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»Ja, die Science Fiction.«

»Hervorragend. Ich denke nämlich, alles, was ihr euch ausgedacht habt, hat es bei uns schon in der einen oder anderen Form gegeben. Und plötzlich … ja, genau, dieses verteufelte Plötzlich! Alles geschieht ja immer und überall plötzlich, doch jedes Mal staunen wir aufs Neue darüber … So, wie ihr euch den Jumper ausgedacht habt, haben wir die Tore entwickelt. Sie sind natürlich viel komplizierter. Das gilt selbst für die Anfangsphase, als die Tore noch eine materielle Form hatten, einen Bogen, über den sich ein Hyperfeld spannte … Später haben wir es geschafft, die Tore zu einem Teil der Umwelt zu machen, so dass sie nicht mehr zerstört werden können und ewig bestehen …«

Kelos bedeckte das Gesicht kurz mit den Händen. »Trinkst du Alkohol?«, fragte er dann.

»Jetzt würde ich gern welchen trinken«, gestand ich. Das wollte ich wirklich gern, nicht um Kelos Gesellschaft zu leisten, sondern um meine Gefühle zu betäuben.

Zwischen den Regalen mit den Büchern und allerlei bizarrem Kinkerlitz kam auch eine kleine Bar zum Vorschein. Kelos holte eine Flasche und zwei hohe schmale Gläser heraus. Er goss uns eine glasklare sämige Flüssigkeit ein. »Viel Glück«, prostete er, stieß aber nicht an.

Ich trank mein Glas auf einen Zug leer. Ein brennender Likör, der stärker als Wodka war. Säuerlich und süß.

»Ich habe mir gedacht, dass das in eurer Welt das übliche Entspannungsmittel ist«, sagte Kelos. »Also, Pjotr, die Tore sind etwas sehr Raffiniertes. Sie bringen einen Menschen nicht einfach von einer Welt in eine andere. Sie entscheiden auch, wohin genau er zu schicken ist.«

»Das habe ich schon begriffen.«

»Das Bewusstsein desjenigen, der sie betritt … nein, es wird nicht gescannt, das wäre zu einfach ausgedrückt …«

»Es wird erfasst.«

»Ja, das trifft es vermutlich besser. Jeder, der ein Tor betritt, wird in die Welt geschickt, die seinen Wünschen entspricht. Und nirgendwohin sonst. Natürlich entspricht eine Welt nie hundertprozentig deinen Wünschen, aber es kommt doch zu einer maximalen Annäherung. Du hasst jede Technik? Dann wirst du an den Busen der Natur geschickt. Dort kannst du auf Pferden reiten und, wenn du möchtest, in einem Wald räubern und lernen, mit Pfeil und Bogen zu schießen. Aber auch der gegenteilige Fall ist denkbar: Du kommst auf einen Planeten, der eine einzige Universität darstellt. Du beschäftigst dich ausschließlich mit Wissenschaft. Es hat damals zwei wesentliche Kräfte gegeben, die Entwicklungsunion und das Zweite Imperium. Die Tore wurden in allen Welten gesät … eine wahre Titanenarbeit. Fast die gesamte Gruppe der Wissenschaftler, die damit begonnen hat, ist umgekommen. Das Imperium und die Union haben sich im Kampf gegen die Tore zusammengeschlossen, zum ersten und letzten Mal. Der Imperator, der anfangs die Schöpfer der Tore unterstützt hat, hat seinen Fehler irgendwann eingesehen. Da war es jedoch bereits zu spät. Die Tore ließen sich selbst in der Urvariante praktisch nicht mehr zerstören. Das Imperium und die Union durchlebten eine stürmische und blutige Agonie, die sich ein ganzes Jahrhundert hinzog. Wenn die Tore nur ein schlichtes Transportmittel gewesen wären … wäre der Schatten vielleicht nie entstanden. Aber erneut sollte sich alles als weitaus komplizierter erweisen, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Die Erfassung drückte nämlich auch den Toren einen Stempel auf. Sie … sie kopieren das Bewusstsein desjenigen, der durch sie hindurchgeht. Sie integrieren jede neue Persönlichkeit in ihren Verstand.«

Ich sagte kein Wort.

»Du bist da jetzt auch drin, Pjotr. Du bist zu einem winzigen Teil dessen geworden, was längst über die Grenzen des Vorstellbaren hinausgewachsen ist.«

»Diese Welt … in die ich zuerst geraten bin …«

»Etwas in dir wollte genau das. Einen realen, wenn auch primitiven Feind. Und gleichzeitig die Gewissheit, wie sinnlos ein solcher Krieg ist. Du hast bekommen, was du wolltest. Und als Zugabe den Sieg über den Metamorphen. Stimmt’s nicht? Wahrscheinlich verkörpert er eine Angst von dir … einen Komplex …«

Ich zuckte zusammen, als hätte ich einen Schlag erhalten. »Aber sie kämpfen weiter, Kelos!«, schrie ich los. »Ich habe bekommen, was ich wollte – aber sie bringen sich ununterbrochen um!«

»Das heißt nur, dass dort diejenigen leben, die genau das wollen, Pjotr. Jedem das Seine …«

Ich erschauderte.

