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»Das Zepter, sagte ich.«

»Ich habe es an einem sicheren Ort versteckt«, antwortete Serena. »Lassen Sie mich gehen, dann führe ich Sie hin.«

Einer von Jamils Leuten, der Serenas Rucksack durchwühlte, rief plötzlich zu ihnen herüber und zog den Obelisken heraus.

Jamil nahm den Obelisken in die Hand, begutachtete ihn kurz, sah dann Serena an und lachte los. »Sagen Sie Oberst Zawas, dass wir das Zepter des Osiris gefunden haben.«

Tagesanbruch 25 minus 13 Stunden

Am späten Nachmittag blickte Conrad von seinem Hochsitz auf dem Gipfel der P4 aus der Vogelperspektive über die verlorene Stadt. Wenn Dad das alles sehen könnte, dachte er, während er aus der Schachtöffnung schaute.

Die Stadt lag mit ihren konzentrisch angelegten Wasserwegen wie zu einem Gitter zusammengefügt da. Breite Straßen mit kleinen und größeren Tempeln an den Seiten liefen strahlenförmig vom P4-Komplex nach außen. Die inselartige Ansiedlung erinnerte ihn an die Straße der Toten im mexikanischen Teotihuacan. Irgendwie aber auch an die National Mall in Washington.

Die Totenstadt war ungefähr eine Meile lang, und die P4 bildete das Zentrum. Im Osten schloss eine sphinxartige Konstruktion die Anlage ab, im Westen eine Stufenpyramide mit tosenden Wasserfällen, die im Sonnenlicht glitzerten. Die Ausmaße waren gigantisch.

Am erstaunlichsten war, dass sich die verschiedenen Gebäuderinge langsam verschoben, um an bestimmten Stellen einzurasten. Oder drehte sich etwa die P4? Conrad konnte es nicht sagen. Auf jeden Fall hatten die Erbauer damals, noch bevor eine Erdkrustenverschiebung den Kontinent bewegt hatte, mehr als nur eine auf die Sterne abgestimmte Stadt konstruiert. Sie hatten eine Stadt erbaut, in denen die Bauwerke immer wieder neu angeordnet werden konnten, möglicherweise mithilfe von Hydraulik. Genug Wasser floss ja durch die Venen der Stadt.

Conrad bemühte sich, diese entrückte Landschaft in sich aufzunehmen, um das Bild in seinem Gedächtnis zu speichern, damit er es niemals vergesse. Die Dimension der Anlage jedoch trotzte jedem Begriffsvermögen. Die Stadt umfasste sicherlich eine Fläche von 25 Quadratkilometern, die es in diesem Krater, dessen Eiswände um die Stadt herum dreitausend Meter in den Himmel ragten, zu erforschen galt. Und das bezog sich lediglich auf den sichtbaren Teil der Stadt. Conrad nahm an, dass er nur den Bruchteil einer größeren Metropole vor sich hatte.

Die Versuchung war groß, sofort wieder den Schacht hinunterzurutschen, um Serena von seinem Fund zu berichten. Aber er wollte zuerst ein Bild einfangen. Er zog seine kleine Digitalkamera heraus und schwenkte sie über das Tal. Was immer er sonst noch aus dieser Stadt mitnähme, das Foto sollte der Beweis dafür sein, dass er der erste Mensch seit 12.000 Jahren war, der einen Blick auf die früheste Epoche der Menschheit warf. Vielleicht war er sogar der Erste, der eine völlig fremde Zivilisation sah. Womöglich sogar eine Zivilisation, die sein eigener Ursprung war, wenn man Yeats Glauben schenken konnte.

Yeats' Enthüllung hatte mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Zumindest hatte sie die Mauer zwischen ihm und Serena vergrößert. Er hatte die Verunsicherung in ihren Augen lesen können, als sie ihn unten in der Sternenkammer betrachtet hatte. Er wusste nicht, ob es an seiner vermeintlichen Herkunft gelegen hatte oder an dem, was er getan hatte. Die Schuldgefühle darüber, dass der einzige Mensch, der ihm seine Fragen hätte beantworten können, nämlich Yeats, wegen einer fixen Idee sein Leben hatte lassen müssen, wollten ihn jedoch nicht loslassen.

Tatsache war, dass der einzige Vater, den er jemals gekannt hatte, nun tot war.

Er hat mich geliebt, dachte Conrad. Er hat sein Bestes gegeben. Auf seine Art hat er mir das sogar vermitteln können. Jetzt war er nicht mehr da, und sie würden sich niemals mehr wie Vater und Sohn versöhnen können. Dabei hätte Yeats es verdient.

Conrad wurde auf einmal übel. Er atmete die frische Antarktisluft tief ein und fragte sich, was Yeats ihm wohl raten würde. Die Antwort, die ihm dazu einfiel, war eindeutig.

