie hatte die Stimme gehört, und die war unverwechselbar. Sie schluckte und versuchte, gefasst zu klingen.

»Richtig, ich bin ein Besucher. Freut mich zu sehen, dass ihr wohlauf seid.«

»Wir sind nur noch wenige«, erwiderte die Stimme, deren Echo von den Felswänden widerhallte. »Die meisten von uns haben die Chiiiimären geraubt.«

Genau das hatte Ann befürchtet … und gleichzeitig gehofft.

»Tut mir Leid«, log sie.

»Wir haben es versucht«, erwiderte die Stimme, die sich zwischen den Bäumen zu bewegen schien. »Aber durch Heilen waren die Chiiiimären nicht zu beseitigen.«

Sie fragte sich, ob sie des Heilens überhaupt noch fähig waren, und wie lange sie noch überdauern würden.

»Kommt sieee wegen einer Heilung?«, erkundigte sich die Stimme neckisch aus den Tiefen der schroffen Einschnitte auf der gegenüberliegenden Seite.

»Ich bin gekommen, um euch einen Blick zu gewähren«, erwiderte sie, um klar zu stellen, dass auch sie Bedingungen stellte. Man durfte ihnen keinesfalls in jedem Punkt ihren Willen lassen.

»Dasss hat seinen Preisss, musst du wissen.«

Ann nickte. »Ist mir bekannt.«

Sie hatte bereits alles versucht; nichts hatte etwas genützt. Ihr blieb keine andere Wahl, jedenfalls keine, die ihr eingefallen wäre. Sie war sich längst nicht mehr sicher, ob es sie kümmerte, was geschah, ob es ihr etwas ausmachte, ob sie jemals aus dem Redcliff-Wald wiederkehrte.

Längst war sie nicht mehr sicher, ob sie in ihrem ganzen Leben jemals etwas Gutes bewirkt hatte.

»Nun?«, fragte sie in die lautlosen Schatten hinein.

Irgendwo blitzte etwas auf, hinten, jenseits der Bäume, im Schatten unter den niedrigen Felsvorsprüngen, wie um sie aufzufordern, den Pfad weiterzugehen, tiefer hinein in die verschlungene Bergschlucht. Sich die von den längst verheilten Verbrennungen noch immer schmerzenden Knöchel reibend, folgte sie dem Pfad und dem Geraschel im Unterholz. Kurz darauf gelangte sie an eine Stelle, wo sich eine Lücke zwischen den Bäumen auftat. Durch diese Lücke konnte sie die Öffnung einer Höhle erkennen.