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„.die Entscheidung, womit Sie anfangen wollen, liegt bei Ihnen“, fuhr er fort. „Und je eher Sie sich daran machen, desto besser. Aber für den Fall, daß Sie immer noch ein wenig durcheinander sein sollten, wiederhole ich das.“

„Nicht nötig“, unterbrach ihn Conway. „Ich hab alles mitbekommen.“

„Gut. Wie fühlen Sie sich?“

„Furchtbar. Entsetzlich. Und äußerst eigenartig.“

„Das ist in jeder Hinsicht eine normale Reaktion“, antwortete O’Mara trocken. „Ende.“

Conway löste die Riemen, mit denen er ans Bett gegurtet war, und schwang die Beine heraus. Sofort versteifte er sich, unfähig, die Bettkante loszulassen. Denn viele der Wesen, die jetzt das Gehirn mit ihm teilten, hatten schreckliche Angst vor dem Zustand der Schwerelosigkeit. Die Reaktion war rein instinktiv, deshalb war es sehr schwer, etwas dagegen zu unternehmen. Und als Conway feststellte, daß seine Füße nicht so wie Priliclas an der Decke hängen bleiben würden, geriet er einen Moment lang in zusätzliche Panik. Er lockerte den Griff um die Bettkante und bemerkte, daß er sich mit einer Gliedmaße festgehalten hatte, die bleich und schwammig war und sich furchtbar von den klaren und deutlichen Konturen des Mundwerkzeugs unterschied, das er eigentlich zu sehen erwartet hatte. Doch irgendwie schaffte er es, das Zimmer zu durchqueren, auf den Korridor zu gelangen und dort eine Strecke von fünfzig Metern zurückzulegen.

Dann wurde er angehalten.

Ein aufgebrachter Pfleger des Monitorkorps wollte von ihm wissen, warum er nicht im Bett liegen und von welcher Station er überhaupt kommen würde. Die Ausdrucksweise des Monitors war äußerst direkt und alles andere als respektvoll.

Jetzt erst wurde sich Conway seines abstoßend rosafarbenen Körpers bewußt, der groß, plump, zerbrechlich und zart zugleich wirkte. Ein wirklich schöner Körper, wie ihm ein Teil seines Gehirns beteuerte, wenn auch ein wenig zu schmächtig. Und dieses unförmige und mickerige Etwas war an der Verbindungsstelle mit den unteren Gliedmaßen von einem Stück weißem Stoff umgeben, das keinem offensichtlichen Zweck diente. Der Körper sah einfach fremdartig und lächerlich aus.

Verdammter Mist! dachte Conway, wobei er sich durch eine wirre, schier undurchdringliche Masse extraterrestrischer Sinneseindrücke an die Oberfläche zu kämpfen versuchte. Ich hab ja ganz vergessen, mich anzuziehen.

21. Kapitel

Als erste Maßnahme teilte Conway von jeder Spezies einen Vertreter für den Kommunikationsraum ein. Im Informationsnetz hatte man wenigstens den Anschein von Ordnung wiederhergestellt, indem man neben allen Kommunikatoren und Intercomgeräten Monitore aufgestellt hatte, um die ETs an deren Benutzung zu hindern — falls das entsprechende Wesen keinen triftigen Grund oder zu hartnäckig und kräftig war. Das bedeutete, das terrestrische Personal konnte sich wieder über das Kommunikationsnetz untereinander verständigen, und da sich in der Zentrale ETs befanden, konnten in dringenden Fällen auch die Anrufe anderer Spezies beantwortet und an die richtige Adresse weitergeleitet werden. Conway verbrachte fast zwei Stunden damit, sich in ein harmonisches Verhältnis mit den ETs in der Kommunikationszentrale zu setzen und eine Liste mit synonymen Wörtern der verschiedenen Sprachen aufzustellen, die ihnen den gegenseitigen Austausch einfacher — sehr viel einfacher — Mitteilungen ermöglichte. Dabei halfen ihm zwei Sprachexperten des Monitorkorps, die ihm auch vorschlugen, diesen siebensprachigen „Stein von Rosette“ auf Band aufzunehmen und darüber hinaus noch weitere Bänder zu erstellen, die auf die jeweiligen Verhältnisse auf den Stationen angepaßt waren.

Wo immer Conway auch hinging, stets trotteten zusätzlich neben dem Pflegepersonal, das sich von Zeit zu Zeit auf den jeweiligen Stationen einfand, auch Prilicla, die Sprachexperten und ein Funktechniker des Monitorkorps hinter ihm her. Es war eine eindrucksvolle Prozession, aber Conway war im Moment nicht in der richtigen Stimmung, diese zu genießen.