Yeats hätte zweifelsohne eine Militärpersönlichkeit wie Admiral Mahon, seines Zeichens Admiral der Navy während der amerikanischen Revolution, zitiert und gesagt: »Wenn du dich einmal entschlossen hast, etwas zu erreichen, musst du dir von Anfang an über dein höchstes Ziel im Klaren sein. Und hast du dieses Ziel einmal bestimmt, verlier es niemals aus den Augen.«

Conrads Ziel war klar: Er musste einen Plan der Stadt erstellen und das Heiligtum der Ursonne finden, das mit Sicherheit ein Denkmal aus der Urzeit war. Im Inneren des Heiligtums würde sich der Thron des Osiris befinden, jener, der auch auf dem königlichen Siegel zu sehen gewesen war. Wenn es ihm gelänge, das Zepter aus der Sternenkammer in das Heiligtum zu bringen, um dann auf dem Thron des Osiris Platz zu nehmen, würde er das Geheimnis der Urzeit erschließen.

Conrad hielt die Kamera hoch und schwenkte sie von rechts nach links, in den Himmel und auf den Boden. Dann holte er mit dem Zoom verschiedene Konstruktionen heran, angefangen mit der einer sphinxähnlichen Begrenzung im Osten bis hin zur Stufenpyramide mit den Wasserfällen im Westen.

Er war zufrieden, alles eingefangen zu haben, und spielte ein paar Bilder auf dem Display noch einmal ab, um sicher zu sein, dass er nicht träumte. Dabei entdeckte er am Boden einen Punkt, der sich bewegte. Er machte ihn bei der großen Wasserstraße aus, die durch das Stadtzentrum schnitt.

Conrads Herz pochte vor Angst und Aufregung, als er die Kamera auf den Punkt hielt und langsam die Vergrößerung einstellte. Da war es, ein verschwommenes Bild, auf dem sich eindeutig etwas bewegte. Moment maclass="underline" Es waren zwei verschwommene Gestalten zu erkennen! Er stellte schärfer. Plötzlich sprang etwas ins Bild.

Es war Nimrod, der Husky aus der Eisstation Orion. Und neben ihm ging Serena. Kurz darauf brach der Hund plötzlich zusammen, und Serena wurde von einem Dutzend Männer umstellt, bevor ein Hubschrauber neben der Gruppe landete. Es schien keine freundliche Zusammenkunft zu sein.

Conrad ließ die Kamera sinken. Mehrere Kampfhubschrauber schwirrten über ihn hinweg. Bevor er winken konnte, entleerte sich ein Maschinengewehr in seine Richtung. Die Salve streifte die Pyramide.

So schnell er konnte, rutschte er in die Sternenkammer hinunter, die jetzt völlig leer war. Die Türen, die zum Gang hinausführten, standen weit offen.

Über ihm klapperte etwas, und als Conrad den Schacht, den er gerade herabgerutscht war, hochsah, fiel ein brennender Kanister herunter. Conrads Augen fingen an zu schmerzen. Es war Tränengas. Er rannte aus der Kammer hinaus.

An der Gabelung, unten im großen Gang, schaute er durch den Tunnel zum Eingang der P4, den Serena genommen haben musste. Mehrere leuchtend grüne Augen schwebten auf ihn zu. Als einzige Chance blieb ihm, sich in den Schacht fallen zu lassen, der zum Heizkessel führte. Er landete in reißenden Wassermassen, die den unterirdischen Tunnel, der aus der P4 hinausführte, durchspülten.

Jetzt wurde er in rasendem Tempo durch den Kanal getrieben. Er war in einer derart starken Strömung gefangen, dass er nichts tun konnte, außer den Kopf mühsam über Wasser zu halten. In was war er da nur reingeraten?, fragte er sich. Dann sah er, wie eine Tunnelöffnung bedrohlich auf ihn zuschoss. Kurz darauf wurde er von der Dunkelheit verschluckt.

Tief unter der Stadt schnappte Conrad verzweifelt nach Luft, während er durch die finsteren unterirdischen Kanäle mitgerissen wurde. Im eisigen Wasser verlor er die Orientierung. Von überall her hörte er bedrohliche Sauggeräusche.

Als sich der Kanal mit einem größeren Tunnel vereinte, prallte er von der Wand ab und wurde im Kreis herumgewirbelt. Die überwältigende Kraft der Wassermassen verwandelte den rasenden Fluss in einen Whirlpool. Eine weiße Schaumkrone brach in der Dunkelheit über ihm zusammen. Er dachte schon, sie würde ihn umbringen, aber die Welle hob ihn über ein Steinufer auf einen Weg.