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»Was tun sie dort?«, fragte Sharpe. »Beten?«

Der Mann aus Ulster zuckte mit den Schultern. »Sie suchen heiligen Beistand, nehme ich an.«

»Wir können die Bastarde nicht mitnehmen«, sagte Sharpe. »Warum erschießen wir sie nicht einfach?«

»Weil Mister Vicente sagt, das dürfen wir nicht«, erwiderte Harper. »Mister Vicente ist sehr menschenfreundlich, was Gefangene angeht, nicht wahr?«

»Für einen Anwalt scheint er halbwegs anständig zu sein«, stimmte Sharpe widerwillig zu.

»Die besten Anwälte sehen sich die Radieschen von unten an«, sagte Harper, »und dieser lässt nicht zu, dass ich diese beiden Bastarde erschieße. Er sagt, dass sie nur Trunkenbolde sind. Und das stimmt ja auch.«

»Wir können uns nicht mit Gefangenen belasten«, beharrte Sharpe und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Holen Sie Tongue«, schlug er vor, »und stellen Sie fest, ob wir herausfinden können, was diese beiden angestellt haben. Wenn sie sich nur mit Kommunionswein betrunken haben, dann nehmen wir ihnen alles Wertvolle ab und schicken sie dorthin zurück, woher sie gekommen sind. Aber wenn sie jemanden vergewaltigt haben ...«

»Ich weiß, was ich tun muss, Sir«, sagte Harper grimmig.

»Dann tun Sie es«, sagte Sharpe. Er nickte Harper zu und ging an der Kirche vorbei zu der Stelle, wo der Nebenfluss in den Douro mündete. Die Straße führte über die schmale Steinbrücke westwärts durch einen Weingarten an einem umzäunten Friedhof vorbei und wand sich dann durch Weideland neben dem Douro. Es war alles offenes Land, und wenn mehr Franzosen kamen und er sich aus dem Dorf zurückziehen musste, dann konnte er es nicht wagen, die Straße zu benutzen. Er hoffte bei Gott, dass er Zeit genug hatte, um seine Männer über den Douro zu transportieren, und dieser Gedanke veranlasste ihn, zurück zur Straße zu gehen und sich auf die Suche nach Ruderstangen zu machen. Oder vielleicht konnte er ein Seil finden. Wenn das Seil lang genug war, konnte er es über den Fluss spannen und das Boot hin- und herziehen, das würde sicherlich schneller gehen als das Rudern.

Er fragte sich, ob es in der kleinen Kirche Glockenseile gab, die lang genug waren, als Harris aus dem Haus kam und sagte, dass der Gefangene Leutnant Olivier von den 18. Dragonern war. Obwohl man ihn mit heruntergelassener Hose gefangen genommen hatte, leugnete er, das Mädchen vergewaltigt zu haben. »Er sagte, so würden sich keine französischen Offiziere benehmen«, berichtete Harris, »doch Leutnant Vicente sagt, das Mädchen schwört, dass er es getan hat.«

»Hat er oder hat er nicht?«, fragte Sharpe gereizt.

»Natürlich hat er, Sir. Er gab es sozusagen zu, nachdem ich ihm Prügel angedroht hatte«, sagte Harris fröhlich, »aber er bestand immer noch darauf, dass sie es auch wollte. Er sagte, er wollte sie trösten, nachdem ein Feldwebel sie vergewaltigt hatte.«

»Er wollte sie trösten?«, sagte Sharpe. »Er war also der Zweite in der Reihe?«

»Der Fünfte in der Reihe«, korrigierte Harris mit tonloser Stimme, »das sagt jedenfalls das Mädchen.«

Sharpe fluchte. »Warum schlagen wir den Dreckskerl nicht erst blau und hängen ihn dann auf?« Er ging zum Haus, wo die Zivilisten den Franzosen anschrien und er sie mit einem Hochmut ansah, der auf einem Schlachtfeld bewundernswert gewesen wäre. Vicente hatte den Dragoner geschützt und appellierte jetzt an Sharpe, zu helfen, Leutnant Olivier in Sicherheit zu eskortieren. »Er muss einen Prozess bekommen«, beharrte er.

»Er hatte soeben einen Prozess«, sagte Sharpe, »und ich habe ihn schuldig befunden. Deshalb werde ich ihn jetzt verprügeln und dann aufhängen.«

Vicente wirkte nervös, doch er machte keinen Rückzieher. »Wir können uns nicht auf ihr Niveau der Barbarei begeben«, mahnte er.

»Ich habe das Mädchen nicht vergewaltigt«, sagte Sharpe, »also werfen Sie mich nicht in einen Topf mit ihm.«

»Wir kämpfen für eine bessere Welt«, erklärte Vicente.

