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Trotzdem war ich ein bisschen schuldbewusst. Und verwirrt.

»Was habe ich denn gemacht?«

»Nichts«, versicherte sie mir. »Es war seine ... Reaktion auf dich, die mich überrascht hat. Ich wusste nicht, dass er so viel Tiefgang hat. Er war mir eigentlich vorher nie aufgefallen. Okay, er ist zu jung für mich, aber was spielt das hier für eine Rolle?« Sie lachte erneut. »Seltsam, wie das Leben und die Liebe weitergehen. Das hatte ich nicht erwartet.«

»Stimmt. Irgendwie komisch, wie das immer wieder passiert«, pflichtete Ian ihr bei. Ich hatte ihn nicht zurückkommen hören. Er legte mir den Arm um die Schultern. »Aber auch schön. Du weißt doch, dass er von Anfang an in dich vernarrt war, oder?«

»Er hat es mir gesagt. Mir war es nicht aufgefallen.«

Ian lachte. »Dann bist du die Einzige. So, Wanda, wie wär's mit einem Spiel eins zu eins, während wir warten?«

Ich konnte Melanies wortlose Begeisterung spüren. »Okay.« Er überließ zuerst mir den Ball, hielt sich zurück und drückte sich vor dem Tor herum. Mein erster Schuss ging zwischen ihm und dem Torpfosten hindurch, ein Treffer. Ich stürzte mich auf ihn, als er anspielte, und eroberte den Ball zurück. Ich traf erneut.

Er lässt uns gewinnen, murrte Mel.

»Los, Ian. Spiel richtig.« »Mach ich doch.«

Sag ihm, er spielt wie ein Mädchen.

»Du spielst wie ein Mädchen.«

Er lachte und ich nahm ihm erneut den Ball ab. Meine Hänselei hatte noch nicht gereicht. Dann hatte ich eine Eingebung und schoss den Ball ins Tor ... vermutlich war es das letzte Mal, dass mir das gelingen würde.

Mel widersprach. Deine Idee gefällt mir nicht. Aber ich wette, es funktioniert.

Ich warf den Ball wieder in die Mitte des Spielfelds. »Wenn du gewinnst, kannst du bei mir im Zimmer schlafen, während sie weg sind.« Es konnte nicht schaden, mal wieder gut zu schlafen.

»Der Erste, der zehn Treffer landet, hat gewonnen.« Keuchend kickte er den Ball so fest an mir vorbei, dass er von der weit entfernten, unsichtbaren Wand hinter meinem Tor abprallte und zu uns zurück geflogen kam.

Ich sah Lily an. »War der vorbei?«

»Nein, ich glaube, der ging mitten rein.« »Eins zu drei«,

verkündete Ian.

Es dauerte eine Viertelstunde, bis er gewonnen hatte, aber immerhin bekam ich richtig was zu tun. Ich schaffte sogar noch ein Tor, auf das ich sehr stolz war. Als er mir den Ball abnahm und ihn zum letzten Mal zwischen meinen Torpfosten hindurchsegeln ließ, schnappte ich nach Luft. Er war nicht außer Atem.

»Zehn zu vier, ich habe gewonnen.«

»Gutes Spiel«, keuchte ich.

»Müde?«, fragte er, wobei er seinen unschuldigen Tonfall etwas überstrapazierte. Es war witzig gemeint. Er streckte sich. »Ich glaube, ich habe auch die nötige Bettschwere.« Er warf mir einen übertrieben lüsternen Blick zu. Ich zuckte zusammen.

»Komm schon, Mel, du weißt, ich mache nur Spaß. Sei nicht so.«

Lily beäugte uns verblüfft.

»Jareds Melanie hat was gegen mich«, erklärte Ian ihr augenzwinkernd.

Ihre Augenbrauen gingen in die Hohe. »Wie ... interessant.« »Komisch, dass Wes so lange braucht«, murmelte Ian, ohne ihre Reaktion zu beachten. »Sollen wir mal nachsehen? Ich könnte etwas zu trinken gebrauchen.«

»Ich auch«, stimmte ich ihm zu.

»Bringt mir was mit.« Lily lag halb auf dem Boden und rührte sich nicht vom Fleck.

Als wir den schmalen Tunnel betraten, umfasste Ian mit einem Arm locker meine Taille.

