„Ich komme, um Sie abzulösen, Doktor“, sagte der DBLF mit tonloser, hastiger Translatorstimme. „Ich hab Erfahrung mit der Behandlung von Angehörigen Ihrer Spezies. Major O’Mara möchte, daß Sie sofort zu Schleuse zwölf kommen.“
Conway stellte dem Kelgianer rasch Murchison und die Tralthanerin vor, da die drei schon in wenigen Minuten gemeinsam einen weiteren, gerade eingelieferten Verwundeten behandeln würden, und fragte dann: „Und warum soll ich zu Schleuse zwölf kommen?“
„Doktor Thornnastor ist beim letzten Raketeneinschlag verletzt worden und kann jetzt nicht mehr arbeiten“, antwortete der Kelgianer, während er seine Greiforgane mit der von seiner Spezies als Handschuhersatz benutzten Plastikmasse besprühte. „Es wird jemand mit ET-Erfahrung gebraucht, der Thornnastors Patienten und die gerade an Schleuse zwölf eintreffenden FGLIs übernimmt. Major O’Mara schlägt vor, daß Sie sich die Patienten so schnell wie möglich ansehen, damit Sie wissen, welche Bänder Sie brauchen.
Und ziehen Sie sich einen Anzug an, Doktor“, fügte der DBLF noch hinzu, als sich Conway zum Gehen wandte. „Die Ebene über uns verliert nämlich Druck.“
Seit der Evakuierung hatte es für die Pathologie zwar nicht mehr viel zu tun gegeben, dachte Conway, als er sich durch den zu Schleuse zwölf führenden Korridor vorkämpfte, aber dafür hatte Thornnastor durch die Übernahme der größten Verwundetenabteilung des Hospitals seine Vielseitigkeit bewiesen — neben den FGLIs seiner eigenen Spezies hatte er nämlich auch DBLFs und Terrestrier behandelt. Diese Patienten konnten wirklich heilfroh sein, daß sich dieser trampelnde, leicht erregbare und unglaublich fähige tralthanische Chirurg um sie gekümmert hatte. Conway fragte sich, wie schwer Thornnastor verletzt worden war, denn das hatte ihm der kelgianische Arzt leider nicht sagen können.
Als er an einem Sichtfenster vorbeikam, warf er schnell einen Blick nach draußen. Das, was er dort sah, erinnerte ihn an einen Schwarm wütender Leuchtkäfer. Dann schlug auf einmal der Pfosten, an dem er sich festhielt, gegen seine Hand — ein eindeutiges Indiz für einen erneuten Raketeneinschlag, und das in nicht allzu großer Entfernung.
Als Conway schließlich die Schleuse erreichte, befanden sich außer den immer gegenwärtigen Monitoren noch zwei Tralthanerinnen, eine Nidianerin und eine QCQL im Raumanzug in der Schleusenvorkammer. Die Nidianerin berichtete, daß ein tralthanisches Schiff von feindlichen Pulsatorstrahlen beinahe auseinandergerissen worden wäre, ein Großteil der Besatzung jedoch überlebt hätte. Die am Orbit Hospital montierten Traktorstrahlenprojektoren hätten das beschädigte Schiff schnell zur Schleuse herangezogen und die.
Plötzlich nahm er nur noch das bellende Geräusch der Nidianerin wahr.
„Hören Sie auf damit!“ fuhr Conway sie gereizt an.
Erschreckt blickte ihn die Nidianerin an und bellte dann erneut. Als sie sich ein paar Sekunden später auf der anderen Seite der Schleuse befanden, kamen die tralthanischen Schwestern herüber und machten Conway mit ihrem wie ein modulierendes Nebelhorn klingenden Tuten fast taub. Und dazu pfiff ihm auch noch die QCQL über Anzugfunk ins Ohr. Die Monitore, die voll und ganz damit beschäftigt waren, die Verwundeten durch den Bordtunnel vom Schiff ins Hospital zu bringen, sahen lediglich verdutzt aus.
Plötzlich brach Conway der kalte Schweiß aus — das Hospital war bestimmt schon wieder getroffen worden, doch weil er sich nirgends festgehalten hatte, hatte er auch nichts von dem Einschlag gespürt. Trotzdem wußte er ganz genau, wo das Hospital getroffen worden war. Er fummelte an seinem Translator herum, traktierte ihn mit dem Handballen — eine vollkommen sinnlose Handlung — und stieß sich in Richtung eines Kommunikators vom Boden ab.
