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»Ich will drei Kompanien leichter Kavallerie hier«, sagte Mat und zeigte auf einen Hang. »Die Bäume werden sie verbergen, aber sie werden einen guten Blick auf den Himmel haben. Wenn die rote Nachtblume hochgeht, werden sie direkt auf der Hauptstraße hier zur Rettung kommen. Als Verstärkung für die Kavallerie werden wir hundert Armbrustmänner zu beiden Seiten der Stadt stationieren. Ist die Nachtblume grün, soll die Kavallerie einmarschieren und die zur Stadt führenden Hauptstraßen sichern, hier, hier und hier.«

Mat schaute auf und zeigte auf Thom. »Thom, du nimmst Harnan, Fergin und Mandevwin als ›Lehrlinge‹ mit, und Noal kann dein Lakai sein.«

»Lakai?«, fragte Noal. Er war ein knorriger Mann mit fehlenden Zähnen und einer Hakennase. Aber er war so zäh wie ein altes, von Schlachten zerschrammtes Schwert, das vom Vater an den Sohn vererbt worden war. »Wozu braucht ein Gaukler einen Lakaien?«

»Also gut«, entgegnete Mat. »Dann seid Ihr eben sein Bruder, der als Diener arbeitet. Juilin, Ihr …«

»Wartet, Mat«, meldete sich Mandevwin zu Wort und kratzte sich neben der Augenklappe. »Ich soll Gauklerlehrling sein? Ich glaube kaum, dass ich mit meiner Stimme gut singen kann. Ich schätze, Ihr habt mich schon einmal gehört. Und mit nur einem Auge bezweifle ich, dass ich vernünftig jonglieren könnte.«

»Ihr seid ein neuer Lehrling«, sagte Mat. »Thom weiß, dass Ihr kein Talent habt, aber er hatte eben Mitleid mit Euch, weil Eure Großtante - bei der Ihr gelebt habt, seit Eure Eltern bei dieser tragischen Ochsenstampede gestorben sind - an den Kleepocken erkrankte und verrückt wurde. Sie fing an, Euch Essensreste aufzutischen und wie den Familienhund Marks zu behandeln, der weglief, als Ihr sieben Jahre alt wart.«

Mandevwin kratzte sich am Kopf. Sein Haar war mit grauen Strähnen durchzogen. »Aber bin ich nicht etwas zu alt für einen Lehrling?«

»Unsinn. Im Herzen seid Ihr jung geblieben, und da Ihr nie geheiratet habt - die einzige Frau, die Ihr je geliebt habt, brannte mit dem Sohn des Kürschners durch -, bot Euch Thoms Ankunft die Möglichkeit für einen neuen Anfang.«

»Aber ich will meine Großtante nicht verlassen!«, protestierte Mandevwin. » Sie hat sich um mich gekümmert, seit ich ein Kind war! Es gehört sich nicht für einen Mann, eine ältere Frau im Stich zu lassen, nur weil sie ein bisschen wirr im Kopf ist.«

»Es gibt doch gar keine Großtante«, sagte Mat verzweifelt. »Das ist doch nur eine Geschichte für Euren falschen Namen.«

»Kann ich denn nicht eine Geschichte haben, die mich etwas ehrenhafter aussehen lässt?«

»Zu spät«, sagte Mat und blätterte einen Papierstapel auf dem Tisch durch, suchte nach fünf dicht vollgekritzelten Seiten. »Ihr könnt das jetzt nicht mehr ändern. Ich habe die halbe Nacht damit verbracht, Eure Geschichte auszuarbeiten. Das ist die beste von dem ganzen Haufen. Hier, prägt Euch das ein.« Er gab Mandevwin die Seiten, dann nahm er einen anderen Stapel und fing an, ihn durchzusehen.

»Bist du dir sicher, dass wir das nicht übertreiben, mein Junge?«, fragte Thom.

»Ich lasse mich nicht noch einmal überraschen, Thom«, erwiderte Mat. »Ich lasse es nicht zu, verdammt. Ich bin es leid, unvorbereitet in irgendwelche Fallen zu laufen. Ich nehme jetzt mein Schicksal in die eigenen Hände und höre auf, von einem Problem zum nächsten zu laufen. Der Augenblick ist gekommen, das Kommando zu übernehmen.«

»Und das macht Ihr mit…«, sagte Juilin.

