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»Wenn ... wir den Jeep ... erreichen ... sind wir ... in Sicherheit.« Den Jeep? Ich spürte eine eigenartige Welle der Nostalgie. Mel hatte diesen Jeep seit der ersten Etappe ihres katastrophalen Chicago-Trips nicht mehr gesehen, hatte nicht gewusst, dass es ihn überhaupt noch gab.

»Und wenn ... nicht?«, fragte ich.

»Wenn sie uns erwischen ... bringen sie dich um. Damit hatte ...

Ian Recht.«

Ich versuchte schneller zu rennen. Nicht um mein Leben zu retten - sondern weil ich die Einzige war, die Jamies Leben retten konnte. Ich stolperte wieder.

»Ich nehme dir ... die Augenbinde ab. Dann bist du ... schneller.«

»Bist du sicher?«

»Sieh dich ... nicht um. Okay?«

»Versprochen.«

Er zerrte an den Knoten an meinem Hinterkopf. Als der Stoff vor meinen Augen verschwand, blickte ich starr zu Boden.

Es machte einen Riesenunterschied. Das Mondlicht war hell und der Sand ganz weich und blass. Jared ließ seinen Arm sinken und lief schneller. Ich hielt leicht mit ihm Schritt.

Langstreckenläufe waren meinem Körper vertraut. Ich fiel in meinen bevorzugten Rhythmus: ein Kilometer in dreieinhalb Minuten, schätzte ich. Dieses Tempo konnte ich nicht ewig aufrechterhalten, aber ich würde alles tun, um es zu versuchen.

»Hörst du ... was?«, fragte er.

Ich lauschte. Nur zwei Paar Füße, die über den Sand liefen. »Nein.«

Er grunzte zustimmend.

Ich nahm an, dass er deshalb das Gewehr gestohlen hatte. Ohne Gewehr konnten sie uns auf große Entfernung nicht schnappen.

Es dauerte noch etwa eine Stunde. Wir wurden beide langsamer. Mein Mund lechzte nach Wasser.

Ich hatte die ganze Zeit nicht vom Boden aufgesehen, deshalb erschrak ich, als er mir die Hand über die Augen legte. Ich strauchelte und er verfiel in Schritttempo.

»Wir haben es geschafft. Gleich da vorne ...« Er ließ die Hand über meinen Augen liegen und zog mich vorwärts. Ich hörte, wie unsere Schritte von irgendwo widerhallten. Die Wüste war hier nicht mehr ganz so flach.

»Hier rein.«

Seine Hände verschwanden. Es war fast so dunkel wie mit der Hand über den Augen. Wieder eine Höhle. Nicht besonders tief. Wenn ich mich umdrehte, würde ich hinaussehen können. Ich drehte mich nicht um.

Der Jeep wurde in der Dunkelheit sichtbar. Er sah genauso aus wie ich ihn in Erinnerung hatte, dieses Fahrzeug, das ich noch nie gesehen hatte. Ich sprang über die Tür auf den Sitz.

Jared saß bereits. Er beugte sich zu mir herüber und verband mir wieder die Augen. Ich hielt still, um es ihm leichter zu machen.

Das Motorengeräusch erschreckte mich. Es kam mir zu gefährlich vor. Es gab so viele Leute, die uns jetzt nicht finden durften.

Wir fuhren kurz rückwärts und dann blies mir der Wind ins Gesicht. Hinter dem Jeep war ein komisches Geräusch zu hören, irgendwas, das ich nicht mit Melanies Erinnerung in Einklang bringen konnte.

»Wir fahren nach Tucson«, erklärte er mir. »Wir gehen dort eigentlich nie auf Beutetour - es ist zu nah. Aber wir haben keine Zeit, woandershin zu fahren. Ich kenne dort ein kleines Krankenhaus, das etwas abgelegen ist.«

»Doch nicht das Saint Marys, oder?«

Er bemerkte die Nervosität in meiner Stimme. »Nein, warum?«

»Ich kenne da jemanden.«

Er schwieg eine Minute lang. »Wird man dich erkennen?«

»Nein. Niemand weiß, wie ich aussehe. Bei uns gibt es keine ... gesuchten Leute. Nicht so wie bei euch.«

»Okay.«

Aber er hatte mich nachdenklich gemacht, mich dazu gebracht, mir Gedanken über mein Aussehen zu machen. Bevor ich meine Sorgen aussprechen konnte, nahm er meine Hand und legte etwas sehr Kleines hinein. »Hab das immer griffbereit.«

»Was ist das?«

»Wenn sie Verdacht schöpfen, dass du ... mit uns zusammen bist, wenn sie ... jemand anderen in Mels Körper einsetzen wollen, nimmst du das in den Mund und beißt fest darauf.«

»Gift?«

»Ja.«

Ich dachte einen Moment darüber nach. Und dann lachte ich, ich konnte nicht anders. Meine Nerven waren vor lauter Sorge überspannt.

