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»Verheiratet?«

»Deshalb hab ich das Militär gewählt, Sir.« Hagman lachte, dann spie er einen Strahl gelblich verfärbter Spucke in eine Pfütze. »Eine gottverdammte, scharfzüngige Hexe war sie, Sir.«

Sharpe lachte, dann verstummte er.

»Sir!«, sagte Hagman mit gedämpfter Stimme.

»Ich sehe sie.« Sharpe sprang auf, drehte sich um und brüllte los. Denn dort am nördlichen Horizont war vor den dunklen Wolken Kavallerie aufgetaucht.

Die Franzosen hatten sie eingeholt.

KAPITEL 8

Dies war kein guter Ort, sich einholen zu lassen: weites, offenes Gelände, wo die Kavallerie beinahe nach Belieben manövrieren konnte. Sicher, am Rand der Felder, die wie die Straße von niedrigen Steinmauern gesäumt waren, gab es sumpfige Stellen, aber Sharpe war sich darüber im Klaren, dass es ihm schwerfallen würde, seine Männer vor dem Zugriff des Feindes zu bewahren.

»Sind Sie sicher, dass es sich um Franzosen handelt?«, fragte George Parker.

Sharpe machte sich nicht die Mühe, ihm zu antworten. Ein Soldat, der nicht fähig war, den Feind an dessen Silhouette zu erkennen, war es nicht wert zu überleben. Dasselbe galt für einen Soldaten, der zögerte.

»Los! Los!«, rief er dem Kutscher zu, und der ließ, aufgeschreckt durch Sharpes plötzliches Gebrüll, seine Peitsche auf die beiden vordersten Zugpferde niederknallen. Zugriemen klirrten, Gestänge bog sich unter der Belastung, und die Kutsche fuhr ruckartig an.

Die Rifles zerrten die Lumpen aus ihren Gewehrschlössern. Sharpe sprach ein stilles Dankgebet an jene Gottheit, die für die Soldaten zuständig war, dass man diesen Männern just an dem Tag, als sie vom Heer abgeschnitten wurden, so viel Munition ausgeteilt hatte. Sie würden sie brauchen, denn sie waren bei Weitem in der Minderzahl, und ihre einzige Hoffnung lag darin, mithilfe ihrer Büchsen die Verfolgung durch den Feind aufzuhalten.

Sharpe nahm an, dass die Franzosen zehn Minuten brauchen würden, um den Pinienhain zu erreichen, der derzeit die Schützen verbarg. In östlicher oder westlicher Richtung gab es kein Entrinnen. Dort waren nur offene Felder. Er musste die Hügelkuppe im Süden erreichen, wo das Bauernhaus stand, und hoffen, dass ein Wunder geschah oder dass er dahinter ein für die Reiter unüberwindbares Hindernis vorfinden würde. Sollte auch dort kein Entkommen möglich sein, musste das Bauernhaus zur Festung verbarrikadiert werden. Aber zehn Minuten reichten nicht aus, um das Gehöft zu erreichen, deshalb hielt Sharpe ein Dutzend Männer im Pinienhain zurück. Die übrigen brachen unter Williams' Kommando zusammen mit der Kutsche auf.

Sharpe behielt Hagman da, denn der alte Wilderer konnte ungeheuer gut mit dem Gewehr umgehen, und Harper samt seinen Spießgesellen, weil Sharpe sie für die besten Kämpfer hielt.

»Lange können wir sie nicht aufhalten«, sagte er zu der kleinen Schar von Männern, »aber wir können etwas Zeit gewinnen. Sobald wir den Rückzug antreten, heißt es rennen wie der Teufel.«

Harper bekreuzigte sich. »Gott schütze Irland.« Vor seinen Augen kamen mindestens zweihundert Dragoner hintereinander die morastige Straße entlang, die vor kaum einer Stunde der Kutsche solche Mühe bereitet hatte.

Die Schützen lagen am Rand der Baumgruppe. Für die immer noch eine halbe Meile entfernten Franzosen waren sie unsichtbar.

»Verhaltet euch still!«, ermahnte Sharpe seine Männer. »Zielt auf die Pferde. Wir müssen auf große Entfernung treffen.« Er hätte gern gewartet, bis der Feind auf zweihundert Yards herangekommen war, um das Feuer zu eröffnen, aber das hätte bedeutet, die Reiter allzu nahe heranzulassen. So war er gezwungen, auf äußerste Reichweite seiner Gewehre zu schießen, in der Hoffnung, dass die Kugeln genügend Panik und Verwirrung stiften würden, um die Franzosen ein paar kostbare Minuten lang aufzuhalten.

