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Sie betrachtete ihn, als wollte sie entscheiden, ob diese Frage spöttisch gemeint war oder nicht. Mat verdrehte die Augen. Frauen!

»Frau Aludra ist genial«, sagte Leilwin streng. »Ihr versteht nicht, welches Geschenk sie Euch mit diesen Plänen macht. Hätte das Kaiserreich diese Waffen …«

»Nun, dann passt auf, dass Ihr sie ihnen nicht ausliefert, Leilwin«, sagte Mat. »Ich will nicht eines Morgens aufwachen und feststellen müssen, dass Ihr mit diesen Plänen geflohen seid, um zu versuchen, Euren Titel zurückzugewinnen!«

Sie schien beleidigt zu sein, dass er so etwas überhaupt sagte, obwohl es doch ganz logisch erschien. Seanchaner hatten einen seltsamen Sinn für Ehre - Tuon hatte nicht einmal versucht zu fliehen, obwohl sie dafür ausreichend Gelegenheit gehabt hatte.

Natürlich hatte Tuon so gut wie von Anfang an vermutet, dass sie heiraten würden. Eine Damane hatte ihr eine Vorhersage gemacht. Verflucht, er würde nicht wieder nach Süden blicken. Er würde es nicht tun!

»Meister Cauthon, mein Schiff wird jetzt von anderen Winden getrieben«, sagte Leilwin bloß, wandte sich von ihm ab und schaute Bayle an.

»Aber ihr wolltet uns nicht helfen, gegen die Seanchaner zu kämpfen«, protestierte Mat. »Es hat den Anschein, als würdet Ihr …«

»Ihr jetzt schwimmen in tiefen Wasser, junge«, warf Bayle leise ein. »Aye, tiefes Wasser voller Löwenfische. Vielleicht besser aufhören, so laut zu planschen.«

Mat machte den Mund zu. »Also gut«, sagte er. Sollten ihn die beiden nicht mit etwas mehr Respekt behandeln? War er jetzt nicht irgendeine Art bedeutender seanchanischer Prinz oder so? Er hätte wissen müssen, dass ihm das bei Leilwin oder dem bärtigen Seemann nicht helfen würde.

Davon abgesehen war er ehrlich gewesen. Aludras Worte machten Sinn, so verrückt sich das zunächst auch anhörte. Sie würden für die Arbeit viele Gießereien benötigen. Die Wochen, die sie für die Reise nach Caemlyn brauchten, erschienen jetzt noch bitterer. Diese Wochen auf der Straße hätte man für die Konstruktion von Drachen nutzen können! Ein weiser Mann lernte, dass es sinnlos war, sich wegen langer Märsche zu ärgern - aber in letzter Zeit fühlte sich Mat alles andere als weise.

»Also gut«, sagte er erneut. Er sah Aludra an. »Aber ich würde diese Pläne gern mit mir nehmen und sicher aufbewahren; aber aus völlig anderen Gründen.«

»Völlig anderen Gründen?«, fragte Leilwin so ausdruckslos, als würde sie nach einer anderen Beleidigung suchen.

»Ja. Ich will nämlich nicht, dass sie hier liegen, wenn Aludra auf die falsche Weise gegen eine dieser Nachtblumen hämmert und sich bis zum Tarwin-Pass katapultiert.«

Das ließ Aludra kichern, obwohl Leilwin schon wieder beleidigt aussah. Es war schwer, einen Seanchaner nicht zu beleidigen. Sie und die verdammten Aiel. Schon merkwürdig, wie gegensätzlich sie in vielerlei Hinsicht waren, und sich doch in manch anderem so sehr glichen.

»Ihr dürft die Pläne mitnehmen, Mat«, sagte Aludra. »Solange Ihr sie in der Truhe mit Eurem Gold aufbewahrt. Das ist der Gegenstand in diesem Lager, dem Ihr die größte Aufmerksamkeit widmet.«

»Vielen Dank«, erwiderte er und bückte sich, um die Seiten aufzusammeln. Die verschleierte Beleidigung ignorierte er. Hatten sie sich nicht gerade versöhnt? Verdammte Frauen. »Übrigens, das hätte ich beinahe vergessen. Wisst Ihr etwas über Armbrüste, Aludra?«

»Armbrüste?«

»Ja.« Mat schob die Seiten zusammen. »Ich bin der Ansicht, dass es eine Möglichkeit geben müsste, sie schneller zu laden. Ihr wisst schon, wie diese neuen Winden, nur mit irgendeiner Feder oder so. Vielleicht eine Winde, die man benutzen kann, ohne vorher die Waffe senken zu müssen.«

»Das liegt kaum auf meinem Gebiet, Mat.«

»Ich weiß. Aber Ihr seid schlau, was solche Dinge angeht, und vielleicht…«

»Da werdet Ihr jemand anderen finden müssen«, sagte Aludra und wandte sich einer weiteren, zur Hälfte fertig gestellten Nachtblume zu. »Ich bin viel zu beschäftigt.«

Mat schob den Finger unter den Hut und kratzte sich. »Das …«

»Mat!«, rief da eine Stimme. »Mat, du musst mich begleiten!« Mat drehte sich um, als Olver in Aludras Lager gerannt kann. Bayle hob warnend die Hand, aber natürlich lief der funge darunter hindurch.

