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der Zone

näher zu kommen diesem ungeheuerlichen Rauch- und Qualmgebilde das zwischen den Hochhäusern wucherte wie ein Atompilz der sich nicht vom Grund erheben konnte

IT’S WAR

ACT OF WAR

die Titelblätter am zweiten Tag

stell dir Hiroshima vor sagte einige Wochen später ein Bekannter (Makroökonom, ein Mann der Distanzen) oder die großen Städtebombardements im Zweiten Weltkrieg

weshalb fragte ich soll Sabrina auch dort noch sterben aber er meinte dass wir eine Grenze finden mussten für den maßlosen Schmerz etwas das ihn einordnete

worin nur

wozu

ich sah den

PRÄSIDENTEN (George Bush jr. über den wir an den Universitäten einmal gelacht hatten) und hing ihm plötzlich an den schmalen Lippen wenigstens für einen Tag für jene am Vorabend aufgezeichneten fünf Minuten in ständigen Wiederholungen die er mit scheinbar abnehmender Kraft sprach immer mühsamer während

auf den gleichen Bildschirmen die Türme immer perfekter immer ausdrucksvoller in immer neuen ausgefeilten Einstellungen niederkrachten

terrible sadness

evil axis

AMERICA UNDER ATTACK

we will make no difference between

those

defend

a great nation

we will be open

for business

tomorrow

good night

es wird Krieg geben und ich will ihre Leichen auf großen Bergen gehäuft sehen sagte ein schmächtiger blonder Mann in einem staubbedeckten vornehmen braunen Anzug an meiner Seite

wozu fragte ihn eine riesige fette puertoricanische Polizistin zurück

wozu

kurz darauf erreichte ich endlich Seymour am Telefon wir standen wenige Meter nebeneinander vor einem der provisorisch am Straßenrand errichteten Vermisstenbüros mit Blick auf eine von Trümmern übersäte Straße die hinter zwei Polizeisperren verschüttet war von einem Bergrutsch aus verbogenem diagonal gestaffelten Schrott bis zum zehnten Stock der gänzlich unberührt erscheinenden Häuser links und rechts es musste eines der World-Trade-Center-Gebäude gewesen sein keiner konnte sich später erklären weshalb (mit Ausnahme des Marriott-Hotels) nur jene sieben zum Welthandelszentrum gehörenden Gebäude zerstört wurden

wir müssen die Spuren prüfen wir müssen sichergehen

sagte Seymour und so begannen wir

auszutauschen was wir wussten ich war im Nachteil ich hatte Sabrina auf Long Island vermutet ich hörte zum ersten Mal von ihrem Plan gemeinsam mit Eric für zwei Wochen nach Kalifornien zu fahren und erfuhr dass Seymour der Letzte war der sie gesehen hatte am Nachmittag in seiner und Amandas Wohnung in der Little Brazil Street wo sie ihren blauen Rucksack hinterließ und noch einen Tee trank bevor sie (womöglich) auf der Upper East Side eine Freundin aufsuchte (bei der sie dann übernachten wollte wie sie zu Seymour noch sagte) deren genauen Namen und deren Adresse wir nie ausfindig machen würden

alles musste registriert erkundet erforscht werden wir mussten uns durch das widerwärtige schwarze Gewebe der Unbestimmtheiten schneiden und wir setzten alle Telefonate alle verfügbaren Terminpläne alle Sätze und Halbsätze aller verfügbaren Zeugen zusammen aber wir hatten von Anfang an kaum eine Chance ich wollte ich hätte Amandas Büro im 94. Stock des Nordturms nie betreten und dieses Bild meiner gehetzt fast verärgert zwischen zwei Computerbildschirmen aufsehenden ehemaligen Frau in einem dunklen knielangen Rock und einer weißen Bluse nie sehen müssen die plötzlich lächelte da ihr einfiel dass sie mich ja gebeten hatte vorbeizukommen und nun wiederum für einen Augenblick vergaß dass wir uns längst nicht mehr liebten sich dann fing und mir die

