Выбрать главу

Nicht gut. Ich strich mir das kinnlange Haar über die Wange, aber das reichte nicht. Ich berührte mein Gesicht und biss mir auf die Lippe.

»Jared. Ich kann mit diesem Gesicht da nicht hinein.« Ich zeigte auf die lange, ausgefranste Narbe auf meiner Haut.

»Was?«, fragte er.

»Keine Seele hätte je so eine Narbe. Sie würden das behandeln lassen. Sie werden sich fragen, wo ich gewesen bin. Sie werden Fragen stellen.«

Seine Augen weiteten sich und verengten sich anschließend.

»Vielleicht hättest du dir das überlegen sollen, bevor ich dich hinausgeschmuggelt habe. Wenn wir jetzt zurückgehen, werden sie glauben, es war nur ein Trick, damit du den Weg nach draußen findest.«

»Wir gehen nicht ohne Medikamente für Jamie zurück.« Meine Stimme klang härter als seine.

Seine wurde ebenfalls härter. »Was bitte schlägst du dann vor, Wanda?«

»Wir brauchen einen Stein.« Ich seufzte. »Du musst mich schlagen.«

Geheilt

»Wanda ...«

»Wir haben keine Zeit. Ich würde es ja selbst machen, aber ich kriege den richtigen Winkel nicht hin. Es geht nicht anders.«

»Ich glaube nicht, dass ich ... das kann.«

»Nicht mal für Jamie?« Ich presste meine gesunde Gesichtshälfte, so fest ich konnte, an die Kopfstütze des Beifahrersitzes und schloss die Augen.

Jared hielt den kantigen, faustgroßen Felsbrocken, den ich gefunden hatte. Er wog ihn schon seit fünf Minuten in seiner Hand.

»Du musst einfach nur die oberen Hautschichten abreißen. Die Narbe verschwinden lassen, mehr nicht. Los, Jared, wir müssen uns beeilen. Jamie ...«

Sag ihm, ich finde auch, er soll es jetzt tun. Und zwar richtig.

»Mel sagt, du sollst es tun. Und zwar fest genug. Es muss gleich beim ersten Mal sitzen.«

Schweigen.

»Los jetzt, Jared!«

Er holte tief Luft, ein Keuchen. Ich spürte einen Luftzug und kniff die Augen fester zusammen.

Ein dumpfer Schlag war zu hören - das war das Erste, was ich bemerkte. Dann ließ der Schock des Aufpralls nach und ich spürte es auch.

»Aah«, stöhnte ich. Ich hatte eigentlich kein Geräusch machen wollen. Ich wusste, dass es das für ihn nur schlimmer machen würde. Aber mit diesem Körper geschah so vieles unfreiwillig. Tränen traten mir in die Augen und ich hustete, um ein Schluchzen zu unterdrücken. Mein Kopf dröhnte und vibrierte von der Wucht des Schlags.

»Wanda? Mel? Es tut mir leid!«

Er umarmte uns, zog uns an seine Brust.

»Schon gut«, wimmerte ich. »Wir sind okay. Hast du alles erwischt?«

Seine Hand berührte meine Haut und drehte meinen Kopf zur Seite.

»Uuh«, keuchte er angewidert. »Ich habe dir das halbe Gesicht abgerissen. Es tut mir so leid.«

»Nein, das ist gut. Das ist gut. Lass uns fahren.« »Okay.« Seine Stimme war immer noch schwach, aber er legte mich vorsichtig in meinen Sitz zurück und dann begann das Auto unter uns zu dröhnen.

Eiskalte Luft blies mir ins Gesicht, erschreckte mich, stach mir in die aufgerissene Wange. Ich hatte schon vergessen, wie sich eine Klimaanlage anfühlte.

Ich öffnete die Augen. Wir fuhren einen flachen ausgetrockneten Wasserlauf entlang - flacher, als er normalerweise war, vorsichtig entsprechend verändert. Er schlängelte sich vor uns entlang, wand sich zwischen dem Gestrüpp hindurch. Ich konnte nicht besonders weit sehen.

Ich klappte die Sonnenblende herunter und den Spiegel auf. Im fahlen Mondlicht war mein Gesicht schwarz-weiß. Schwarz war meine ganze rechte Gesichtshälfte, schwarz lief es nur das Kinn hinunter, den Hals entlang und sickerte in den Kragen meines neuen, sauberen T-Shirts.

