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Im Augenblick glauben sie, sie wären vor uns sicher. Jetzt zuzuschlagen könnte einen großen Einfluss auf die Zukunft haben. Jede Marath'damane, die wir an die Leine legen, ist nicht nur ein zusätzliches mächtiges Werkzeug für unsere Streitkräfte, sondern auch eines, das dem Feind fehlt. Erste Berichte behaupten, dass sich an diesem Ort namens Weiße Burg viele hunderte Marath'damane versammeln.«

So viele?, dachte Tuon. Eine solche Streitmacht konnte den Kriegsverlauf völlig umkehren. Sicher, die Marath'damane in Matrims Begleitung hatten behauptet, an keinen Kriegen teilzunehmen. Tatsächlich hatten sich Marath'damane, die einst Aes Sedai gewesen waren, bis jetzt als Waffen nutzlos erwiesen. Aber konnte es nicht vielleicht irgendeine Möglichkeit geben, ihre angeblichen Eide zu verdrehen? Eine zufällige Bemerkung Matrims hatte sie auf die Idee gebracht, dass es möglich war. Ihre Finger bewegten sich schnell.

»Die Tochter der Neun Monde fragt sich, wie ein Schlag gegen sie möglich sein sollte«, sagte Selucia als Stimme. »Die Entfernung ist groß. Hunderte von Meilen.«

»Wir würden eine Streitmacht nehmen, die sich größtenteils aus To'raken zusammensetzt«, erklärte General Yulan. »Mit ein paar Raken als Späher. Die von uns erbeuteten Karten zeigen große Grasebenen, die nur dünn besiedelt sind, die man unterwegs als Rastpunkte benutzen könnte. Wir könnten Murandy hier durchqueren ...« - er zeigte auf eine zweite Karte, die seine Helfer hochhielten - »... und Tar Valon vom Süden aus angreifen. Falls es der Höchsten Tochter gefällt, könnten wir in der Nacht angreifen, wenn die Marath'damane schlafen. Unser Ziel wäre es dann, so viele von ihnen wie möglich gefangen zu nehmen.«

»Es stellt sich die Frage, ob man es wirklich schaffen könnte«, übermittelte Selucia. Tuon war fasziniert. »Von welcher Größenordnung sprechen wir, um diesen Vorstoß durchführen zu können?«

»Wenn wir es richtig machen wollen? Ich glaube, ich könnte zwischen achtzig und hundert To'raken für den Angriff zusammenziehen.«

Achtzig bis hundert To'raken. Also ungefähr dreihundert Soldaten und ihre Ausrüstung, was den nötigen Platz ließ, gefangene Marath'damane zurückzubringen. Dreihundert würden eine beträchtliche Streitmacht für einen solchen Vorstoß sein, aber sie würden sich schnell und ohne große Lasten bewegen müssen, um nicht gefangen genommen zu werden.

»Falls es die Höchste Tochter erlaubt«, sagte General Galgan und trat wieder vor. »Ich glaube, General Yulans Plan ist von großem Nutzen. Sicherlich birgt er das Risiko für große Verluste, aber eine solche Gelegenheit bietet sich uns nie wieder. Sollten diese Marath'damane in den Konflikt eingreifen, könnten sie uns ausschalten. Und könnten wir den Zugang zu ihrer Waffe erlangen, oder sogar ihrer Fähigkeit, große Distanzen zurückzulegen ... Nun, ich glaube, der mögliche Erfolg rechtfertigt das Risiko, jeden To'raken in unserer Armee einzusetzen.«

»Falls es die Höchste Tochter erlaubt«, fuhr General Yulan fort, »unser Plan verlangt nach zwanzig Abteilungen der Faust des Himmels - insgesamt zweihundert Soldaten -, und fünfzig gekoppelte Sul'dam. Wir glauben, dass vielleicht auch eine kleine Gruppe Blutmesser angebracht wäre.«

Blutmesser, die Elite der Faust des Himmels, selbst eine exklusive Gruppe. Yulan und Galgan hatten sich diesem Einsatz verschrieben! Man verpflichtete keine Blutmesser, wenn man es nicht sehr ernst meinte, niemals, denn sie kehrten nicht von ihrer Mission zurück. Ihre Pflicht bestand darin zurückzubleiben, nachdem sich die Fäuste zurückzogen, und dem Feind so viel Schaden wie nur vorstellbar zuzufügen. Wenn sie einige von ihnen nach Tar Valon bringen konnten, mit dem Befehl, so viele Marath'damane wie möglich zu töten ...