großartige Aussicht

über die Upper Bay bis nach Staten Island zeigte wofür ich mich wegen der eng benachbarten Streben der Außenfassade nah ans Fenster und an sie heran begeben musste ich sah eine saphirblau leuchtende konturlose Weite im blendenden Gegenlicht präzise in meine Erinnerung gegraben ist aber das matte Schimmern ihrer Perlenkette und der perfekt gestärkten weißen Bluse (irgendein synthetisches oder mit synthetischen Fasern angereichertes Material) ein vornehmer Damastglanz im Kontrast zu ihrer gebräunten von blassen Sommerflecken belebten Haut und ich bin froh darüber dass ich mich zwar an ein mir unbekanntes Parfum erinnere aber nur an dessen Fremdheit nicht an seinen Duft es ist die Gnade der Ungenauigkeit die uns immer weniger gewährt wurde die uns (Seymour und mir) von Anfang an nur in zeitlicher Hinsicht zuteil werden konnte als sich auflösende Wolke um einen von Anfang an genau bestimmten Punkt

8 Uhr 45: Einschlag der Boeing 767 American Airlines Flug 011 auf der Nordseite des Nordturms im 96. Stock

man suchte drei Wochen lang nach Überlebenden bevor die ersten großen Trümmer von der Stelle bewegt wurden jene bizarren scherenklingenähnlich herausragenden Gitter der zerfetzten unteren Fassade vor denen die Leichenspürhunde über die herausgebrochenen Mauerteile und verdrillten Stahlträger geführt wurden von Spezialisten wie es hieß wie viele Spezialisten hat eigentlich der Tod fragtest du dich

(einen für

jeden Menschen)

wir sahen dann Ground Zero aus nächster Nähe immer wieder von der Plattform aus die für die Angehörigen der Opfer errichtet wurde aber

nach drei Wochen schon brauchten wir nicht mehr zu hoffen wir hatten uns durch ein Gewirr von Leerstellen getastet (denn mehr war es nicht nur unsere Vermutungen und Kombinationen und die Umwege die wir gehen mussten jene enervierende peinliche Detektivarbeit die uns den Anspruch auf gute Nachrichten zu gewährleisten schien) bis wir (Seymour) mit einem zeitweilig für Amandas Firma tätigen Anwalt aus Brooklyn sprachen den sie um 8 Uhr 15 angerufen hatte (noch 30 Minuten) vom Büro aus wie sie sagte

bis wir nach Gesprächen mit Angehörigen der zu drei Vierteln ausgelöschten ehemals 22-köpfigen Firma (ich geriet oft an Angehörige von Vermissten ich hätte mich wie ein sadistischer Laufbursche des Todes gefühlt wären mir nicht all diese Menschen mit größter Offenheit und Hilfsbereitschaft entgegengekommen und hätte ich nicht lange erschütternde Telefonate mit Unbekannten in Queens Brooklyn Lower Manhattan geführt) die Kollegin fanden die wegen einer schweren Erkältung zuhause geblieben war an jenem strahlenden Spätsommertag und Amanda auf ihrer Büro-Festnetznummer um 8 Uhr 35 gesprochen hatte

zehn Minuten

reichten um mit den Expressfahrstühlen nach draußen zu gelangen oder nur zehn Stockwerke höher oder tiefer zu kommen in Ebenen von denen aus es doch so viele noch geschafft hatten

die sich aber bald meldeten die man in den umliegenden Kliniken fand jeder Tag senkte uns tiefer in die Nacht dieses Mal gehörten wir nicht zu den Glücklichen deren Freunde Verwandte

Frauen

Kinder

entkommen waren es

gab heftig aufflackernde Hoffnungen die abwegige Idee etwa Sabrina könne sich nachdem sie von Seymours und Amandas Wohnung aufgebrochen war etwas ganz anderes überlegt haben und weggelaufen sein und sich bis zum heutigen Tag verbergen oder gar die Vorstellung sie und Amanda hätten gemeinsam die Gelegenheit genutzt sich von uns (von Seymour von mir nun gut aber weshalb dann auch von Eric) und allem anderen was sie belastete zu befreien und ein neues Leben zu beginnen