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Wahrscheinlich hatte jemand wie er jedoch nur unter solchen Umständen zum Leiter dieses Hospitals werden können, sagte sich Conway betrübt. Dabei war er nicht einmal der beste zur Verfügung stehende Kandidat, sondern lediglich der einzige noch in Frage kommende. Trotzdem empfand er ein ganz unbeschreibliches Gefühl, eine Mischung aus Angst, Wut und Stolz darüber, daß er für die restlichen Tage oder Wochen seines Lebens diesem einmaligen Krankenhaus vorstehen sollte.

Conway sah sich kurz in der Station um und betrachtete die geordneten, wenn auch ungleichmäßigen Reihen tralthanischer und terrestrischer Betten und das in unauffälliger Weise tüchtige Personal. Das alles hatte er selbst zustande gebracht. Andererseits begann Conway aber auch allmählich einzusehen, daß er sich hier unten versteckt hatte und vor seiner Verantwortung davongelaufen war.

„Ich hab tatsächlich eine Idee“, sagte er plötzlich zu O’Mara. „Leider ist es keine gute Idee, und ich glaube, wir sollten in ihrem Büro darüber sprechen. Denn wahrscheinlich werden Sie gegen die Idee Einwände haben und diese auch lautstark äußern, und das könnte die Patienten stören.“

O’Mara blickte ihn scharf an. Als er antwortete, war der Zorn allerdings aus seiner Stimme gewichen, weshalb sie lediglich wieder den üblichen Sarkasmus aufwies. „Ich hab gegen sämtliche Ihrer Ideen etwas einzuwenden, Doktor. Ganz einfach deshalb, weil ich meine Gedanken immer beisammen hab.“

Auf dem Weg zu O’Maras Büro kamen sie an einer Gruppe ranghoher Offiziere des Monitorkorps vorbei, und der Major erklärte Conway, daß diese Offiziere zu Dermods Stab gehörten, der die Verlegung des taktischen Kommandos ins Orbit Hospital vorbereitete. Im Moment kommandierte Dermod von der Vespasian aus — selbst die Großkampfschiffe standen mittlerweile unter Beschuß, und fast wäre dem Flottenkommandanten die Domitian praktisch unter den Füßen weggeschossen worden.

Als Conway und O’Mara im Büro ankamen, sagte Conway: „Die Idee ist nicht gerade umwerfend, und als ich unterwegs die Monitore gesehen hab, ist mir sowieso noch eine bessere gekommen. Angenommen, wir bitten Dermod um die Benutzung der Schiffstranslatoren…“

O’Mara schüttelte den Kopf. „Das würde nicht funktionieren“, entgegnete er. „Daran hab ich auch schon gedacht. Die einzigen für uns überhaupt brauchbaren Übersetzungscomputer scheinen die auf den großen Schiffen zu sein. Aber diese Computer sind solch ein wesentlicher Bestandteil der Schiffskonstruktion, daß man das Schiff beim Ausbau praktisch zerstören würde. Unabhängig davon würden wir für den absoluten Minimalbedarf allein die Computer von zwanzig Großkampfschiffen benötigen. Wir haben aber keine zwanzig Großkampfschiffe mehr, und die übriggebliebenen kann Dermod, wie er selbst sagt, besser gebrauchen.

Und wie lautet Ihre nicht sehr gute Idee?“

Conway erzählte sie ihm.

Als er fertig war, musterte O’Mara ihn fast eine Minute lang. Schließlich sagte er: „Betrachten Sie ihre Idee als abgelehnt, und zwar auf entschiedenste Weise. Wenn Sie wollen, können Sie sich ja vorstellen, wie ich vor Wut hoch- und runterspringe und dabei auf den Schreibtisch einhämmere. Genau das würde ich nämlich tun, wenn ich nicht so verdammt müde wäre. Begreifen Sie denn nicht, worauf Sie sich da einlassen?“

Irgendwo unter ihnen ertönte ein furchtbares Krachen mit grotesken gongartigen Obertönen. Conway zuckte unwillkürlich zusammen und antwortete dann: „Ich glaube schon. Ich werde eine relativ starke geistige Verwirrung durchmachen und wohl auch körperliche Beschwerden haben. Ich hoffe aber, einen Großteil davon vermeiden zu können, indem ich das Wesen vom Physiologieband nur solange die Kontrolle über mich ergreifen lasse, bis ich das Gewünschte erreicht hab. Dann unterdrücke ich das Wesen wenigstens zum Teil wieder und nehme die Übersetzung vor. So hat das jedenfalls beim Tralthanerband funktioniert. Und es gibt keinen Grund, warum es nicht auch mit den Kelgianerbändern und allen anderen funktionieren sollte. Die Sprache der DBLFs müßte eigentlich ein Klacks sein, denn das Stöhnen der Kelgianer ist viel einfacher nachzuahmen als das Trompeten der Tralthaner.“

