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Er fragte sich, warum der Albtraum nicht bereits die ganze Welt unterjocht hatte. Sein Gebieter hatte Ysera in seiner Gewalt, worauf wartete er? Hielt ihn irgendetwas davon ab?

Wenn es so etwas gibt, dann werde ich es nicht finden, indem ich hier herumstehe!, ermahnte er sich ärgerlich selbst. Auf jede Frage gibt es eine Antwort...

Ohne zu zögern verwandelte sich der Erzdruide in eine Sturmkrähe. Malfurion stieg von der Mondlichtung auf. Seine Flügel schlugen kräftig, als er immer höher und höher flog...

In den Wolken verweilte er einen Moment. Seine scharfen Augen nahmen den Anblick unter ihm auf. Es entlockte ihm einen Schrei. Vielleicht hatte er Unrecht gehabt. Vielleicht war seine Hoffnung auf den Sieg auch nur ein letzter Albtraum, den ihm sein Feind geschickt hatte, um ihn zu verhöhnen.

Der Nebel bedeckte nicht nur die Mondlichtung. Er bedeckte auch das Land dahinter und jenseits davon.

Eigentlich... bedeckte er ganz Azeroth, so weit Malfurion blicken konnte.

„Malfurion!“, rief Tyrande. Sie blickte zu Broll. „Was ist mit ihm geschehen?“

„Er muss sich selbst zurück in seinen Körper gezaubert haben! Er soll in Ord...“

Der grüne Drache musste plötzlich abdrehen, weil ohne Vorwarnung der Nebel um sie herum aufstieg.

Eine schreckliche geflügelte Gestalt materialisierte darin.

Der Albtraum will diese Sterblichen haben... besonders die Nachtelfe...“, säuselte der verderbte Drache Smariss. Sein verwester und verfaulender Körper verpestete die Luft. „Kommt, akzeptiert das Unausweichliche... Azeroth und der Albtraum sind nun eins...“

„Du wirst sie nicht kriegen!“, entgegnete der grüne Drache. Er stieß seinen Atem aus, der Feuer glich.

Aber es war ein Feuer, das eher geisterhaft denn real wirkte.

Doch als es Smariss traf, heulte der korrumpierte Drache vor Schmerz auf, und sein Körper glitzerte, als wäre er plötzlich von Millionen Glühwürmchen überzogen.

Yseras Diener wartete nicht ab. Er umkreiste den sich wehrenden Feind.

Doch ein wütendes Brüllen deutete darauf hin, dass Smariss die Schmerzen bereits abgeschüttelt hatte. Einen Augenblick später schoss der korrumpierte Drache auf sie zu.

„Sie fliegt zu schnell, und ich kämpfe gegen unsichtbare Kräfte, die mich verlangsamen!“, sagte der grüne Drache zu seinen Schützlingen. „Es gibt nur noch eine Sache, die ich tun kann!“

Die Magie, die die Sterblichen umgab, leuchtete so hell, dass vor allem die Nachtelfen die Augen abschirmen mussten.

„Findet euren Malfurion Sturmgrimm!“, rief ihnen ihr Retter zu. „Meine Herrin würde nicht lügen!“

Und mit diesen Worten zauberte er sie fort.

Der Zauber schützte sie vor weiteren Angriffen. Broll erkannte vor allen anderen, was der grüne Drache vorhatte.

„Das Portal! Er schickt uns da durch...“

Bevor er den Satz beenden konnte, flogen sie hindurch.

Die Magie löste sich in dem Augenblick auf, da sie zurück in Azeroth waren. Doch der grüne Drache hatte dafür gesorgt, dass sie sich bei der Landung nicht verletzten.

Sie verließen das Portal nur wenige Zentimeter vom Boden entfernt, und als der Zauber schwand, plumpsten sie einfach zu Boden.

Alle außer Lucan sprangen sofort auf. Als Broll sich dem Portal näherte, froren die darin wohnenden Energien förmlich ein.

„Das ist nicht möglich...“, murmelte er. Der Druide lief auf das Portal zu und streckte eine Hand durch die magische Lücke.

Es war, als hätte er eine eiserne Tür getroffen. Broll verzog das Gesicht angesichts des heftigen Schmerzes, den ihm sein Ungestüm eingebracht hatte.

Die Hohepriesterin trat zu ihm. „Können wir nicht durch?“

„Nein... Entweder hat der grüne Drache es hinter uns versiegelt... oder etwas anderes tat dies, sodass er uns nicht folgen konnte...“

Tyrande schüttelte den Kopf. „Der grüne Drache hat uns auf seine Kosten in Sicherheit gebracht... und das alles für Malfurion!“

Der Druide blickte über die Schulter. „Es stellt sich die Frage, ob wir überhaupt in Sicherheit sind...“

Sie wandten sich zu Thura um. Die Orckriegerin hielt Brox’ Axt bereits in den Händen. Sie beäugte die anderen vorsichtig.

