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Wie ist das Wasser auf die Erde gekommen? — Früher war Eis, dann schmolz es. — Glaubst du an Gott oder an die Urmenschen? — Du meinst die Evolution, dass alles sich aus ganz kleinen Tierchen entwickelt hat in Jahrmillionen Jahren. — Ja, bis die Affen kamen und daraus die Menschen wurden. Glaubst du das? — Ich denke schon. — Aber wird jetzt noch ein Affe ein Mensch, zum Beispiel in einem Zoo? — Nicht so schnell, es dauert sehr lange. — Aber die Menschen waren irgendwann da und wurden aus dem Paradies vertrieben. — So steht es in der Bibel. — Warum wurden auch die Affen und die anderen Tiere vertrieben, die dann auf die Arche kamen? Und die Schlange kam auch auf die Arche, nicht wahr? Weshalb glaubt man dann, sie wäre der Teufel?

um sich das Böse zu erklären glaube ich sage ich einfach so

die Leute suchen

einfache Bilder an die sie sich halten können mit einem Mal

kommen dann die Geräusche im Licht ich öffne die Augen die Hupen das unablässige Brummen dazwischen jaulende Sirenen ein Dröhnen aber nicht jenes ferne Grollen eines Gewitters in einer anderen Stadt eines Steinschlags in einem benachbarten Gebirgszug das Niedergehen der Türme in wenigen Sekunden und die Brandungswelle die es hervorrief bis zur ersten totenstillen Nacht danach in der scheinbar niemand mehr hinausging außerhalb der rauchenden zerwühlten mit gleißenden OP-Lichtern traktierten grau-schwarzen Wunde ich

trete jeden Morgen ans Fenster und starre vom 7. Stock hinab in das

verwickelte alltägliche blinkende Gewirr der Amsterdam Avenue

das einfache Bild

war einmaclass="underline"

Hasserfüllter Terror erklärt der ZIVILISIERTEN MENSCHHEIT den Krieg

eine Ikone für

Staatsmänner Hand aufs Herz Aufstellung vor Ground Zero Nationalhymne Flagge Heilige Feuerwehr Patriot Act War

against Terrorism

die einfachen die schnellsten die brennenden Bilder vor einem Jahr waren präziser und klarer

TERRORISTSCRASHHIJACKED

AIRLINERSINTOWORLDTRADE-

CENTERPENTAGONSOURCES

«GOOD INDICATIONS «OSAMA

BINLADENINVOLVEDINATTACKS

die unfassbare Wirklichkeit verschmilzt in der Vergangenheit die immer unfassbare Wirklichkeit ist in ihrem monströsen Rahmen ein Trost ich stürzte

aus dem Haus in Amherst es war schon

zersplitterter Nachmittag

schon längst rauchte die Südspitze Manhattans schwarz wie ein von Brandbomben getroffener gigantischer Tanker ich fuhr telefonierte stieg aus um zu telefonieren weil ich nicht mehr weiterkam keinen Empfang hatte zu erregt war um weiter gleichzeitig zu fahren und zu telefonieren immer wieder Bildschirme Radiostimmen Flugzeuge leicht wie Schatten in Hochhaustürme wie in dünne Aluminiumsäulen stoßend erbrochene riesige Feuerbälle Staus Sperren Unfälle ahnungslose Leute dazwischen Telefonzellen an Restaurants Tankstellen Malls um vielleicht weiter zu kommen als mit meinem mobile ich habe nur dieses wahnsinnig machende

SIE SIND DA DRIN

und wusste doch schon dass es jenes DA nicht mehr gab (sein letztes Zeichen und Denkmal jene von Millionen von Papierfetzen und leichten Trümmern nachgezeichneten Kuben die zerrissenen Seelen der Türme weiß nachflimmernd) ich konnte Seymour zunächst nicht mehr erreichen die Mobilfunknetze im Financial District waren zusammengebrochen ich kannte Eric nicht ich traf Mrs Donally nicht an ich hatte zwei Nummern von Amandas Kolleginnen die ebenso wenig antworteten wie sie ich stieß nur auf Besetztzeichen anspringende Anrufbeantworter Mailboxen synthetische Stimmen die mich in Warteschleifen stellten unmittelbar vor dem tiefsten Abgrund

SIE SIND DA DRIN

wochenlang hatte ich Seymours fürchterlichen Satz im Kopf und er endet nicht verlässt mich nicht dieser Satz

ausgesprochen um 10:06 Uhr auf dem Broadway mit Blick auf die getroffenen Zwillingstürme eine Minute vor dem Einsturz des Südturms Seymour hatte aufgelegt bevor er loslief um gleich darauf zu erstarren

zehn Sekunden lang

das Niedergehen einer Lawine völlig irrsinnig ein Ereignis aus einem völlig anderen (geologischen, alpinen) Zusammenhang

eine turmhohe Wolke raste auf ihn zu an den Rändern wie fehlerhaft oder blödsinnig tricktechnisch begrenzt von den harten vertikalen Linien der Hochhäuserblocks dann aber schon