Conway hoffte, sich auf keiner Station sehr lange aufhalten zu müssen, denn eigentlich wollte er nur bis zur Beseitigung der am jeweiligen Ort bestehenden Übersetzungsprobleme bleiben. Einige der ET-Laute würde der terrestrische Sprechapparat sicherlich nur mit Schwierigkeiten nachahmen können, aber er hatte eine Idee, wie man bestimmte Musikinstrumente zur Erzeugung dieser Laute abändern müßte. Außerdem würde er wahrscheinlich nicht der einzige wandelnde Translator bleiben, denn bestimmt gab es noch ETs und andere terrestrische Ärzte, die ihm durch das Speichern von einem oder zwei Bändern helfen könnten. Vielleicht hatten das einige von ihnen bereits getan, bis jetzt jedoch noch nicht daran gedacht, die gespeicherten Kenntnisse auch für Übersetzungen anzuwenden. Während Conway das alles erläuterte, hatte seine Zunge Mühe, mit seinen rasenden Gedanken Schritt zu halten.

„Einen Moment mal“, unterbrach ihn O’Mara an einer bestimmten Stelle.

„Sie reden dauernd davon, die eine Persönlichkeit in den Vordergrund treten zu lassen, sie dann wieder zurückzudrängen, um dann zwei Persönlichkeiten zusammen zum Vorschein zu bringen und so weiter. Sie werden möglicherweise feststellen müssen, daß Sie gar nicht soviel Kontrolle über Ihr Gehirn und die darin gespeicherten Persönlichkeiten haben. Mehrere Physiologiebänder im Kopf sind eine heikle Sache, und Sie haben bisher noch nie mehr als zwei Bänder gleichzeitig gespeichert gehabt. Ich kenne doch Ihre Akten.“

O’Mara zögerte für einen Moment, dann fuhr er in ernstem Ton fort: „Sie bekommen schließlich die aufgezeichneten Erinnerungen eines ETs, der auf seinem Heimatplaneten als hochqualifiziert galt oder immer noch gilt. Dabei handelt es sich zwar nicht um einen Alien, der bewußt um die Herrschaft über ihr Gehirn kämpft, aber weil seine Erinnerung und Persönlichkeit direkt neben Ihrer eigenen eingeprägt wird, könnten Sie in Panik geraten, weil sie fürchten, daß der Alien die Kontrolle über Sie zu erlangen versucht. Sie müssen nämlich wissen, daß einige der Physiologiebänder von äußerst aggressiven Individuen stammen.

Mit den Ärzten, die zum erstenmal langfristig mehrere Bänder im Kopf speichern, gehen seltsame Dinge vor“, fuhr O’Mara fort. „Sie bekommen Schmerzen und Hautkrankheiten, und manchmal entwickeln sich bei ihnen sogar organische Funktionsstörungen. Natürlich hat das alles rein psychosomatische Ursachen, aber der Betroffene hat dieselben Schmerzen, als wenn er die Krankheiten aus rein körperlichen Gründen bekommen hätte. Diese Störungen können jedoch von einer willensstarken Persönlichkeit unter Kontrolle gehalten und sogar überwunden werden. Trotzdem würde der Verstand nur mit Stärke allein mit der Zeit unter dieser Last zerbrechen. Deshalb benötigt man zusätzlich zur Stärke auch geistige Flexibilität und irgend etwas, das sozusagen als mentaler Anker dient, etwas, das jeder selbst finden muß.

Angenommen, ich stimme Ihrer Idee zu“, schloß O’Mara abrupt, „wie viele Bänder würden Sie dann brauchen?“

Conway überschlug die Anzahl schnell im Kopf: Tralthaner, Kelgianer,

Melfaner, Nidianer, die ebenfalls im Hospital gebliebenen bewegungsfähigen Pflanzen, denen er vor seinem Abflug zum Planeten Etla begegnet war, sowie die Wesen, die Mannon zur Zeit des Raketeneinschlags auf seiner Station behandelt hatte. „FGLI, DBLF, ELNT, nidianischer DBDG, AACP und QCQL“, zählte Conway auf „Also sechs Bänder.“