»Decknamen mit ausführlichen Hintergrundgeschichten«, sagte Mat und gab Thom und Noal ihre Seiten. »O ja!«

»Was ist mit mir?«, fragte Talmanes. In seinem Blick lag wieder dieses Funkeln, auch wenn seine Stimme völlig ernst klang. »Lasst mich raten. Ich bin ein reisender Kaufmann, der sich einst mit den Aiel im Kampf geübt hat und nun zu diesem Dorf gereist ist, weil er gehört hatte, dass in dem See eine Forelle lebt, die seinen Vater beleidigt hat.«

»Unsinn.« Matt gab ihm seine Seiten. »Ihr seid Behüter. «

»Das ist ziemlich suspekt.«

»Ihr sollt ja auch suspekt sein. Es ist immer leichter, einen Mann in Kartenspiel zu schlagen, wenn er an etwas anderes denkt. Nun, Ihr werdet ›etwas anderes‹ sein. Ein Behüter, der auf einer mysteriösen Mission auf der Durchreise ist, wird kein so tolles Ereignis sein, dass er zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber für diejenigen, die wissen, worauf sie achten müssen, wird er eine gute Ablenkung darstellen. Ihr könnt Fens Umhang nehmen. Er hat versprochen, ihn mir zu leihen; er fühlt sich noch immer schuldig, weil er diese Dienerinnen entkommen ließ.«

»Natürlich hast du ihm nicht verraten, dass sie einfach verschwunden sind«, fügte Thom hinzu. »Und dass er es unmöglich hätte verhindern können.«

»Warum hätte ich ihm das sagen sollen?«, wollte Mat wissen. »Sinnlos, sich auf die Vergangenheit zu versteifen, sage ich immer.«

»Also ein Behüter?«, sagte Talmanes und blätterte seine Seiten durch. »Ich werde das Stirnrunzeln üben müssen.«

Mat sah ihn ausdruckslos an. »Ihr nehmt das nicht ernst.«

»Was? Gibt es hier jemanden, der es ernst nimmt?«

Dieses Funkeln sollte verflucht sein. Hatte Mat wirklich je geglaubt, dass dieser Mann nicht leicht zum Lachen zu bringen war? Er tat es bloß innerlich. Was einen wirklich zur Weißglut bringen konnte.

»Beim Licht, Talmanes«, sagte er. »In dieser Stadt sucht eine Frau nach mir und Perrin. Sie weiß, wie wir aussehen, und das so genau, dass sie eine Zeichnung anfertigen kann, die genauer ist, als meine Mutter sie zustande bringen könnte. Das verschafft mir eine Gänsehaut, als würde der Dunkle König hinter mir stehen. Und ich kann diesen verfluchten Ort nicht selbst betreten, weil jeder Mann, jede Frau und jedes Kind ein Bild mit meinem Gesicht besitzt und für diese Information viel Gold versprochen bekommen hat!

Möglicherweise habe ich es ja mit den Vorbereitungen übertrieben, aber ich will diese Person aufspüren, bevor sie eine Horde Schattenfreunde herbeiholen kann oder mir in der Nacht die Kehle durchschneidet. Verstanden?«

Mat schaute jedem der fünf Männer in die Augen, nickte und ging in Richtung Ausgang, verharrte dann aber neben Talmanes’ Stuhl. Er räusperte sich, dann murmelte er: »Insgeheim liebt Ihr die Malerei und wünschtet, Ihr könntet diesem Leben des Todes entrinnen, dem Ihr Euch verpflichtet habt. Ihr kamt auf dem Weg nach Süden durch Trustair, statt eine direktere Route zu nehmen, weil Ihr die Berge liebt. Ihr hofft, von Eurem jüngeren Bruder zu hören, den Ihr seit fahren nicht mehr gesehen habt und der auf einem jagdausflug im südlichen Andor verschwunden ist. Ihr habt eine sehr gequälte Vergangenheit. Lest Seite vier.«

Mat eilte hinaus in den schattigen Mittag, dabei entging ihm allerdings nicht, wie Talmanes mit den Augen rollte. Sollte man diesen Mann doch zu Asche verbrennen! Diese Seiten enthielten nun wirklich dramatische Geschehnisse!

Der Himmel war bewölkt. Wieder einmal. Wann würde das aufhören? Kopfschüttelnd ging Mat durch das Lager und nickte den Gruppen von Soldaten zu, die ihm salutierten oder mit »Lord Mat!« grüßten. Die Bande würde den Rest des Tages hier verbringen - auf einem bewaldeten abgeschiedenen Hügel kampieren, der einen halben Tagesmarsch von der Stadt entfernt lag -, während sie die letzten Vorbereitungen für den Angriff trafen. Die Kiefern hier waren sehr hoch und die Äste ausladend, und der Schatten hielt das Unterholz auf ein Minimum begrenzt. Zelte drängten sich gruppenweise um die Bäume, und die Luft war kühl und schattig und roch nach Harz und Humus.

Er überprüfte die Arbeit seiner Männer und sah, dass alles effizient gemacht wurde. Diese alten Erinnerungen, die ihm die Eelfinn gegeben hatten, hatten angefangen, sich so nahtlos mit den seinen zu vermischen, dass er nur mühsam sagen konnte, welche Instinkte von ihnen kamen und welche von ihm selbst.