»Weißt du«, sagte er, »es ist wirklich ungerecht von Melanie, dich leiden zu lassen, wenn sie wütend auf mich ist.«

»Seit wann sind Menschen gerecht?«

»Eins zu null für dich.«

»Im Übrigen würde sie liebend gern dir Leid zufügen, wenn ich sie ließe.«

Er lachte.

»Schön, das mit Wes und Lily, findest du nicht?«, sagte er.

»Ja. Sie wirken beide sehr glücklich. Das gefällt mir.«

»Mir gefällt es auch. Wes hatte am Ende Erfolg bei seinem Mädchen. Das gibt mir Hoffnung.« Er zwinkerte mir zu. »Glaubst du, Melanie würde dir großen Ärger machen, wenn ich dich jetzt küsste?«

Eine Sekunde lang erstarrte ich, dann atmete ich tief durch. »Wahrscheinlich.«

Allerdings.

»Auf jeden Fall.« Ian seufzte.

Gleichzeitig hörten wir Wes rufen. Seine Stimme ertönte vom Ende des Tunnels und kam mit jedem Wort näher.

»Sie sind wieder da! Wanda, sie sind zurück!«

Ich brauchte weniger als eine Sekunde, um zu realisieren, was er sagte, und dann sprintete ich los. Hinter mir murmelte Ian irgendwas über vergebliche Liebesmüh.

Ich rannte Wes beinahe über den Haufen. »Wo sind sie?«, keuchte ich.

»Auf dem Platz.«

Und schon rannte ich weiter. Ich suchte die Umgebung bereits mit den Augen ab, als ich in die große Gartenhöhle stürmte. Es war nicht schwer, sie zu finden. Jamie stand vor einer Gruppe von Leuten neben dem Eingang zum südlichen Tunnel.

»Hey, Wanda!«, brüllte er und winkte.

Während ich um das Feld herumrannte, hielt Trudy seinen Arm fest, als wollte sie ihn daran hindern, mir entgegenzulaufen.

Mit beiden Händen packte ich seine Schultern und zog ihn dann an mich. »Oh, Jamie!«

»Hast du mich vermisst?«

»Nur ein kleines bisschen. Wo sind denn alle? Sind sie wieder zurück? Sind alle okay?« Außer Jamie war Trudy die Einzige hier, die mit auf der Tour war. Alle anderen in der kleinen Menge - Lucina, Ruth Ann, Kyle, Travis, Violetta, Reid - hießen sie willkommen.

»Alle sind heile wieder zurück«, versicherte mir Trudy. Mein Blick schweifte durch die große Höhle. »Wo sind sie?« »Äh ... aufräumen, auspacken ...«

Ich wollte meine Hilfe anbieten - irgendwas, das mich in Jareds Nähe führte, damit ich mich mit eigenen Augen versichern konnte, dass er in Sicherheit war -, aber ich wusste, dass man mir nicht erlauben würde zu sehen, wo die Waren hereingebracht wurden.

»Du siehst aus, als könntest du ein Bad gebrauchen«, erklärte ich Jamie und strubbelte ihm durch sein schmutziges, verfilztes Haar, ohne ihn loszulassen.

»Er muss sich hinlegen«, sagte Trudy.

»Trudy«, murmelte Jamie und guckte sie böse an.

Trudy warf mir einen kurzen Blick zu und sah dann weg.

»Hinlegen ...?« Ich starrte Jamie an und schob ihn von mir weg, um ihn genau ansehen zu können. Er sah nicht müde aus - seine Augen leuchteten und seine Wangen wurden plötzlich rot unter seiner Bräune.

Mein Blick suchte ihn ab und blieb dann an seinem rechten Bein hängen.

In seiner Hose war ein ausgefranstes Loch, ein paar Zentimeter über seinem Knie. Der Stoff um das Loch herum war von einem dunklen Rotbraun und die unheilvolle Farbe erstreckte sich von dort in einem langen Streifen das ganze Hosenbein hinunter.

Blut, stellte Melanie entsetzt fest. »Jamie! Was ist passiert?« »Danke, Trudy.«

»Sie hätte es sowieso bald bemerkt. Komm mit, du kannst auch beim Humpeln reden.«

Trudy schob ihren Arm unter seinen und half ihm, langsam auf dem linken Bein vorwärtszuhüpfen.

»Jamie, sag mir, was passiert ist!« Ich legte von der anderen Seite den Arm um ihn und versuchte so viel wie möglich von seinem Gewicht zu tragen.

»Etwas total Dämliches. Und ich allein bin schuld daran. Und es hätte genauso gut hier passieren können.«