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natürlich nur die SCHURKEN! und

noch präziser dann als

bei jenem aufwändigsten MORD(ENTHAUPTUNGS)ANSCHLAG der Geschichte mit dem WIR nach langen Geheimdienstrecherchen diese

OPERATION

eröffneten mit jenen zwei Tarnkappenbombern und drei Dutzend Marschflugkörpern die genau anstelle der PRÄSIDENTENFAMILIE in einem unterbunkerten Nest nur ein Dutzend Zivilisten in einem nicht weiter befestigten Gebäude trafen

so ist der Krieg

sagt der General

sagt der Major sagt der Colonel sagt dieser und jener in die Kameras der Zukunft schauende Soldat mit klarem Blick und gefasster Stimme im sanften Licht der historischen Salon-Dokumentation aber auch auf irgendeinem Hausdach in Nadschaf wo man den Private XY verkohlte Körperteile in einen Plastiksack werfen sieht und gleichfalls trotzig erklären hört dass Krieg eben keine saubere und hygienische Sache sei anscheinend kommen sie damit zurecht (wenigstens so lange bis man sie zu den posttraumatischen Psychiatern an der Heimatfront zurückschickt) aber

sie vergessen gerne das besondere Charakteristikum der aktuellen West-Nahost-Kriege nämlich das unsaubere Opferverhältnis von eins zu hundert oder eins zu fünfhundert als Vorausetzung der gewissen hygienischen-medialen Distanz die sie wohl überhaupt erst ermöglicht überall sehen wir so viel Mühe so viel Geld und Technik für das halbe Denken und übervolle Handeln

der Einäugigen

im rechten Auge

des Apache-Hubschrauber-Piloten steckt

eine elektronische Simulation seiner feindlichen Umwelt das

MONOKEL

ersetzt beim Angriff in der Nacht die verräterisch leuchtenden Bordmonitore und Displays alles Notwendige spiegelt sich auf der kreisrunden uhrglasgroßen Scheibe in jahrelangem Training kann man die schizoide Zweiäugigkeit erlernen nämlich mit einem Auge die nah liegende Wirklichkeit der Kabine und mit dem anderen die leuchtenden Tabellen und Grafiken der Flugparameter zu sehen die über eine von den Infrarotkameras in Grün-Grau-Tönen wiedergegebene bewegte Bodenaufnahme huschen unter den dröhnenden Rotoren des Apache-Schwarms zeigen sich niedergeduckte

Objekte

in Moosgrün Jadegrün Schilfgrün plötzlich gesprenkelt von madenähnlichen weißlichen Schemen (je heller desto wärmer)

COMES LEFT!

ruft der Bordschütze links die grelle Explosion des Antriebsfeuers der Rakete (Hellfire) und wie simultan schon der Aufschlag und Treffer am Boden der Pilot hat sich rechtzeitig abgewendet um nicht geblendet zu werden die Hitze des Abschusses durchglüht die Kabine

auf der Erde

endet die Distanz wird

alles wirklich unter den fünfzig Meter hoch fliegenden schwarzen Hubschraubern zerreißen Palmstämme Lastwagen Panzer die Körper einiger Hundert Soldaten einer Saddam-Elitedivision und auch die Pflanzungen der Geräteschuppen der alte marineblaue VW und sein Besitzer ein vierzigjähriger Gärtner der alle zwei Wochen von Bagdad aus hierher fuhr um den Garten am Haus seiner Eltern zu pflegen in das er dieses Mal ausnahmsweise nicht seine drei Kinder mitgenommen hat weil ihm die Fahrt auf der offenen Straße zu gefährlich erschien die Distanzen verschwinden verschwimmen

in den lehm- und ockerfarbenen orangefarbenen bald wie rot glühenden dann braunen und fast schwarzen himmelhoch heranpeitschenden Fronten der Sandstürme in denen die Sicht auf eine Armlänge beschränkt wird in denen es sich wie in einem heulenden Riesenofen stirbt aber am nächsten Tag muss man

durch das Visier der Panzer

wieder klar sehen was man tötet das spritzende Blut die jähen Löcher in den Körpern die abgerissenen Arme Beine Köpfe

