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»Saerin Sedai!«, sagte Hauptmann Chubain und wandte sich von einer Gruppe verwundeter Soldaten ab. Saerin hatte sie gar nicht eintreten sehen; Katerine hatte sie zu sehr abgelenkt. »Diese Männer hier kommen von den oberen Ebenen. Anscheinend gibt es dort einen zweiten Sammelpunkt zur Verteidigung, der sehr erfolgreich ist. Die Seanchaner brechen ihren Angriff unten ab, um sich darauf zu konzentrieren.«

»Wo?«, fragte Saerin begierig. »Wo genau?«

»Im Zweiundzwanzigsten, Aes Sedai. Das nordöstliche Viertel.«

»Was?«, rief Katerine aus. »Das Quartier der Braunen Ajah?«

Nein. Dort hatte es sich früher befunden. Durch die Verschiebung der Burgkorridore handelte es sich bei diesem Teil des Turms nun um … »Das Novizinnenquartier 1«, sagte Saerin. Das erschien noch lächerlicher zu sein. »Wie in aller Welt …« Sie verstummte, und ihre Augen weiteten sich leicht. »Egwene.«

Vor ihrem inneren Auge schien jeder Seanchaner, den sie tötete, Renna zu sein. Egwene stand an einem großen Loch im Turm der Weißen Burg, und als wollte er ihren Zorn unterstreichen, riss der Wind mit lautem Heulen an ihrem weißen Kleid und zerrte an ihrem Haar.

Ihre Wut war nicht außer Kontrolle geraten. Sie war kalt und konzentriert. Die Weiße Burg brannte. Das hatte sie Vorhergesehen, das hatte sie Geträumt, aber die Realität war viel schlimmer, als sie je befürchtet hatte. Hätte sich Elaida auf diesen Angriff vorbereitet, wäre der Schaden bedeutend geringer ausgefallen. Aber es war sinnlos, sich nach dem zu sehnen, was man versäumt hatte.

Stattdessen konzentrierte sie ihren Zorn - den Zorn der Gerechtigkeit, die Wut der Amyrlin. Schoss einen To’raken nach dem anderen aus der Luft. Sie waren bedeutend weniger beweglich als ihre kleinen Cousins. Mittlerweile musste sie ein Dutzend von ihnen getötet haben, und ihre Taten zogen die Aufmerksamkeit der Angreifer auf sich. Unten wurde der Angriff abgebrochen, der Überfall konzentrierte sich auf Egwene. Die Novizinnen kämpften auf den Treppen gegen seanchanische Abteilungen und zwangen sie zurück. To’raken rasten mit schlagenden Flügeln um den Turm herum und versuchten Egwene mit Abschirmungen oder Feuerbällen auszuschalten. Kleinere Raken schossen durch die Luft, Armbrustmänner auf ihren Rücken feuerten ihre Bolzen auf sie ab.

Aber sie war eine Quelle der Macht, gezogen aus den Tiefen des geriffelten Zepters in ihren Händen, gelenkt durch eine Gruppe aus Novizinnen und Aufgenommenen, die sich hinter ihr in einem Zimmer versteckten und mit ihr zu einem Zirkel verbunden waren. Egwene war Teil des Feuers, das die Weiße Burg verbrannte und den Himmel mit seinen Flammen bluten ließ, die Luft mit seinem Qualm beschmutzte. Beinahe schien sie nicht aus Fleisch und Blut zu bestehen, sondern aus reiner Macht, und sie richtete über jene, die es gewagt hatten, den Krieg zur Weißen Burg zu tragen. Blitze zuckten vom Himmel, die Wolken waren in Aufruhr. Feuer schoss aus ihren Händen.

Vielleicht hätte sie fürchten sollen, die Drei Eide zu brechen. Aber das tat sie nicht. Das war ein Kampf, der ausgetragen werden musste, und es verlangte sie auch nicht nach Tod - auch wenn ihr Zorn auf die Sul’dam dem vielleicht sehr nahe kam. Die Soldaten und Damane waren unglückliche Opfer.

Die Weiße Burg, das geheiligte Refugium der Aes Sedai, wurde angegriffen. Sie alle waren in Gefahr, eine Gefahr schlimmer als der Tod. Diese silbernen Kragen waren viel schlimmer. Egwene verteidigte sich und jede Frau in der Burg.

Sie würde den Rückzug der Seanchaner erzwingen.

Eine Abschirmung nach der anderen versuchte Egwene von der Quelle zu trennen, aber sie waren wie Kinderhände, die den tobenden Strom eines Wasserfalls aufhalten wollten. Bei so viel Macht hätte sie nur ein vollständiger Zirkel aufhalten können, und die Seanchaner benutzten keine Zirkel; das verhinderten die Adam.

