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»Ich konnte keine von ihnen finden«, sagte Moradri und warf einen Blick über die Schulter, offensichtlich begierig, sich wieder den Kämpfenden anzuschließen.

»Schade. Schließlich bezeichnen sie sich gern als die Kampf-Ajah. Nun, also bleibt es mir überlassen, diesen Kampf zu organisieren.«

Moradri zuckte mit den Schultern. »Sieht so aus.« Wieder schaute sie zurück.

Saerin musterte die Grüne Schwester, dann tippte sie auf den Plan. »Zeichnet die Positionen ein, Moradri. Ihr könnt gleich wieder kämpfen, aber im Moment ist Euer Wissen wichtiger. «

Die Grüne seufzte, dann fing sie aber an, schnell Markierungen zu zeichnen. Während sie damit beschäftigt war, sah Saerin erfreut, dass Hauptmann Chubain eintrat. Für seine mehr als vierzig Winter sah der Mann noch jugendlich aus; in seinem schwarzen Haar war keine graue Strähne zu finden. Manche Männer neigten dazu, sich wegen seines zu guten Aussehens abschätzig über seine Fähigkeiten zu äußern; Saerin hatte von den Demütigungen gehört, die sein Schwert diesen Männern für ihre Beleidigungen erteilt hatte.

»Ah, gut«, sagte sie. »Endlich klappt einmal etwas. Hauptmann, kommt doch bitte zu mir.«

Er hinkte heran, schonte sein linkes Bein. Der weiße Wappenrock über dem Kettenhemd war angesengt; sein Gesicht war rußverschmiert. »Saerin Sedai«, sagte er und verneigte sich.

»Ihr seid verwundet.«

»Angesichts der Ehre eines solches Kampfes eine bedeutungslose Wunde, Aes Sedai.«

»Lasst Euch trotzdem Heilen«, befahl sie. »Es wäre lächerlich, wenn unser Hauptmann der Wache wegen einer bedeutungslosem Wunde den Tod riskiert. Wenn sie Euch kurz stolpern lässt, könnten wir Euch verlieren.«

Der Mann trat näher an sie heran und senkte die Stimme. »Saerin Sedai, in diesem Kampf ist die Burgwache so gut wie nutzlos. Da die Seanchaner diese … grauenhaften Frauen benutzen, kommen wir nur selten an sie heran, bevor wir in Stücke gerissen oder zu Asche verbrannt werden.«

»Dann müsst Ihr eben Eure Taktik ändern, Hauptmann«, sagte Saerin entschlossen. Beim Licht, was für eine Katastrophe! »Befehlt den Männern, sie sollen Bogen nehmen. Geht nicht das Risiko ein, den Machtlenkern des Feindes zu nahe zu kommen. Schießt aus der Ferne. Ein einziger Pfeil könnte diese Schlacht zu unseren Gunsten wenden; zahlenmäßig sind wir ihren Soldaten auf groteske Weise überlegen.«

»Ja, Aes Sedai.«

»Es ist einfache Logik, wie eine Weiße vermutlich sagen würde. Hauptmann, unsere wichtigste Aufgabe liegt darin, einen zentralen Befehlsposten einzurichten. Aes Sedai und Soldaten huschen unabhängig voneinander umher, verhalten sich wie von Wölfen gejagte Ratten. Wir müssen gemeinsam handeln.«

Die Verlegenheit, die an ihr nagte, brachte sie nicht zur Sprache. Seit Jahrhunderten beeinflussten Aes Sedai Könige und Kriege, aber jetzt, da ihre Zuflucht angegriffen wurde, hatten sie sich in ihrer Verteidigung als völlig überfordert erwiesen. Egwene hatte recht, dachte sie. Nicht nur, was die Vorhersage dieses Angriffs angeht, sondern mit ihren Vorwürfen hinsichtlich der tiefen Gräben zwischen uns. Saerin brauchte keine Berichte von Moradri oder Spähern, um zu wissen, dass jede Ajah in dieser Schlacht für sich allein kämpfte.

»Hauptmann«, sagte sie. »Moradri Sedai markiert Kämpfe auf einem Lageplan. Fragt sie, welche Ajah in jeder Gruppe vertreten ist; sie hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis und wird Euch die Einzelheiten nennen. Schickt in meinem Namen Läufer zu jeder Gruppe von Gelben oder Braunen Schwestern. Sagt ihnen, sie sollen sich hier zum Rapport melden.

Dann schickt Ihr Läufer zu den anderen Gruppen und unterrichtet sie darüber, dass wir ihnen jeweils eine Braune oder Gelbe Schwester zum Heilen schicken. Hier wird es ebenfalls eine Gruppe Schwestern zum Heilen geben, jeder Verwundete hat sich sofort hier einzufinden.«

Er salutierte.

