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Doch als er sie jetzt genauer musterte, erschien ihm ihr Benehmen viel zu übertrieben. Als würde sie sich auf die Vorurteile stützen, die über die Braunen im Umlauf waren. Als würde sie alle täuschen wie ein Straßenkünstler, der Landjungen mit einem geschickten Hütchenspiel ausnahm.

Sie betrachtete ihn. Dieses feine Lächeln, das ihre Mundwinkel umspielte? Das war das Lächeln eines Trickbetrügers, dem egal war, dass man ihn durchschaut hatte. Da man jetzt begriffen hatte, konnte man das Spiel auch zusammen genießen und gemeinsam vielleicht jemand anderen reinlegen.

»Ist Euch eigentlich klar, wie stark ihr als Ta’veren seid, junger Mann?«, fragte Verin.

Mat zuckte mit den Schultern. »Wenn es um diese Dinge geht, müsst ihr Rand fragen. Ehrlich, verglichen mit ihm ist das bei mir nur eine alberne Spielerei.« Verdammte Farben!

»Oh, mir würde im Traum nicht einfallen, die Bedeutung des Drachen herunterzuspielen«, sagte Verin und kicherte.

»Aber Ihr könnt Euer Licht nicht in seinem Schatten verbergen, Matrim Cauthon. Das funktioniert bestenfalls nur bei Blinden. In jedem anderen Zeitalter wärt ihr zweifellos der mächtigste Ta’veren gewesen. Möglicherweise sogar der mächtigste in Jahrhunderten.«

Mat rutschte auf der Bank herum. Verdammte Asche, es ließ ihn aussehen, als würde er sich unbehaglich winden, und er hasste diese Vorstellung. Vielleicht sollte er einfach aufstehen. »Wovon sprecht Ihr, Verin?«, fragte er stattdessen. Er verschränkte die Arme und versuchte wenigstens so zu tun, als wäre er entspannt.

»Ich spreche davon, dass Ihr mich durch das halbe Land gezerrt habt.« Ihr Lächeln wurde breiter, als ein Soldat mit einer dampfenden Tasse Pfefferminztee eintrat. Dankbar nahm sie sie entgegen, und der Mann ging wieder.

»Ich habe Euch hergezerrt?«, sagte Mat. »Ihr habt nach mir gesucht.«

»Erst, nachdem mir klar wurde, dass mich das Muster irgendwohin lockte.« Verin blies auf ihren Tee. »Das bedeutete, es geht um Euch oder um Perrin. Rands Fehler konnte es nicht sein, da ich ihn mühelos zurücklassen konnte.«

»Rand?«, sagte Mat und verdrängte den nächsten Farbenwirbel. »Ihr wart bei ihm?«

Verin nickte.

»Wie … welchen Eindruck machte er?«, wollte Mat wissen. »Ist er … Ihr wisst schon …«

»Verrückt?«, fragte Verin. Mat nickte.

»Ich fürchte schon«, sagte die Aes Sedai, und ihre Lippen verzogen sich leicht. »Aber ich glaube, er hat sich noch immer unter Kontrolle.«

»Verfluchte Eine Macht«, sagte Mat und griff unter das Hemd, um das beruhigende Fuchskopf-Medaillon zu berühren.

Verin schaute auf. »Oh, ich bin nicht davon überzeugt, dass die Probleme des jungen al’Thor einzig und allein der Macht zuzuschreiben sind, Matrim. Viele würden gern Saidin für sein ungestümes Temperament verantwortlich machen, aber damit ignoriert man die unvorstellbaren Belastungen, die wir dem armen Jungen aufgebürdet haben.«

Mat hob eine Braue und warf Thom einen Blick zu.

»Wie dem auch sei«, fuhr Verin fort und nippte an dem Tee, »man kann dem Makel nicht für alles die Schuld geben, denn er wird ihn nicht länger beeinflussen.«

»Wird er nicht? Hat sich Rand entschieden, mit dem Machtlenken aufzuhören?«

Sie lachte. »Da hört eher ein Fisch auf zu schwimmen. Nein, der Makel wird ihn nicht länger beeinflussen, da es den Makel nicht mehr gibt. Al’Thor hat Saidin gereinigt.«

»Er hat was?«, fragte Mat scharf und setzte sich gerade auf.

Verin trank ihren Tee.

»Ist das Euer Ernst?«

»Aber ja.«

Wieder warf Mat Thom einen Blick zu. Dann zog er an seinem Mantel und strich sich durchs Haar.

»Was macht Ihr da?«, wollte Verin amüsiert wissen.