»Sie finden Gefallen an dieser brutalen und gefährlichen Form des Widerstands … Ihre Qualen und der hoffnungslose Kampf bereiten ihnen Freude … Es sind emotional arme Menschen … ohne jede Begabung …«

»Und bereit zu sterben?«

»Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen.« Kelos zögerte kurz. »Wie soll ich dir das erklären, Pjotr?«

Alles in mir verkrampfte sich, denn ich wusste bereits, was er sagen würde.

»Es gibt keinen Tod. Diejenigen, die durch ein Tor gegangen sind, sterben nie.«

Warum schwieg ich?

Ich müsste doch einen hysterischen Anfall kriegen. Auf die Knie fallen und Gott preisen … den es unter diesen Bedingungen garantiert nicht mehr gab und nie geben wird …

Guten Tag, Paradies. Guten Tag, Hölle. Guten Tag, Schatten.

»Du bist bereits ein Teil des Schattens, Pjotr … Man kann dich umbringen. Aber danach fängst du ein neues Leben an. Auf dem Planeten, den du dir wünschst. Zusammen mit deinem Feind, damit ihr beide euern Kampf zu Ende austragen könnt. Oder auf einem beschaulichen, friedlichen Planeten, auf dem diejenigen leben, die des Tötens müde sind. Als Mensch, als Vogel, als denkender Kristall …«

Kelos trat an mich heran und legte mir die Hand auf die Schulter.

»Auch du bist schon gestorben, Pjotr«, sagte er sanft. »Ich weiß nicht, was dir mit diesem Metamorphen passiert ist … aber ich habe den Blick erkannt, mit dem du mich angesehen hast. Es gibt keinen Tod. Ich bin schon dreimal erschossen worden. Ruhig und höflich. Ohne besondere Bosheit. Einmal bin ich gemeinsam mit meinem Schiff umgekommen … aber auch das ist nicht der Rede wert. Die Welt ist einfach verblasst …«

»Es gibt keinen Tod«, sagte ich. Leere und banale Worte. Gut, dann gab es ihn eben nicht … Es gibt ihn sowieso nicht, entweder liegt er noch vor uns, oder wir leben bereits nicht mehr. »Und was ist mit denjenigen … die nicht durch ein Tor gegangen sind?«

»Das weiß ich nicht. Früher hatten die Tore einfach keine Bedeutung für sie. Aber in was sich die Tore heute verwandelt haben und woher sie ihre Informationen haben, das kann ich nicht sagen. Aber …«

Also habt ihr nur nicht lange genug gelebt. Ihr, meine verhinderten Eltern … der echte Pjotr Chrumow … ihr alle, die ihr auf dem kleinen Planeten Erde gelebt habt und gestorben seid. Wissenschaftler und Bauern, Dichter und Soldaten, Sklaven und Tyrannen. Ihr habt an Gott geglaubt oder Atheismus gepredigt, ihr habt von der Unsterblichkeit geträumt, habt eine Philosophie geschaffen wie Fjodorow, oder habt fremdes Leben getrunken wie Gilles de Rais … Ihr Heiligen und Henker, ihr Genies und Tölpel … ihr alle habt nicht lange genug gelebt! Jetzt seid ihr dort, hinter jener Grenze. Und ich bin hier. Im gemütlichen Schatten.

Ich bin durch ein Tor gegangen.

Das Konklave wird die Erde in Schutt und Asche legen, die Geometer werden die Planeten des Konklaves vergiften und auf den Ruinen ihr kleines Imperium der Freundschaft errichten, und ich werde leben. Gut essen und weich schlafen. In fremden Armeen kämpfen und an fremden Universitäten studieren.

Alles ist erlaubt, ja?

Wenn mir der Sinn danach steht, ein Tyrann zu sein, komme ich in eine Welt voller Sklaven. Wenn ich ein Sklave sein möchte, lasse ich mich in Ketten schmieden. Ich lasse mir Scheinfüßchen wachsen und mutiere zu einer Amöbe. Oder ich lege mir vier weitere Beine zu und lerne, ein Spinnennetz zu weben. Oder ich werde wieder ein Mensch. Ich schaffe mir einen Harem an, gründe eine Religion und verfasse einen Sonettenkranz. Ich baue ein Haus, pflanze einen Baum, erziehe einen Sohn.