Mir drehte sich der Magen um. »Gute Arbeit«, flüsterte ich.

»Tut es sehr weh?«

»Nicht sehr, nein«, log ich. »Außerdem wird es nicht mehr lange wehtun. Wie weit ist es noch bis Tucson?«

Genau in diesem Augenblick stießen wir auf Asphalt. Eigenartig, wie der Anblick mein Herz vor Angst zum Rasen brachte. Jared hielt zwischen Gestrüpp versteckt an. Er stieg aus, entfernte die Planen und Ketten von der Stoßstange und legte sie in den Kofferraum. Dann stieg er wieder ein und fuhr langsam an, wobei er sich aufmerksam umsah, um sicherzugehen, dass der Highway leer war. Er streckte die Hand aus, um die Scheinwerfer einzuschalten.

»Warte«, flüsterte ich. Ich konnte nicht lauter sprechen. Ich fühlte mich hier so ungeschützt. »Lass mich fahren.«

Er sah mich an.

»Es darf nicht so aussehen, als sei ich in diesem Zustand zu Fuß ins Krankenhaus gekommen. Das wirft zu viele Fragen auf. Ich muss fahren. Du versteckst dich hinten und sagst mir, wo ich hin muss. Ist da etwas, worunter du dich verstecken kannst?«

»Okay«, sagte er langsam. Er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr zurück ins dichtere Gestrüpp. »Okay. Ich verstecke mich. Aber wenn du uns irgendwo anders hinfährst, als ich dir sage ...«

Oh! Melanie war genauso verletzt von seinen Zweifeln wie ich.

»Dann erschieß mich«, sagte ich unbewegt.

Er antwortete nicht. Bei laufendem Motor stieg er aus. Ich rutschte über die Becherhalter auf seinen Sitz und hörte, wie der Kofferraumdeckel zufiel.

Jared kletterte mit einer dicken zusammengefalteten Decke unter dem Arm auf den Rücksitz.

»Bieg nach rechts auf die Straße ein.«

Der Wagen hatte eine Automatikschaltung, aber es war lange her, dass ich gefahren war, und ich fühlte mich unsicher hinter dem Steuer. Ich fuhr vorsichtig, erfreut festzustellen, dass ich noch wusste, wie es ging. Der Highway war immer noch leer. Ich bog auf die Straße ein, wobei mein Herz erneut zu klopfen begann.

»Licht an«, sagte Jared. Seine Stimme kam von unten auf der Rückbank.

Ich suchte nach dem Schalter und machte dann die Scheinwerfer an. Sie kamen mir fürchterlich hell vor.

Wir waren nicht weit von Tucson entfernt - ich konnte einen gelblichen Lichtschein am Himmel sehen. Die Lichter der Stadt vor uns.

»Du könntest ein bisschen schneller fahren.«

»Ich fahre schon so schnell, wie ich darf«, protestierte ich.

Er schwieg einen Augenblick. »Fahren Seelen nie zu schnell?« Ich lachte. Es klang nur eine Spur hysterisch. »Wir halten uns an alle Gesetze, Verkehrsregeln eingeschlossen.«

Die Helligkeit vor uns war jetzt mehr als ein Schein - sie verwandelte sich in einzelne Lichtpunkte. Grüne Straßenschilder informierten mich über die möglichen Ausfahrten.

»Fahr an der Ina Road raus.«

Ich folgte seinen Anweisungen. Er sprach leise, obwohl wir hier im Wagen ruhig hätten schreien können.

Es war nicht leicht für mich, hier in dieser unbekannten Stadt zu sein. Häuser und Wohnungen und Geschäfte mit Leuchtreklame zu sehen. Zu wissen, dass ich umzingelt war, in der Minderzahl. Ich stellte mir vor, wie es für Jared sein musste. Seine Stimme war bemerkenswert ruhig. Aber er hatte das schon öfter gemacht, schon viele Male.

Inzwischen waren mehr Autos auf der Straße unterwegs.

Wenn ihre Scheinwerfer über meine Windschutzscheibe streiften, zuckte ich erschrocken zusammen.

Mach jetzt nicht schlapp, Wanda. Du musst stark sein für Jamie. Das hier klappt nur, wenn du durchhältst. Ich kann es. Ich kann es tun.

Ich dachte fest an Jamie und meine Hände am Steuer wurden ruhiger.