Выбрать главу

O’Mara preßte die Lippen zusammen. „Mir würde es nichts ausmachen, wenn sich ein Diagnostiker diese Bänder einspielen lassen würde. Die sind ja daran gewöhnt, ihr Gehirn in sechs und mehr Teile zu spalten“, wandte er ein. „Aber Sie sind doch bloß.“

„Der ranghöchste medizinische Offizier des Hospitals“, beendete Conway den Satz lächelnd.

O’Mara machte nur „Hmpf“.

In der Stille konnten sie ein seltsames Aliengebrabbel und Stimmen von Terrestriern hören, die draußen auf dem Korridor vorbeikamen. Wer auch immer diese Laute hervorgebracht hatte, mußte sehr laut geschrien haben, denn das Büro des Majors sollte angeblich schalldicht sein.

„Na schön“, sagte O’Mara plötzlich, „Sie können es versuchen. Aber ich hab keine Lust, mich in meiner Eigenschaft als Psychologe mit Ihnen zu befassen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nämlich viel größer, als Sie zu glauben scheinen. Wir haben viel zuwenig Ärzte, um es uns leisten zu können, daß Sie sich durch eine Zwangsjacke selbst außer Gefecht setzen, und deshalb werde ich Ihnen einen Wachhund zuteilen. Wir werden zusätzlich ein GLNO-Band auf Ihre Liste setzen.“

„Prilicla!“

„Ja. Als Empath hatte er es bei den hier vor kurzem überall ausgestrahlten Emotionen ziemlich schwer, und deshalb mußte ich ihn unter Beruhigungsmitteln halten. Aber Prilicla ist bestimmt in der Lage, geistig ein Auge auf Sie zu werfen, und kann Ihnen vielleicht behilflich sein. Und jetzt legen Sie sich bitte auf die Couch.“

Conway begab sich zur Couch hinüber, und O’Mara paßte den Helm an.

Dann sprach der Major sanft auf Conway ein; manchmal stellte er ihm Fragen, manchmal erzählte er nur. Er sagte, Conway würde während der Mehrfachübertragung das Bewußtsein verlieren und zum Erzielen der besten Ergebnisse mindestens vier Stunden lang schlafen — und Schlaf brauchte er ja sowieso. Wahrscheinlich, fuhr O’Mara fort, habe er sich diesen ganzen verrückten Plan überhaupt nur deshalb ausgedacht, um einen berechtigten Vorwand zum Schlafen zu haben. Vor ihm läge eine große Aufgabe, erzählte ihm der Psychologe in ruhigem Ton, denn er würde nicht nur aus sieben Wesen bestehen, sondern außerdem gleichzeitig auf sieben Stationen sein müssen. Deshalb würde der Schlaf ihm guttun.

„Schlaf wäre jedenfalls nicht allzu schlecht“, antwortete Conway und mühte sich ab, die Augen geöffnet zu halten. „Ich werde auf jeder Station nur so lange bleiben, bis ich ein paar Wörter und Redewendungen gelernt hab, die ich dann den Schwestern beibringen kann. Gerade so viel, daß sie den ET-Chirurg verstehen, wenn er „Skalpell“ oder „Zange“ oder „Schwester, hören Sie damit auf, mir dauernd auf die Pelle zu rücken“ sagt.“

Die letzten Worte, die Conway von O’Mara noch deutlich hörte, waren: „Behalten Sie Ihren Sinn für Humor, mein Junge, den werden Sie noch brauchen.“

Conway wachte in einem Raum auf, der zu groß und zu klein war und ihm auf sieben verschiedene Arten fremd und gleichzeitig vollkommen vertraut vorkam. Er fühlte sich überhaupt nicht ausgeruht. An der Zimmerdecke hielt sich ein kleines, riesiges, zerbrechliches, schönes, ekelhaftes, insektenartiges Lebewesen mit seinen sechs bleistiftdünnen Beinen fest. Dieses Lebewesen erinnerte ihn an seine schlimmsten Alpträume, nämlich an die amphibienartigen Cllels, die er auf dem Grund seines Privatsees zum Frühstück zu jagen pflegte. Bei diesem Anblick mußte Conway aber auch an viele andere Dinge denken, unter anderem an einen vollkommen normalen Cinrussker der Klassifikation GLNO, wie er selbst einer war. Der GLNO an der Decke fing leicht zu zittern an. Das war seine Reaktion auf die Emotionen, die Conway und seine sieben Gefährten ausstrahlten. Sie alle wußten, daß die GLNOs vom Planeten Cinruss Empathen waren.

