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Zwischen den beiden Persönlichkeiten gab es keinen Kampf um den Besitz seines Gehirns, und während der Vergrößerung der tralthanischen Hälfte trat auch kein Konflikt zwischen ihnen auf. Es handelte sich vielmehr um einen ganz natürlichen Vorgang, weil Conway zum intensiven Denken auf tralthanische Art gezwungen war. Wenn er die Gelegenheit zur Unterhaltung mit einer terrestrischen Schwester oder einem terrestrischen Patienten hatte, dann mußte er sich schon scharf konzentrieren, um die ersten paar Wörter für ihn nicht wie Kauderwelsch klingen zu lassen.

Und jetzt hörte und verstand er allmählich sogar tralthanische Gespräche.

Seine Sprachkenntnisse waren natürlich noch lange nicht perfekt. Schließlich gelangten die elefantenartigen Huptöne und Trompetenstöße nicht durch den Filter tralthanischer, sondern terrestrischer Ohren zu dem FGLI in Conways Gehirn und wurden dementsprechend verzerrt und in der Tonhöhe verändert dargestellt. Die Wörter klangen zwar etwas gedämpft und knurrig, aber er verstand trotzdem ein paar davon; demnach besaß er also so etwas wie einen Translator im Gehirn. Der Unterschied bestand natürlich darin, daß die ganze Sache absolut nur in einer Richtung funktionierte. Oder etwa doch nicht?

Als er den nächsten Fall für den Operationssaal vorbereitete, entschloß sich Conway zu antworten.

Schließlich kannte sein tralthanisches Alter ego den Klang der auszusprechenden Wörter, und er selbst wußte, wie er seine Stimmbänder benutzen mußte — zudem galt die terrestrische Stimme als eins der vielseitigsten Instrumente in der Galaxis. Conway holte tief Luft und stieß sie wieder aus.

Der erste Versuch ging katastrophal daneben. Er endete mit einem unkontrollierbaren Hustenanfall und verbreitete auf der ganzen Station Unruhe und Besorgnis. Doch beim dritten Versuch schaffte es Conway: eine der tralthanischen Schwestern antwortete ihm! Danach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er schließlich die wichtigsten Anweisungen aus dem Effeff beherrschte. Die folgenden Operationen gingen nun viel schneller, effektiver und mit enorm gestiegenen Erfolgschancen voran.

Die terrestrischen Schwestern waren von den seltsamen Geräuschen, die sich aus Conways überstrapazierter Kehle rangen, schwer beeindruckt. Gleichzeitig schienen sie jedoch auch ein humoristisches Element in der Situation zu erkennen.

„Na so was!“ sagte hinter Conway plötzlich eine vertraute, leicht gereizte Stimme. „Eine Station voll fröhlicher, strahlender Patienten, und der liebe Onkel Doktor hält durch Tierstimmenimitationen die Moral aufrecht. Was, zum Teufel, machen Sie denn da?“

Conway bekam einen Schreck, als er sah, daß O’Mara wirklich wütend war und seine gewöhnlich schlechte Laune nicht nur gespielt war. Unter diesen Umständen war es wohl besser, die Ironie zu überhören und die Frage ernsthaft zu beantworten.

„Ich kümmere mich um Thornnastors Patienten und zusätzlich noch um ein paar Neuankömmlinge“, antwortete Conway also ruhig. „Die Monitore und FGLI-Patienten sind jetzt alle versorgt, und ich wollte Sie gerade um ein DBLF-Band für die ebenfalls eingelieferten Kelgianer bitten.“

O’Mara schnaubte. „Ich schicke Ihnen einen kelgianischen Arzt runter, der das in die Hand nimmt“, entgegnete er wütend. „Und um die anderen Patienten können sich vorläufig Ihre Schwestern kümmern. Sie scheinen sich nicht im klaren darüber zu sein, daß das hier nur eine von dreihundertvierundachtzig Ebenen ist, Doktor Conway. Auf den Stationen liegen Patienten, die dringendst behandelt oder mit Medikamenten versorgt werden müssen, die sie nicht kriegen, weil das zuständige Personal auf ihr Gepiepse oder Getute nur pfeift. Und in den Schleusen türmen sich die Verwundeten, einige liegen sogar auf zum All hin offenen Korridoren. Wissen Sie, diese Drucktragbahren versorgen die Verwundeten nämlich nicht für alle Ewigkeit mit Luft, und die Leute da drin sind bestimmt nicht sehr glücklich.“

„Was soll ich also tun?“ fragte Conway.