»Das ist kein Witz, Wanda«, sagte er wütend. »Wenn du dazu nicht in der Lage bist, muss ich dich zurückbringen.«

»Doch, doch, ich bin dazu in der Lage.« Ich versuchte mich wieder zu fassen. »Ich weiß, dass ich das kann. Deshalb lache ich ja.«

Seine Stimme war scharf. »Ich verstehe nicht, was daran so witzig ist.«

»Nein? Für Millionen meiner eigenen Spezies habe ich das nie fertiggebracht. Für meine eigenen ... Kinder nicht. Ich hatte immer zu viel Angst vor dem endgültigen Tod. Aber ich kann es für ein einziges Menschenkind tun ...« Ich lachte wieder. »Das ist doch total verrückt. Aber mach dir keine Sorgen. Ich kann sterben, um Jamie zu beschützen.«

»Ich vertraue darauf, dass du genau das tun wirst.«

Wir schwiegen einen Moment und dann fiel mir wieder ein, wie ich aussah.

»Jared, mein Aussehen ist nicht in Ordnung. Um in ein Krankenhaus zu spazieren.«

»Wir haben bessere Kleidung bei den ... unverdächtigeren Wagen gelagert. Da fahren wir jetzt hin. Noch etwa fünf Minuten.«

Das hatte ich nicht gemeint, aber er hatte Recht. In diesen Sachen konnte ich nirgendwohin. Ich wartete, bevor ich ihm den Rest erklärte, ich wollte mich zuerst selbst ansehen.

Der Jeep hielt und er nahm mir die Augenbinde ab.

»Du musst nicht weiter auf den Boden schauen«, erklärte er mir, als ich automatisch den Kopf senkte. »Hier gibt es nichts, was uns verraten könnte. Falls dieser Platz je entdeckt werden sollte.«

Es war keine Höhle, es war ein Steinschlag. Unter einigen der größeren Felsbrocken waren vorsichtig dunkle Hohlräume ausgehoben worden, in denen niemand irgendetwas anderes als Staub und kleinere Steine vermuten würde.

Der Jeep war bereits an einer engen Stelle geparkt. Er stand so nah am Felsen, dass ich nach hinten hinausklettern musste. An der Stoßstange war etwas Komisches festgebunden - Ketten und zwei furchtbar dreckige Planen, die ganz ausgefranst und zerfetzt waren.

»Hier«, sagte Jared und führte mich zu einer dunklen Felsspalte, die nur wenig niedriger war als sein Kopf. Er schob eine staubige, dreckige Plane zur Seite und durchsuchte einen Stapel, der dahinter lag. Dann zog er ein weiches, sauberes T- Shirt heraus, an dem noch die Etiketten hingen. Er riss sie ab und warf mir das Shirt zu. Anschließend kramte er weiter, bis er eine khakifarbene Hose fand. Er sah nach der Größe und warf sie ebenfalls zu mir herüber.

»Zieh das an.«

Ich zögerte einen Moment, während er wartete und überlegte, was mein Problem war. Ich wurde rot und drehte ihm dann den Rücken zu. Ich zerrte mir mein abgerissenes Hemd über den Kopf und ersetzte es, so schnell ich mit meinen ungeschickten Fingern konnte.

Ich hörte, wie er sich räusperte. »Oh. Ich ... äh ... hol dann mal das Auto.« Seine Schritte entfernten sich.

Ich streifte meine zerlumpte, abgeschnittene Jogginghose ab und zog die brandneue Hose an. Meine Schuhe waren in schlechtem Zustand, aber das fiel nicht allzu sehr auf. Außerdem war es nicht immer leicht, bequeme Schuhe zu kriegen. Ich konnte behaupten, dass ich an diesem Paar sehr hing.

Ein anderer Motor sprang an - leiser als der Jeep. Ich drehte mich um und sah eine schlichte, unauffällige Limousine aus dem Schatten unter einem Felsbrocken hervorkommen. Jared stieg aus und kettete die zerfetzten Planen vom Jeep an die hintere Stoßstange dieses Wagens. Dann fuhr er ihn bis zu mir, und als ich sah, wie die beschwerten Planen die Reifenspuren im Staub verwischten, verstand ich ihren Sinn.

Jared lehnte sich herüber, um die Beifahrertür zu öffnen. Auf dem Sitz lag ein Rucksack. Er war flach und leer. Ich nickte vor mich hin. Ja, den brauchte ich.

»Lass uns fahren.« »Warte«, sagte ich.

Ich bückte mich, um mich im Seitenspiegel zu betrachten.