Das terrestrische medizinische Personal stellte jetzt mehr als die Hälfte der gegenwärtigen Gesamtbelegschaft, doch die terrestrischen Verwundeten des Monitorkorps überwogen die ETs in einem Verhältnis von dreißig zu eins. Auf manchen Ebenen mußte sich eine einzige Schwester um eine ganze Station voller Monitore kümmern, wobei ihr ein paar Tralthanerinnen oder Kelgianerinnen zu helfen versuchten. In solchen Fällen bestand Conways Aufgabe lediglich darin, ein Minimum an Verständigung zwischen den terrestrischen und extraterrestrischen Schwestern herzustellen. Aber es gab auch andere Fälle, in denen zum Beispiel das Personal aus ELNTs und FGLIs bestand, die DBLF-, QCQL- und terrestrische Patienten zu versorgen hatten, oder aus Terrestriern, die sich um ELNTs zu kümmern hatten, oder auch aus den pflanzenähnlichen AACPs, die auf ein Sammelsurium aus praktisch allem aufpaßten.

Die einfachste Lösung wäre natürlich gewesen, die Patienten der Obhut des Pflegepersonals ihrer eigenen Spezies anzuvertrauen — ausgenommen dann, wenn die Patienten für eine Verlegung zu krank waren, wenn für ihren Transport kein Personal zur Verfügung stand oder keine Schwestern und Pfleger der betreffenden Spezies zur Verfügung standen. In solchen Fällen war Conways Aufgabe unendlich viel komplizierter.

Bei allen Spezies herrschte ein chronischer Personalmangel, und hinsichtlich der Anzahl der Ärzte war die Lage schier zum Verzweifeln. Conway setzte sich mit O’Mara in Verbindung.

„Wir haben nicht genügend Ärzte“, berichtete er. „Ich denke, man sollte den Schwestern bei der Diagnose und der Behandlung von Verwundeten mehr Ermessensspielraum geben. Sie sollten so handeln können, wie sie es für angemessen halten, ohne auf die Vollmacht eines Arztes warten zu müssen, der für eine lückenlose Überwachung sowieso viel zu beschäftigt ist. Denn es werden immer noch Verwundete eingeliefert, und ich sehe keine andere Möglichkeit, wie man.“

„Machen Sie ’s, Sie sind schließlich der Boß“, unterbrach ihn O’Mara schroff „Richtig“, erwiderte Conway gereizt. „Und noch etwas. Mir haben viele von den Ärzten angeboten, sich zusätzlich zu den für die gegenwärtigen Operationen gespeicherten Bändern noch zwei oder drei Bänder für Übersetzungszwecke einspielen zu lassen. Einige der Schwestern haben sich bereit erklärt, das gleiche zu tun.“ „Nein!“ widersprach O’Mara entschieden. „Ich hab schon einige von Ihren Freiwilligen hier oben gehabt, und keiner war dafür geeignet. Bei den Ärzten, die uns noch geblieben sind, handelt es sich entweder um völlig unerfahrene Medizinalassistenten oder um medizinische Offiziere des Monitorkorps sowie um ETs, die zusammen mit den Truppen von Freiwilligen gekommen sind. Von denen hat kein einziger Erfahrungen damit, mehrere Physiologiebändern gleichzeitig gespeichert zu haben. Die würden schon in der ersten Stunde für immer den Verstand verlieren.

Und was die Schwestern angeht“, fuhr O’Mara mit süffisantem Unterton fort, „so werden Sie inzwischen bemerkt haben, daß die weiblichen terrestrischen DBDGs eine höchst eigentümliche Denkweise haben. Eine ihrer geschlechtsspezifischen Eigenschaften ist ihre extrem ausgeprägte Eigenwilligkeit. Ganz egal, was die Schwestern Ihnen auch immer gesagt haben, terrestrische Frauen werden es keinem — ich wiederhole — keinem Alien gestatten, scheinbar von ihren Gehirnen Besitz zu ergreifen. Und falls so etwas tatsächlich einmal geschehen sollte, würde das ernsthafte geistige Schäden zur Folge haben. Also nochmals nein. Ende.“

Conway setzte seinen Rundgang fort. Allmählich war er mit den Nerven am Ende, und obwohl sich seine Technik zusehends verbesserte, war der Übersetzungsprozeß für ihn eine stetig zunehmende Belastung. Während der relativ ruhigen Zeiträume zwischen den Übersetzungen fühlte er sich, als ob in seinem Gehirn gleichzeitig sieben fremde Wesen mit ihm stritten und schrien, wobei seine eigene Stimme nur sehr selten die lauteste war. Denn seine Kehle war durch die Erzeugung von Lauten, für die sie nie geschaffen worden war, bereits ganz rauh, und darüber hinaus hatte Conway auch noch Hunger.