Sharpe starrte den jungen portugiesischen Offizier an und mochte kaum glauben, was er gehört hatte. »Und was geschieht mit ihm, wenn wir ihn hier zurücklassen?«

»Das können wir nicht tun!«, sagte Vicente, der wusste, dass die Rache der Dorfbewohner weitaus schlimmer sein würde als ein schneller Tod.

»Und wir können keine Gefangenen mitnehmen!«, beharrte Sharpe.

»Wir können ihn nicht töten, und wir können ihn nicht hierlassen. Es wäre Mord.« Vicente errötete vor Empörung.

»Oh, um Himmels willen«, sagte Sharpe wütend.

Leutnant Olivier sprach kein Englisch, aber er schien zu verstehen, dass sein Schicksal auf dem Spiel stand, denn er beobachtete Sharpe und Vicente wie ein Falke.

»Und wer soll der Richter und die Jury sein?«, fragte Sharpe, doch Vicente erhielt keine Gelegenheit zu antworten, denn in diesem Augenblick krachte ein Musketenschuss am westlichen Rand des Dorfes, dann ein anderer, und dann setzte heftiges Musketenfeuer ein.

Die Franzosen waren zurückgekommen.

Colonel James Christopher liebte es, die Husarenuniform zu tragen. Er fand sich darin chic, und er verbrachte viel Zeit damit, sich im Spiegel des größten Schlafzimmers im Bauernhaus zu betrachten und über das Gefühl der Macht zu staunen, das von der Uniform auszugehen schien. Er sagte sich, dass es von den hohen, mit Troddeln versehenen Stiefeln und dem hohen, steifen Kragen kam, wodurch man zu sehr aufrechter Haltung gezwungen wurde. Der Uniformrock war so eng, dass Christopher, der schlank und fit war, den Bauch einziehen musste, um die Haken zu schließen, die Augen auf die mit Silbertresse besetzte Brust gerichtet. Die Uniform gab ihm das Gefühl, Autorität auszustrahlen, und die Eleganz der Uniform wurde erhöht durch die pelzbesetzte Pelisse, die auf der linken Schulter bis zur silberbeschlagenen Säbelscheide hinabhing, die klirrte, als er die Treppe hinunterging auf die Terrasse, wo er auf und ab schlendernd seinen Gast erwartete.

Er schob einen Zahnstocher in den Mund und bearbeitete mit ihm seine Zähne, als er zum fernen Rauch starrte, der anzeigte, wo Gebäude der eingenommenen Stadt brannten. Eine Hand voll Flüchtlinge war zum Bauernhof gekommen und bettelte um Nahrungsmittel, und Luis hatte mit ihnen geredet und Christopher gesagt, dass Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Leuten ertrunken wären, als die Pontonbrücke gebrochen war. Die Flüchtlinge behaupteten, die Franzosen hätten die Brücke mit Kanonenfeuer zerstört, und Luis, dessen Hass auf den Feind von den Gerüchten genährt wurde, hatte seinen Herrn mit sonderbarer Miene angeschaut, bis Christopher schließlich die Geduld verloren hatte. »Es ist nur eine Uniform, Luis! Kein Anzeichen darauf, dass ich die Seiten gewechselt hätte!«

»Eine französische Uniform«, hatte sich Luis beklagt.

»Du wünschst, dass Portugal von Frankreich befreit wird?«, hatte Christopher geblafft. »Dann verhalte dich respektvoll und vergiss diese Uniform.«

Jetzt ging Christopher auf der Terrasse auf und ab, stocherte zwischen seinen Zähnen und beobachtete ständig die Straße, die durch die Hügel führte. Die Uhr in dem eleganten Salon des Bauernhauses schlug dreimal, und der letzte Ton war noch nicht ganz verklungen, als ein großer Trupp Kavalleristen auf der fernen Hügelkuppe auftauchte. Es waren Dragoner, und sie eskortierten den Offizier, mit dem sich Christopher treffen würde.

Die Dragoner, alle vom 18. Regiment, bogen in die Felder unterhalb des Bauernhauses ab, wo ein Bach Wasser für ihre Pferde bot. Die sonst rosafarbenen Brustseiten der grünen Röcke waren jetzt staubbedeckt. Einige sahen Christopher in seiner französischen Husarenuniform und salutierten hastig, doch die meisten ignorierten ihn und führten ihre Pferde zum Bach, während der Engländer zu seinem Besucher schritt, um ihn zu begrüßen.

Sein Name war Argenton. Er war ein Hauptmann und der Adjutant des 18. Dragonerregiments, und sein Lächeln verriet, dass er Colonel Christopher kannte und mochte. »Die Uniform steht Ihnen«, sagte Argenton.