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Darum steht sein Sieg auch fest. Ich glaube, es wird in diesem Zeitalter geschehen, aber wenn nicht, dann eben in einem anderen. Solltest du siegen, führt das nur zur nächsten Schlacht. Sollte er siegen, wird alles enden. Begreifst du nicht, dass es für dich keine Hoffnung gibt?«

»Hast du dich darum auf seine Seite geschlagen?«, fragte Rand. »Du warst immer so nachdenklich, Elan. Deine Logik hat dich vernichtet, oder?«

»Es führt kein Weg zum Sieg«, sagte Moridin. »Es gibt nur den Weg, dem Großen Herrn zu folgen und eine Weile zu herrschen, bevor alle Dinge enden. Die anderen sind Narren. Sie warten auf die große Belohnung in der Ewigkeit, aber es wird keine Ewigkeit geben. Nur das Jetzt, die letzten Tage.«

Er lachte wieder, und dieses Mal lag Freude darin. Echtes Vergnügen.

Rand stand auf. Moridin betrachtete ihn misstrauisch, blieb aber sitzen.

»Es gibt eine Möglichkeit, wie man siegen kann, Moridin«, sagte Rand. »Ich will ihn töten. Den Dunklen König vernichten. Soll sich das Rad ohne seinen alles beschmutzenden Makel drehen.«

Moridin reagierte nicht. Er starrte noch immer ins Feuer. »Wir sind miteinander verbunden«, sagte er dann. »Darum bist du auch hergekommen, vermute ich, auch wenn ich unseren Bund nicht begreife. Ich bezweifle, dass du wirklich ermessen kannst, wie unendlich dumm deine Aussage gerade war.«

Rand fühlte Zorn in sich aufsteigen, aber er zwang ihn nieder. Er würde sich nicht herausfordern lassen. »Wir werden ja sehen.«

Er griff nach der Einen Macht. Sie war weit weg. Rand fasste zu und fühlte, wie er fortgerissen wurde, wie mit einem Seil aus Saidin. Der Raum verschwand, und mit ihm die Eine Macht, während Rand eine tiefe Dunkelheit betrat.

Rand hörte endlich auf, sich im Schlaf umherzuwerfen, und Min hielt die Luft an, hoffte, dass er nicht wieder von vorn anfing. Sie saß mit untergeschlagenen Beinen und in eine Decke gehüllt auf dem Sessel in der Zimmerecke und las. Auf dem kleinen Tisch neben ihr flackerte eine kleine Lampe und beleuchtete den Stapel aus moderigen Büchern. Fallender Schiefer, Zeichen und Anmerkungen, Monumente der Vergangenheit. Hauptsächlich historische Abhandlungen.

Rand seufzte leise, bewegte sich aber nicht. Min stieß die Luft aus und machte es sich wieder auf dem Sessel bequem; ihr Finger markierte den letzten Satz, den sie in der Ausgabe von Pelateos' Grübeleien gelesen hatte. Obwohl die Schlagläden zur Nacht geschlossen waren, konnte sie den Wind hören, der durch die Kiefern strich. Der Raum roch schwach nach dem seltsamen Feuer. Aviendhas schnelle Reaktion hatte eine mögliche Katastrophe zu einer bloßen Unbequemlichkeit gemacht. Nicht, dass man sie dafür belohnen würde. Die Weisen Frauen ließen sie noch immer so hart arbeiten wie das letzte Maultier eines Kaufmanns.

Min hatte nicht nahe genug an sie herankommen können, um mit ihr zu sprechen, und das trotz der Tatsache, dass sie nun schon eine Weile im selben Lager lebten. Sie wusste nicht, was sie von ihr halten sollte. An diesem Abend, an dem sie Oosquai geteilt hatten, waren sie sich etwas nähergekommen. Aber ein Tag begründete noch keine Freundschaft, und das Teilen bereitete ihr definitiv Unbehagen.

Min schaute wieder zu Rand, der mit geschlossenen Augen auf dem Rücken lag und nun ruhig atmete. Sein linker Arm lag auf der Decke, und der Stumpf war entblößt. Sie wusste nicht, wie er es mit den Wunden in seiner Seite überhaupt schaffte, Schlaf zu finden. In dem Moment, in dem sie an sie dachte, spürte sie auch schon die Schmerzen - auch die gehörten zu Rands Gefühlen, die wie ein zerknülltes Bündel in ihrem Hinterkopf präsent waren. Sie hatte gelernt, den Schmerz zu ignorieren. Sie hatte keine Alternative gehabt. Für ihn musste das viel schlimmer sein. Sie hatte keine Ahnung, wie er das nur ertrug.

Sie war keine Aes Sedai - dem Licht sei Dank! -, aber irgendwie war sie mit ihm den Bund eingegangen. Es war erstaunlich; sie wusste immer, wo er war, wusste, wenn er verzweifelt war. Meistens konnte sie verhindern, dass sie seine Gefühle überwältigten, außer in den Momenten ihrer Leidenschaft. Aber welche Frau wollte in solchen Augenblicken nicht überwältigt sein? Mit dem Bund war das eine besonders ... beschwingende Erfahrung, die sie sowohl ihr eigenes Verlangen wie auch den lodernden Feuersturm spüren ließ, der Rands Verlangen nach ihr war.