»Was ist los?«, wollte Mat wissen.

»Jemand kommt ins Lager«, sagte Olver. Vor Aufregung war sein Gesicht gerötet. Und was für ein Gesicht das war. Ohren, die zu groß für den Kopf waren, eine flache Nase, ein zu breiter Mund. Bei einem Kind seines Alters war Hässlichkeit etwas Süßes. Aber wenn er älter wurde, würde er das Glück nicht mehr haben. Vielleicht hatten die Männer im Lager ja damit recht, ihn an den Waffen auszubilden. Mit einem solchen Gesicht sollte er sich besser verteidigen können.

»Warte, beruhige dich«, sagte Mat und schob Aludras Pläne unter den Gürtel. »Jemand ist eingetroffen? Wer? Warum braucht ihr mich?«

»Talmanes hat mich losgeschickt, damit ich dich hole«, sagte Olver. » Er glaubt, es ist jemand Wichtiges. Ich soll dir sagen, dass sie Blätter mit deinem Bild darauf hat und dass sie ein ›charakteristisches Gesicht‹ hat, was auch immer das heißen soll. Dass …«

Olver redete weiter, aber Mat hörte nicht länger zu. Er nickte Aludra und den anderen zu, dann schob er sich an den Laken vorbei in den Wald hinein. Olver lief neben ihm her, als Mat zum vorderen Teil des Lagers eilte.

Dort saß eine pummelige Frau mit einer großmütterlichen Ausstrahlung auf einer weißen Stute mit kurzen Beinen. Sie trug ein braunes Kleid, und das zu einem Knoten zusammengefasste Haar wies graue Strähnen auf. Eine Gruppe Soldaten umgab sie, und Talmanes und Mandevwin standen wie zwei einen Hafeneingang blockierende Steinsäulen direkt vor ihr.

Die Frau hatte das Gesicht einer Aes Sedai, und neben ihrem Pferd stand ein älterer Behüter. Trotz seines ergrauenden Haares strahlte der stämmige Mann den Ausdruck von Gefahr aus, den alle Behüter hatten. Er musterte die Soldaten der Bande mit stählernem Blick und verschränkten Armen.

Die Aes Sedai lächelte, als Mat herankam. »Ah, sehr schön«, sagte sie affektiert. »Ihr seid gewachsen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, Matrim Cauthon.«

»Verin«, sagte Mat etwas außer Atem geraten. Er warf Talmanes einen Blick zu, der eines jener Blätter mit Mats Gesicht in der Hand hielt. »Ihr habt also entdeckt, dass in Trustair jemand Bilder von mir verteilt.«

Sie lachte. »So könnte man es sagen.«

Er erwiderte den Blick aus diesen dunkelbraunen Aes Sedai-Augen. »Blut und verdammte Asche«, murmelte er. »Ihr wart das, oder? Ihr seid diejenige, die nach mir sucht!«

»Und das seit einiger Zeit, möchte ich hinzufügen«, sagte Verin leichthin. »Und eigentlich gegen meinen Willen.«

Mat schloss die Augen. So viel zu seinem schönen Plan mit dem Stoßtrupp. Verflucht! Und es war ein so guter Plan gewesen. »Wie habt Ihr herausgefunden, dass ich hier bin?«, fragte er und öffnete die Augen wieder.

»Vor einer Stunde besuchte mich ein freundlicher Kaufmann in Trustair und erklärte, er hätte Euch eben getroffen und dass Ihr ihn großzügig für einen Plan von Trustair bezahlt habt. Ich dachte mir, ich erspare der armen Stadt einen Angriff von Euren … Begleitern und komme selbst zu Euch.«

»Vor einer Stunde?« Mat runzelte die Stirn. »Aber Trustair ist einen halben Tagesmarsch entfernt!«

»Das ist es.« Verin lächelte.

»Ich will verbrannt sein«, sagte er. »Ihr beherrscht das Reisen, richtig?«

Ihr Lächeln verbreiterte sich. »Ich vermute einmal, Ihr wollt mit diesem Heer nach Andor, Meister Cauthon.«

»Das kommt darauf an«, erwiderte Mat. »Könnt Ihr uns dorthin bringen?«

»In einer sehr kurzen Zeit«, sagte Verin. »Ich könnte Eure Männer am Abend in Caemlyn haben.«

Beim Licht! Zwanzig Tagesmärsche weniger? Vielleicht könnte er Aludras Drachen ja doch bald anfertigen lassen! Dann zögerte er, musterte Verin und zwang sich, sich seine Aufregung nicht anmerken zu lassen. Wenn Aes Sedai im Spiel waren, gab es immer einen Preis.