Auf jedem Kanal, den er ausprobierte, ertönten bellende Kehllaute, heulte, trompetete, pfiff oder stöhnte es: eine wahnwitzige Kakophonie, die Conway durch Mark und Bein ging. Vor seinem geistigen Auge flammte das Bild des Operationssaals auf, den er gerade verlassen hatte: dort operierten Murchison, die Tralthanerin und der kelgianische Arzt zusammen den Verwundeten, und nicht einer der Beteiligten konnte verstehen, was der andere sagte. Instruktionen, lebenswichtige Anweisungen, die Bitten um Instrumente oder Auskünfte über den Zustand des Patienten, das alles würde in einem für das OP-Personal vollkommen unverständlichem Aliengebrabbel geäußert werden. Conway sah sich das gleiche Bild überall im Orbit Hospital wiederholen. Nur Wesen der gleichen Spezies konnten sich noch gegenseitig verständlich machen, und selbst das traf nicht in allen Fällen zu. Es gab zum Beispiel Terrestrier, die kein Universal sprachen, sondern auf ihrem Heimatplaneten gebräuchliche regionale Sprachen. Diese DBDGs waren also selbst bei Gesprächen mit anderen Terrestriern auf den Translator angewiesen.
Trotz seiner strapazierten Ohren konnte Conway aus dem babylonischen Aliensprachgewirr einzelne Wörter und eine ihm verständliche Stimme heraushören. Es handelte sich dabei um Meldungen, die sich durch einen hohen Pegel von Hintergrundgeräuschen durchkämpfen mußten. Aber plötzlich schienen seine Ohren sämtliche Störungen herauszufiltern und nur — noch eine Stimme zu hören, die folgendes meldete: „. drei Lufttorpedos, Sir. Direkt hintereinander. Sozusagen im Gänsemarsch. Die haben den Verteidigungsring glatt durchbrochen. Wir können den Translator auch nicht behelfsmäßig zusammenflicken, weil nichts mehr davon übrig ist. Der letzte Torpedo ist nämlich direkt im Computerraum explodiert.“
Draußen vor der Kommunikatornische pfiffen, knurrten und heulten die ET-Schwestern Conway und sich gegenseitig an. Eigentlich hätte er Anweisungen zur Voruntersuchung seiner Patienten geben, die Unterbringung auf der Station vorbereiten und die Bereitschaft des FGLI-Operationssaals überprüfen müssen. Doch nichts davon konnte er jetzt tun, weil das Schwesternpersonal nicht ein einziges Wort seiner Anweisungen verstehen würde.
19. Kapitel
Ein ganze Weile konnte Conway sich nicht dazu aufraffen, die Nische zu verlassen, in der sich der Kommunikator befand — obwohl es in Wirklichkeit wahrscheinlich nur ein paar Sekunden gewesen waren. Der Chefpsychologe wäre jedenfalls über die Gedanken, die ihm in diesem Moment durch den Kopf schossen, vom rein fachlichen Standpunkt her sicherlich besorgt gewesen. Doch allmählich bezwang er seine Panik, die in ihm den Drang zur Flucht und zum Verstecken hervorgerufen hatte, indem er sich einfach schonungslos vor Augen hielt, daß es gar keinen Fluchtort mehr gab, und sich dazu zwang, die in der Schleusenvorkammer umhertreibenden FGLIs anzusehen. Die Kammer war mit Tralthanern regelrecht bis zum Rand gefüllt.
Conway selbst kannte leider nur die Grundlagen tralthanischer Physiologie, doch war das seine geringste Sorge, denn er konnte sich ja ohne Schwierigkeiten ein FGLI-Band einspielen. Das wichtigste war, die medizinische Hilfe für die Tralthaner jetzt sofort in Gang zu bringen, aber das war leichter gesagt als getan. Die Monitore brüllten wild durcheinander, weil sie wissen wollten, was eigentlich los war, und die Verwundeten, von denen viele bei Bewußtsein waren, stießen klagende und verzweifelte Schreie aus, die durch die sie umschließenden Druckhüllen nur leicht gedämpft wurden.
„Sergeant!“ schrie Conway plötzlich zum ranghöchsten Sanitäter hinüber und fuchtelte dabei in Richtung der Verwundeten. „Station vier B, zweihundertsiebzigste Ebene. Wissen Sie, wo das ist?“
Der Unteroffizier nickte, und Conway wandte sich den Schwestern zu.
Trotz aller Bemühungen, sich ihnen durch Zeichen-Sprache verständlich zu machen, kam Conway bei der Nidianerin und der QCQL keinen Schritt weiter. Erst als er seine Beine um die Vorderglieder einer der FGLIs schlang und mit roher Gewalt das Glied mit den Sehorganen verdrehte, bis die Augengruppe auf das Transportziel der Verwundeten gerichtet war,