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Die Arbeit war eine Ablenkung gewesen, was gut war. Aber Perrin wusste, dass er seine Probleme nicht lange zur Seite schieben konnte. Rand lockte ihn nach Norden. Er musste zur Letzten Schlacht marschieren. Alles andere war unwichtig.

Andererseits war es genau diese Zielstrebigkeit, die alles außer seinem Ziel ignorierte, die während seiner Jagd nach Faile zu einer Quelle ständigen Ärgers geworden war. Irgendwie musste er ein Gleichgewicht finden. Er musste sich entscheiden, ob er diese Menschen führen wollte, musste mit dem Wolf in sich Frieden schließen, der Bestie, die wütete, wenn er in die Schlacht zog.

Aber bevor er auch nur irgendetwas davon in Angriff nehmen konnte, musste er diese Flüchtlinge nach Hause schaffen. Und das erwies sich als Problem. »Ihr konntet Euch doch jetzt ausruhen, Grady«, sagte er.

»Die Erschöpfung ist nur ein Teil davon, mein Lord«, erwiderte Grady. »Obwohl ich mich ehrlich gesagt immer noch so fühle, als könnte ich eine Woche lang schlafen.«

Er sah müde aus. Grady war ein robuster Mann mit dem Gesicht eines Bauern und dem dazu passenden Temperament. Dieser Mann würde seine Pflicht erfüllen, da hatte Perrin nicht die geringsten Zweifel; tatsächlich vertraute er ihm da mehr als den meisten Adeligen, die er kennengelernt hatte. Aber auch Grady konnte nur bis zu einem gewissen Punkt angetrieben werden. Was stellte das mit einem Mann an, so oft die Macht lenken zu müssen? Grady hatte tiefe Tränensäcke unter den Augen, und trotz seiner Bräune war er blass. Obwohl er doch ein junger Mann war, zeigte sich bereits das erste Grau in seinem Haar.

Beim Licht, ich habe diesen Mann zu sehr beansprucht, dachte Perrin. Ihn und Neald. Eine weitere Auswirkung seiner Verbissenheit, wie ihm nun klar wurde. Was er Aram angetan hatte, wie er allen in seiner Umgebung erlaubt hatte, ohne Führung zu handeln ... Ich muss das in Ordnung bringen. Ich muss eine Möglichkeit finden, das alles zu regeln.

Gelang ihm das nicht, würde er es möglicherweise gar nicht bis zur Letzten Schlacht schaffen.

»Es ist Folgendes, mein Lord.« Grady rieb sich wieder das Kinn und betrachtete das Lager. Die verschiedenen Kontingente - Mayener, Alliandres Wache, die Männer von den Zwei Flüssen, die Aiel, die Flüchtlinge aus den verschiedenen Städten - kampierten alle separat, in ihren eigenen Kreisen. »Das sind einige tausend Menschen, die in ihre Heimat gebracht werden müssen. Jedenfalls die, die gehen wollen. Viele sagen, dass sie sich hier bei Euch sicherer fühlen.«

»Den Wunsch können sie sich sparen. Sie gehören zu ihren Familien.«

»Und was ist mit denen, deren Familien in den von den Seanchanern besetzten Ländern leben?« Grady zuckte mit den Schultern. »Vor dem Einzug der Invasoren wären viele dieser Leute gern zurückgekehrt. Aber jetzt ... nun, man redet darüber, dort zu bleiben, wo es Essen und Schutz gibt.«

»Wir können noch immer die wegschicken, die gehen wollen. Wir kommen schneller ohne sie voran.«

Grady schüttelte den Kopf. »Darum geht es ja, mein Lord. Euer Mann Balwer hat uns die Zahlen gegeben. Ich kann ein Wegetor erschaffen, das breit genug für zwei Männer ist, die gleichzeitig hindurchschreiten. Wenn man davon ausgeht, dass sie dafür eine Sekunde brauchen ... Nun, es würde Stunden dauern, sie alle hindurchzuschicken. Ich kenne die Zahl nicht, aber er hat behauptet, dass es die Arbeit von Tagen wäre. Und er meinte, seine Schätzungen wären vermutlich zu optimistisch. Mein Lord, ich könnte ein Wegetor kaum eine Stunde geöffnet halten, so erschöpft bin ich.«

Perrin unterdrückte ein Knurren. Er würde sich Balwers Zahlen selbst ansehen müssen, aber er hatte das beunruhigende Gefühl, dass der Mann recht haben würde.