»Der Wiedergeborene Drache wird über diesen Stoßtrupp nicht erfreut sein. Ist er nicht mit diesen Marath'damane verbunden?«

»Einige Berichte besagen das«, entgegnete Galgan. »Andere behaupten, er ist gegen sie. Wiederum andere sagen, sie sind seine Marionetten. Unsere mangelhaften nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet senken meinen Blick, Höchste Tochter. Es war mir nicht möglich, die Wahrheit von den Lügen zu trennen. Bis wir bessere Informationen haben, müssen wir das Schlimmste annehmen, dass dieses Unternehmen ihn sehr erzürnen wird.«

»Und Ihr haltet es trotzdem für lohnenswert?«

»Ja«, sagte Galgan, ohne zu zögern. »Sollten diese Marath'damane mit dem Wiedergeborenen Drachen verbunden sein, dann haben wir einen noch wichtigeren Grund, um jetzt zuzuschlagen, bevor er sie gegen uns einsetzen kann. Vielleicht wird ihn dieses Unternehmen erzürnen - aber es wird ihn auch schwächen, was Eure Verhandlungsposition stärkt.«

Tuon nickte nachdenklich. Zweifellos war das die schwierige Entscheidung, die das Omen gemeint hatte. Aber ihre Wahl schien sehr offensichtlich. Eigentlich war es gar keine schwierige Entscheidung. Alle Marath'damane in Tar Valon mussten an die Leine gelegt werden, und es war eine ausgezeichnete Möglichkeit, mit einem mächtigen Schlag den Widerstand gegen das Immer Siegreiche Heer zu schwächen.

Aber das Omen hatte von einer schwierigen Entscheidung gesprochen. Sie gestikulierte Selucia. »Gibt es in diesem Raum jemanden, der gegen diesen Plan ist?«, fragte die Stimme. »Hat jemand einen Einwand gegen das, was General Yulan und seine Männer vorschlagen?«

Das anwesende Blut sah einander an. Beslan hätte vielleicht etwas zu sagen gehabt, aber er schwieg. Die Altaraner hatten keine großen Einwände gehabt, dass man ihre Marath'damane an die Leine legte; anscheinend hatten sie kein großes Vertrauen zu jenen, die die Macht lenken konnten. Sie waren nicht so vernünftig wie in Amadicia gewesen, wo man diese Aes Sedai zu Gesetzlosen erklärt hatte, aber sie hießen sie auch nicht willkommen. Beslan würde keine Einwände gegen einen Schlag gegen die Weiße Burg haben.

Tuon lehnte sich zurück und wartete ... Worauf eigentlich? Vielleicht war das ja doch nicht die Entscheidung, die das Omen gemeint hatte. Sie wollte gerade das Unternehmen genehmigen, als das plötzliche Öffnen der Türen sie innehalten ließ.

Die Totenwächter an der Tür traten einen Moment später zur Seite und ließen einen So'jhin ein, der im Korridor diente. Der muskulöse Mann hieß Ma'combe und warf sich zu Boden, der schwarze Zopf über seiner rechten Schulter fiel auf den Fliesenboden. »Wenn es der Tochter der Neun Monde gefällt, Generalleutnant Tylee Khirgan erbittet eine Audienz.«

Galgan sah überrascht aus.

»Was ist?«, fragte Tuon.

»Ich habe nicht gewusst, dass sie zurückgekehrt ist, Höchste Tochter. Ich schlage demütig vor, dass sie sprechen darf. Sie gehört zu meinen besten Offizieren.«

»Sie darf eintreten«, übermittelte Selucia als Stimme.

Ein männlicher Da'covale in einem weißen Gewand trat ein und führte eine Frau in Rüstung herein, die den Helm unter den Arm geklemmt hielt. Sie war groß und schlank, hatte dunkle Haut und kurzes schwarzes Haar, das sie als Locken trug. An den Schläfen war es weiß durchsetzt. Die sich überlappenden Platten der Rüstung waren mit roten, gelben und blauen Streifen versehen; sie quietschte bei jedem Schritt. Die Frau gehörte nur dem Niederen Blut an - und das auch erst seit kurzem, aufgrund von General Galgans Befehl -, aber man hatte sie darüber mit einem Raken in Kenntnis gesetzt. Sie hatte das Haar an den Kopfseiten kaum einen Fingerbreit rasiert.