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»Das ist nicht die Art, in der es mich nach dir verlangt, Richard.«

Richard räusperte sich. »Gut.«

Während es draußen leise plätschernd regnete und das glühende, maserige Holz leise zischte, wurde Niccis konzentrierter, angespannter und entschlossener Gesichtsausdruck in der Stille der Launenfichte überaus kalt und starr.

»Sollte ich mich aber dennoch so entscheiden, Richard, wirst du mir auch darin zu Willen sein.«

Nicci war eine wunderschöne Frau, eine Frau, die jeder Mann nur zu gerne akzeptieren würde; doch das war es eigentlich nicht, was ihn dazu brachte, ihr zu glauben. Es war der Blick in ihren Augen. Nie war ihm die vage Möglichkeit sexueller Betätigung so lasterhaft und verworfen erschienen.

Sie legte den plauderhaften Unterton ab und verkündete, in einem leblosen, leierhaften Tonfall fortfahrend, dem nichts Menschliches anhaftete, seine lebenslange Strafe. Eine Strafe, die er selbst vollstrecken würde, oder Kahlan würde sterben.

»Du wirst als mein Ehemann auftreten. Du wirst für uns sorgen, wie dies ein jeder Ehemann täte, und dich, soweit es unsere weltlichen Bedürfnisse betrifft, um mich kümmern, und ich mich um dich. Ich werde deine Hemden flicken, für dich kochen und deine Kleider waschen. Du wirst für unseren Lebensunterhalt sorgen.«

Niccis bleierne Stimme traf ihn mit der vorsätzlichen, überlegten Wucht einer Züchtigung mittels einer Eisenstange.

»Du wirst Kahlan niemals Wiedersehen – darüber musst du dir vollkommen im Klaren sein –, aber so lange du tust, was ich verlange, kannst du sicher sein, dass sie lebt. Auf diese Weise wirst du ihr beweisen können, dass du sie liebst. Jeden Morgen, wenn sie aufwacht, wird sie wissen, dass du sie am Leben hältst. Eine andere Möglichkeit, ihr deine Liebe zu beweisen, hast du nicht.«

Ihm wurde übel. Sein Blick war starr auf die Erinnerungen an einen anderen Ort, an eine andere Zeit gerichtet.

»Und wenn ich beschließe, Schluss zu machen?« Das Gewicht dieses Wahnsinns war so erdrückend, dass er das ernsthaft in Erwägung zog. »Statt Euer Sklave zu sein?«

»Dann zeigt sich darin womöglich die Gestalt jenes Wissens, nach dem ich trachte. Vielleicht ist es dieses sinnlose Ende, das ich begreifen muss.« Sie formte mit Zeigefinger und zweitem Finger eine Schere und deutete das Durchtrennen jener magischen Nabelschnur an, über die Kahlan am Leben erhalten wurde. »Eine allerletzte Zuckung, mit der die Sinnlosigkeit der Existenz endgültig ihre Bestätigung findet.«

Richard dämmerte, dass man dieser Frau nicht drohen konnte, weil sie, wie er allmählich begriff, ein Geschöpf war, das jedes nur erdenklich schreckliche Ende geradezu herbeisehnte.

»Von allen Dingen, die mir in dieser Welt etwas bedeuten«, sagte er düster und gequält, und eher an sich selbst und Kahlan als an seine unerbittliche Häscherin gewandt, »ist nur eines unersetzlich: Kahlan. Wenn ich das Dasein eines Sklaven führen muss, damit Kahlan leben kann, dann werde ich es tun.«

Richard bemerkte, dass Nicci schweigend sein Gesicht musterte. Ihre Blicke kreuzten sich flüchtig, dann sah er fort, unfähig, diesen grausam prüfenden Blick aus ihren wunderschönen blauen Augen zu ertragen, solange er den Gedanken an Kahlans Liebe in seinem Geist bewahrte.

»Was immer ihr an Glück, Freude und Vergnügen gemeinsam erlebt und genossen habt, kann dir niemand nehmen, Richard.« Fast schien es, als könnte Nicci in ihn hineinsehen und in seiner Vergangenheit lesen wie in einem Buch. »Halte diese Erinnerungen in Ehren, denn du wirst dich an sie klammern müssen. Ihr werdet euch nie wieder sehen. Dieses Kapitel deines Lebens ist abgeschlossen, ihr habt jetzt beide ein neues Leben, du kannst dich also ebenso gut daran gewöhnen, denn das ist jetzt deine Wirklichkeit.«

Die tatsächlich existierende Wirklichkeit, nicht die Welt, die er sich wünschte. Er selbst hatte Kahlan erklärt, sie müssten der tatsächlich existierenden Wirklichkeit gemäß handeln und dürften ihr kostbares Leben nicht mit dem Wunsch nach dem Unmöglichen vergeuden.