aus der Nähe

kann man die eifrig und massenhaft kapitulierenden irakischen Soldaten nicht erkennen die einem die Vorgesetzten zuhause immer wieder versprachen und erst recht nicht die über die Befreiung jubelnde Bevölkerung sondern man wird mit Kalaschnikows Sturmgewehren Panzerfäusten alten Schrotflinten von allen Seiten her beschossen von Uniformierten und Zivilisten von Hausdächern Brücken Türmen herab von überkommenen russischen T55-Panzern die der um einige technische Generationen überlegene Abrams mit einer Spezialmunition abschießt wie Bleienten

in deren Mägen die Besatzung regelrecht zerstückelt wird

in der Nähe ist es

grauenhaftes menschliches Hackfleisch ist es ein

brutales chaotisches brachiales Sich-Durchschießen durch eine äußerst feindselige zwar vorgestrig aber reichhaltig bewaffnete Umgebung die auf Pickups Motorrädern und sogar Fahrrädern Wahnwitzige heranschickt hasserfüllte Landesverteidiger pflichtschuldige Soldaten vom Geheimdienst gepresste Familienväter jugendliche Fedajin deren Angehörige einen Schuhkarton voll Dinare erhielten aus der Nähe betrachtet gibt es auch im Süden und in den schiitisch dominierten Städten und Ortschaften kein Willkommen sondern allenfalls abwartende Gleichgültigkeit stummes Zähneknirschen eine Passivität Lethargie verbissene Wut durch die man sich hindurchbombt — fräst — schießt

aber was weiß ich schon man betrachtet alles von oben was wusste ich damals (vor über einem Jahr) in Berlin

am Krankenbett meiner Mutter starrte ich auf die Illustrierte in meiner Hand auf diese asphaltgrauen feinst detaillierten Satellitenaufnahmen als schwebte ich gerade 3000 Meter hoch über dem zehntausendfach von Hausdächern parzellierten Bagdad durch das sich verkrampft wie eine Darmschlinge ein teerschwarzer Fluss wand kleine rote gelb gerandete irreguläre Sterne prangten überall die Hauptangriffsziele wie es hieß beziehungsweise (und wie selbstverständlich identisch damit) die durch Luftangriffe bereits zerstörten oder schwer beschädigten Gebäude

heute

von Boston aus

sehe ich mich selbst als eine solche Miniatur ich spüre dann fast nur noch einen

Satellitenschmerz

wenn ich mich auf den Fluren des Krankhauses sehe oder während der letzten verworrenen Gespräche mit meiner Mutter die mich einmal für den Zehnjährigen hielt der ich gewesen bin und dann wieder für einen Altersgenossen dessen Namen sie vergessen hatte einen Schulkameraden oder Nachbarn eine ungeheure

Entfernung

das war im Grunde meine einzige Rettung

über dieses weiß-graue Linoleum eines Berliner Krankenhausflurs gehen und auf nichts mehr achten als wäre es eine schmale Brücke aus Sternenstaub im Weltraum die beim übernächsten Atemzug mitsamt dem Universum verschwinden würde

ohne Kommentar

bevor ich nachts zu lesen und zu weinen versuchte und schließlich in den beginnenden Krieg im Irak tauchte um mein Bewusstsein mit fluoreszierendem Schrecken zu verwunden so dass ich einschlafen konnte ging ich ein oder zwei Stunden lang durch das eisige Berlin das ich immer noch gut kannte das sich an mich aber nicht im Geringsten zu erinnern schien (weshalb auch) ich hatte außer meiner Schwester und ihrer Familie denen ich nicht lästig fallen wollte niemanden mehr den ich hätte anrufen können und angesichts all dieser Dinge der Menschen vielmehr die mir endgültig entglitten waren und entglitten spürte ich manchmal eine seltsame kühle und freudlose

Erleichterung

eine weitgehende Verantwortungslosigkeit für meinen Zustand

etwas wie eine gleichgültige Geburt

in einem Bistro das ich betrat um mich auf dem Weg zum Hotel aufzuwärmen traf ich eine große aschblonde Frau in den Vierzigern mit einem Leberfleck auf der Oberlippe die mir bekannt vorkam es war eine der Krankenschwestern die ich bei meiner Mutter gesehen hatte sie wusste sehr viel über mich den» Herrn Professor «auch dass ich geschieden war und eine Tochter verloren hatte (aber nicht wie) man muss sich vorstellen

dass ich seit Wochen in keinem sonderlich guten Zustand war also

konnte ich mir ausmalen dass wir nach einer längeren Unterhaltung hastig und schweigend