Der Gedanke ließ sie erröten, und sie schlug wieder Grübeleien auf, um sich abzulenken. Rand brauchte seinen Schlaf, und sie würde dafür sorgen, dass er ihn auch bekam. Außerdem musste sie die Bücher durcharbeiten, auch wenn sie mit Schlüssen konfrontiert wurde, die ihr nicht gefielen.

Diese Bücher hatten Herid Fel gehört, dem freundlichen alten Gelehrten, der sich Rands Schule in Cairhien angeschlossen hatte. Min lächelte, als sie sich an Fels gedankenverlorene Weise zu sprechen erinnerte, und seine verwirrenden - und dennoch manchmal brillanten - Entdeckungen.

Herid Fel war tot, ermordet, von Schattengezücht in Stücke gerissen. Er hatte etwas in diesen Büchern entdeckt, etwas, das er Rand unbedingt hatte mitteilen wollen. Etwas über die Letzte Schlacht und die Siegel am Gefängnis des Dunklen Königs. Fel war getötet worden, bevor er die Informationen hatte weitergeben können. Vielleicht war das nur ein Zufall gewesen, vielleicht hatten die Bücher nichts mit seinem Tod zu tun. Vielleicht aber doch. Min war entschlossen, die Antwort zu finden. Für Rand und für Herid.

Sie legte Grübeleien zur Seite und nahm Überlegungen in den Ruinen, ein über tausend Jahre altes Werk. Eine Stelle hatte sie mit einem kleinen Zettel markiert, der mittlerweile abgenutzten Notiz, die Herid Rand kurz vor seiner Ermordung geschickt hatte. Sie drehte sie um, las sie erneut.

Glaube und Ordnung verleihen Kraft. Müsst den Schutt beseitigen, bevor Ihr bauen könnt. Werde es bei unserer nächsten Begegnung erklären. Bringt Mädchen nicht mit. Zu hübsch!

Nach der Lektüre seiner Bücher glaubte sie, seine Gedanken nachvollziehen zu können. Rand hatte nach Hinweisen gesucht, wie man das Gefängnis des Dunklen Königs versiegeln konnte. Konnte Fel das entdeckt haben, was sie glaubte gefunden zu haben?

Sie schüttelte den Kopf. Wieso versuchte ausgerechnet sie, ein Gelehrtenrätsel zu lösen? Aber wer sonst? Eine der Braunen Ajah wäre vermutlich besser geeignet gewesen, aber konnte man ihnen vertrauen? Selbst jene, die sich ihm verschworen hatten, kamen vielleicht zu dem Schluss, dass es in Rands bestem Interesse lag, ihm Geheimnisse vorzuenthalten. Rand selbst war viel zu beschäftigt, außerdem war er in der letzten Zeit viel zu ungeduldig für Bücher. Damit blieb nur sie übrig. Sie fing an, einiges von dem zusammenzusetzen, was er tun musste, aber vieles war noch immer unbekannt. Sie hatte das Gefühl, sich dem Ergebnis zu nähern, aber der Gedanke, ihre Entdeckungen Rand zu enthüllen, bereitete ihr Sorgen. Wie würde er reagieren?

Sie seufzte, blätterte in dem Buch herum. Nie hätte sie gedacht, sich jemals für einen Mann zum Narren zu machen, ausgerechnet sie. Und doch war sie hier, folgte ihm, wo auch immer er hinging, stellte seine Bedürfnisse über die ihren. Das bedeutete nicht, dass sie seine Gespielin war, ganz egal, was manche der Leute im Lager auch sagen mochten. Sie folgte Rand, weil sie ihn liebte, und sie fühlte - und das wortwörtlich -, dass er diese Liebe erwiderte. Trotz der Härte, die ihn Stück für Stück verschlang, trotz des Zorns und der Aussichtslosigkeit seines Lebens liebte er sie. Also tat sie, was in ihrer Macht stand, um ihm zu helfen.

Wenn sie dabei helfen konnte, dieses eine Rätsel zu lösen, das Rätsel, wie man den Kerker des Dunklen Königs versiegelte, konnte sie nicht nur etwas für Rand gewinnen, sondern für die ganze Welt. Was spielte es da schon für eine Rolle, wenn die Soldaten im Lager ihren Wert nicht erkannten? Vermutlich war es sogar besser, wenn sie jeder für austauschbar hielt. Jeder Attentäter, der Rand töten wollte, sollte denken, dass er sie ignorieren konnte. Der Möchtegern-Mörder würde schnell die in ihren Ärmeln verborgenen Messer entdecken. Sie war nicht so gut damit wie Thom Merrilin, aber sie verstand genug davon, um zu töten.