Aus irgendeinem Grund machte das O’Mara noch wütender, und er entgegnete in beißendem Ton: „Ich hab keine Ahnung, Doktor Conway. Ich bin Psychologe. Ich kann nicht mehr effektiv arbeiten, weil die meisten meiner Patienten nicht mehr meine Sprache sprechen. Und diejenigen, mit denen ich mich verständigen kann, treibe ich dazu an, über eine Möglichkeit nachzudenken, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen können. Aber leider sind meine Patienten alle viel zu sehr mit der Behandlung der Kranken in ihrer unmittelbaren Umgebung beschäftigt, um noch an das Hospital als Ganzes denken zu können. Das wollen sie lieber den großen Köpfen überlassen.“

„Unter diesen Umständen scheint mir eigentlich ein Diagnostiker der richtige Mann für eine geniale Idee zu sein“, warf Conway ein.

Durch O’Maras Ausführungen war Conway der Zorn des Chefpsychologen verständlicher geworden. Es mußte für einen Psychologen ziemlich frustrierend sein, wenn er mit seinen Patienten keine Gespräche mehr führen konnte. Doch schien sich O’Maras Zorn fast gegen Conway persönlich gerichtet zu haben, als hätte er in gewisser Weise bei seiner Arbeit versagt.

„Thornnastor kommt nicht in Frage“, entgegnete O’Mara mit leicht gesenkter Stimme. „Und die anderen beiden noch hiergebliebenen Diagnostiker sind heute Vormittag umgekommen. Wahrscheinlich waren Sie zu beschäftigt, um das mitzubekommen. Von den Chefärzten hat es Harkness, Irkultis, Mannon.“

„Mannon! Ist er etwa.?“

„Ich hab gedacht, das wäre Ihnen möglicherweise bekannt, weil es ja nur zwei Ebenen weiter weg passiert ist“, erwiderte O’Mara beinahe sanft.

„Mannon war gerade bei der Operation von zwei QCQLs, als der OP plötzlich aufgesprengt wurde. Dabei ist sein Anzug von einem herumfliegenden Metallsplitter aufgerissen worden. Er hat eine Dekompression erlitten und dann auch noch ein bißchen von der giftigen Atmosphäre der QCQLs eingeatmet, bevor sie ganz aus dem Raum entwichen ist. Aber der alte Mannon wird das schon überleben.“

Conway merkte, daß er den Atem angehalten hatte. „Da bin ich aber froh!“ sagte er.

„Ich auch“, entgegnete O’Mara barsch. „Aber was ich damit eigentlich sagen wollte: Es sind gar keine Diagnostiker mehr einsatzfähig und außer Ihnen auch keine Chefärzte, und das Hospital befindet sich in einem fürchterlichen Zustand. Was gedenken Sie also als ranghöchster überlebender medizinischer Offizier des Hospitals nun in dieser Angelegenheit zu unternehmen?“

O’Mara stand da, musterte Conway und wartete.

20. Kapitel

Conway hatte geglaubt, er könnte sich gar nicht mehr schlechter fühlen, als es ihm vor ein paar Stunden nach der Entdeckung des Zusammenbruchs des Translatorsystems ergangen war. Er wollte diese Verantwortung unter keinen Umständen übernehmen, allein der Gedanke daran erschreckte ihn schon zu Tode. Bis zu diesem Moment hatte er gelegentlich davon geträumt, irgendwann einmal Leiter des Orbit Hospitals zu werden und die absolute Kontrolle über alle medizinischen Angelegenheiten innerhalb dieses riesigen Gebildes zu haben. Aber in diesen Träumen war das Hospital natürlich kein sterbender, vom Krieg erschütterter Koloß gewesen, der durch den Zusammenbruch der Verständigung zwischen seinen einzelnen lebenswichtigen Organen praktisch gelähmt war. Darüber hinaus hatte das Hospital dabei weder von tödlichen Waffen gestrotzt, noch an einem geradezu kriminellen Personalmangel oder an einer furchtbaren Überbelegung gelitten.