Goyas Titan

genau über dir der dich

zertritt

nein seltsamerweise nur versetzt in

eine ohrenbetäubend rauschende graue und weiße Welt aus der Figuren aus Rauch und Asche stolpern sich erbrechen zu Boden stürzen wie in einen Schaum aus Trümmern so leicht als könnten dich diese zerfetzten scharfkantigen Objekte nicht schneiden als müssten alle die du suchst dir im nächsten Augenblick entgegentaumeln wie diese hustend speiend schreiend aus der Wolke geborenen Banker Hausfrauen Polizisten jemand zerrte ihn in einen Laden schloss die Glastür gerade noch rechtzeitig bevor die nächste Wolkenfront (schwärzer höher eine mit Trümmerteilen gespickte Gewitterladung) heranraste und er wurde schlagartig in die Nacht versetzt zusammen mit fünfzehn Menschen in einem engen Drugstore von Neonröhren angestrahlt wie Fische in einem Aquarium und

so sind sie immer noch da drin in uns wie in einem leuchtenden inneren Aquarium eingeschlossen Amanda Sabrina dem sie nicht entrinnen können das wir mit unserem Fleisch unserer Haut schützen mit unserem letzten

Leben Seymour

ich schaffte es nicht bis nach Manhattan in dieser Nacht ich stand in New Jersey neben meinem Wagen sank nach Stunden in der Dunkelheit auf einem Promenadenweg zu Boden saß an den Vorderreifen gelehnt und starrte über den Hudson weit rechts hätten die Türme stehen müssen ein Konglomerat nur aus Rauch flach züngelndem Licht brodelnder Nacht aufsteigender Wolkentinte das an die glühenden Fensterzeilen der Häusermassive anschloss unter dem flugleeren fahlen Himmel über ganz Amerika dieses komplett ausgeräumte obere Stockwerk ein Himmel wie zu

Goethes Zeit

es war plötzlich nur noch ein

Sich-nicht-mehr-aufrecht-halten-Können

als wäre das mein einziges Problem gewesen ein Polizist sprach mich an ich fuhr den Wagen auf einen Randstreifen und erzählte wohl etwas über Sabrina denn er brachte mir einen Becher Kaffee und notierte sich nichts heute wüsste ich gerne seinen Namen so viele Leute treffen sich im Nachhinein um gemeinsam in die Vergangenheit zu starren auf den blendend hellen Schild eines wahnsinnigen Tags der auch in der hundertsten Wiederholung und unter dem Druck von Millionen und Abermillionen Blicken keinen Millimeter nachgeben und nichts von seiner gnadenlos heiteren stählernen Bläue verlieren wird

aber es war schon Nacht ich fror oder zitterte so stark dass ich mich wieder ins Auto setzte und von dort weiter in die Dunkelheit starrte bis sie allmählich durchsichtig wurde als hätte ich gewonnen als könnten die Türme nun wieder auferstehen in jener langgezogenen vertikalen Rauchsäule jener erst schwarze und ölig dichte dann immer hellere und feinere Rauch den man noch Monate später über dem zerfetzten Grund sehen würde dieser wie unauflösbare Schleier der all die brillanten Helikopter-Tiefblicke auf den zerstörten Komplex das Vordringen in die Katastrophenzone die

DEVASTATION AREA

wie mit Geisterhänden trübte genährt von den unterirdischen drei oder fünf Stockwerke tief glühenden kaum löschbaren Kernen unter dem Schutt hochverdichtete verbackene Materialien die das Kerosin in einen zähen Fackelbrand versetzt hatte

im Morgenlicht fiel mir auf dass ich fast einen Hydranten umgefahren hätte dem Polizisten der mich zum ordnungsgemäßen Parken aufgefordert hatte war das wohl entgangen ich befand mich in Hoboken auf einem öden Gelände zwischen Football-Stadien direkt am Ufer und sah hinüber weshalb ausgerechnet Hoboken dachte ich etliche Male vielleicht weil ich einmal diesen Soldaten-Spruch gehört hatte (Heaven, Hell or Hoboken) schließlich gelang es mir nach Manhattan vorzustoßen nach einer verworrenen Autofahrt zur George-Washington-Brücke und dann zu Fuß und mit Stadtbussen der Wagen wurde in der Nähe des City Colleges gestohlen weil ich vergaß ihn abzuschließen und das erleichterte mich und bestärkte meinen Entschluss in Manhattan zu bleiben und es auszuhalten ganz gleich als was es sich herausstellen würde ich fand ein Hotelzimmer von dem aus ich zwei Tage umherirrte und versuchte