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»Die Leute scheinen überrascht zu sein«, sagte Rand, ohne es eigentlich zu wollen.

»Ihr wart eine Weile weg.« Bashere strich sich nachdenklich den Schnurrbart. »Zweifellos schwirrten die Gerüchte schneller als jeder Pfeil, und viele Wirte haben Geschichten von Eurem Tod oder Verschwinden genährt, um die Gäste zur nächsten Runde zu ermuntern.«

»Beim Licht! Ich scheine die Hälfte meines Lebens damit verbringen zu müssen, irgendwelche Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Wann hört das endlich auf?«

Bashere lachte. »Sollte es Euch einmal gelingen, Gerüchte zu verhindern, dann steige ich vom Pferd und reite auf einer Ziege! Ha! Und ich werde Angehöriger des Meervolks.«

Rand verstummte. Noch immer strömte sein Gefolge durch die Wegetore. Als die Saldaeaner Tear betraten, hielten sie fast alle die Lanzen gerader und ließen die Pferde tänzeln. Die Aes Sedai würden sich nicht dabei erwischen lassen, sich übertrieben stolz zu gebärden, aber ihre alterslosen Gesichter betrachteten die Menschenmenge auf eine besonders gütige Weise. Und die Schritte der Aiel waren etwas weniger misstrauisch und ihre Mienen nicht ganz so angespannt wie sonst, der Jubel schien ihnen angenehmer zu sein als die stumm anklagenden Blicke der Domani.

Bashere und Rand traten zur Seite, und Min schloss sich ihnen schweigend an. Sie wirkte abgelenkt. Nynaeve und Cadsuane hatten sich nicht im Herrenhaus befunden, als Rand seine Abreise verkündete. Was führten sie wohl im Schilde? Er bezweifelte, dass sie zusammen unterwegs waren; diese Frauen ertrugen ja kaum, gemeinsam in einem Zimmer sein zu müssen. Aber wie dem auch sei, sie würden davon erfahren, dass er weitergezogen war, und sie würden ihn finden. Von diesem Augenblick an würde er leicht zu finden sein. Kein Versteckspiel mehr in Häusern im Wald. Keine Reisen ohne Gefolge mehr. Nicht, wo Lan und seine Malkieri zum Tarwin-Pass ritten. Dafür hatte er einfach keine Zeit mehr.

Bashere betrachtete die offenen Wegetore, durch die lautlos die Aiel kamen. Diese Art der Reise wurde ihnen zusehends vertrauter.

»Werdet Ihr es Ituralde sagen?«, fragte Bashere schließlich. »Euer Rückzug?«

»Er wird davon erfahren«, sagte Rand. »Seine Boten hatten den Befehl, die Berichte nach Bandar Eban zu bringen. Sie werden bald entdeckt haben, dass ich nicht mehr dort bin.«

»Und wenn er die Grenzlande verlässt, um seinen Krieg gegen die Seanchaner fortzuführen?«

»Dann wird er die Seanchaner langsamer machen«, meinte Rand. »Und sie davon abhalten, mir in die Fersen zu beißen. So wird er auch von Nutzen sein.«

Bashere sah ihn nur an.

»Was erwartet Ihr denn von mir, Bashere?«, fragte Rand leise. Dieser Blick war eine Herausforderung, wenn auch eine subtile, aber er würde nicht darauf reagieren. Sein Zorn blieb zu Eis erstarrt.

Bashere seufzte. »Ich weiß es nicht«, sagte er dann. »Das Ganze ist ein schreckliches Durcheinander, und ich sehe auch keinen Ausweg. Mit den Seanchanern im Rücken in den Krieg ziehen … eine schlechtere Ausgangsposition kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.«

»Ich weiß«, erwiderte Rand und ließ den Blick über die Stadt schweifen. »Wenn das hier alles vorbei ist, wird Tear ihnen gehören, vielleicht auch Illian. Soll man mich doch zu Asche verbrennen, wir dürften Glück haben, wenn sie nicht alles bis nach Andor erobern, solange wir ihnen den Rücken zuwenden.«

»Aber …«

»Wir müssen davon ausgehen, dass Ituralde seinen Posten aufgibt, sobald er von meinem Scheitern hört. Das bedeutet, dass unser nächster Zug nur das Heer der Grenzländer sein kann. Welche Beschwerden Eure Landsmänner auch immer an mich haben, wir müssen sie schnell regeln. Ich habe nur wenig Geduld für Männer, die ihre Pflichten im Stich lassen.«

Haben wir das getan?, fragte Lews Therin. Wen haben wir im Stich gelassen?

Ruhe!, knurrte Rand. Kümmere dich um deine Tränen und lass mich in Ruhe, du verrückter Spinner!