Richard strich sich mit den Fingerspitzen über die Stirn und versuchte zu verhindern, dass seine Stimme brach. »Ihr erwartet doch hoffentlich nicht, dass ich lerne Euch zu mögen.«

»Ich bin es, die etwas zu lernen hofft, Richard.«

Richard sprang auf, die geballten Fäuste an den Seiten. »Und wozu braucht Ihr dieses Wissen so unbedingt?«, verlangte er voller ungezügelter, leidenschaftlicher Bitterkeit zu wissen. »Warum ist das so ungeheuer wichtig für Euch?«

»Es ist meine Strafe.«

Richard starrte sie in fassungslosem Unglauben an. »Was?«

»Ich möchte Schmerzen spüren.« Sie lächelte entrückt.

Richard ließ sich wieder auf den Boden sinken.

»Aber warum?«, fragte er leise.

Nicci faltete die Hände in ihrem Schoß. »Allein der Schmerz kann dieses kalte, leblose Etwas in meinem Innern erreichen, das mein Leben ist, Richard. Schmerz ist das Einzige, wofür ich lebe.«

Er starrte sie benommen an und musste an seine Vision denken: Es gab nichts, was er tun konnte, um den Vormarsch der Imperialen Ordnung aufzuhalten, ihm fiel nichts ein, wie er seine schicksalhafte Verbindung mit dieser Frau abwenden konnte.

Wäre Kahlan nicht gewesen, er hätte sich in diesem Augenblick in ein Handgemenge mit Nicci gestürzt und die Angelegenheit ein für alle Mal entschieden. Im Kampf gegen diesen grausamen Irrsinn wäre er bereitwillig in den Tod gegangen. Doch das verbot ihm die Vernunft.

Er musste weiterleben, damit auch Kahlan weiterleben konnte, dafür, und nur dafür, musste er, einen Fuß vor den anderen setzend, in Richtung Vergessenheit marschieren.

27

Gähnend rieb Kahlan sich die Augen, streckte blinzelnd den Rücken und dehnte ihre verspannten Muskeln, als die furchtbaren, bösen Erinnerungen aus den vom Schlaf noch trägen Winkeln ihres Verstandes hervorstürzten und fast augenblicklich alle anderen Gedanken verdrängten.

Längst hatte sie die Sphäre der unbarmherzigen Seelenqualen und der Tränen hinter sich gelassen und war eingetreten in das souveräne Reich ungezügelten Zorns.

Ihre Finger ertasteten die kalte, stählerne Scheide seines neben ihr liegenden Schwertes, es schien geradezu erfüllt von eiskalter Wut. Das, die Schnitzerei der Seele und ihre Erinnerungen waren so ziemlich alles, was ihr von ihm geblieben war.

Es gab nicht übermäßig viel Feuerholz, aber da sie ohnehin nicht mehr viel benötigen würden, legte Kahlan einen Ast aus dem noch verbliebenen Vorrat nach. Sie ging in die Hocke und hielt ihre Hände, in der Hoffnung, ein wenig Gefühl in ihre tauben Finger zu bekommen, dicht über die kraftlosen Flammen. Als der Wind sich ein wenig drehte, schlug ihr eine Woge beißenden Rauchs entgegen und brachte sie zum Husten. Der Rauch wälzte sich an ihrem Gesicht vorbei, kroch unter dem Felsenüberhang entlang und entwich aus ihrem Unterschlupf.

Cara war unterwegs, daher schob Kahlan den kleinen Wasserkessel in die Flammen, um für die Rückkehr der Mord-Sith Tee aufzusetzen. Cara befand sich wahrscheinlich gerade auf ihrem behelfsmäßigen Abort oder sah nach den Kaninchenfallen, die sie am Abend zuvor ausgelegt hatten. Kahlan hegte keine allzu große Hoffnung, dass sie ein Kaninchen für ihr Frühstück fangen würden, nicht bei diesem Wetter. Für alle Fälle hatten sie genügend Vorräte mitgenommen.

Das tiefrote Licht einer kalten, frischen Morgendämmerung schien durch den gelegentlich aufreißenden Wolkenhimmel, drang durch die Lücken zwischen den schneeverkrusteten Stämmen, um in flachem Winkel unter den Felsenüberhang zu fallen, wo es ihren kleinen Lagerplatz in ein rötliches Licht tauchte. Die beiden hatten erfolglos versucht, eine Launenfichte zu finden. Der schützende Schirm aus Bäumen sowie ein niedriger Schutzwall aus Zweigen, die sie und Cara am Abend zuvor geschnitten und als Windschutz in die Erde gesteckt hatten, wie Richard es ihnen beigebracht hatte, schirmten die abgelegene Stelle ab. Sie konnten von Glück reden, dass sie sie in diesem Schneetreiben überhaupt gefunden hatten. Draußen war der Schnee recht tief, in ihrem Unterschlupf dagegen hatten sie eine verhältnismäßig trockene Nacht verbracht. In die Decken und ihre dichten Wolfspelzüberwürfe gehüllt, hatten sich Kahlan und Cara aneinander geschmiegt, um sich zu wärmen.