»Dann marschieren wir weiter«, sagte er. »Nach Norden. Und jeden Tag lassen wir Euch und Neald Wegetore machen und ein paar der Leute nach Hause schaffen. Aber erschöpft euch nicht dabei.«

Grady nickte; seine Augen lagen vor Müdigkeit tief in ihren Höhlen. Vielleicht würde es besser sein, noch ein paar Tage zu warten, bevor man damit anfing. Perrin nickte dem Mann zu, und er begab sich im Laufschritt zurück ins Lager. Perrin blieb oben auf dem Hügel stehen und inspizierte die verschiedenen Teile des Lagers, in denen sich die Leute auf das Abendessen vorbereiteten. Die Wagen standen in der Lagermitte, beladen mit Lebensmitteln, die, wie er fürchtete, aufgebraucht sein würden, bevor sie Andor erreichten. Oder sollte er einen Bogen nach Cairhien machen? Dort hatte er Rand das letzte Mal gesehen, obwohl seine Visionen von dem Mann den Eindruck erweckten, dass er sich in keinem der beiden Länder aufhielt. Er bezweifelte, dass ihn die Königin von Andor mit offenen Armen willkommen heißen würde, nicht nach den Gerüchten über ihn und dieses verdammte Banner mit dem Roten Adler.

Für den Augenblick stellte er dieses Problem erst einmal zurück. Das Lager schien zur Ruhe zu kommen. Jeder Zeltkreis schickte Abgesandte zur zentralen Essensausgabe, um die Abendrationen abzuholen. Jede Gruppe war selbst für ihre Mahlzeiten verantwortlich; Perrin kontrollierte lediglich die Ausgabe. Er konnte den Quartiermeister ausmachen - einen Cairhiener namens Bavin Rockshaw -, der auf der Ladefläche eines Wagens stand und sich nacheinander um jeden Abgesandten kümmerte.

Zufrieden mit seiner Inspektion ging Perrin hinunter und passierte auf seinem Weg zu seinem eigenen Zelt, das bei den Männern von den Zwei Flüssen errichtet war, die Zelte der Cairhiener.

Mittlerweile hatte er seine erweiterten Sinne akzeptiert. Sie waren zusammen mit der Gelbfärbung seiner Augen gekommen. Die meisten Menschen in seiner Umgebung schienen sie nicht mehr zu bemerken, aber jede Begegnung mit Fremden erinnerte ihn nachdrücklich an den Unterschied. Viele der cairhienischen Flüchtlinge hielten zum Beispiel in ihrer Arbeit inne. Sie beobachteten sein Vorbeigehen und flüsterten: »Goldauge.«

Er hielt nicht viel von diesem Namen. Aybara war der Name seiner Familie, und er trug ihn mit Stolz. Er gehörte zu den wenigen, die ihn weitergeben konnten. Dafür hatten die Trollocs gesorgt.

Einer Gruppe von Flüchtlingen in der Nähe warf er einen Blick zu, und sie machten hastig damit weiter, Zeltpflöcke in den Boden zu hämmern. Dann passierte er zwei Männer von den Zwei Flüssen. Tod al'Caar und Jori Congar. Sie erblickten ihn und salutierten, hämmerten die Fäuste in Herzhöhe gegen die Brust. Für sie war Perrin Goldauge keine Person, die sie fürchten mussten, sondern eine, die es zu respektieren galt. Auch wenn sie noch immer über die Nacht tuschelten, die er in Berelains Zelt verbracht hatte. Er wünschte sich, dem Schatten dieses Vorfalls endlich entkommen zu können. Die Männer waren noch immer beschwingt von ihrem Sieg über die Shaido, aber es war noch nicht lange her, dass er das Gefühl gehabt hatte, nicht bei ihnen willkommen zu sein.

Aber für den Augenblick schienen zumindest diese beiden diese unerfreuliche Zeit hinter sich gelassen zu haben. Stattdessen salutierten sie. Hatten sie denn vergessen, dass sie zusammen mit ihm aufgewachsen waren? Wie war das damals noch gewesen, als sich Jori über seine langsame Sprechweise lustig gemacht hatte, oder die vielen Male, wo er bei der Schmiede stehen geblieben war, um mit den Mädchen anzugeben, denen er einen Kuss hatte stehlen können?

Perrin erwiderte das Nicken schlicht. Sinnlos, die Vergangenheit hervorzuzerren, nicht, wenn ihre Treue zu »Perrin Goldauge« geholfen hatte, Faile zu retten. Als er sie allerdings hinter sich zurückließ, hörten seine viel zu scharfen Ohren, wie sie über die nur wenige Tage zurückliegende Schlacht plauderten und was sie darin getan hatten. Einer von ihnen roch noch immer nach Blut; er hatte seine Stiefel nicht gereinigt. Vermutlich hatte er den blutigen Schlamm nicht einmal bemerkt.