Die Angreifer bereiteten Gewebe vor, um sie zu töten, aber jedes Mal schlug Egwene zuerst zu, wehrte die Feuerkugeln entweder durch einen Luftstoß ab oder tötete einfach den To’raken, der die Frauen trug, die sie töten wollten.

Ein paar der Bestien waren bereits mit Gefangenen in der Nacht verschwunden. Egwene hatte jede vom Himmel geholt, die sie hatte erwischen können, aber an diesem Überfall hatten so viele To’raken teilgenommen. Einige würden entkommen. Schwestern würden in Gefangenschaft geraten.

In ihren beiden Händen formten sich Feuerbälle, die eine weitere angreifende Bestie vom Himmel fegte. Ja, einige würden entkommen. Aber sie würden teuer dafür bezahlen. Das war ein weiteres Ziel. Sie musste dafür sorgen, dass sie die Burg nie wieder angreifen würden.

Dieser Überfall musste sie teuer zu stehen kommen.

»Bryne! Über Euch!«

Gareth warf sich zur Seite, rollte sich grunzend ab, weil sich ihm der Harnisch in Seiten und Bauch bohrte, als er auf das Pflaster aufschlug. Etwas Gewaltiges raste genau über ihn durch die Luft, gefolgt von einem donnernden Aufschlag. Er kam auf einem Knie hoch und entdeckte einen brennenden Raken, der sich dort, wo er eben noch gestanden hatte, über den Boden wälzte. Sein Reiter - der bereits durch den Feuerball gestorben war, den seine Kreatur getötet hatte - flog wie eine Stoffpuppe zu Boden. Der qualmende Rafcen-Kadaver prallte gegen die Burgmauer und blieb dort liegen. Der Reiter blieb liegen, wo er gelandet war, und sein Helm schepperte irgendwo in die Dunkelheit hinein. Der Leiche fehlte ein Stiefel.

Bryne kam auf die Beine und zog das Gürtelmesser - sein Schwert hatte er bei seinem Sprung fallen gelassen. Er fuhr herum, suchte nach Gefahren. Davon gab es genug. Große und kleine Raken schossen aus dem Himmel herab, obwohl die meisten von ihnen auf den oberen Teil des Turms konzentriert waren. Die Grünflächen vor der Weißen Burg waren mit Trümmern und Leichen übersät, die alle schrecklich verkrümmt aussahen. Brynes Männer kämpften gegen eine Abteilung seanchanischer Soldaten; die Invasoren mit den Insekten nachgeahmten Rüstungen waren vor wenigen Augenblicken aus der Burg gestürmt. Liefen die Seanchaner vor etwas weg, oder suchten sie bloß nach einem Kampf? Es waren mindestens dreißig Mann.

Oder waren die Soldaten auf diesen Hof gekommen, um wieder eingesammelt zu werden? Nun, auf jeden Fall waren sie auf die unerwartete Streitmacht aus Brynes Männer gestoßen. Unter ihnen befanden sich keine Machtlenker, wofür man dem Licht danken musste.

Brynes Männer hätten bei ihrer Übermacht von zwei zu eins leichtes Spiel haben müssen. Unglücklicherweise schleuderten einige der größeren Raken am Himmel Steine und Feuerbälle auf die Männer im Hof. Und die Seanchaner kämpften gut. Sogar sehr gut.

Bryne rief seinen Männern zu, die Stellung zu halten, und sah sich nach seinem Schwert um. Gawyn - der eben die Warnung gerufen hatte - stand in der Nähe und duellierte sich mit zwei Seanchanern gleichzeitig. Hatte der Junge keinen Verstand? Gawyns Streitmacht hatte die Überhand. Er hätte einen Schwertgefährten an der Seite haben müssen. Er …

Mit einer anmutigen Bewegung tötete Gawyn beide Seanchaner. War das Lotus schließt seine Blüte gewesen? Noch nie zuvor hatte Bryne diese Figur so effektiv gegen zwei Männer gleichzeitig ausgeführt gesehen. Gawyn wischte seine Waffe als Teil der traditionellen letzten Bewegung ab, dann schob er sie in die Scheide, trat Brynes Schwert vom Boden in die Luft und fing es auf. Auf alles gefasst hielt er es. Brynes Reihe hielt trotz der Angriffe von oben stand. Gawyn nickte Bryne zu und winkte ihn mit dem Schwert heran.

Stahl traf auf Stahl und hallte laut über den Hof, Schatten wurden über das versengte Gras geworfen, angestrahlt von den Flammen in der Höhe. Bryne nahm sein Schwert entgegen, und Gawyn zog wieder die eigene Klinge. »Seht«, sagte er und zeigte mit dem Schwert nach oben.