„Wo ist er? Wo ist Malfurion Sturmgrimm?“, verlangte sie zu wissen.

Tyrande trat auf die kräftige, grünhäutige Kriegerin zu. Als sie sich näherte, leuchteten die Hände der Hohepriesterin im Licht von Elune. „Er ist außerhalb Eurer Reichweite, Attentäterin!“

Thura blickte sie an... und zu jedermanns Überraschung senkte die Orckriegerin die Waffe. Sie wirkte extrem müde.

„Er hat mich verführt, ihn zu jagen... er hat mich ausgetrickst. Warum wollte er sterben?“

Die Nachtelfen blickten einander an. „Er hat den Tod nicht gesucht“, sagte Tyrande. „Eure Axt war nötig, um den Zauber zu brechen, glaube ich...“

Die Orcfrau fiel in sich zusammen. „Also... war meine ganze Suche nur eine Täuschung... Ich bin ein Nichts.“

„Entschuldigt“, unterbrach Lucan. Die anderen blickten ihn an. „Sollte der da mit uns durchs Portal zurückkommen?“

Die anderen blickten in die Richtung, in die Lucan wies. Broll erkannte die Gestalt als Erster.

„Knorre!“, rief er freudig. „Du...“

„Haltet Euch von ihm fern!“ Tyrande riss Broll zurück.

Das Urtum des Krieges stieß ein scheußliches Lachen aus. Als es näher kam, konnte man seinen von Pilzen bedeckten Kopf erkennen. Seine Blätter waren mit Fäule überzogen, und die Augen leuchteten schwarz. „Er will, dass du zurückkehrst...“, krächzte es. Seine Augen waren auf Tyrande gerichtet.

„Bleibt zurück!“ Trotz ihrer Erschöpfung fokussierte sich die Hohepriesterin. Doch ihre Konzentration reichte nicht aus, um das Licht zu beschwören.

Knorres großer Arm schlug nach ihnen. Broll stieß die anderen zur Seite und wurde von dem Schlag gestreift. Die Wucht des Treffers reichte immer noch aus, um ihn in die Knie zu zwingen.

Das Urtum griff nach dem gefallenen Nachtelfen. Tyrande trat vor Broll, ihr Gesichtsausdruck war grimmig. „Es tut mir leid, Knorre...“

Das Licht von Elune traf das korrumpierte Urtum frontal. Knorre taumelte zurück... und richtete sich dann auf.

„Dieses Mal ist er zu stark für dich“, spottete Knorre. „Azeroth gehört ihm schließlich...“

Während er sprach, verdichtete sich der Nebel. Die vier drängten sich enger aneinander. Knorre stieß ein hässliches Lachen aus.

Broll blinzelte. Er stand mitten in einem anderen Gefecht, und in seiner Hand befand sich ein vertrautes Objekt. Das Götzenbild des Remulos. Der Druide schüttelte den Kopf. Das ist wieder ein Traum! Das ist wieder ein Trick!

Doch seine Umgebung änderte sich nicht. Außerdem erklang eine Stimme in seiner Nähe, die ihn um Hilfe anrief. Obwohl er es besser wusste, blickte der ehemalige Gladiator dorthin...

Tyrande kniete neben einem Steinhügel. Sie weinte, doch es dauerte einen Moment, um zu begreifen, warum.

Malfurion lag dort begraben.

Er war tot, obwohl sich die Hohepriesterin nicht an den Grund seines Todes erinnern konnte. Sie wusste nur, dass sie sich nach ihm sehnte. Sie sehnte sich nach einem gemeinsamen Leben, das ihnen beiden stets verwehrt geblieben war.

„Nein!“, schrie Tyrande wütend und erhob sich gleichzeitig. „Ich lasse mich nicht betrügen! Wir lassen uns nicht betrügen!“

Sie blickte zum Himmel, wo der Mond voll und hell stand. Die Hohepriesterin hob die Hände zum Mond empor, zu Elune.

„Gewährt mir einen Wunsch! Erfüllt mich mit Eurem Licht, wie Ihr es noch nie zuvor getan habt...“

Tyrande wusste, dass ihre Hoffnung falsch war – eigentlich war an der gesamten Situation etwas falsch -, doch eine schreckliche Entschlossenheit erfüllte sie. Sie würde Malfurion zurückbekommen! Sie würde es!

Das Licht von Mutter Mond strahlte aus ihr heraus. Sie vollführte einige Gesten in Richtung des Steinhaufens. Das silberne Licht umflutete ihn.