Bashere lehnte sich nachdenklich auf seinem Sattel zurück. Falls er der Meinung war, dass Rand die Domani im Stich ließ, sagte er es nicht. Schließlich schüttelte er den Kopf. »Ich vermag nicht zu sagen, was Tenobia eigentlich will. Vielleicht ist sie einfach nur wütend, dass ich mich Euch angeschlossen habe; aber es könnte sich auch um etwas ausgesprochen Schwieriges handeln, zum Beispiel um die Forderung, dass Ihr Euch dem Willen der Grenzländer-Monarchen unterwerft. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was sie und die anderen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt von der Großen Fäule wegbringt. «

»Das werden wir bald herausfinden«, sagte Rand. »Ich will, dass Ihr ein paar Asha’man nehmt und in Erfahrung bringt, wo Tenobia und die anderen lagern. Vielleicht entdecken wir ja, dass sie diese Narrenparade endlich aufgegeben haben und wieder auf dem Weg dorthin sind, wo sie hingehören.«

»Also gut«, sagte Bashere. »Wartet, bis ich meine Männer untergebracht habe, dann reise ich ab.«

Rand nickte knapp, dann wendete er sein Pferd und setzte sich wieder in Bewegung. Die Menschen, die zu beiden Seiten der Straße aufgereiht waren, jubelten ihm zu. Bei seinem letzten Besuch in Tear hatte er sich verkleidet, was auch immer ihm das genutzt hatte, jeder, der die Zeichen zu lesen verstand, würde gewusst haben, dass er in der Stadt war. Ungewöhnliche Ereignisse - sich verknotende Fahnen, Männer, die von Dächern stürzten und ohne eine Schramme landeten - waren erst der Anfang. Sein Einfluss als Ta’veren schien mächtiger zu werden und ständig größer werdende Verzerrungen zu verursachen. Und gefährlichere.

Während seines letzten Besuchs war Tear von Rebellen belagert gewesen, aber die Stadt selbst hatte nicht darunter gelitten. Tear war viel zu sehr mit seinem Handel beschäftigt, um sich von etwas so Simplen wie einer Belagerung stören zu lassen. Die meisten Menschen hatten einfach mit ihrem Tagewerk weitergemacht und die Rebellen kaum zur Kenntnis genommen. Adlige konnten ihre Spielchen spielen, solange sie ehrlichen Leuten damit nicht in die Quere kamen.

Außerdem hatte ohnehin jedermann gewusst, dass der Stein die Stellung halten würde, so wie eigentlich immer. Das Schnelle Reisen hatte ihn ja möglicherweise überflüssig gemacht, aber für Invasoren ohne Zugang zu der Einen Macht war der Stein buchstäblich uneinnehmbar. Für sich allein genommen war er massiver als so manche Stadt - ein gewaltiges Areal aus Mauern, Türmen und Befestigungen ohne eine einzige Fuge im Mauerwerk. Er enthielt Schmieden, Lagerhäuser, Tausende Verteidiger und sein eigenes befestigtes Dock.

Und nichts davon würde gegen ein Heer von Seanchanern mit ihren Damane und Raken von Nutzen sein.

Die Menschenmengen säumten die Straße zur Schwelle des Steins, dem großen offenen Platz, der den Stein auf drei Seiten umgab. Das ist ein Schlachtfeld, sagte Lews Therin.

Hier bejubelte eine andere Menge Rand. Die Tore des Steins standen geöffnet, und ein Begrüßungskomitee erwartete ihn. Darlin, einst ein Hochlord und jetzt der König von Tear, saß auf einem Schimmel. Der Tairener war mindestens einen Kopf kleiner als Rand und hatte einen kurzen schwarzen Bart und kurz geschnittenes Haar. Seine große Nase verhinderte, dass man ihn als hübsch bezeichnen konnte, aber Rand hatte festgestellt, dass er einen scharfen Verstand und viel Sinn für Ehre hatte. Schließlich war Darlin von Anfang an gegen Rand gewesen, statt sich jenen anzuschließen, die ihn nicht schnell genug hatten anbeten können. Ein Mann, dessen Gefolgschaft schwer zu gewinnen war, war oft jemand, dessen Gefolgschaft man sich auch dann sicher sein konnte, wenn man ihn aus den Augen ließ.

Darlin verneigte sich vor Rand. Neben dem König saß Dobraine auf einem braunen Wallach; der Cairhiener trug einen blauen Mantel und weiße Hosen. Seine Miene war ausdruckslos, obwohl Rand vermutete, dass er noch immer eingeschnappt war, weil er Arad Doman so überstürzt hatte verlassen müssen.