»Keine Ahnung«, erwiderte Mat und kam sich albern vor. »Ich glaube, mir kam gerade in den Sinn, dass ich mich anders fühlen sollte oder so. Unsere ganze Welt hat sich verändert, nicht wahr?«

»So könnte man sagen«, meinte Verin, »obwohl ich dagegenhalten würde, dass die Säuberung selbst eher wie ein in einen Teich geworfener Stein ist. Die Wellen werden einige Zeit brauchen, bis sie das Ufer erreicht haben.«

»Ein Stein?«, fragte Mat. »Ein Stein?«

»Nun, vielleicht eher ein Felsbrocken.«

»Ein verdammter Berg, wenn Ihr mich fragt«, murmelte Mat und lehnte sich wieder auf der schrecklichen Bank zurück.

Verin kicherte. Verfluchte Aes Sedai. Mussten sie so sein? Vermutlich war das nur ein weiterer Eid, den sie leisteten und verschwiegen, bei dem es irgendwie darum ging, immer geheimnisvoll zu sein. Er starrte sie an. »Was sollte das Kichern bedeuten?«, fragte er schließlich.

»Nichts«, erwiderte sie. »Ich vermute bloß, dass Ihr bald etwas von dem empfinden werdet, wie es mir die letzten paar Tage ergeht.«

»Und was sollte das sein?«

»Nun, ich glaube, davon haben wir bereits gesprochen, bevor wir uns von irrelevanten Themen ablenken ließen.«

»Die Reinigung der Wahren Quelle ist irrelevant«, murmelte Mat. »Also ehrlich.«

»Ich habe die seltsamsten Dinge erlebt«, fuhr Verin fort. Und ignorierte Mat natürlich. »Möglicherweise wisst Ihr das ja nicht, aber um einen Ort mit dem Schnellen Reisen verlassen zu können, muss man dort einige Zeit verbringen. Normalerweise reicht ein Abend. Nach meiner Abreise vom Drachen begab ich mich in ein Dorf in der Nähe und nahm im Gasthaus ein Zimmer. Ich richtete mich ein, prägte mir das Zimmer ein und bereitete mich darauf vor, am nächsten Morgen ein Wegetor zu öffnen.

Mitten in der Nacht kam jedoch der Wirt. Zerknirscht erklärte er mir, ich müsse in ein anderes Zimmer umziehen. Anscheinend hatte man im Dach über meinem Raum eine undichte Stelle entdeckt, und es würde bald durch die Decke tropfen. Ich protestierte, aber er bestand darauf.

Also zog ich auf die andere Seite des Korridors und fing an, mir dieses Zimmer einzuprägen. Ich hatte gerade das Gefühl, es gut genug zu kennen, um ein Wegetor öffnen zu können, da wurde ich erneut unterbrochen. Dieses Mal erklärte mir der Wirt noch verlegener als zuvor, dass seine Frau hier beim morgendlichen Putzen ihren Ring verloren hätte. Die Frau wachte mitten in der Nacht auf und war sehr aufgebracht. Der Wirt, der sehr müde aussah, wollte mich erneut umquartieren.«

»Und?«, fragte Mat. »Zufälle, Verin.«

Sie hob eine Braue, dann lächelte sie, als er schon wieder auf der Bank herumrutschte. Verflucht, das war kein unbehagliches Winden!

»Ich weigerte mich umzuziehen, Matrim«, fuhr Verin fort. »Ich sagte dem Wirt, er könnte das Zimmer gern durchsuchen, nachdem ich weg bin, und versprach, dass, sollte ich Ringe entdecken, ich sie nicht mitnehmen würde. Dann schloss ich energisch die Tür.« Sie trank einen Schluck. »Ein paar Minuten später brannte das Gasthaus - ein Scheit rollte aus dem Kamin zu Boden und brannte das ganze Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Glücklicherweise konnten alle entkommen, aber das Haus war zerstört. Müde und erschöpft mussten Tomas und ich ins nächste Dorf und dort ein Zimmer nehmen. «

»Klingt immer noch wie ein Zufall.«

»Das ging dann drei Tage lang so weiter«, sagte Verin. »Ich wurde selbst dann unterbrochen, wenn ich versuchte, mir einen Platz außerhalb eines Gebäudes zu merken. Zufällige Passanten baten um Feuer, ein umstürzender Baum krachte ins Lager, eine Herde Schafe lief vorbei, ein Sturm brach aus. Verschiedene zufällige Geschehnisse verhinderten immer, dass ich mich mit der Gegend vertraut machen konnte.«

Talmanes pfiff leise. Verin nickte. »Immer ging etwas schief, wenn ich versuchte, mir die Umgebung meinem Gedächtnis anzuvertrauen. Unweigerlich musste ich aus irgendeinem Grund weiterziehen. Entschied ich mich allerdings, mir den Ort nicht einzuprägen und kein Wegetor zu erschaffen, passierte nichts. Eine andere Person wäre vermutlich einfach weitergereist und hätte das mit den Wegetoren einfach sein lassen, aber da setzte sich meine Natur durch, und ich fing an, das Phänomen zu studieren. Es trat ziemlich regelmäßig ein.«