Nachdem er sich an die Oberfläche eines Strudels aus Gedanken, Erinnerungen und Eindrücken von sieben Aliens und einem terrestrischen DBDG gekämpft hatte, kam Conway zu dem Schluß, daß es Zeit wäre, sich an die Arbeit zu machen. Prilicla stand sofort für den ersten Test seiner Idee zur Verfügung. Conway durchsuchte sein Gehirn nach den Erinnerungen und Erfahrungen des GLNOs und rief sie sich dann ins Bewußtsein. Daraufhin durchforschte er eine Flut von Alienwissen nach Kenntnissen, an die man zwar nicht bewußt denkt, die man jedoch ständig abruft: die der cinrusskischen Sprache.

Nein, nicht die der cinrusskischen Sprache, berichtigte er sich selbst mit Nachdruck, sondern die Kenntnisse seiner eigenen Sprache; er mußte nämlich genauso wie ein GLNO denken, fühlen und hören. Und allmählich fing er auch damit an.

Und das war keineswegs angenehm.

Er war jetzt ein Cinrussker, Angehöriger einer zerbrechlichen, insektenartigen Spezies von Empathen, die unter geringer Schwerkraft lebten. Das schöne, fein gezeichnete Ektoskelett und der jugendliche, schillernde Glanz auf Priliclas nicht ganz verkümmerten Flügeln wußte Conway erst jetzt richtig zu schätzen, genauso wie die Art, auf der Priliclas Mundwerkzeuge zitterten, weil der Empath Conways plötzliche Verzweiflung mitempfand, ein Empath zu sein. All die in seinem Leben als GLNO gesammelten Erinnerungen und Erfahrungen waren zwar die eines glücklichen und gesunden Empathen, aber Conway war eben kein wirklicher Empath. Er konnte Prilicla zwar sehen, doch die Fähigkeit, durch die der eine GLNO die Gefühle des anderen teilte, fehlte ihm. Durch die Empathie erhielt jedes Wort, jede Geste und jeder Gesichtsausdruck auf subtile Art Farbe, und deshalb war für Cinrussker der Aufenthalt in Sichtweite eines anderen Cinrusskers ein ungetrübtes Vergnügen. Conway konnte sich zwar an seine empathischen, sein ganzes Leben lang aufrechterhaltenen Kontakte erinnern, doch kam er sich vor wie ein Taubstummer.

Sein terrestrisches Gehirn besaß keine empathischen Fähigkeiten, und sie wurden ihm auch nicht durch die vom Physiologieband eingespeisten Erinnerungen zuteil.

Prilicla gab eine Folge von schnalzenden und summenden Lauten von sich. Conway hatte sich mit dem GLNO noch nie direkt unterhalten. Ihre Gespräche hatten bisher immer den Übersetzungsprozeß durchlaufen und dabei Satzmelodie und sämtliche Emotionen verloren. Trotzdem hörte Conway jetzt, wie Prilicla mit einer Stimme voller Sorge und Mitleid „Es tut mir leid“ sagte.

Als Antwort darauf versuchte Conway den weichen Triller und den Schnalzlaut nachzuahmen, aus denen Priliclas Name bestand; denn der Klang des terrestrischen Worts „Prilicla“ stellte lediglich eine schwerfällige Annäherung dar. Beim fünften Versuch brachte er erfolgreich eine Lautfolge hervor, die dem angestrebten Klang schon recht nahe kam.

„Das ist sehr gut, Freund Conway“, lobte ihn Prilicla mit Wärme. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, daß man Ihre Idee realisieren kann. Können Sie mich verstehen?“

Conway suchte nach den benötigten Wortklängen und formte sie behutsam. „Ja“, entgegnete er, „danke schön.“

Dann wagten sich die beiden auch an schwierigere Phrasen heran, nämlich an Fachausdrücke zur Vermittlung grober medizinischer und physiologischer Einzelheiten. Manchmal glückte Conway die Artikulation dieser Lautfolgen und manchmal auch nicht. Die beste Aussprache, die ihm gelang, klang wie cinrusskisches Kauderwelsch, aber er versuchte es unermüdlich weiter. Dann wurde er jedoch plötzlich unterbrochen.

„Hier O’Mara“, meldete sich eine Stimme aus dem Kommunikator im Zimmer. „Sie müßten inzwischen eigentlich wach sein, Doktor, deshalb erstatte ich Ihnen jetzt den neuesten Lagebericht. Wir werden immer noch angegriffen, aber die Situation hat sich ein wenig entspannt, da noch mehr freiwillige ETs zur Verstärkung unserer Streitkräfte eingetroffen sind. Dabei handelt es sich um Melfaner, noch ein paar Tralthaner und eine Truppe illensanischer Chloratmer. Sie werden sich demnächst also auch noch um PVSJs kümmern müssen, Doktor. Im Hospital selbst sieht es folgendermaßen aus.“

O’Mara gab nun eine genaue Aufschlüsselung der Verwundeten und des zur Verfügung stehenden Personals nach Spezies, Standort und Anzahl. Darüber hinaus teilte er nähere Daten über die in jedem Abschnitt herrschenden besonderen Probleme mit und nannte auch deren Dringlichkeitsgrad.