Sharpe stand im Schutz der Dunkelheit, die unter den Pinien herrschte, mehrere Schritte hinter seinen Männern. Er zog sein Teleskop hervor und stützte das lange Rohr gegen einen Pinienstamm.

Er sah dunkelgrüne Uniformröcke mit rosa Besatz und Schnauzbärte. Das Fernrohr holte die anrückende französische Marschformation so dicht heran, dass die Linse erfüllt war mit Männern, die sich im Sattel hoben und senkten. Säbelscheiden, Musketen, Munitions- und Proviantbeutel wippten. Auf diese Entfernung wirkten die Gesichter der Franzosen im Schatten ihrer Feldmützen ausdruckslos und bedrohlich. Hinter die Sättel hatten sie merkwürdige Bündel geschnallt, bei denen es sich, wie Sharpe erkannte, um Futternetze für die Pferde handelte. Jetzt machten die Franzosen halt.

Sharpe fluchte leise.

Er schwenkte das Teleskop von rechts nach links. Die Dragoner hatten den schlimmsten Morast hinter sich gebracht und in einer reglosen Reihe Stellung bezogen. Einzelne Pferde senkten die Köpfe, um am feuchten Gras zu zupfen.

»Sir?«, rief Hagman. »Auf der Straße, Sir! Sehen Sie die Halunken?«

Sharpe riss das Fernrohr herum, zurück zur Mitte der feindlichen Linie. Eine Gruppe von Offizieren war dort erschienen. Ihre Achselschnüre und Epauletten glänzten matt silbern im Wintersonnenschein. In ihrer Mitte befanden sich der Gardeoffizier im roten Pelz und der Zivilist mit dem schwarzen Mantel und den hellen Stiefeln. Sharpe fragte sich, welch übersinnliche Gabe es diesen Männern ermöglicht hatte, seine Spur über das winterliche Land zu verfolgen.

Der Gardeoffizier zog sein Teleskop aus. Sharpe hatte das Gefühl, als würde der Franzose direkt in das verräterische Rund seiner eigenen Linse starren. Er rührte sich nicht, bis das andere Teleskop wieder zusammengeschoben wurde. Dann beobachtete er, wie der Oberst einem Dragoneroffizier, offenbar einem Adjutanten, einen Befehl erteilte, worauf dieser in westlicher Richtung davongaloppierte.

Ergebnis des Befehls war, dass eine kleine Abteilung der Dragoner die schweren Helme zur Hand nahm, die von ihren Sattelknäufen hingen. Sechs Männer stülpten sich die Helme auf: ein sicheres Zeichen, dass sie das Kommando zum Vorrücken erhalten hatten. Der Gardeoffizier ahnte, dass sich bei den Pinien ein Hinterhalt verbergen konnte, und sandte deshalb eine Vorhut aus.

Sharpe hatte den Überraschungsvorteil verloren. Obwohl der Feind nicht wusste, dass sie auf ihn warteten, war er auf Schwierigkeiten gefasst. Sharpe schob sein Fernrohr zusammen und fluchte auf die Vorsicht des französischen Befehlshabers, der ihm nun eine gefährliche Wahl aufzwang.

Sharpe konnte die sechs Männer töten lassen, aber ob dadurch die übrigen Dragoner aufgehalten wurden? Würden sie nicht vielmehr, nachdem sie mithilfe der wenigen abgefeuerten Schüsse seine Kampfstärke eingeschätzt hatten, zum vollen Galopp ansetzen, der die Mehrzahl der Reiter an die Bäume heranführen würde, lange, bevor die Schützen den südlichen Hügelkamm erreicht hatten? Statt zehn Minuten hätte er so nur noch fünf Minuten gewonnen.

Er zögerte. Wenn er jedoch als Soldat eines gelernt hatte, dann die Einsicht, dass jede Entscheidung, und sei es die falsche, besser war als keine Entscheidung. »Rückzug antreten! Schnell! In Deckung bleiben!«

Die Schützen krochen rückwärts und standen erst auf, als die Bäume sie vor den Franzosen verbargen. Dann folgten sie Sharpe auf die Straße und rannten.

»Jesus!« Es war Harper, der diese Verwünschung ausstieß, beim Anblick der parkerschen Kutsche, die kaum zweihundert Yards vor ihnen stecken geblieben war. Der Kutscher hatte in seiner Hast an einer Wegbiegung ein Rad gegen die Steinmauer gerammt. Williams und seine Männer mühten sich vergebens, das Gefährt freizubekommen.

»Aufhören!«, bellte Sharpe. »Aufhören!«

Mrs Parkers Kopf erschien am Fenster der Kutsche. Sie schickte sich an, seinen Befehlen zu widersprechen. »Schiebt! Schiebt!«