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Aber jetzt fand er einfach nicht mehr die richtigen Worte. Natürlich sorgte er sich wegen dem, was ihr in ihrer Gefangenschaft möglicherweise zugestoßen war, aber es störte ihn nicht. Sicher, es machte ihn wütend, aber davon war ja nichts ihre Schuld. Um zu Überleben, tat man eben das, was man tun musste. Er respektierte sie für ihre Stärke.

Beim Licht!, dachte er. Ich denke ja schon wieder nach. Ich muss weiterarbeiten. »Der Nächste!«, brüllte er und bückte sich, um mit der Wageninspektion weiterzumachen.

»Hätte ich nur Euer Gesicht gesehen, mein Junge«, sagte eine fröhliche Stimme, »hätte ich angenommen, dass wir diese Schlacht verloren haben!«

Perrin drehte sich überrascht um. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass sich Tam al'Thor zu jenen gesellt hatte, die mit ihm sprechen wollten. Die Menge war kleiner geworden, aber es waren immer noch ein paar Boten und Gefolgsleute da. Der stämmige Schafhirte stand ganz hinten und stützte sich auf seinen langen Stab, während er wartete. Sein Haar war völlig grau geworden. Perrin konnte sich an eine Zeit erinnern, da war es noch schwarz gewesen. Damals, als er noch ein Junge gewesen war, bevor er Hammer oder Schmiedeofen kennengelernt hatte.

Unwillkürlich griff er nach dem Hammer an seiner Seite. Er hatte ihn einer Axt vorgezogen. Es war die richtige Entscheidung gewesen, trotzdem hatte er bei der Schlacht um Malden die Kontrolle über sich verloren. War es das, was ihm so zu schaffen machte?

Oder wie sehr er doch das Töten genossen hatte?

»Was braucht Ihr, Tam?«

»Ich will nur Bericht erstatten, mein Lord«, sagte Tam. »Die Männer von den Zwei Flüssen sind marschbereit, jeder Mann trägt zwei Zelte, nur für den Fall. Wegen der Spaltwurzel konnten wir kein Wasser aus der Stadt nehmen, also schickte ich einige Jungs zum Aquädukt, um dort ein paar Fässer zu füllen. Wir könnten einen Wagen brauchen, um sie zu holen.«

»Selbstverständlich.« Perrin lächelte. Endlich tat einmal jemand das, was getan werden musste, ohne vorher fragen zu müssen! »Richtet den Männern von den Zwei Flüssen aus, dass ich sie so schnell wie möglich wieder nach Hause schicken möchte. In dem Augenblick, in dem Grady und Neald wieder stark genug sind, um ein Wegetor zu erschaffen. Das könnte allerdings noch eine Weile dauern.«

»Das wissen sie zu schätzen, mein Lord«, sagte Tam. Es kam einem so merkwürdig vor, wenn er einen Titel benutzte. »Aber könnte ich Euch kurz unter vier Augen sprechen?«

Perrin nickte. Lyncon kam - sein Humpeln war unverkennbar -, um sich um den Wagen zu kümmern. Perrin entfernte sich zusammen mit Tam von der wartenden Gruppe, begab sich in den Schatten von Maldens Stadtmauer. Auf dem Fundament der massiven Steinblöcke wucherte grünes Moos; es war irgendwie seltsam, dass das Moos viel heller als das zertrampelte, schlammige Unkraut unter ihren Füßen war. In diesem Frühling schien nur Moos grün zu sein.

»Was ist denn, Tam?«, wollte Perrin wissen, sobald sie weit genug weg waren.

Tam rieb sich übers Gesicht; dort wuchsen graue Stoppeln. Die letzten paar Tage hatte Perrin seine Männer hart angetrieben, und es war keine Zeit zum Rasieren gewesen. Tam trug einen schlichten blauen Wollmantel, und der dicke Stoff war vermutlich ein willkommener Schutz gegen die Bergluft.

»Perrin, die Jungs sind nachdenklich geworden«, sagte Tam nun etwas weniger förmlich, wo sie allein waren. »Hast du das ernst gemeint, dass du Manetheren aufgeben willst?«

»Aye«, antwortete Perrin. »Dieses Banner hat nichts als Ärger gebracht. Die Seanchaner und alle anderen können das gern wissen. Ich bin kein König.«

»Du hast eine Königin, die dir als Lehnsherr die Treue geschworen hat.«

Er dachte über Tams Worte nach, suchte nach der besten Erwiderung. Früher hatte diese Art von Benehmen die Leute glauben lassen, dass er geistig nicht besonders rege war. Jetzt glaubten sie, dass ihn seine Nachdenklichkeit scharfsinnig und einfallsreich machte. Was für ein Unterschied doch ein paar hübsche Worte vor dem Namen machten!