»Ach ja«, fügte sie noch hinzu. »Und schickt jemanden nach draußen, der die wichtigsten Durchbrüche oben im Turm meldet. Wir müssen wissen, an welchen Stellen der Angriff am heftigsten tobt.«

»Aes Sedai…«, sagte er. »Das Außengelände ist gefährlich. Diese Flieger am Himmel schießen auf alles, was sich bewegt. «

»Dann schickt eben Männer, die gut daran sind, sich zu tarnen«, knurrte sie.

»Ja, Aes Sedai. Wir …«

»Das ist eine Katastrophe!«, brüllte da eine wütende Stimme.

Vier Rote Schwestern stürmten in den Raum. Notasha trug ein weißes Kleid mit Blutflecken an der linken Seite; aber wenn es ihr Blut war, war sie bereits Geheilt worden. Katerines langes schwarzes Haar war zerzaust und voller Steinsplitter. Die Kleider der anderen beiden Frauen wiesen Risse auf; ihre Gesichter waren mit Asche verschmutzt.

»Wie können sie es wagen, diesen Ort anzugreifen!«, fuhr Katerine fort. Soldaten machten ihr schnell den Weg frei, und mehrere weniger einflussreiche Schwestern, die sich aufgrund Saerins Befehl hier eingefunden hatten, fanden plötzlich in den Zimmerecken wichtige Dinge zu tun. In der Ferne dröhnten Explosionen wie bei einem Feuerwerk der Illuminatoren.

»Sie wagen es, weil sie offensichtlich die Mittel und das Verlangen danach haben«, erwiderte Saerin, schluckte ihre Verärgerung herunter und behielt ihre ruhige Fassade bei. Auch wenn es ihr schwerfiel. »Bis jetzt hat sich der Angriff als erstaunlich effektiv erwiesen.«

»Nun, ich übernehme hier jetzt den Befehl«, knurrte Katerine. »Wir müssen die Burg durchsuchen und jeden Einzelnen von ihnen ausschalten!«

»Ihr werdet den Befehl nicht übernehmen«, erwiderte Saerin energisch. Diese unerträgliche Frau! Ganz ruhig, sie musste ruhig bleiben. »Und wir werden auch nicht in die Offensive gehen.«

»Und Ihr wollt mich davon abhalten?«, fauchte Katerine, und der Schein Saidars hüllte ihre Gestalt wie ein brennendes Licht ein. »Eine Braune?«

Saerin hob eine Braue. »Seit wann hat die Oberin der Novizinnen einen höheren Rang als eine Sitzende des Saals, Katerine?«

»Ich …«

»Egwene al’Vere hat das hier Vorhergesagt«, sagte Saerin und verzog das Gesicht. »Wir können also davon ausgehen, dass die anderen Dinge, die sie uns über die Seanchaner erzählt hat, ebenfalls der Wahrheit entsprechen. Die Seanchaner ergreifen Frauen, die die Macht lenken können, und benutzen sie als Waffe. Sie haben keine Bodentruppen mitgebracht; es wäre sowieso so gut wie unmöglich gewesen, so weit durch feindliches Gebiet zu marschieren. Das bedeutet, dass das hier ein Raubzug ist, bei dem so viele Schwestern wie möglich entführt werden sollen.

Für einen Raubzug zieht sich der Kampf bereits in die Länge, vielleicht glauben sie, sich Zeit lassen zu können, weil wir uns so erbärmlich schlecht verteidigt haben. Wie dem auch sei, wir müssen eine vereinte Front bilden und uns behaupten. Sobald sie auf größeren Widerstand stoßen, werden sie sich zurückziehen. Davon abgesehen sind wir nicht in der Position, die ›Burg zu durchsuchen‹ und sie zu vertreiben.«

Katerine zögerte, dachte nach. Draußen ertönte wieder eine Explosion.

»Wo kommen die bloß immer noch her?«, rief Saerin wütend. »Haben sie nicht bereits genug Löcher geschlagen?«

»Das war nicht auf den Turm gezielt, Saerin Sedai!«, meldete einer der Soldaten an den Türen zum Garten.

Er hat recht, erkannte Saerin. Der Turm hat nicht gebebt. Davor das Mal auch nicht. »Worauf schießen sie? Auf die Menschen hier unten?«

»Nein, Aes Sedai«, sagte der Mann. »Ich glaube, das war ein Blitz aus dem Inneren des Turms, von einer der oberen Etagen, auf eine der fliegenden Kreaturen gezielt.«

»Nun, dann wehrt sich wenigstens irgendjemand«, sagte Saerin. »Wo kam das her?«

»Ich habe es nicht sehen können«, sagte der Soldat, der noch immer den Himmel beobachtete. »Beim Licht, da ist es wieder! Und schon wieder!« Der Rauch am Himmel reflektierte roten und gelben Lichtschein, der den Garten durch die Türen und Fenster kaum wahrnehmbar kurz erhellte. Raken schrien ihren Schmerz hinaus.