»Ich finde, du hast das richtig gemacht«, sagte Tam überraschenderweise. »Die Zwei Flüsse Manetheren zu nennen hätte nicht nur die Seanchaner zum Feind gemacht, sondern auch die Königin von Andor aufgebracht. Es würde unterstellen, dass du mehr als nur die Zwei Flüsse halten willst, dass du vielleicht das ganze Land erobern willst, das einst Manetheren umfasste.«

Perrin schüttelte den Kopf. »Ich will gar nichts erobern, Tam. Beim Licht! Nicht einmal das will ich behalten, was ich angeblich beherrsche. Je eher Elayne ihren Thron besteigt und den Zwei Flüssen einen vernünftigen Herrn schickt, umso besser. Wir können mit diesem ganzen Lord Perrin-Gerede aufhören und zur Normalität zurückkehren.«

»Und Königin Alliandre?«

»Sie kann den Schwur dann Elayne leisten«, sagte er stur. »Oder direkt Rand. Ihm scheint es zu gefallen, Königreiche einzusammeln. Wie ein Kind, das eine Partie Häuser spielt.«

Tam roch besorgt. Perrin schaute zur Seite. Alles hätte einfacher sein sollen. Warum nur war es das nicht? »Was?«

»Ich hätte gedacht, du hast es überwunden.«

»Nichts hat sich verändert seit den Tagen, in denen Faile entführt wurde«, sagte Perrin. »Und das Wolfskopfbanner gefällt mir immer noch nicht. Vielleicht ist es Zeit, auch das einzuholen.«

»Perrin, mein Junge, die Männer glauben an dieses Banner«, sagte Tam leise. Er hatte diese zurückhaltende Art an sich, aber sie ließ einen zuhören, wenn er sprach. Natürlich sagte er für gewöhnlich vernünftige Dinge. »Ich habe dich zur Seite genommen, weil ich dich warnen möchte. Wenn du den Jungs die Rückkehr zu den Zwei Flüssen ermöglichst, dann werden einige die Gelegenheit auch nutzen. Aber nicht viele. Man erzählt sich, die meisten hätten geschworen, dir zum Shayol Ghul zu folgen. Sie wissen, dass die Letzte Schlacht naht - wer könnte das nicht wissen, bei all den Vorzeichen in letzter Zeit? Sie werden nicht zulassen, dass man sie zurücklässt.« Er zögerte. »Und ich auch nicht.« Er roch nach Entschlossenheit.

»Wir werden sehen«, murmelte Perrin stirnrunzelnd. »Wir werden sehen.«

Er schickte Tam mit dem Befehl los, einen Wagen für die Wasserfässer zu requirieren. Die Soldaten würden auf ihn hören; Tam war Perrins Erster Hauptmann, auch wenn Perrin das verdreht erschien. Er wusste nicht viel über die Vergangenheit des Mannes, aber Tam hatte vor langer Zeit im Aiel-Krieg gekämpft, er hatte schon ein Schwert gehalten, bevor Perrin geboren worden war. Und jetzt befolgte der Mann seine Befehle.

Das taten sie alle. Und sie wollten es auch weiterhin tun! Hatten sie denn nichts gelernt? Perrin lehnte sich gegen die Mauer, ging nicht zu den anderen zurück, blieb im Schatten.

Jetzt, da er so darüber nachdachte, wurde ihm bewusst, dass das eines der Dinge war, die ihn störten. Nicht alles davon, aber ein Teil dessen, was ihm Sorgen bereitete. Selbst jetzt noch, nachdem Faile wieder da war.

In letzter Zeit war er kein guter Anführer gewesen. Natürlich war er noch nie ein Bilderbuchanführer gewesen, nicht einmal, als Faile ihn geleitet hatte. Aber während ihrer Abwesenheit war er schlechter geworden. Viel schlechter. Er hatte Rands Befehle ignoriert, hatte alles ignoriert, nur um sie zurückzubekommen.

Aber was konnte man von einem Mann denn anderes erwarten? Seine Ehefrau war entführt worden!

Er hatte sie gerettet. Aber dabei hatte er alles andere im Stich gelassen. Und seinetwegen waren Männer gestorben. Gute Männer. Männer, die ihm vertraut hatten.

Dort im Schatten erinnerte er sich an einen Augenblick - der erst einen Tag in der Vergangenheit lag -, an dem ein Verbündeter den Pfeilen der Aiel zum Opfer gefallen war, dessen Herz Masema vergiftet hatte. Aram war ein Freund gewesen, ein Freund, den er in seinem Bemühen, Faile zu retten, ignoriert hatte. Aram hatte Besseres verdient.